Orange Is the New Black 3x12

Orange Is the New Black 3x12

In der Episode Don't Make Me Come Back There macht der Alltag eine Pause: Während die einen auf dem Filmabend weilen, werden die anderen in Red Restaurant verköstigt. Doch die großen Dramen spielen sich ganz woanders ab.

Aleida (Elizabeth Rodriguez) am Scheideweg in der Serie „Orange Is the New Black“ / (c) Netflix
Aleida (Elizabeth Rodriguez) am Scheideweg in der Serie „Orange Is the New Black“ / (c) Netflix

Die Episode Don't Make Me Come Back There stimmt uns auf das große Staffelfinale ein, in dem Sinne, dass alle Figuren ihren Teil von der Story abbekommen. Auch wenn für Daya (Dascha Polanco) gerechtfertigterweise ein großer Batzen abfällt.

Mütter und Töchter

Bennett (Matt McGorry) hat sich feige aus der Affäre gezogen, doch Daya ist die, die das Kind nicht so einfach abschütteln kann. Sie ist die, die eingesperrt ist und in der das neue Lebewesen heranwächst. Sie muss sich dieser Verantwortung stellen und bisher hat sie das getan, indem sie die schwierige Entscheidung zugunsten von Mendez' Mutter (Mary Steenburgen) getroffen hat. Es ist wohl eine der schwersten Entscheidungen, die man treffen kann. Ihre eigene Mutter Aleida (Elizabeth Rodriguez) sitzt mit ihr im Knast, andere Verwandte, die noch ein Baby miternähren könnten, sind nicht in Sicht, außer der verantwortungslose Freund der Mutter, der ohnehin schon im Kinderchaos versinkt.

Mendez (Pablo Schreiber) ist nicht der Vater des Kindes, aber mit seiner Mutter hat Daya jemanden gefunden, der großmütterliche Gefühle für das Baby hegt und sich nicht von Genen kaputtmachen lässt. Statt es in die Hände unbekannter Adoptiveltern zu geben, hat sie die Gelegenheit, das Schicksal ihres Kindes ein kleines Stück weit mit zu entscheiden, auch wenn das bedeutet, dass sie als Mutter quasi zurücktritt. Doch es ist ihr erstes Kind, sie weiß nicht, was auf sie zukommt, weder im Guten noch im Schlechten. Automatisch geht sie davon aus, dass die furchtbarsten Szenarien eintreten werden. Und es klingt überzeugend, als sie Mendez' Mutter sagt, dass sie sich damit die Möglichkeit nimmt, ein eigenes Leben aufzubauen, indem sie sich um niemanden, als sich selbst kümmern muss. Das hat sie sich im Grunde auch verdient.

Doch als angehende Mutter weiß sie auch etwas anderes nicht, sie kennt nicht die guten Seiten dieser Beziehung. Schon in der Auftaktepisode dieser Staffel haben wir gesehen, wie Aleida sich an Dayas Geburt und ihre Freude zurückerinnert. Und auch in Don't Make Me Come Back There werden wir Zeuge des Gesprächs zwischen Aleida und Maria (Jessica Pimentel), in dem diese feststellt, dass sie eigentlich auf ihre Tochter angewiesen ist und nicht andersherum.

Aleida erkennt, dass sie ihrer Tochter diese Chance nicht nehmen darf. Sie erinnert sich zurück an die Zeit, als sie dachte, dass sie aus Dayas Leben rutschen könnte, weil diese sich zu anderen Leuten orientierte. Einerseits möchte sie ein besseres Leben für ihre Kinder, andererseits ist da doch die Angst, dann als Mutter aus ihrem Leben ausgeschlossen werden.

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Am Ende entscheidet sich Aleida dazu, dem Kind die finanzielle Absicherung vorzuenthalten, die eine Fremde ihm bieten kann. Es ist kein richtiges Happy End, aber es ist eine Entscheidung für die Familie, für das, was Daya wichtig ist. Sie hat mehrmals betont, wie sehr sie den Gedanken verabscheut, der Eindruck könnte erweckt worden sein, dass sie ihr Kind verkaufen würde. Sie will das Richtige tun und, als wir ihren Blick sehen, als die Krankenschwester ihr das Kind in die Arme legt, wissen wir, dass Aleida die richtige Entscheidung getroffen hat.

Alleine geht es nicht.

Im Zentrum des Interesses steht in der Episode Don't Make Me Come Back There auch Sophia (Laverne Cox), um die sich ein Wirbelsturm zusammenbraut. Gloria (Selenis Leyva) und Aleida, die das Desaster ausgelöst haben, sind längst zu anderen Problemen weitergezogen, doch Caputo (Nick Sandow) fasst es gut zusammen. Es ist eine Gruppendynamik - wenn der Wind sich dreht, schließen sich die meisten anderen einfach an. Mittlerweile nutzen einige Insassinnen die Situation, um einfach Frust abzulassen und greifen Sophia tätlich an.

