Orange Is the New Black 3x11

In der Episode We Can Be Heroes gerät Caputo (Nick Sandow) in den Zwiespalt, in dem wir bisher vor allem seinen Gegenpart Pearson gesehen haben. Nur absolviert der Gefängnisdirektor die unlösbaren Aufgaben mit Herz und Leidenschaft. Wir nehmen die Gelegenheit wahr, um ihm und den anderen Mitarbeitern in Litchfield näherzukommen. Doch auch auf der anderen Seite der Gefängnisstäbe passiert einiges von Interesse. Nicht zuletzt das kurze Wiedersehen mit Rosa ist das Einschalten wert.
Wer hätte so eine Chance verschenkt?
Schon in den letzten Episoden hat Caputo sich ganz nebenbei immer weiter in die Herzen vieler Zuschauer gespielt. In der Episode We Can Be Heroes zeigt sich, dass er einfach ein tragischer Held ist, ein ungebetener Wohltäter, der am Ende immer den Kürzeren zieht. Er hat sich über die Jahre verändert, sich eine dickere, manchmal auch verbitterte Schale zugelegt, aber er hat sein gutes Herz behalten. In Rückblicken sehen wir die entscheidenden Stellen, die aus einem vielversprechenden Wrestler und einem hoffnungsvollen Musiker einen desillusionierten Gefängnisdirektor gemacht haben, dem das Wirtschaftsunternehmen auch noch die letzte Macht genommen hat.
Zweimal hat Caputo sich große Chancen verbaut. Es ist in seinem Fall kein Schicksal, das ihn getroffen hat. Er hat sich freiwillig zu dem Schaukampf gemeldet und er hat darauf bestanden, mit Lis zurückzubleiben und sich um sie und das Kind zu kümmern. Er will der Held sein, das hat die für gewöhnlich nicht eben weitsichtige Angie schon richtig erkannt. Er trifft Entscheidungen, die über das normale Maß hinausgehen und macht sich damit selbst Probleme.
Aber er tut es aufrichtig, er lebt Lis und er will für sie da sein, er lässt sich mit allem, was er hat, darauf ein. Warum er das tut, wissen wir nicht, aber es könnte sein, dass er in einer Selbsthilfegruppe mit Suzanne (Uzo Aduba) und Poussey (Samira Wiley) gut aufgehoben wäre: Sie wollen geliebt werden, sie sehnen sich nach Zuneigung. Caputos Desaster ist, dass er denkt, zu viel tun zu müssen, um geliebt zu werden. Er nimmt an, dass man ihn nicht so lieben könnte. Doch, soweit wir wissen, ist er damit bisher immer wieder auf die Schnauze gefallen.
Seit wir ihn kennen, ist er nicht mehr so hoffnungsfroh wie in den Rückblicken, das Leben hat ihn ein Stück weit verbittern lassen. Doch er hat immer noch ein gutes Herz. Andernfalls würde er Pearson (Mike Birbiglia) ans Messer liefern, auch wenn er behauptet, sich selbst retten zu wollen. Er tut es auch, um seinen ungeliebten und mittlerweile nur noch bemitleidenswerten Kollegen zu helfen.
Er setzt auf die Vernunft der Menschen, manchmal, wie mit Angie (Julie Lake), klappt das, meistens geht es schief. Denn die großen Entscheidungen treffen Menschen nicht aus Vernunft, sondern aus einem Gefühl heraus. Er hat für Lis alles gegeben, doch ihr Herz hängt an dem leiblichen Vater ihres Kindes.
Er ist ein guter Mensch, das bestätigt ihm zwischendurch sogar Pearson, doch an dem Unternehmenssöhnchen stellt sich auch heraus, dass das keine besonders vorteilhafte Eigenschaft in dieser Welt ist.
Und wir können auch sagen, dass es Caputo nicht besonders weit gebracht hat. Er wohnt alleine in einem deprimierenden Apartment, in dem jeden Dienstag seine Erzfeindin zum kleinen Stelldichein vorbeischaut. Auf der Arbeit reibt er sich zwischen den Gefangenen, den Mitarbeitern und dem Unternehmen auf, ohne dass er dafür besonders selbstlos sein muss. Es ist einfach eine unlösbare Situation. Das musste bereits Pearson feststellen, doch anders als dieser meistert Caputo die Situation mit Erfahrung und spielt sich dabei immer weiter ins Zentrum der Sympathien.
Ich wollte, dass er aufhört!
