The Orville 2x10

© zenenfoto aus der „The Orville“-Folge „Blood of Patriots“ (c) FOX
Was passiert?
In den Nachwehen des Kaylon-Konfliktes sollen Ed Mercer und seine Crew in der The Orville-Folge Blood of Patriots erste Verhandlungen mit den Krill über einen potenziellen Friedensvertrag führen. Sie haben jedoch nicht mit einem Geist der Vergangenheit gerechnet ...
Dies & das
- Yaphit und Dann sind wieder mit dabei, dafür sieht man diese Woche nichts von Klyden und Topa sowie von den Finn-Kids. Das fällt insbesondere (negativ) bei der Belobigung von Yaphit auf, da dort offenbar das ganze Schiff anwesend ist (sogar Isaac!), nicht aber die vier Genannten.
- John Fleck spielt hier einen Krill, dürfte vielen aber sofort bekannt vorkommen: Er war zum Beispiel der Suliban Silik in Star Trek: Enterprise. Die Stimme ist einfach unverwechselbar.
- Ted Danson kehrt als Admiral Perry zurück.
Spruch
„Do your job!“ (Gordon zu Ed)
Feind, Freund, Verbündeter?
Die Ereignisse rund um den Angriff der Kaylon haben der Union einen temporären Verbündeten eingebracht. Doch wie geht es nun weiter? Schneller als gedacht sind die Krill gesprächsbereit und Ed Mercer darf mit seiner Crew den ersten Schritt wagen. Wie der Captain so richtig sagt, müsste es dafür doch eigentlich viel kompetentere Diplomaten geben, doch werden diese Zweifel einfach weggewischt. Die Denke ist: Mercer hat Erfahrungen mit der Spezies und daher muss er es richten. So macht man sich also vorsichtig optimistisch auf den Weg zum Treffpunkt.
Derweil würde uns natürlich auch interessieren, was die Kaylon nach ihrer Niederlage so treiben. Ein wenig Dialog zu diesem Thema wäre vielleicht nett gewesen. Die Union könnte heimlich spionieren und Perry dem lieben Captain Mercer mitteilen, dass aktuell alles ruhig ist auf Z'ha'dum, äh Kaylon-1. Vielleicht geht ja eine der nächsten Episoden noch auf die Konsequenzen für das Volk der Kaylon und Isaac ein.
Guter, alter Freund

Bei den Rendezvous-Koordinaten eingetroffen, läuft freilich nicht alles nach Plan. Neben dem Krill-Kreuzer taucht auch noch ein Shuttle auf, das um Hilfe bittet. Und als wäre das noch nicht genug, besteht die Besatzung aus Gordons lange verschollenem ex-besten Freund Orrin Channing samt seiner inzwischen stummen Tochter, die nach 20 Jahren aus der Gefangenschaft durch die Krill entkommen konnten. Solche Dinge passieren eben immer zur Unzeit! Die Krill sind natürlich nicht begeistert und fordern die Freigabe der beiden, die in ihren Augen Terroristen sind und vier Schiffe auf dem Gewissen haben. Doch wie sollen diese zwei Personen in einem Shuttle so etwas angestellt haben? Und wo liegt überhaupt die Verantwortung der Orville-Crew? Beim Schutz des ehemaligen Lieutenants oder in der Abwicklung der aktuellen Aufgabe?
Das Drehbuch versucht krampfhaft, diesen Fragen nachzugehen und weist dafür Gordon Malloy die Hauptrolle zu. Sein Freund, gespielt von Mackenzie Astin, ist allerdings von der ersten Sekunde an unsympathisch und verdächtig. Einzig Gordon fällt die Aufgabe zu, lange Zeit an ihn zu glauben und darauf zu pochen, was für ein toller Kerl er ist. Dabei will man ihm mehr als einmal zurufen: Gordon, es ist zwanzig Jahre her! Menschen ändern sich! Damit soll gar nicht gesagt sein, dass sein Verhalten überhaupt keinen Sinn ergeben würde. Das Drehbuch lässt ihn nur eine unnötig lange Leitung haben und wenig plausibel argumentieren.
Schnell ist klar: Orrin plant definitiv etwas und als Gordon sich entscheiden muss, geht er auch den richtigen Weg, wenngleich das Drehbuch uns zunächst reinlegen will. Doch hätte es sich dabei um eine so unglaubwürdige Entscheidung (und einen so krassen Verrat) gehandelt, dass die Fährte einfach falsch sein musste. Das sah zum Glück auch Autor MacFarlane so.
