Penny Dreadful 2x03

Penny Dreadful 2x03

The Nightcomers ist eine Soloepisode für die großartige Eva Green als Vanessa Ives. Sie bekommt die ebenso fantastische Patti LuPone zur Seite gestellt - zusammen ergeben sie eine wahre Schauspiel-Urgewalt. Die hervorragende Dialogarbeit trägt ihren Teil zum Gelingen bei.

Ein wunderbares Team: Eva Green und Patti LuPone / (c) Showtime
Ein wunderbares Team: Eva Green und Patti LuPone / (c) Showtime
© (c) Showtime

Wann immer man die Möglichkeit hat, zwei Schauspielerinnen wie Eva Green und Patti LuPone aufeinander loszulassen, sollte man diese Gelegenheit beim Schopfe packen. Genau das hat sich wohl auch Showrunner John Logan gedacht, als er die Konzeption dieser neuen Episode von Penny Dreadful vornahm. Da ist es denn auch standesgemäß, dass in The Nightcomers außer der Vorgeschichte von Vanessa Ives (Green) keine weiteren Geschichten erzählt werden.

I see your pain, girl

Die Episode liefert uns Hintergrundinformationen, deren Mehrwert bisher noch nicht absehbar ist, die aber möglicherweise im Laufe der zweiten Staffel eine wichtige Rolle spielen werden. Weil Ethan Chandler (Josh Hartnett) sie fragt, was der mit Blut gemalte Skorpion auf dem Fußboden ihres Zimmers zu bedeuten hat, bekommen wir eine episodenlange Rückblende zur Beantwortung dieser und anderer Fragen. Auf der Suche nach ihrem wahren Ich, nach der Herkunft ihrer Besessenheit, ist Vanessa einst zur Cut-Wife of Ballantry Moore gereist.

Die heißt so, weil sie den in Schwierigkeiten geratenen Mädchen aus der Umgebung zu einer nicht ganz kostenlosen Abtreibung verhilft. Eigentlich heißt sie aber Joan Clayton (LuPone) und ist eine sehr alte Hexe, die seit 1644 auf diesem „pile of dung“ wohnt, seit ihr das Land vom berühmten Feldherrn und Staatsmann Oliver Cromwell auf Lebzeiten vermacht wurde. Früher war sie Teil eines Hexenzirkels namens „The Daywalkers“, zu dem auch ihre Hexenschwester Evelyn Poole (Helen McCrory) gehörte. Dieser habe sich aber dazu entschieden, zur dunklen Seite der Macht (No offence, George Lucas!) überzutreten.

Seitdem seien diese Hexen als ebenjene „Nightcomers“ bekannt, die auch in dieser Episode wieder versuchen, Vanessa an den Kragen zu gehen. Sie steht jedoch unter dem Schutz von Joan, die sie erst in der bitterkalten Unwirtlichkeit warten lässt, bevor sie anhand eines Tests ihre große Begabung feststellt. Der nächste Schritt für Evelyn ist nun also, sich ihrer verhassten Schwester zu entledigen. Hierzu bedient sie sich den berechenbaren Ressentiments des Pöbels, der natürlich nur eine Schuldige für das plötzlich eintretende massenhafte Kuhsterben kennt.

Bis es jedoch soweit ist, muss Evelyn ordentlich nachhelfen. Es reicht zunächst nicht, nur die Kühe mit ihrem tödlichen Ring wie nasse Säcke zusammenfallen zu lassen (ein gruseliges Bild!), sie muss auch den Landbesitzer, ihren Liebhaber Sir Geoffrey Hawkes (Ronan Vibert), davon überzeugen, die Schuldfrage für das Viehsterben in die richtige Richtung zu lenken. Hier weiß sie jedoch genau, was sie zu tun hat: Einmal das Domina-Kostüm übergestreift, zerfließt Sir Geoffrey in ihrer Hand wie Butter in einer heißen Pfanne.

A dark lover arriving, bringing terror

Nach anfänglichen Kennlernschwierigkeiten erklärt sich Joan indes bereit, Vanessa unter ihre Fittiche zu nehmen. Die beiden flanieren durch den Wald, während Joan das Hirn ihrer potentiellen Nachfolgerin (die davon noch nichts weiß) mit Wissenswertem aus den Feldern Botanik, Mystik, Geschichte und schließlich auch Kulinarik (Rest in Peace, süßes Häschen!) füllt. Vor allem lehrt sie ihrer Schülerin aber die Sprache des Teufels, Verbis Diablo, und sämtliche Vorsichtsmaßnahmen, die bei der Ausübung dieser syntaktischen Wunderwaffe zu beachten sind.

