The Orville 3x04

The Orville 3x04

In der vierten Episode der dritten Staffel von The Orville nimmt nicht nur die Geschichte um die Friedensverhandlungen zwischen Krill und Union eine dramatische Wendung. Die Folge arbeitet zudem die jüngsten US-amerikanischen politischen Ereignisse um die Erstürmung des Kapitols auf besonders eindrückliche Weise auf und setzt sich damit ein Denkmal.

Szenenfoto aus der Folge Gently Falling Rain (3x04) der Serie The Orville (c) Hulu/FOX/Walt Disney
Szenenfoto aus der Folge Gently Falling Rain (3x04) der Serie The Orville (c) Hulu/FOX/Walt Disney
© zenenfoto aus der Folge Gently Falling Rain (3x04) der Serie The Orville (c) Hulu/FOX/Walt Disney

Das passiert

Kanzler Korin der Krill und seine Abgesandten befinden sich in der Serie The Orville auf der Erde, um einen Friedens- und Kooperationsvertrag mit der Planetenunion auszuhandeln. Als die Formalitäten erledigt sind, lädt der Kanzler Präsident Alcuzan zu einem Gegenbesuch nach Dalakos ein. Doch auf Krill haben sich die Vorzeichen verändert, denn Teleya ist zurück und hetzt die Massen so lange auf, bis die Welt vor einem Putsch steht.

Dies und das

Die großartige Michaela McManus ist nach Krill, Ja'loja und Nothing Left on Earth Excepting Fishes bereits das vierte Mal als Teleya zu sehen. Fans kennen sie beispielsweise auch als Alana Hayes aus der Erfolgsserie SEAL Team.

Spruch

Teleya während einer Ansprache: „When you go home to your children will you tell them you chose to destroy our future? Or will you tell them you have reclaimed our dreams and placed your trust in the word of Avis? A word which declares that Krill comes first.

Trumpismus auf Krill

In Gently Falling Rain, geht es um Populismus, die Verbreitung von Fakenews und die Frage, was aus den USA wird, wenn Donald Trump und die Republikaner mit ihrem America-First-Dogma eines Tages erfolgreich sind. Wie schürt man Ängste? Welcher Zünglein an der Waage bedarf es, um die Stimmung in einem Volk zugunsten von offensichtlich lügenden Schreihälsen kippen zu lassen? Warum ist Fremdenfeindlichkeit und die Furcht vor dem Unbekannten so tief ins uns allen verwurzelt, dass wir bereit sind, auch Morde klaglos hinzunehmen, um unsere vorgebliche Identität zu wahren? Und woraus speist sich dieses Ich-Bewusstsein? All diese Fragen geht die Episode mit Bravour an.

Niemand anderes als Teleya, die wir noch bestens als Spionin Lt. Janel Tyler im Gedächtnis haben, wäre prädestinierter, um auf Krill einen offensichtlichen „Trumpismus“ zu propagieren. Gerade sie, die mit Ed Mercer eine romantische Beziehung führte und eigentlich wissen müsste, dass das Fremde nicht per se böse ist, wird zur perfekten Verführerin der Massen. Obwohl sie Gefühle für den Captain hegt, die, wie wir erfahren, nicht ohne Konsequenzen blieben, macht sie sich für eine Politik des Hasses und der Abschottung stark. Und das, obwohl (oder gerade, weil?) aus ihrer „verbotenen“ Liebe zu Ed ein Kind hervorging, das die von ihr hochgehaltene Reinheit des Blutes ad absurdum führt.

Sie gibt dem Mob, was er verlangt, einen Generalschuldigen in Form von Kanzler Korin (klasse gespielt von Matt Gottlieb) nämlich. In einer drastischen Szene stößt sie ihm eigenhändig einen Dolch ins Herz und lässt seinen Körper vom Pöbel schänden. Gleichzeitig jedoch versucht sie, die Leichen in ihrem eigenen Keller zu beseitigen, in dem sie Ed heimlich zur Flucht verhilft. Er wird wiederum in einer smart geschriebenen Szene von mutigen Widerstandskämpfern befreit, die ihm seine Tochter Anaya vorstellen. Sie soll von nun an als Symbol der Hoffnung fungieren.

Das ist brillantes Storytelling, zumal sich Mercer am Ende dagegen entscheidet, sein Kind als Waffe gegen Teleya zu missbrauchen.

Machtbesessen

Teleya versteht es allerdings blendend, mittels gezielter Übertreibungen, Lügen, Versprechungen und Lobeshymnen, große Teile der Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. Zum Erreichen ihrer Ziele verwendet sie dieselben Termini und Dogmen wie der rechtsextreme Flügel der Republikaner oder hierzulande die AfD und die Querdenker. Ihr Volk sei unterdrückt worden, würde seiner Identität beraubt und deshalb zwangsläufig ausgelöscht. Sie, die doch den anderen Spezies der Galaxis weit überlegen sind, haben die Pflicht und das Recht, sich zu erheben. An dieser Stelle zeigt die Episode eindrucksvoll, mit welchen perfiden Mitteln und kruden Verschwörungstheorien intelligente, machtgierige Personen Emotionen schüren und das Schlechteste in uns erwecken. Denn wenn Zehn- oder gar Hunderttausende jubeln und schreien, fühlt es sich dann nicht richtig an, mitzujubeln?

