Ozark 1x01

Ozark 1x01

Eine neue Woche, ein neues unterdurchschnittliches Netflix-Drama. Dieses Mal versucht sich Jason Bateman als Hauptdarsteller und Regisseur von Ozark. Darin spielt er einen Finanzplaner und Familienvater, der wegen seiner Verwicklung in kriminelle Geschäfte die Flucht antreten muss.

Mit Drogengangster Del (Esai Morales, r.) hat sich Marty Byrde (Jason Bateman) ein dickes Problem eingefangen. / (c) Netflix
Mit Drogengangster Del (Esai Morales, r.) hat sich Marty Byrde (Jason Bateman) ein dickes Problem eingefangen. / (c) Netflix
© it Drogengangster Del (Esai Morales, r.) hat sich Marty Byrde (Jason Bateman) ein dickes Problem eingefangen. / (c) Netflix

Können wir uns alle darauf einigen, dass das Antihelden-Genre tot ist, mindestens aber eine längere Pause nötig hat? Don Draper, Walter White und Tony Soprano waren die Anführer der besten Dramaserien aller Zeiten. Sie haben unzählige Nachmacher hervorgebracht, die natürlich alle nicht an ihre Brillanz heranreichten. Deshalb wäre es längst an der Zeit, dieser speziellen Art des Serienmachens eine Auszeit aufzuerlegen - und sie erst wieder zurückkommen zu lassen, wenn eine brillante Idee vorhanden ist.

A tragically subdued life

Die neue Netflix-Serie Ozark hat die in ihrer Pilotepisode jedenfalls noch nicht. Vielleicht kommt sie ja noch im Laufe der ersten Staffel, aber das darf angesichts des bereits Gesehenen stark angezweifelt werden. Das hier ist allerhöchstens Mittelmaß, und da ist es auch egal, ob irgendjemand behauptet, dass man sämtliche zehn Episoden gesehen haben muss, um es wirklich bewerten zu können. Nein, es genügt eine. Dialog, visuelle Umsetzung, Story, Schauspiel: Nichts davon überschreitet die Grenze der Durchschnittlichkeit.

Obwohl das Format von Bill Dubuque und Mark Williams ersonnen wurde, darf es als Baby von Hauptdarsteller, Executive Producer und Regisseur Jason Bateman bezeichnet werden. Er spielt den Finanzplaner Marty Byrde, der sich gezwungen sieht, mit seiner gesamten Familie von Chicago in die Ozarks umzuziehen, um sich vor der Rache des Gangsters Del (Esai Morales) zu schützen. Der eigentliche Umzug geschieht erst am Ende der beinahe einstündigen Pilotepisode - alles, was davor passiert, ist bis auf wenige Ausnahmen vergessenswert.

Das liegt vor allem daran, dass man es schon viel zu oft - und besser - anderswo gesehen hat. Del ist wahnsinnig brutal, tötet wahllos ehemalige Geschäftspartner und deren Freundinnen, weil die ihn betrogen haben. Er schmückt das mit endlos erscheinenden Parabeln aus, die keine richtige Pointe zeitigen, weshalb man froh ist, wenn er seinen Sermon endlich beendet hat. Neben diesem größten seiner Probleme, muss Marty außerdem damit zurechtkommen, dass er von seiner Ehefrau Wendy (die begabte Laura Linney) betrogen wird. Dafür ist aber gerade wenig Zeit, denn es droht ja der gewaltsame Tod.

Ein Teil der Episode beschäftigt sich damit, wie Marty in kürzester Zeit einen Millionenbetrag in bar auftreiben kann, um die Schulden seiner Geschäftspartner, nun allesamt ermordet, zu begleichen. Dies und viele andere Handlungspunkte - zum Beispiel die Affäre seiner Ehefrau - verstärken den Eindruck, dass hier der erste Akt eines Dramas, die Exposition, auf eine gesamte Episode ausgebreitet wurde. Bei einer guten Serie hätte das ungefähr zehn Minuten gedauert. In Rezensionen amerikanischer Kollegen liest man derweil, dass die eigentliche Geschichte selbst in der zweiten Episode noch nicht beginnt.

Pathological liars on the path of least resistance

Bei all dieser verschwendeten Spielzeit verwundert es, dass manche Handlungssprünge nicht nachvollziehbar ausgebreitet werden. Marty bekommt ein Video von seiner Ehefrau beim Sex, wobei unklar bleibt, von wem er das erhält. Später gibt ihm ein Freund einen Tipp, wo sich Wendy gerade aufhalten könnte, nämlich bei ihrem Liebhaber. Als Marty sie dort konfrontieren will, landet plötzlich die Leiche des Lovers vor seinen Füßen. Del war schneller als er und hat sie aus dem x-ten Stock eines Hochhauses geworfen. Aber warum? Weil er so brutal ist, darum.

Und warum widmet sich Del überhaupt Wendy? Um sicherzugehen, dass Marty ihn nicht hintergeht? Hat dazu nicht etwa die Erschießungsorgie genügt, bei der nicht nur Martys bester Freund vor dessen Augen, sondern auch zwei seiner Geschäftspartner kaltblütig niedergemetzelt wurden? Offenbar nicht. Dels Vorgehensweise ist auch im Folgenden nicht ganz durchsichtig. Die bereits reingewaschenen acht Millionen Dollar gibt er Marty noch einmal mit, damit der sie in den Ozarks abermals waschen kann. Warum? Als Test wofür? Warum lässt er ihn nicht einfach dreckiges Geld waschen?

Die gesamte dramaturgische Konstruktion der Serie steht auf äußerst wackligen Beinen. Und auch, wenn es in den kommenden Episoden flotter zugehen sollte, zeigt doch schon die Pilotepisode, dass hier grundlegende Elemente fehlen, um aus einem durchschnittlichen Format ein irgendwie bemerkenswertes zu machen. Humor sucht man völlig vergebens, die Farbgebung ist einfallslos und öde, Bateman und Linney heillos unterfordert. Am meisten Spaß macht es noch, darüber zu spekulieren, was Comedy-Größe Bateman dazu veranlasst hat, solch ein düsteres Drama machen zu wollen. Vielleicht wollte er ja die Bryan-Cranston-Route gehen. Mit Ozark klappt das wohl nicht.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 21. Juli 2017

Ozark 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Ozark 1x01)
Titel der Episode im Original
Sugarwood
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 21. Juli 2017 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 21. Juli 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 21. Juli 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 21. Juli 2017
Regisseur
Jason Bateman

Schauspieler in der Episode Ozark 1x01

Darsteller
Rolle
Sofia Hublitz
Skylar Gaertner
Julia Garner
Jason Butler Harner
Lisa Emery

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