Orange Is the New Black 3x09

Orange Is the New Black 3x09

Im Zentrum der Episode Where My Dreidel At steht Lenne und ihre Vergangenheit in der Amisch-Gemeinde. Unterdessen läuft Pipers Unternehmersinn zu Hochtouren auf und ein Rabbi kommt nach Litchfield.

Leanne (Emma Myles) in der Serie „Orange Is The New Black“ / (c) Netflix
Leanne (Emma Myles) in der Serie „Orange Is The New Black“ / (c) Netflix

Während in der Episode Where My Dreidel At die einen versuchen ihre neue Religion zu ordnen, wollen die anderen einer alten beitreten.

Kurze Idylle

Schlechtes Timing hat so manche Insassin nach Litchfield gebracht. Doch bei kaum jemanden haben wir bis jetzt so fieses Timing gesehen wie bei Leanne (Emma Myles). Sie ist in der Amisch-Gemeinde aufgewachsen, hat sich die „Rumspringa“-Zeit genommen um herauszufinden, was sie will und sich schließlich für ein Leben mit den Traditionen ihrer Kindheit entschieden.

Während ihrer Zeit in der englischsprachigen Welt hat sie über die Stränge geschlagen, doch ohne den fatalen Rucksack hätte sie das alles wohl bequem unter Jugendsünde abhaken und ihr neues Leben in den Armen der Gemeinschaft starten können.

Doch an dem Tag, an dem dieses Leben offiziell losgehen soll, holt die Vergangenheit sie ein und zerstört die Idylle. Als Teil eines Deals muss sie die anderen drogendealenden „Rumspringa“-Kinder verraten und anschließend stellt sich heraus, dass die Gemeinde nicht sonderlich vergebend ist und auch in der Amischgemeinde Blut dicker ist als Wasser. Sie und ihre Eltern werden geächtet für den Verrat an den Teenagern und Leanne entscheidet sich dazu, die Gemeinschaft zu verlassen.

Uns diese Hintergrundstory zu zeigen, ist jetzt die genau richtige Zeit. Die Gruppe um Norma muss sich entscheiden, in welche Richtung es gehen soll, sind sie eine Sekte, ein Club oder einfacher Fans einer Person? Leanne setzt sich für die Struktur und klare Regeln ein. Und verändert damit die Bewegung um Norma in eine Richtung, die anderen, wie Soso, ausschließt.

Wir erfahren, dass die Struktur ihrer Amischgemeinde Leanne Sicherheit gegeben hat. Ein exklusiver Club zu sein, hat immer Vorteile, zumindest für die Mitglieder. Aus Leannes Sicht kann man das nachvollziehen. Die Gemeinschaft ihrer Kindheit ist von den meisten anderen Menschen verlacht worden, selbst die gegensätzlichen Zellengenossinnen Soso und Chang können sich auf eines einigen: dass die Amische zum Lachen sind.

Geborgenheit hat Leanne nur innerhalb der Gemeinde erfahren. Dieses Gefühl versucht sie nun zurückzuholen in einer Umgebung, in der sie auch nicht gerade an der Spitze der Nahrungskette steht. Leanne ist innerhalb Litchfields und auch als Serienfigur keine Sympathieträgerin, Mitgefühl mit ihr zu haben fällt nicht so einfach. Doch tragisch ist es schon, wie es für sie gelaufen ist.

Sie hat sich in jungen Jahren mit großer Leidenschaft für eine Lebensweise entschieden und das ist wohl mehr als die meisten anderen von sich sagen können. Für uns wirkt die Amischgemeinde befremdlich, aber wenn man Leanne in ihrer kleinen Rede auf ihrer Taufe zuhört, kann man den Zauber und die Anziehungskraft, die dieses Leben auf sie hat, ein bisschen erahnen.

Neue Paare

Während Leanne sich auf die Fahne geschrieben hat, eine neue Religion aus den Norma-Anhängerinnen zu formen, wollen zahlreiche andere Insassinnen in eine alte Religion eintreten, seit das Essen unausstehlich geworden ist, hat das koschere Essen sich zu einem echten Hit entwickelt und Pearson (Mike Birbiglia) reagiert darauf so, wie es wohl nur jemand von seiner Hilflosigkeit kann: er engagiert einen Rabbi, um die angeblichen Jüdinnen auf ihre Religionsfestigkeit testen zu lassen. Die Szenen, in denen die Frauen ihm gegenüber sitzen, sind unterhaltsam und stellen ausgiebig eine Gruppe in den Fokus, die bisher in der Serie Orange Is the New Black kurz gekommen ist. Durch die gemischte Zusammensetzung des Casts bekommen wir stets zahlreiche Witze über jede mögliche Gruppe, in Bezug auf soziale Gruppen, Hautfarbe, Herkunft und Alter. Nur die Juden waren bisher nicht dabei, denn zumindest nach unserem Wissen ist niemand als Jüdin in dieses Gefängnis gegangen. Für die meisten ist der religiöse Ausflug vor allem eine Frage der Geschmacksnerven und besonders Cindy (Adrienne C. Moore) ist engagiert, zu bestehen.