Genauso funktioniert Populismus auf Krill und leider auch in mittlerweile über 50 Prozent aller Nationen auf der Erde, in der Despoten, Nationalisten, Militärs und andere Extreme die Fäden in den Händen halten.

Antworten

Doch Gently Falling Rain geht noch einen Schritt weiter. Seth MacFarlane, Brannon Braga und Andre Bormanis beantworten zumindest partiell die Frage, woraus sich der kollektive Wahn speist, der immer mehr in Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit zu münden scheint. Die Autoren und Regisseur Jon Cassar zeigen in wenigen, aber beeindruckenden Bildern, wie es zu derartigen Irrwegen kommen kann.

Das Leben auf Krill ist nicht gerecht. Mächtig ist, wer reich ist und den Markt beherrscht. Diejenigen, die nicht in eine elitäre Gesellschaft hineingeboren wurden, haben durchaus begründete Existenzängste, weil sie erleben, wie die Armut auf ihrer Welt um sich greift. Das schürt den Egoismus, denn wenn die eigene materielle Versorgung direkt, indirekt oder auch nur scheinbar bedroht ist, gerät die so mühsam erarbeitete heile Welt aus den Fugen.

Es ist kein Zufall, dass Mercer auf seiner von Teleya inszenierten Flucht durch überfüllte Straßen mit ziellos umherirrenden Einwohnern geführt wird. Bettler säumen die Wege und unverblümte Noir-Elemente erschaffen eine Atmosphäre, die durchaus Erinnerungen an „Blade Runner“ wachruft. All dies porträtiert den Look einer Hauptstadt mit einem Januskopf, dessen schöne Seite den Auserwählten vorbehalten bleibt und dessen hässliche Fratze stets nur die Unbeachteten und Machtlosen sehen.

Hier liegt im Übrigen der einzige Kritikpunkt. Der Kontrast zwischen reichem Regierungsviertel, verheißungsvollen Leuchtreklamen und der harten Realität der Straßenbettler hätte gerne deutlicher herausgearbeitet werden können. Lediglich zwei, drei Szenen deuten darauf hin, dass in dem vorgeblichen Marktwirtschaftsparadies Krill eben nicht alles Gold ist, was glänzt. Mehr Mut zur Intensität, wie etwa, als Teleya Korin ermordet und Präsident Alcuzan kaltblütig niedersticht, wäre auch hier angebracht gewesen. Das ist jedoch Meckern auf sehr hohem Niveau und ändert nichts am rundum positiven Bild.

Der Trek-Faktor

Die Ermordung von Kanzler Korin zeigt Parallelen zu jener seines klingonischen Amtskollegen Gorkon aus „Star Trek: The Undiscovered Country“, der ebenfalls einen von extremen Kräften ungewollten Frieden mit seinen ehemaligen Feinden aushandeln wollte.

Fazit

Es scheint beinahe so, als hätte sich Seth MacFarlane bei den Verantwortlichen von 20th Century Television derselben Strategien bedient wie seinerzeit Gene Roddenberry bei NBC. Der Great Bird of the Galaxy versprach der Chefetage damals einen Western-artigen Wagentreck zu den Sternen und MacFarlane eine handfeste Comedy. Heraus kamen hüben wie drüben ernsthafte Science-Fiction-Serien, die die großen Themenfelder ihrer Zeit beackern und vor Philanthropie und philosophischen Denkansätzen nur so strotzen.

Gently Falling Rain ist nicht leicht zu nehmen, auch wenn die Folge höchst unterhaltsam inszeniert ist. Doch sie hält uns den Spiegel vor und lässt uns über uns nachdenken. Wenn Behauptungen ohne Belege zu Fakten werden, während der Fake die Wahrheit dank einer charismatischen Person mit einem populären Narrativ auf den Lippen verdrängt, wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft dann? Das ist die Frage, die die Autoren in aller Deutlichkeit stellen.

Wenn die Krill die Allianz mit der Planetenunion aufkündigen, sehen sich beide Mächte einem Zweifrontenkrieg gegenüber, den niemand gewinnen kann. Wer sich aber für unbesiegbar hält, wird irgendwann eines brutalen und unumkehrbar Besseren belehrt. Teleya kann noch so vehement auf die Stärke ihres Militärs pochen. Auch die Ressourcen von Krill sind nicht unendlich, wie Ed Mercer ihr versucht, klarzumachen. Das alles ist bedrückend und nägelkauend spannend gemacht. Dafür gibt es von uns fünf von fünf Rangpins.

Hier abschließend noch der Trailer zur Folge 3x05, A Tale of Two Topas, der Serie The Orville:

Verfasser: Reinhard Prahl am Montag, 23. Januar 2023

The Orville 3x04 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 4
(The Orville 3x04)
Deutscher Titel der Episode
Sanft fallender Regen
Titel der Episode im Original
Gently Falling Rain
Länge der Episode im Original
1 Stunde 6 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 23. Juni 2022 (Hulu)
Autor
Seth MacFarlane

Schauspieler in der Episode The Orville 3x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?