Orange Is the New Black 3x08

Orange Is the New Black 3x08

Während Piper in der Episode Fear, and Other Smells ein Kleinunternehmen gründet, zeigt sich in Caputos Büro, wie gefährlich es sein kann, wenn man staatliche Aufgaben in die private Wirtschaft gibt.

Laura Prepon als Alex in der Serie „Orange Is the New Black“ / (c) Netflix
Laura Prepon als Alex in der Serie „Orange Is the New Black“ / (c) Netflix

Anders als die letzten Orange Is the New Black-Episoden stellt Fear, and Other Smells keine Figur in den Mittelpunkt, sondern wendet sich verschiedenen Storys zu. Die Rückblicke bleiben jedoch Alex (Laura Prepon) vorbehalten.

Du schuldest ihm fünf Dollar

Wir wissen schon lange, dass sie Teil eines kriminellen Unternehmens war, dass sie das Leben auf unterschiedlichen Kontinenten genossen hat. Alles wirkt glamourös und die Tatsache, dass die Sache auf illegalen Aktivitäten aufgebaut ist, ließ es bisher nur noch spannender erscheinen. Doch in der Episode Fear, and Other Smells sehen wir eine andere Seite der Ereignisse: die Einsamkeit auf der Beerdigung ihrer Mutter, die Verlorenheit zwischen den Kontinenten, die schlechten Entscheidungen und der Morgen mit Augenringen und Kater.

Alex hat keine Ahnung, wo sie hingehört und sie hat die Tendenz, schlechte Entscheidungen zu treffen, wenn es um die Menschen in ihrem Leben geht. Bereits in den Rückblicken erwähnt sie mehrfach, wie enttäuscht sie von Piper (Taylor Schilling) ist, dass die ihr bei der Beerdigung ihrer Mutter nicht beisteht. Wer allerdings da ist, ist Fahri (Sebastian La Cause, Hustling), der ihr keine Stunde, nachdem sie am Grab gestanden hat, Drogen anbietet und sie zum nächsten Auftrag nach Paris holt. Die beiden verbindet eine unter Drogenabhängigen weit verbreitete giftige Beziehung. Sie ermutigen sich gegenseitig zu schlechten Entscheidungen, auch wenn sie sich das Beste wünschen.

Am Ende der Episode ist Fahri deshalb tot und Alex in den Rückblicken auf dem Weg in die Entzugsklinik. Wen welches Schicksal trifft, ist ein bisschen willkürlich in einer kriminellen Organisation wie dieser, doch eins wird deutlich: Alex' Angst, dass Kubras (Eyas Younis) langer Arm bis nach Litchfield reichen könnte, ist nicht unbegründet.

Bisher haben wir nur die schillernden Seiten ihres Mafialebens gesehen, im Einzelfall noch die einsamen Stunden, aber jetzt sehen wir die echten Schattenseiten der ganzen Sache. Kubra ist kein kleiner Fisch, der Gangster spielt - er hat bereits Menschenleben auf dem Gewissen, auch solche seiner angeblichen Freunde und Mitarbeiter. Alex hat sich in der Tat mächtige und vor allem rachsüchtige Feinde gemacht.

Doch auch etwas anderes wird in dieser Orange Is the New Black-Episode deutlich: Piper ist keine gute Freundin. Statt die Ängste ernst zu nehmen, interessiert sie sich ausschließlich für ihr kleines Nebenprojekt. Alex ist auf sich alleine gestellt, von Beginn an und später auch aus eigener Schuld. Ihr Vater war nie für sie da, ihre Mutter tat sich schwer. Bei ihren Freunden hält sie sich an die Regel, nur die Menschen nahekommen zu lassen, die sich nicht wirklich um sie kümmern, wenn es ihr schlecht geht.

Stinkt drauf los!

Während Alex um ihr Leben fürchtet, versucht Piper, ein Unternehmen aufzubauen. Das macht sie unter anderem mit einer Rede, die so gar nicht in die Serie Orange Is the New Black passen will. Untermalt von heroischer Musik schwingt Piper auf dem Tisch stehend große Worte darüber, dass man sich mit dem eigenen Intimgeruch anfreunden sollte. So was haben wir bisher in Litchfield noch nicht gesehen, doch auf eine gewisse Art passt es in die dritte Staffel. Zu unterschiedlichen Gelegenheiten haben die Autoren den Figuren Grundsatzansprachen in den Mund gelegt, ob Sophia (Laverne Cox) über ihr Selbstverständnis als Transgenderfrau spricht oder ob Healy (Michael Harney) und Red (Kate Mulgrew) sich abwechselnd über die Verpflichtungen der Ehe auslassen.

