Orange Is the New Black 3x01

Die Auftaktepisoden der dritten Staffel Orange Is the New Black macht es deutlich, dass auch die Welt in Litchfield sich nicht mehr um Piper (Taylor Schilling) dreht. Auch wenn ihr Wiedersehen mit Alex (Laura Prepon) ein emotionaler Höhepunkt der Episode It's the Great Blumpkin, Charlie Brown ist, stehen andere im Zentrum: die Mütter von Litchfield, die versuchen, einen einzigen, schönen Tag mit ihren Kindern zu verbringen.
Was ist hier eigentlich los?
Die letzte Staffel ist schon ein bisschen her, zumindest für alle die, die Orange Is the New Black verschlingen, sobald sie erscheint. Darum werfen wir einen kleinen Blick zurück, um uns zu erinnern, in welcher Situation wir eigentlich auf die Figuren treffen. Der große Abschluss der zweiten Staffel war Miss Rosas Entscheidung, mit einem gestohlenen Gefängnisvan die geflohene Vee (Lorraine Toussaint) überzufahren. Dieses Ereignis wird im Staffellauftakt mehrfach thematisiert, unter anderem durch Red (Kate Mulgrew), die ihren Tunnel zuschüttet und zu einer Art Grab für Vee macht. Aber auch durch Suzanne (Uzo Aduba), die Vees Tod nicht akzeptieren kann und von den anderen dafür aufgezogen wird.
Red kehrt nach dem Kampf mit Vee von der Krankenstation zurück in den normalen Gefangenentrakt und übernimmt Rosas Bett. Figuera (Alysia Reiner) ist fort, Caputo (Nick Sandow) ist die höchste Instanz in Litchfield. Nach Mendez' Abgang rückt nun eine neue Figur in den Mitarbeiterstab nach, Berdie Rogers (Marsha Stephanie Blake, Happyish), die sich bei uns mit einem amüsanten Schlagabtausch mit Caputo vorstellt.
Alex wurde zum Ende der zweiten Staffel aus dem Gefängnis entlassen und versuchte, ein neues Leben zu beginnen, doch die Angst vor ihrem kriminellen Freund, den sie verraten hat, um freizukommen, geht in Paranoia über. Dass sie letztendlich wieder in der Zelle landet, ist Piper zu verdanken, die ihre Exfreundin bei ihrem Bewährungshelfer angeschwärzt hat.
In der Küche ist nach wie vor Gloria (Selenis Leyva) an der Macht mit ihrer Clique. Dort ist die Freude auf den bevorstehenden Muttertag besonders groß. Wir erinnern uns daran, dass Bennett (Matt McGorry) seinem Boss Caputo gegenüber reinen Tisch in Bezug auf Dayas Schwangerschaft gemacht hat, was zu Spannungen zwischen dem Wärter und dem Gefängnisdirektor führt.
Lorna ist als notorische Lügnerin entlarvt worden und um das zu untermalen setzt sie in der Episode Mother's Day richtig einen drauf und erzählt in Sophias Knastsalon von ihren vier erfundenen Kindern.
Nicky (Natasha Lyonne) ist immer noch mit dem Heroin beschäftigt, das schon so viel Unheil über Litchfield gebracht hat.
Ein schwieriger Muttertag
Die Auftaktepisode Mother's Day hat viele starke Szenen zu bieten, fast alle der Figuren feiern einen emotionalen Wiedereinstieg in die Story. Muttertag ist ein perfekter Anlass, uns kleine Rückblicke vieler Charaktere zu servieren und dabei nicht die Gegenwart aus den Augen zu verlieren. Das Motto der neuen Staffel scheint von Caputo und Berdie gesetzt zu werden. Er erklärt der Neuen: „Wenn die Frauen vergessen, dass sie draußen ein Leben haben, wirkt sich das auf ihr Leben hier drinnen aus.“, woraufhin sie erwidert: „Vielleicht vergessen sie es aus gutem Grund.“
Muttertag wird eine Nervenprobe für die schwierige Balance zwischen dem Leben im Gefängnis und allem, was sie mit der Außenwelt verbindet und wir lernen, dass eines der schwierigsten Dinge ist, als Mutter einzusitzen. Andere Verbindungen sind leichter, können zerbrechen und kaum Spuren hinterlassen. Wie zum Beispiel Pipers unschönes Beziehungsende mit Larry, der jetzt mit ihrer besten Freundin ein Bett teilt. Nichts von dieser Verbindung ist geblieben und hat zumindest zu Beginn dieser Staffel auch keine Auswirkungen auf Pipers Leben.
Für die Mütter in Litchfield sieht das anders aus, ihre Kinder, so alt sie auch schon sein mögen, bleiben ein zentraler Punkt in ihrem Leben, markieren das eigene Versagen, zeigen die verpassten Momente auf. Die Mutterschaft sehen wir in dieser Episode von Orange Is the New Black in vielen Variationen. Zum Beispiel Maritza (Diane Guerrero), die schöne Worte über die Mutterfreuden hat, aber ihr Kind an die aus Versehen nebenstehende Blanca (Laura Gomez) abgibt, als sie feststellt, dass die Windel des Babys nicht dicht ist. Maritza hatte keine Gelegenheit, als Mutter einen Alltag zu haben, sie sitzt im Knast und sieht ihr Kind nur auf Besuchstagen.
