The Orville 3x01

© Hulu
Das passiert
Die Orville befindet sich zur Generalüberholung im Raumdock über der Erde. Die Crew hat noch immer mit den Nachwirkungen des schrecklichen Kaylon-Angriffs zu kämpfen und lässt die Wut über verlorene Freunde, Familienmitglieder und Kameraden am reaktivierten Isaac aus. Als ihm Dr. Finns Sohn Marcus ins Gesicht sagt, dass er ihm den Tod wünscht, zieht der Kaylon daraus seine ganz eigenen Schlüsse und ergreift eine Maßnahme, mit der niemand gerechnet hätte.
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Dies und das
Die deutsche TV-Premiere der letzten Folge der zweiten Staffel (Primal Urges) datiert auf den 24.06.2019 und ist damit rund zweieinhalb Jahre her.
Spruch
„I am functioning within normal parameters“
Wenn Kinder von Monster träumen
Was für ein starker Beginn für eine Serie, die von vielen Fans nicht ganz zu Unrecht als geistiger Nachfahre von Star Trek: The Next Generation gefeiert wird. Im Gegensatz zu manch anderem Produzenten, Regisseur und Drehbuchautor, der von sich behauptet, „die großen Fragen der Menschheit“ zu diskutieren, tut Seth MacFarlane dies in dieser in allen Belangen wunderbaren Folge tatsächlich.
Schon der erste Akt (von einem Teaser kann man hier wahrlich nicht sprechen), der die traumatischen Ereignisse aus Identity (2) noch einmal auf dramatische Weise und bestens inszeniert aufarbeitet, ist in jeder Hinsicht klasse. Marcus Finns (BJ Tanner) Albtraum ist nicht nur mit Action gespickt, sondern endet mit einem Schockmoment. Der Junge eilt durch die Gänge der Orville, überall um ihn herum herrscht das Chaos und Menschen sterben im Feuerhagel der Kaylon. Als er endlich die Kabine seines Bruders erreicht, betritt Isaac den Raum. Statt die Kinder aber zu retten, verwandelt sich die künstliche Lebensform in ein Monster, klasse.
Elektrische Schafe
Wenn selbst Menschen, die eigentlich tiefe Empfindungen für den Kaylon hegen, nun Angst vor ihm haben, wie soll es da erst den Crew-Mitgliedern ergehen? Bis auf die Wenigen, die eng mit dem Androiden zusammenarbeiten, bleibt er seinen Kameraden als Verräter und Massenmörder in Erinnerung, auch wenn dies natürlich nur eine Seite der Medaille ist. Denn obwohl Isaac zunächst lediglich seiner Programmierung folgte, als er die Union verriet, wuchs er dennoch über sich hinaus und rettete am Ende nicht nur die Mannschaft der Orville, sondern die ganze Erde. Und nun kommt der Clou an der Geschichte.
Der Titel der Folge leitet sich nicht rein zufällig von Philip K. Dicks Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ (wir erinnern uns wohlig an „Blade Runner“) ab. Hüben wie drüben diskutieren die Autoren im Subtext die Frage, was uns menschlich macht und was wir bereit sind zu opfern, um unsere Komfortzone nicht verlassen zu müssen. Um in 70 Minuten möglichst alles aus dem Themenkomplex herauszukitzeln, wagt sich Seth MacFarlane an ein wahres Schwergewicht. Was geschieht, wenn wir einem einstigen Feind die ganze Last der Schuld auferlegen und ihn damit in den Tod treiben? Macht uns das nicht ebenfalls schuldig? Sind wir besser als das, was wir verabscheuen, nur, weil wir mit Worten morden, statt mit Waffen? Das ist harter Tobak, wie wir ihn sonst nur aus den besten Tagen von „Star Trek“ kennen.
Wutwellen
Nach dem (übrigens neu gestalteten) Opening erfahren wir zunächst einmal, was es heißt, unter Vielen einsam zu sein. Isaac wird überall auf der Orville geschnitten und ausgegrenzt. Als er die Messe betritt und sich zu einigen Kameraden setzt, schauen ihn diese nur verächtlich an und verlassen schweigend den Tisch. Wer will es ihnen verübeln? Immerhin sind die Kaylon für den Tod Tausender verantwortlich und ihr Crew-Mitglied, dem sie vertraut haben, trug seinen Part dazu bei, dass fast jeder einen ihm Nahestehenden verloren hat. Doch erst als wir Ensign Charly Burke (toll gespielt von Anne Winters, 13 Reasons Why) kennenlernen, wird das wahre Ausmaß des Traumas deutlich.
Burke entschuldigt sich zunächst bei Isaac für ihr ungebührliches Benehmen, berichtet ihm aber dann mittels einer drastischen Rückblende davon, wie sie ihre beste Freundin verlor. Ja, von ihr aus kann der Androide mitsamt seiner ganzen Spezies zur Hölle fahren. Doch ist es so einfach?
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Kindermund tut Wahrheit kund

