Orange Is the New Black 3x13

Die erste Staffel Orange Is the New Black war für viele überraschend gut, die zweite gab uns die Gelegenheit, uns in Litchfield einzurichten, wirkte mit der Vee-Story auch ein wenig verstörend. Die dritte Staffel holt nun die Ernte von alledem ein, was bisher an emotionalen und auch komischen Voraussetzungen aufgebaut wurde. Das Thema Glauben passt nach Litchfield wie die Faust aufs Auge und das Durchbrechen von etablierten Gefängnisregeln gibt der Staffel eine rührende Seite, die kaum ein Auge trocken lässt - vor Lachen und vor Weinen.
Nichts bleibt wie es war
Soso (Kimiko Glenn) war bisher kein großer Charakter. Wie alle anderen auch haben wie sie weitgehend ignoriert. Schließlich war sie nur selten Bestandteil eines größeren Plots, selbst aus dem Norma-Kult war sie ziemlich schnell wieder raus.
Doch im Staffelfinale Trust No Bitch hat sie sich mit einem gravierenden Schritt zwar nicht ganz in den Mittelpunkt, aber immerhin in eine bezaubernde Nebenstory gebracht. Zu Beginn liegt sie bewusstlos auf dem Boden der Bibliothek und wird von der neuen Mama der Truppe, Taystee (Danielle Brooks), gerettet.
Die letzten beiden Episoden dieser Staffel kann man als Doppelfolge werten. Wir sehen, wie die beiden Einzelgänger der letzten Zeit von Taystee in Schutz genommen werden. Für Sophia (Laverne Cox) traut sie sich nicht, aufzustehen, aber im Geheimen kümmert sie sich um Soso. Und wenn sie ihr vielleicht auch nicht das Leben rettet, so sorgt sie doch dafür, dass diese das bisschen Freiheit, das ihr noch geblieben ist, nicht in der geschlossenen Psychatrieabteilung verliert.
Wir haben gesehen, wie Poussey (Samira Wiley) auf der Suche nach Liebe gelitten hat. Soso dagegen hat nicht einmal die große Liebe gesucht: Es war generelle menschliche Aufmerksamkeit, die ihr fehlte. Durch Normas kleinen Zirkel kommen sie zusammen, das ist das Vermächtnis der stummen Küchenhilfe, die sich zur religiösen Anführerin aufgeschwungen hat. Im Staffelfinale löst sich ihr Zirkel Wundergläubiger mit ihrer Mithilfe selbst auf: Sie verscheucht Leann, die Standhafteste der Truppe, aus ihrer Zelle und beendet damit das Norma-Wunder.
Doch es wäre nicht Orange Is the New Black, wenn das Leben nicht auf tragisch-komische Weise weitergehen würde. Leanne (Emma Myles) bittet Norma (Annie Golden) um ein Wunder, damit die anderen wieder glauben - und schließlich ist es Norma, die das große, emotionale Finale möglich macht. Sie sieht das Loch im Zaun, sie erkennt die Gelegenheit und sie nimmt sie wahr. Am Ende der Staffel ist es in der Tat Norma, der alle hinterherrennen.
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Doch kehren wir zurück zu dem neuen Paar: Soso und Poussey. Was Suzannes Sexgeschichten angefangen haben, vollbringen schließlich die beiden, sie durchbrechen die Grenzen der Zugehörigkeit. Der Moment Stille, der eintritt, als Poussey die nun wieder vollkommen wache Soso zur Gruppe bringt, ist kurz. Und beendet die Einheitlichkeit der Gruppe um Taystee - ein emotionaler Moment für alle Beteiligten.
Die Patin
)Ebenfalls eine große Wendung nimmt die Figur von Piper (Taylor Schilling). Von der gut ausgebildeten Tochter einer gut situierten Familie ist sie zur größten Gangsterin in Litchfield geworden. Selbst Red (Kate Mulgrew) und Mendez (Pablo Schreiber) wäre das Nachtreten auf eine hilflose und vor allem deutlich unterlegene Gegnerin wie in diesem Fall Flaca (Jackie Cruz) zu unwürdig gewesen. Piper hat sich in kurzer Zeit auf eine Ebene mit Vee (Lorraine Toussaint) herabgearbeitet. Das ist natürlich auch die Überkompensation dafür, dass niemand sie ernst nimmt; nichtsdestotrotz kann man Alex' Befremden sehr gut nachvollziehen.
Aber irgendwie macht es auch Spaß, dieser Version von Piper zuzusehen. Sie hat schon immer zuerst für sich selbst gesorgt. Doch sie hing auch sehr in den anerzogenen Konventionen fest, in denen zum Erfolg auch soziale Anerkennung und Konfliktfreiheit gehörten. Darum hat sie Red über deren Geschäft angelogen, darum hat sie immer versucht, die Liebe zu sein. Doch seit Beginn dieser Staffel hat sie diesen Kreis durchbrochen: Sie hat den Zwang, gemocht zu werden, abgelegt und damit auch die sozialen Beschränkungen, an die man sich halten muss, wenn man gemocht werden will. Damit hat sie die Tore für die dunklen Seiten ihres Egoismus geöffnet. Das ist immerhin ehrlicher und interessanter als ihre manipulative, falsche Art.