Anders sieht es für die aus, deren Kinder schon etwas älter sind. Gloria zum Beispiel, die feststellen muss, dass ihr Sohn sich jeglichen Erziehungsversuchen widersetzt. Man darf Gloria zutrauen, dass sie kurzen Prozess mit seinen Launen machen würde, wenn sie könnte, doch ihr Leben findet in einem separaten Raum statt, im Gefängnisuniversum, abgetrennt von der Alltagswelt ihrer Kinder.
Wir sehen harmlose Scherze, wie die beiden Wärter, die sich gegenseitig die Kindermeute auf den Hals hetzen. Wir sehen neben Toiletten abgelegte Babys, damit die Mutter in Ruhe Drogen nehmen kann. Besonders mit der Familie von Aleida (Elizabeth Rodriguez) und Daja (Dascha Polanco) ist es ein Blick in eine komplizierte, aber hoffnungsreiche Welt. Probleme haben sie nicht zu wenig, aber sie haben Hoffnung, sie haben sich und halten zueinander, ohne, dass das immer wieder thematisiert werden muss. Weiß eigentlich jemand ganz genau, wie viele Mitglieder zu dieser Familie gehören? Trotz aller Probleme und widriger Umstände halten sie sich von der letzten Stufe der Verzweiflung fern und das liegt auch daran, dass sie sich gegenseitig haben. Sich um die Probleme der anderen Familienmitglieder kümmern zu müssen, kann einen auch von den eigenen Selbstmordgedanken abhalten.
Der erste Teil des großen Festes ist von dieser Atmosphäre bestimmt. Und dann prallt die traurige Seite der Wirklichkeit auf die bunt geschminkten Gesichter. Die Kinder weinen während ihre Mütter sich auf den Boden legen. Mit dem Alarm wird der tröstliche, laute Zusammenhalt der Familie aus der Atmosphäre gespült. Verängstigte Kinder weinen während ihre Mütter sich auf den Boden legen. Nichts daran fühlt sich richtig an und aus einem Tag, der Kinder und Mütter näher zusammen bringen sollte, wird ein Tag, der den Kindern vor Augen führt, dass die eigene familiäre Situation alles andere als zuversichtlich ist. Wie Soso (Kimiko Glenn) richtig festhält: nicht nur die Piñata, der ganze Tag ist eine Metapher für das Leben, das die Kinder mutmaßlich erwartet.
Wege ins Gefängnis
Darüber hinaus begegnen wir auch in den Rückblicken einigen vielsagenden Mütter-Töchter-Konstellationen. Die sind jedoch einen Tick zu offensichtlich, was viel von der Emotionalität nimmt. Nickys Mutter ist das Klischee der reichen, egoistischen Mutter, deren Kind im Rest der Lebensplanung auf der Strecke bleibt und nur einen Zweck hat: in teuren, niedlichen Kleidern gut in die Kulisse zu passen. Poussey (Samira Wiley) kann auf eine liebevolle Beziehung zu ihrer Mutter zurückblicken, die jedoch bereits verstorben ist.
Keiner dieser Rückblicke funktioniert in gewohnter Orange Is the New Black-Manier, abgesehen von Sophias kurze Szenen. Den meisten fehlt die Komik, es zeigt sich nur die, ziemlich aufgesetzt wirkende, Tragik. Doch glücklicherweise haben wir Sophia (Laverne Cox), deren Rückblick zwar ebenfalls nicht mit besonderer Stärke hervortritt, die aber ein emotionales Gespräch mit ihrem Sohn hat, das in gewohnter Qualität Emotionalität mit Unterhaltung verbindet.
Ebenfalls in Erinnerung wird das Gespräch zwischen Pennsatucky (Taryn Manning) und Big Boo (Lea DeLaria) bleiben und das nicht nur aufgrund der amüsanten Verkleidung, in der letztere aufläuft.
Die andere große Story, abseits des Familientages, ist das Wiedersehen zwischen Piper und Alex. Der große Konflikt wirft schon seine Schatten voraus, denn Alex ist von der Tatsache erschüttert, es in der Freiheit nicht geschafft zu haben. So verzweifelt und vor allem an sich selber zweifelnd haben wir sie noch nie gesehen. Alles, was bisher passiert ist, schien an Alex abgeprallt zu sein. Doch sie hat die letzte Hoffnung verloren. Alle Insassinnen träumen von dem Tag, an dem sie entlassen werden und Alex hat erlebt, dass das Glück sich auch dann für sie nicht einstellen wird. Piper und Alex haben einander schon in der Vergangenheit furchtbare Dinge angetan und immer wieder bewiesen, wie giftig ihre Beziehung ist. Dieses Mal ist Piper zu weit gegangen und der große Zusammenbruch kann nur noch eine Frage der Zeit sein.
Fazit
Der Staffelauftakt Mother's Day führt uns zurück in die Welt von Litchfield und nutzt den Muttertag, um Rückblicke und kleine Storys breit gefächert aufzuteilen. Das System funktioniert und nach kurzer Orientierung ist die lange Wartezeit vergessen.
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Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 12. Juni 2015Orange Is the New Black 3x01 Trailer
(Orange Is the New Black 3x01)
Schauspieler in der Episode Orange Is the New Black 3x01
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