Was genau Mercer und Co jedoch damit bezwecken, Orrin das Shuttle (und seine Bombe) zu überlassen und ihn mit Gordon losfliegen zu lassen, bleibt im Dunkeln. Vermutlich hat Letzterer darum gebeten, herauszufinden, was der alte Kumpel genau plant - nur um sicher zu gehen. Nun: Was plant wohl ein traumatisierter Mann, der mit einem Shuttle und einer Bombe zu einem seiner Ansicht nach feindlichen Schiff fliegen will, um den Frieden zu verhindern, den er für falsch hält? Schwierige Frage! Da muss man definitiv mal abwarten und schauen was passiert! Ich scherze natürlich. Das Drehbuch gerät an dieser Stelle leider völlig außer Kontrolle. Die Verhandlungen mit den Krill sind viel zu wichtig und Orrins Verhalten einfach zu offensichtlich. Er hätte sofort in Gewahrsam gehört. Ende der Geschichte.
So einfach wollte man es sich aber nicht machen, was die Glaubwürdigkeit stark strapaziert. So kommt es zum Showdown samt Faustkampf und dem Tod des Freundes. Konstruiert und unnötig.
Plötzlich Frieden

Einen weiteren Haken schlägt das Drehbuch, als wie aus dem Nichts die Verträge unterzeichnet werden. Wie haben die Krill denn akzeptiert, dass Orinn tot ist? Was diente als Beweis? Sie wollten ihn schließlich ausgeliefert haben! Und was wurde aus der falschen Tochter? Hat Mercer diese einfach ausgeliefert? Wollte man den Captain nicht als Hardliner zeigen und ließ die Sache daher einfach unter den Tisch fallen? Sorry, aber das ist feige. Wenn man so ein Fass aufmacht, sollte man es auch schließen. Die ganze Szene rund um den Frieden ist viel zu kurz und kommt aus dem Nichts.
Dafür gibt man dann aber wieder dem Buddy-Bonding zwischen Ed und Gordon Raum und reduziert deren Krise auf ein simples Eifersuchtsding? Sind wir hier bei Friends? Zudem passt es nicht mehr, dass Ed wirklich noch von seinen Zweifeln bezüglich des Kommandos redet. Dieser Mann hat sich längst bewiesen! Das Thema hat seinen Zenit überschritten. Auch äußert er, dass er mit niemandem sonst über so etwas reden kann, um dann Kelly zu erwähnen und die Aussage etwas zu relativieren. Doch warum relativiert er sie überhaupt? Er redet ständig mit Kelly über so etwas. Und auch wenn die Sache mit Cassius sicher ein wenig schwierig für beide war, hat sich daran nie etwas geändert! Der ganze Freundschaftskonflikt wirkt aufgesetzt und passt überhaupt nicht zur Handlung. Dann hätte man lieber genauer auf die Dynamiken zwischen Menschen und Krill eingehen sollen. Abgesehen davon sei aber angemerkt, dass Grimes und MacFarlane immer wieder eine schöne Chemie besitzen und Buddy-Szenen zwischen den beiden an sich keine schlechte Sache sind; wenn sie denn nicht so deplatziert eingesetzt werden wie hier.
Worldbuilding
Dass die Episode sich sehr um das Ausloten dieser Welt bemüht und auch die Krise der letzten Episoden nicht unter den Tisch fallen lässt, darf man bei aller Kritik nicht vergessen. „The Orville“ ist inzwischen weit über das hinausgewachsen, was man zu Beginn hätte erwarten dürfen. Das ist aller Ehren wert. Wenn das Ergebnis jedoch in so vielen Punkten Anlass zur Kritik gibt, darf man auch der liebsten Guilty-Pleasure-Feelgood-Serie einmal gepflegt vors Schienbein treten. Daher hat die rosarote Brille diese Woche einmal Pause. Ausnahmsweise.
Beobachtungen
Es ist schön, dass Yaphit für seine Leistungen in der Krise zuletzt eine Belobigung erhält. MacFarlane ist es gelungen, aus dem albernen Blob eine Figur zu machen, mit der wir mitfühlen. Gute Arbeit!
Die Szenen rund um das erschwerte Boarding der Krill sind schmerzhaft albern. Die Serie möchte so gerne, dass wir all die Konflikte um die Kaylon und die Krill ernstnehmen. Dann jedoch Urinproben und andere Dinge (die wir lieber gar nicht wissen wollen, Stichwort: Einweghandschuh) ins Spiel zu bringen, veralbert die beteiligten Personen viel zu sehr. Hier fehlte MacFarlane eindeutig das nötige Feingefühl. In die gleiche Kategorie gehören auch noch einige andere Momente, in denen der Humor nicht organisch ausgespielt wird, sondern furchtbar aufgesetzt wirkt. Hatten wir alles schon besser!