Die zweite Story in dieser Orange Is the New Black-Episode, die einfach ist, aber Emotionen weckt: Pennsatucky (Taryn Manning) und Big Boo (Lea DeLaria). Die Zellennachbarin findet heraus, was Coates (James McMenamin) der Fahrerin angetan hat, und ist entsetzt angesichts der Reaktion ihrer Freundin. Doch Big Boo gibt nicht so schnell auf. Sie fordert Pennsatucky heraus und zwingt sie, zuzugeben, wie sie sich fühlt.
Auch vor der Mattscheibe kann man am vorläufigen Ende der Storyline erleichtert und verzweifelt losweinen. Schon in der letzten Episode war es schmerzhaft, Pennsatucky zuzusehen, wie sie sexuelle Gewalt als etwas hinnimmt, gegen das man sich nicht wehren kann, als wenn es normal wäre, was ihr auf dem Rücksitz des Vans passiert. Endlich greift jemand ein und tut, was man selbst gerne machen würde.
Big Boos Versprechen, dass die beiden den sadistischen Wärter schon drankriegen werden, lässt sehr auf die kommende Episode hoffen. Während man Caputo und Big Boo in der Episode We Can Be Heroes am liebsten umarmen möchte, verspielt Piper (Taylor Schilling) die letzten Sympathien, die ihr noch geblieben sind, mit einem grausamen Machttrip.
Alex (Laura Prepon) zeigt ihre schwache Seite und zum Dank lässt Piper sie fallen. Die Drogendealerfreundin scheint nicht mehr cool genug zu sein, jetzt, da sie sich um ihr Leben fürchtet. Piper sagt ihr das nicht direkt ins Gesicht, sondern bleibt passiv sitzen und wartet, bis Alex selbst die Entscheidung trifft.
In der Zwischenzeit pokert sie mit ihren Slipträgerinnen, gründet mit Red (Kate Mulgrew) ein kriminelles Netzwerk und feuert Flaca (Jackie Cruz) auf herzlose Weise.
Zweimal Drama Voraus
Zwei Frauen werden von den anderen immer mehr isoliert und in beiden Fällen sieht die Entwicklung nicht gut aus. Sophia (Laverne Cox) leidet und das ist längst nicht mehr Gloria (Selenis Leyva) oder Aleida (Elizabeth Rodriguez) alleine anzulasten. Die Sache hat sich verselbstständigt, die Gerüchte sprießen und die Situation für die Friseurin wird unangenehm bis bedrohlich. Immerhin versucht sie noch zu kämpfen, auch wenn das wohl nur Gegenteiliges bewirken wird.
Die andere Einzelgängerin ist Soso (Kimiko Glenn), die von den Mitgliedern in Normas kleiner Sekte immer dreister geschnitten wird. Während Sophia und Soso ihren privaten Dramen entgegenschlittern, sind alle Verantwortlichen damit beschäftigt, sich selbst über Wasser zu halten. Die Wärter kämpfen um ihre Krankenversicherung, Caputo und Pearson angesichts des Rice-Debakels um ihre Jobs. Für Sophia und Soso sind die anderen die Hölle, in jeder Hinsicht, neben den aktiven Angreiferinnen zeigt sich in beiden Fällen, wie fatal es sein kann, sich in solchen Momenten heraushalten zu wollen - wie Taystee (Danielle Brooks). Norma (Annie Golden) reagiert auf Sosos Vorwürfe nicht einmal mehr damit, dass sie auf eine Serviette schreibt, und Sophias Kundinnen lassen sich vom Geschwätz vielleicht nicht anstecken, aber so beeinflussen, dass sie nicht mehr zu ihr gehen.
Fazit
Die Episode We Can Be Heroes bringt viel Drama in eine in letzter Zeit auch oft heitere Staffel. Niemand ist im Moment glücklich in Litchfield, außer vielleicht Piper auf ihrem kleinen Egotrip, und alle machen es sich gegenseitig schwerer, als es sein müsste. Wie ein kleiner Lichtblick sprechen sich Suzanne und Poussey in all dem Drama endlich aus und werden zwar dadurch nicht glücklicher, aber immerhin teilen sie die Sehnsucht geliebt zu werden miteinander - und gemeinsames Leiden macht es ja vielleicht immerhin ein bisschen besser.
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Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 24. Juni 2015(Orange Is the New Black 3x11)
Schauspieler in der Episode Orange Is the New Black 3x11
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