Sie hat bereits angekündigt, dass sie nicht zurück in die Schuldfalle geht, weil sie Alex betrogen hat - und nun zeigt sich, dass sie es ernst gemeint hat. Sie ist nicht mehr das Klischee der eigentlich guten Tochter, die über eine Jugendsünde gestolpert ist. Nur das Unendlichkeitssymbol erinnert noch ein bisschen daran, aber besser ein Klischee-Tattoo, als durchgehend ein Stereotyp zu sein.
Für die bereits bestellte vierte Staffel ist das eine vielversprechende Voraussetzung, die Figur Piper aus der langweiligen Ecke zu holen, auch wenn es schon überraschend ist, dass ausgerechnet sie die große Bedrohung in Litchfield wird. Doch ihre pathetische Godfather-Haltung könnte ihr auch schnell um die Ohren fliegen.
Hochzeitsnacht am Snackautomat
Wer hätte es gedacht, dass in einem Orange Is the New Black-Staffelfinale eine Hochzeit stattfinden würde? Lorna (Yael Stone), die liebenswürdige Stalkerin, hat es sich verdient, ein bisschen glücklich zu sein. Irgendwie haben die Autoren es geschafft, dass man sie mag, auch wenn sie jemand anderem das Leben schwer gemacht hat. Der arme Mann war auf einem Date mit ihr und wurde sie nicht mehr los. Aber Lorna hat sich in Litchfield als eine der fürsorglichsten Insassinnen gezeigt.
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Mit Vince (John Magaro) wurde der perfekte Partner für Lorna gefunden, und die Szene der Hochzeit ist für alle Beteiligten ein schöner Moment. Was ist mit Red und Healy (Michael Harney) los? Von einer Seite ist es schon länger klar: Healy hat in Red ein neues Ziel für seine Zuneigung gefunden. Doch wie sieht es bei ihr aus? Ist da mehr, etwas Echtes? Die Scheidung von ihrem Mann scheint darauf hinzudeuten. Als sie damals in Healys Büro stürmte und die Trennung ankündigte, weil ihr Mann sie belogen hatte, da wirkte das wie eine klassische Überreaktion, die sich bald wieder erledigt hat. Dass sie Sophia gesagt hat, ihr Mann käme nicht mehr zu Besuch, war ebenfalls noch kein endgültiger Beweis. Doch nun ist es offenbar offiziell: Red lässt sich scheiden. Der Grund ist dürftig, was darauf hindeuten würde, dass die Autoren den ohnehin unwichtigen Mann nur schnell loswerden wollten, um Raum für neue Plots zu schaffen.
In der dritten Staffel sind auch die Wärter ins Zentrum des Interesses gerückt - und das nicht nur als sadistische, verliebte oder mitleidige Wesen, sondern als eigenständige Charaktere auch außerhalb der Interaktion mit den Gefangenen. Besonders Wanda (Catherine Curtin) und Scott (Joel Marsh Garland) können einem richtig ans Herz wachsen. Immer wieder waren sie amüsant und gleichzeitig liebenswert. Sie haben uns kleine Einblicke in ihr Privatleben gewährt wie in dem kurzen Dialog darüber, dass Scott nicht heimlich heiraten will. Die Stärke des Drehbuchs und die der Schauspieler verdichten sich dabei zu einer sehr intensiven Mischung, die uns das Gefühl gibt, die beiden viel besser kennenzulernen. Wandas Entsetzen, als sie hört, dass ein Vollzug der Ehe nicht vorgesehen ist, macht sie so liebenswürdig, dass man sie in der Szene danach am liebsten umarmen möchte. Caputo (Nick Sandow) ist nicht der einzige Mensch mit Job im Gefängnis, der sich sein Herz bewahrt hat.
Das religiöse Thema verdichtet sich in der Finalepisode noch einmal, auch fernab von Norma. Das mitreißendste Erlebnis hat Cindy (Adrienne C. Moore), die sich dem Judentum zugewandt hat. Ihre Schmerzen und ihre Probleme versteckt sie hinter Witzen und ihrer lauten Art. Doch sie hat auch eine ruhige, reflektierende Seite an sich, und die wird von den Grundsätzen des Judentums angesprochen. Es ist schwierig, ihr ihre hehren Motive abzunehmen, und gerade deswegen trifft ihre Rede vor dem Rabbi direkt ins Herz.
Ihre Freude ist groß und mitreißend, doch erst die Szene im See ist wirklich rührend. Sie hat ihre Mitte gefunden und inmitten der tobenden Menge den ruhigsten Moment der finalen Episode. Noch stiller ist es nur um Alex (Laura Prepon) geworden, um deren Überleben wir bis zur nächsten Staffel zittern müssen.
Fazit
Es passiert so viel in der Finalepisode dieser Orange Is the New Black-Staffel, dass man kaum alles erwähnen kann. Jede Szene bringt entweder einen Lacher oder einen rührenden Moment, und in den besten Zeiten schaffen die Autoren es, beides gleichzeitig einzubringen und uns damit ein fantastisches Finale zu bieten.
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Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 30. Juni 2015(Orange Is the New Black 3x13)
Schauspieler in der Episode Orange Is the New Black 3x13
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