In Pipers Fall gelingt es den Autoren nicht so galant wie gewöhnlich, die Rede in den tragikomischen Ton der Serie einzubauen. Pipers Ausbruch wirkt seltsam und fehl am Platze, aber immerhin nicht wirklich störend.

Ihr neuer Unternehmergeist wird sarkastisch an den Vorgängen auf anderer Ebene gespiegelt. Das mittelständische Unternehmen mit regionalen Arbeitsplätzen, das sie heraufbeschwört, ist in der freien Wirtschaft längst jeder Kontrolle entwachsen und hat sich zu einem mehrköpfigen oder, besser gesagt, kopflosen Desaster entwickelt.

Die Offenbarung, dass Pearson (Mike Birbiglia) der Sohn des Firmenchefs ist, lässt ihn in neuem Licht erscheinen. Er hat diesen Job offenbar ausschließlich durch Papas Gnade bekommen und seine Stellung innerhalb der Firma ist nicht gerade gut. Er hört Caputo (Nick Sandow) durchaus zu, er versteht ihn und er glaubt ihm. Er hat ebenfalls abgehackte Hände, wie Healy in dieser Episode von sich sagt.

Alle in diesem Unternehmen haben abgehackte Hände. Die einzigen Aktionen, die sie durchführen, sind diejenige, die Geld sparen, so unsinnig sie in jeder anderen Hinsicht auch sein mögen. Unverhüllt präsentieren die Orange Is the New Black-Macher uns die hässliche Seite des Kapitalismus - niemand übernimmt Verantwortung, alle denken an das schnelle Geld und überlassen das sinkende Schiff anderen.

Ein Forsetzungsabenteuer

Außerdem werden in der Episode Fear, and Other Smells viele Brüche in den Beziehungen eingeführt. Wir sehen, wie sich ein Konflikt zwischen Gloria (Selenis Leyva) und Sophia aufbaut, wie sich Pennsatucky (Taryn Manning) und der neue Wärter Coates (James McMenamin, Nurse Jackie) anfreunden und wie Daya (Dascha Polanco) die Wahrheit über Aleidas Deal erfährt und die Abmachung mit Mendez' Mutter (Mary Steenburgen) platzen lässt.

Poussey (Samira Wiley) gibt Taystee (Danielle Brooks) gegenüber zu, Hilfe zu brauchen, doch statt zu den Anonymen Alkoholikern zu gehen, wendet sie sich Norma (Annie Golden) zu. Die unterhaltsamste neue Storyline ist wohl Suzannes neue Anhängerschaft, durch die wir neue Figuren kennenlernen und neue Blicke auf die alten werfen können. Sie schreibt einen Fortsetzungsroman - und das machen die Autoren sich zunutze, um die Situation der Zuschauer zu kommentieren. Wie schon SERIENJUNKIES.DE®-Leser Onlime in einem Kommentar zur Episode Ching Chong Chang schrieb: „Netflix-Effekt, der im Übrigen auch genialerweise in der Serie thematisiert wird, und zwar in Bezug auf Suzannes erotischem Sci-Fi-Zeitreise-Fortsetzungsroman, dessen Kapitel nicht alle Insassinnen gleichzeitig lesen können und sich deswegen mit Spoilern und Kommentaren möglichst zurückhalten.

Fazit

Die Episode Fear, and Other Smells ist ein Potpourri an Geschichten. Wir werfen einen Blick auf viele Figuren und bei einigen kommen dabei alles verändernde Informationen heraus - unter anderem bei Pearson, Caputos unerträglichem Gegenpart, der im Grunde doch ein Guter ist, das aber aufgrund kompletter Machtlosigkeit nicht zeigen kann.

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Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 19. Juni 2015
Episode
Staffel 3, Episode 8
(Orange Is the New Black 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Furcht und andere Gerüche
Titel der Episode im Original
Fear, and Other Smells
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 12. Juni 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Juni 2015
Autor
Nick Jones
Regisseur
Mark A. Burley

Schauspieler in der Episode Orange Is the New Black 3x08

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