Auch Marcus Finn teilt die Empfindungen der Mannschaft. Er hasst Isaac dafür, was er tat, daran ändert auch Tys unerschütterliche Liebe für den Kaylon nichts. Auch Claire gelingt es nicht, ihren Sohn zu erreichen und ihm klarzumachen, dass ihn Hass nur innerlich zerfressen wird und der Androide seine Heimat opferte, um die Menschheit zu retten. Als sie Isaac bittet, sich bei Marcus zu entschuldigen, eskaliert die Situation. Der Junge sagt ihm ins ausdruckslose Robotergesicht, dass er ihm den Tod wünscht. Die Frage, die sich die künstliche Lebensform nun stellt, ist schwerwiegend und tragisch zugleich. Wenn mir nur Misstrauen und Hass entgegenschlägt, und ich deshalb kein effizientes Crewmitglied sein kann, wäre es dann nicht für alle besser, wenn ich mich deaktiviere?
Obwohl Isaac nicht in der Lage ist, Emotionen zu empfinden und die Suizid-Thematik damit ein wenig abgemildert wird, ist doch sehr deutlich, welch fataler Logik Selbstmordgefährdete oft folgen. Denn wer seine Existenz auf den Moment reduziert - so führt später Dr. Finn richtig aus - ist nicht in der Lage zu erkennen, welche Möglichkeiten die Zukunft vielleicht noch bereithält. Hass kann sich in Liebe verwandeln. Misstrauen in Vertrauen und tiefe Trauer in Heilung. Insofern ist Electric Sheep ein wundervolles Beispiel dafür, wie schwer Schuld auf den Schultern lastet und wie befreiend es sein kann, zu vergeben.
Claire geht den Weg des Verzeihens und erkennt in Issac das Wesen, das ihren Sohn und ihre Freunde rettete. Er überwand seine Grenzen und tat und entgegen aller Widrigkeiten letztlich das Richtige. Marcus ist dazu nicht in der Lage und muss nach der Selbstdeaktivierung Isaacs nun erfahren, dass ein Unrecht kein anderes ungeschehen machen kann, weil wir alle nur ein Leben haben.
Ein wenig Action gefällig?
Das ist großartig geschrieben und so schwere Kost, dass ein wenig Auflockerung zwischendrin guttut. Und die kommt in Form von Lt. Gordon Malloy, der einen neu entwickelten Jäger (in der Art, wie sie die Krill verwenden) testet und ein paar grandiose Flugmanöver hinlegt. Diese sind auf technischer Ebene toll anzusehen und machen einfach nur Spaß. Ganz nebenbei erfährt man, dass die Union offenbar aus ihrer strategischen Schwäche gelernt hat.
Große Raumschiffe mit hunderten Crewmitgliedern mögen beeindruckend sein, doch taktisch klüger ist es bisweilen, einen übermächtigen Gegner mit vielen kleinen Nadelstichen zu piesacken, bis er schließlich unterliegt. Die Krill haben in „Identity“ eindrucksvoll gezeigt, wie es geht, deshalb ist es eine gut gedachte und logische Konsequenz, dass der Writers' Room die militärische Schlagkraft der Planetengemeinschaft ausbaut und optimiert. Ähnliches erleben wir derzeit hautnah auf unserer Heimatwelt mit, wo immer mächtigere Drohnen, schlagkräftigere Panzer, Hyperschallraketen sowie immer mehr Atombomben für Angst und Schrecken sorgen.
Der Trek-Faktor

Stellte Isaac schon immer eine gelungene Variante von Data dar, wird dieser Aspekt der Serie in Electric Sheep noch weiter herausgearbeitet. Das macht sich nicht zuletzt daran deutlich, dass der Kaylon exakt denselben Satz wie sein Trek-Pendant verwendet, um sein Befinden zum Ausdruck zu bringen.
Das Thema erinnert zudem stark an die dritte Folge von Star Trek: Enterprise, Home, in der sich Phlox nach dem Xindi-Konflikt ebenfalls Hass, Fremdenfeindlichkeit und Vorurteilen ausgesetzt sieht.
Fazit
Einen viel gelungeneren Start in die dritte Season von The Orville hätte man sich nicht wünschen können. Electric Sheep arbeitet die Ereignisse der grandiosen Doppelfolge „Identity“ auf, punktet mit einem ethisch-moralischen Dilemma mit drastischen Auswirkungen und endet genial.
Schlussendlich ist es ausgerechnet Ensign Burke, die sich zuvor vehement geweigert hat zu helfen, und die ihre Hassgefühle gegenüber Isaac nun überwindet. Gemeinsam mit Lt. Comdr. LaMarr rettet sie ihm das Leben und zeigt eindrucksvoll, dass Wut zwar menschlich ist, die Seele aber innerlich auffrisst. Zu vergeben kann lange dauern, doch nur wer den Anfang macht, hat die Chance zu erfahren, dass die Fähigkeit zum Verzeihen eine unserer größten Gaben ist. Wie stark ist das denn bitte? Dafür gibt es von uns fünf von fünf Rangpins.
Hier abschließend noch der Trailer zur zweiten Folge der nun auch hierzulande gestarteten dritten Staffel der Serie „The Orville“:
Verfasser: Reinhard Prahl am Montag, 2. Januar 2023The Orville 3x01 Trailer
(The Orville 3x01)
Schauspieler in der Episode The Orville 3x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?