All diese Szenen lesen sich vielleicht nicht furchtbar spektakulär - vom narrativen Aufbau her sind sie das auch nicht. Das Triumvirat aus Green, LuPone und Drehbuchautor Logan rahmt diese Handlungsabschnitte aber gekonnt mit unendlich unterhaltsamen Dialogzeilen, die dem dramaturgisch recht angestaubten Verhältnis Lehrer-Schüler nicht unbedingt einen neuen Anstrich geben, dieses aber leuchtend hell gestalten. Dazwischen kommt es immer wieder zu Szenen, die uns mitleidlos daran erinnern, dass Penny Dreadful eine Horrorserie ist.

Schließlich sind auch die vielen Tage von Joan gezählt - und das gleich in zweifacher Hinsicht. Beide Todesurteile nimmt sie mit würdevoll erhobenem Haupt und ohne Gegenwehr hin. Zuvor vermacht sie Vanessa ein Zauberbuch und bittet sie darum, ihre Nachfolgerin zu werden. Vanessa lehnt das zunächst ab und bevor sich die beiden einig werden können, klopft auch schon der Pöbel an die Hexentür. Im Halbschatten beobachtet Evelyn Poole, wie ihre Erzfeindin erst geteert und dann bei lebendigem Leib verbrannt wird. Nach diesen turbulenten Ereignissen verlässt Vanessa diesen trüben Flecken Erde, markiert das Haus aber zuvor noch mit dem Skorpion-Symbol, wodurch es nur für sie und andere echte Menschenwesen zu betreten ist - Hexen müssen draußen bleiben.

Wie bereits erwähnt, erfindet diese Episode Geschichten solcher Art nicht neu. Man braucht schon ein sehr ausgefeiltes Drehbuch und außerordentlich begabte Schauspielerinnen, will man daraus trotzdem einen sehenswerten Ausflug in die Vergangenheit machen. Dem dafür verantwortlichen Trio gelingt das hier sehr gut, was keine große Überraschung ist, gehören alle drei doch zu den Besten ihres Fachs.

Scream for me. Come on, child

Wir wissen nun mehr über die Vorgeschichte von Vanessa Ives und ihrer Mentorin, doch einen echten Beweggrund für den unbändigen Hass, den Evelyn Poole gegenüber Vanessa hegt, haben wir auch hier nicht bekommen. Ja, sie erhält ihre Aufträge vom Master, dem Teufel höchstpersönlich, der Vanessa als sein wichtigstes Opfer auserkoren hat. Warum der Master aber so sehr nach dem Blut oder gar der Leiche Vanessas giert, wissen wir nicht. Hinreichend und gleichzeitig wunderbar poetisch ist hingegen die Erklärung für die Hinwendung der ehemaligen Daywalker zur dunkelsten aller Mächte: „What does everyone seek? Power, youth, beauty, love.

Schön sind auch die zarten feministischen Untertöne, die in The Nightcomers mitschwingen. Die Geschichte wird hier nahezu ausschließlich von weiblichen Figuren getragen, die Männer dienen nur als stumpfe Erfüllungsgehilfen. Joan Clayton hilft jungen Mädchen, einen Fehler auszumerzen, ihre sexuelle Freiheit aufrechtzuhalten - und das in einer Zeit, in der es noch lange keine effektiven Verhütungsmittel gab. Sie hilft diesen Mädchen und wird deswegen wie eine Aussätzige behandelt, am Ende gar verbrannt. Zuvor wundert sie sich noch darüber: „Old as I am I know nothing: Why they hate what is not them. Why they fear what they don't know. Why they hate themselves most of all.

Angesichts ihres bevorstehenden Todes bleibt ihr nur eine letzte Warnung an Vanessa, die sie sogar aus ihrem Grab noch zu wiederholen scheint: „When Lucifer fell, he did not fall alone. They will hunt you until the end of days.“ Wenn das mal keine ereignisreichen Auseinandersetzungen für die kommenden Episoden verspricht! Diese hier diente als Aufklärung über die Vergangenheit und als Kammerspiel für zwei großartige Schauspielerinnen. Ich wünsche mir, LuPone könnte irgendwie doch wieder auftauchen. In dieser Welt darf schließlich nichts ausgeschlossen werden - auch keine wundersame Hexenwiederauferstehung.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 19. Mai 2015
Episode
Staffel 2, Episode 3
(Penny Dreadful 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Die Nachtwandler
Titel der Episode im Original
The Nightcomers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 17. Mai 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. Mai 2015
Regisseur
Brian Kirk

Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 2x03

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