Während besonders Cindy also mit dem Judentum flirtet, machen in der Episode Where My Dreidel At einige andere Figuren erste Annäherungsversuche zueinander. Pennsatucky (Taryn Manning) und Coates (James McMenamin), Suzanne (Uzo Aduba) und Maureen (Emily Althaus), Soso (Kimiko Glenn) und Poussey (Samira Wiley) und natürlich Piper (Taylor Schilling) und Stella (Ruby Rose).

Diese kleine Affäre macht Piper nicht gerade sympathischer, sie lässt sich anmachen, zeigt keinerlei Gegenwehr oder Zuneigung zu Alex (Laura Prepon) und behandelt sie als wenn sie in erster Linie nervt.

Darum wenden wir uns lieber Poussey und Soso zu, deren Annäherung viel mehr Herz hat. Beide sind einsam und sehnen sich nach Zuneigung, doch wir haben gerade bei der Clique um Taystee (Danielle Brooks) auch schon oft gesehen, dass die Sitzordnung zu einem großen Teil von der Hauptfarbe abhängt. In dieser Gruppe ist Poussey nicht alleine, sie hat mit Taystee eine wunderbare beste Freundin und auch mit den anderen kommt sie sehr gut klar. Dennoch fühlt sie sich alleine und wir haben gerade in den letzten Episoden öfter gehört, dass sie sich nach Liebe sehnt.

Soso unterdessen hat überhaupt keine Auswahlmöglichkeit, von Chang (Lori Tan Chinn) wird sie weitgehend ignoriert und ansonsten beleidigt, zu den anderen findet sie einfach keinen Zugang, sie gehört zu keiner Gruppe und wird selbst von der Norma-Anhängerinnen schnell wieder ausgeschlossen.

Das zweite Paar, das einen hohen Rührungsfaktor zu bieten hat ist die Konstellation aus Suzanne und Maureen. Letztere kennen wir nicht besonders gut, aber in den wenigen Szenen, die wir von ihr haben, hat sie sich als jemand präsentiert, der gut zu Suzanne passen könnte. Sie kennt die Vorurteile, die einem entgegenschlagen wenn man anders ist, nicht durch Hautfarbe oder Herkunft, sondern wenn man anders ist als die Menschen um einen herum. Das ist eine Erfahrung, die auch Suzanne schon oft gemacht hat.

Die Verbindung zwischen Pennsatucky und dem neuen Wärter Coates war in der letzten Episode noch ein bisschen niedlich, doch mit den Ereignissen aus Where My Dreidel At wird sie offiziell seltsam. Coates ist undurchschaubar, naiv und unbeholfen, aber ganz deutlich auch schon angefixt von der Macht, die er Wärter in einem Gefängnis bekommt.

Fazit

Leannes Hintergrundstory, die in der Episode Where My Dreidel At im Vordergrund steht, ist gezeichnet von einem unglaublich schlechten Timing. Eine Jugendsüde zerstört ihr Leben in dem Moment, in dem sie sich entschlossen hat, in die Arme der Amisch-Gemeinschaft zurückzukehren. Viel sympathischer macht sie das trotzdem nicht, vor allem nachdem sie Soso alleine lässt obwohl sie weiß, wie sehr es wehtut, wenn man von einer Gruppe geschnitten wird. Doch nach dieser Orange Is the New Black-Episode kann man etwas mehr Verständnis für sie aufbringen.

Und immerhin haben wir die zahlreichen aufblühenden Romanzen, um uns abzulenken: Soso und Poussey, Suzanne und Maureen, es liegt Frühling in der Luft in Litchfield. Aber dank Aleidas Vermischung von Streit und Vorurteilen auch Drama.

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Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 20. Juni 2015
Episode
Staffel 3, Episode 9
(Orange Is the New Black 3x09)
Deutscher Titel der Episode
Wo ist mein Dreidel hin?
Titel der Episode im Original
Where My Dreidel At
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 12. Juni 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Juni 2015
Autor
Jordan Harrison
Regisseur
Andrew McCarthy

Schauspieler in der Episode Orange Is the New Black 3x09

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