Orange Is the New Black 3x02

Die dritte Staffel läuft ernster an als wir es von Orange Is the New Black gewohnt sind. Doch immer wieder gibt es auch etwas zu lachen. Im Mittelpunkt der Episode Bed Bugs and Beyond stehen neben die Geschichte eines ungeborenen Kindes und eine Insassin, für die die Stunde der Wahrheit schlägt.
Probleme noch vor dem Start
Dayas Kind ist noch nicht auf der Welt und schon müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden, die sein ganzes Leben beeinflussen werden. Die ganze Sache fängt in der Episode Bed Bugs and Beyond ziemlich amüsant an. Mendez' Mutter (Mary Steenburgen) ist als Figur mehr als willkommen und im Gespräch mit Aleida (Elizabeth Rodriguez) ein unterhaltsames Dreamteam. Komisch geht es weiter als Aleida und Daya (Dascha Polanco) den armen Wärter nicht zu Wort kommen lassen während des kleinen Krisenstabs in einem Lagerraum der Küche. Auch der Rückblick in Bennetts Militärvergangenheit ist ein Höhepunkt der Komik in dieser noch jungen Staffel.
Den Gipfel der Emotionalität erreicht die Story mit dem Hochzeitsantrag, der unter den gegebenen Umständen wirklich mehr als niedlich ist. Die beiden sind ein gutes Paar, zusammen und alleine sympathische Figuren, die man sich durchaus außerhalb des Gefängnisses als kleine Familie vorstellen kann. Doch von diesem Höhepunkt geht es steil bergrunter. Bennett (Matt McGorry) tut, was er für richtig hält und stattet der Familie Dayas einen Besuch ab.
Wobei man sagen muss, dass diese Familie von dem untreuen Freund ihrer Mutter angeführt wird und ansonsten aus unbeteiligten Fremden und Kindern besteht. Er besucht also im Grunde lediglich Cesar (Berto Colon) und das ist ein verstörender Abend für den frisch Verlobten. Aus dem charmanten Chaos, dem Traum davon, arm aber glücklich zu sein, wird in Cesars Wohnung ein Alptraum.
Der Mann betrügt seine inhaftierte Lebensgefährtin mit der Mutter seines jüngsten Kindes, während er die Kinder der ersten betreut. Worunter er allerdings versteht, sie mit der Waffe zu bedrohen wenn sie das unappetitliche Abendessen nicht essen wollen. Am meisten irritiert seine ungezwungene Fröhlichkeit in all der Unruhe.
Kurz danach sehen wir einen verstörenden Rückblick in Bennetts Militärvergangenheit, der den amüsanten Tanz vom Anfang der Episode naiv erscheinen lässt. Bei seinem ersten Auslandseinsatz kommt die Bombe, und es ist nichts Heroisches an dem Geschehen, hat wenig mit den Actionfilmen zu tun, in denen Soldaten stilisiert werden. Es ist kein aufregender Kampfeinsatz, der den Soldaten zum Verhängnis wird, sondern eine hinterhältig von angeblichen Helfern ins Zelt geworfene Bombe. Der Krieg der Gegenwart sieht so aus, dass man am Bildschirm die Angriffe verfolgt. Bennett überlegt und versucht sich in Rettung zu bringen. Sein Kumpel schmeißt sich heldenhaft auf die Bombe, deren Detonation wir nicht mehr erleben. Doch das Schlimme sind die Bruchteile von Sekunden, in denen man darauf wartet, dass alles in Luft geht. Und die kurzen Momente, die man Zeit hat, sich zu entscheiden, was das Richtige ist.