Die Situation ist schwierig handzuhaben und wir sehen schon die gesamte Staffel lang, wie Caputo mit den finanziellen Einschränkungen durch den neuen Gefängnisträger klarkommen muss. Das, was Sophia vorschlägt, ist logisch, doch angesichts der Umstände auch utopisch. Es erinnert an die Szene, in der einer der Wärter Leanne (Emma Myles) und Angie (Julie Lake) sagt, dass sie in einer idealen Welt Hörschutz tragen müssten, während die Schuhe im Trockner ramentern.

Vieles in Litchfield läuft nicht nach den Maßstäben dieser idealen Welt, doch Sophias Problem ist grundlegender. Ein bisschen erinnert es an Sosos Lage. Beide unterscheiden sich in einer wichtigen Hinsicht von den anderen Insassinnen und finden mit dieser Besonderheit keine Lobby. In einer Umgebung, die darauf aufbaut, dass jeder automatisch zu einer genau definierten Gruppe gehört, ist das ein großes Problem. Die erste Lektion, die wir an Pipers Seite in Litchfield gelernt haben, war, dass man sich innerhalb dieser Gruppen umeinander kümmert, auch wenn man sich nicht kennt. Sowohl Sophia als auch Soso stehen ohne diesen Schutz da.

Verbunden wird diese Storyline mit Taystee (Danielle Brooks), die kurz einen Anfall von Gerechtigkeitssinn Sophia gegenüber bekommt, aber dann die Hände zu voll hat mit ihren anderen „Kindern“. Sie sieht in dieser Orange Is the New Black-Episode endlich ein, dass sie die Mama der Truppe ist und das gehört zu den schönsten Szenen der Staffel.

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Das dynamische Traumduo

Statt Piper (Taylor Schilling) und diesem unausweichlichen Trennungsdesaster wenden wir uns im dritten Abschnitt lieber dem kleinen Rachefeldzug von Pennsatucky (Taryn Manning) und Big Boo (Lea DeLaria) zu. Über die Staffel ist Big Boo zu einer der Sympathieträgerinnen geworden, angefangen bei ihrem Clownskostüm. Dass sie dazu beigetragen hat, dass Nicky (Natasha Lyonne) den Drogenplan weiterverfolgt hat, als sie eigentlich aussteigen wollte, kann man ihr nicht wirklich negativ anrechnen. Im Zusammenspiel mit einer ebenfalls sympathischeren Pennsatucky hat sie in der dritten Staffel die besten Szenen abgeräumt. In der Episode Don't Make Me Come Back There lockern die beiden mit ihrem Abenteuer die Ernsthaftigkeit von Aleidas Gewissensbissen und Sophias Schicksal auf.

Es läuft nicht so, wie sie es geplant haben, aber die Tabletten sind dennoch gut angelegt: Es geht für Pennsatucky weniger darum, Coates (James McMenamin) dieselben Schmerzen anzutun, die sie ertragen musste. Die beiden stellen fest, dass sie keine Vergewaltigerinnen sind, dass sie den Plan nicht zu Ende bringen können. Doch zwei heilsame Erkenntnisse nimmt Pennsatucky mit: die Zuneigung und Freundschaft, die Big Boo ihr entgegenbringt und die Möglichkeit, die Entscheidungsgewalt gegenüber Coates zurückzugewinnen. Sie will sich durch ihn nicht zur Vergewaltigerin machen lassen und sie tut es nicht.

Fazit

Die vorletzte Episode dieser Orange Is the New Black-Staffel ist so stark, dass man wohl kaum anders kann, als dem Finale mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegenzusehen. Einige große Dinge passieren in Don't Make Me Come Back There: Daya bekommt ihr Kind, Soso (Kimiko Glenn) schluckt eine Überdosis, Sophia muss in Einzelhaft und Piper und Stella (Ruby Rose) kommen sich näher. In dieser Serie sind es meist nicht die Ereignisse an sich, die die Meilensteine sind, sondern das Nachspiel, an das man sich erinnert, weil es erinnerungswürdige Szenen lieferte.

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Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 29. Juni 2015
Episode
Staffel 3, Episode 12
(Orange Is the New Black 3x12)
Deutscher Titel der Episode
Muss ich wirklich dazwischengehen?
Titel der Episode im Original
Don't Make Me Come Back There
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 12. Juni 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Juni 2015
Autor
Sara Hess
Regisseur
Uta Briesewitz

Schauspieler in der Episode Orange Is the New Black 3x12

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