Wenig virtuos wird auch Isaac (denkbar kurz) in die Episode einbezogen. Auf einmal sitzt er auf der Brücke und arbeitet, als wäre nichts passiert. Hier wäre es sinnvoller gewesen, ihn komplett außen vor zu lassen, bis man sich mit dem weiteren Vorgehen bezüglich seines Status befasst hat. Dass er einfach so zur Tagesordnung übergehen darf, wirkt falsch und war auch rein dramaturgisch überflüssig.
Ted Danson macht als Admiral Perry einen tollen Job und läuft sogar dem Kollegen Halsey alias Victor Garber den Rang ab. Der Serie ist es im Gegensatz zu Trek gelungen, gleich mehrere starke Admiräle einzuführen, die sogar sympathisch sind und nachvollziehbar agieren. Toll!
In Sachen Einschaltquoten verlor die Serie in dieser Woche ein wenig und kam nur noch auf rund 2,9 Millionen Fans in den USA. Berücksichtigt man, dass der Sender sehr spät dran ist mit einer Ankündigung bezüglich der Zukunft der Serie, darf man sich inzwischen definitiv Sorgen um eine potenzielle dritte Staffel machen.
Technisch betrachtet
Visuell haben wir es nach den beiden Krachern zuletzt mit einer ruhigeren Veranstaltung zu tun, die wenig Raum für eine kreative Umsetzung bietet, sich auf die bestehenden Sets verlässt und auch in Sachen Score eher Understatement betreibt.
Dafür darf aber Scott Grimes alias Gordon Malloy groß aufspielen und zeigen, dass mehr in ihm steckt, als One-Liner rauszuhauen. Für alle Fans vielleicht interessant: Grimes wird wie auch Kollege Lee (LaMarr) auf er diesjährigen FedCon in Bonn anzutreffen sein.
Das Drehbuch stammt erneut von MacFarlane persönlich, dem hier jedoch keine ganz so überzeugende Arbeit gelingt wie sonst. Die Versatzstücke sind zu bekannt und wurden routiniert und ohne Pep für die Serie adaptiert, einige Löcher im Skript stören zudem das Bild und die Geschichte um Ed und Gordon wirkt wenig durchdacht.
Regie führte Rebecca Rodriguez, die Schwester von Robert Rodriguez („Spy Kids"). Sie spult die Episode souverän herunter.
Der Trek-Faktor
Selten war eine Episode der Serie ein derartiges Flickwerk aus verschiedenen Trek-Versatzstücken. Die Grundhandlung ist fast 1:1 aus der Episode Past Prologue übernommen, nur, dass die Figurendynamik Kira/Sisko und Malloy/Mercer eine gänzlich andere ist. Dazu kommen Anleihen an The Wounded und ganz bestimmt auch an „Star Trek VI: The Undiscovered Country“ sowie ein halbes Dutzend andere Episode aus verschiedenen Trek-Serien. Das Süppchen besitzt also viele Zutaten, die zwar alle gut zusammenpassen, aber eben auch den Flair des Aufgewärmten verströmen.
Gib dem Kind einen Namen

Blood of Patriots: So simpel der Titel zunächst wirkt, wirft er doch die Frage auf, worauf er sich eigentlich bezieht. Sterben muss hier am Ende nur Orrin Channing, diesen sollte man aber nicht wirklich als Patriot bezeichnen dürfen; eher als Terrorist. Auch könnte man ihn auf die vermeintliche Tochter und ihr explosives „Blut" beziehen. Doch ist auch sie keine Patriotin in dieser Sache. Und auch übertragend gesehen, dass Orrin ihr Blut patriotisch einsetzen wollen würde, wird aufgrund obiger Überlegungen kein Schuh draus. Ist also eher Gordon der Patriot und es klebt das Blut seines Freundes an seinen Händen? Vielleicht. Doch passt auch dieses Bild nur bedingt.
Fazit
Seth MacFarlane würzt seine TNG-Hommage in der politischen Krise mit einer ganzen Prise Star Trek: Deep Space Nine und erschafft auf diese Weise einen Trek-Hybriden, der die aktuellen Spannungen seiner Welt zwar engagiert weiterführt, sich dabei aber auch arg auf Bekanntes und Vorhersehbares beschränkt und rein handwerklich einen unausgegorenen Mix aus falschen Entscheidungen zusammenschustert. Das kann die Serie inzwischen viel besser!
Nächsten Donnerstag ist Pause. Danach werden voraussichtlich ohne weitere Unterbrechung die letzten vier Episoden folgen.
Trailer zur Episode Lasting Impressions der Serie The Orville (2x11):
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Verfasser: Björn Sülter am Montag, 11. März 2019The Orville 2x10 Trailer
(The Orville 2x10)
Schauspieler in der Episode The Orville 2x10
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