Der Einheimische, der die US-Soldaten vor der Bombe warnen will, wird zum Dank direkt erschossen, von jemandem, der ebenfalls nur kurz Zeit hat, sich zu entscheiden, was er tun soll. In der Seriengegenwart steht Bennett zum zweiten Mal vor einer alles verändernden Entscheidung. In die spielt vieles mit rein, der Besuch bei Cesar, das ständige Zureden von Caputo (Nick Sandow) und auch seine eigene Vergangenheit. Zum zweiten Mal duckt Bennett sich weg als es ernst wird. Er hat ja auch gelernt, dass man damit überlebt. Vermutlich werden heroische Reden auf den Soldaten gehalten, der sich auf die Bombe geschmissen hat, aber der selbst bekommt die nicht mehr mit.
Bennett entscheidet sich dafür, nicht der Held zu sein, das Unmögliche nicht zu wagen. Mit Daya ein echtes Leben anzufangen würde ihm alles abfordern, er macht sich im Moment sogar dafür strafbar. Er ist der Mann, der im kleinen Kreis hingeht und denjenigen beisteht, die den Kürzeren ziehen, wie er es mit dem Typen macht, der den Soldatentanz gefilmt hat. Doch er ist nicht der, der vor allen aufsteht, wenn es ernst wird.
Trick oder Aufrichtigkeit
Die andere Person im Zentrum des Interesses ist Piper (Taylor Schilling). Am Ende der Episode Bed Bugs and Beyond weiß man selbst nicht mehr, ob sie nun wirklich versucht ihrer manipulativen Art zu entwachsen oder sich darin gerade zur Meisterin macht.
Ausschlaggebend für ihre Entwicklung ist die Tatsache, dass Red (Kate Mulgrew) nicht mehr mit ihr sprechen will weil sie sie über den Laden angelogen hat. Beide Lesarten finden ihre Argumente, sie wollte Red nicht traurig machen, sie wollte aber auch von Red gemocht werden und die schwierige Aufgabe jemand anderem überlassen.
Um die Entwicklung zu verdeutlichen, lassen die Orange Is the New Black-Macher Red beim Essen noch schnell einen Kommentar über Lügen machen. So kann immerhin niemandem entgehen, wieso sie sich dafür entscheidet, Alex (Laura Prepon) die Wahrheit zu sagen. Piper versucht mal was Neues: ehrlich sein.
Das geht ziemlich vorhersehbar nach hinten los, verändert die Beziehung der beiden aber irgendwie auch nicht nennenswert. Seit der Pilotepisode leben die beiden eine intensive Hassliebe füreinander aus, immer nur in Nuancen variierbar haben sie eine einfach giftige Beziehung miteinander.
Alex wirft ihr vor, die Macht behalten zu wollen und deswegen die Wahrheit über den Anruf zu sagen, Piper rudert jedoch direkt nach der Wahrheit zurück und flüchtet sich in die Entschuldigung, dass sie Alex schützen wollte. Eine Aussprache findet in dieser Orange Is the New Black-Episode nicht statt, sondern wir werden zu Beobachtern einer gut gemachten Hatesex-Szene. Ästhetisch ist daran nicht viel auszusetzen, aber inhaltlich wird es langsam einschläfernd, dass die beiden sich gegenseitig ständig wehtun, nur um dann doch nicht voneinander los zu kommen.
Vielleicht bringt Pipers neue Ehrlichkeit ja auch mittelfristige Sicht eine echte Entwicklung hervor, vielleicht nimmt sie sich auch endlich Reds Ratschlag zu Herzen, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Apropos Red, hat sonst noch jemand das Gefühl, dass sie mit dem Spruch „Die Welt ist besser in Schwarz und Wie - und Red.“ die Rückkehr zu ihrer alten Kampfnatur ankündigt?
Fazit
Die Epsiode Bed Bugs and Beyond ist die große - und vielleicht letzte - Stunde für Bennett. Er bringt uns zum Lachen und er bricht uns das Herz. Daneben kann man Pipers und Alex' Gezanke fast nur noch nervig finden.
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Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 13. Juni 2015(Orange Is the New Black 3x02)
Schauspieler in der Episode Orange Is the New Black 3x02
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