Only Murders in the Building 3x10

© Hulu/Disney+
Nach zehn amüsanten Episoden auf Hulu und Disney+ ist die dritte Staffel von Only Murders in the Building zu Ende gegangen, in deren letzten Momenten erneut eine weitere Season mit einem neuen Mordfall im Arconia-Gebäude angeteast wurde. Langsam darf man sich also wirklich fragen, warum bei der Mordrate immer noch Leute in der New Yorker Adresse wohnen wollen, die sich als echter Killermagnet erweist...
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Man kann sich aber ebenfalls fragen, ob die Krimiformel der Whodunnit-Comedy etwas festgefahren ist. So war es mit dem Erfahrungswert der ersten beiden Staffeln eigentlich klar, dass man die Hauptverdächtigen der ersten Hälfte komplett außer Acht lassen kann, was die Auflösung angeht - und dass die in der vorletzten Folge überführte Person nicht der/die Mörder:in ist. Aber eines nach dem anderen...
Vorhang auf für die 3. Staffel der Serie „Only Murders in the Building“
Den ersten, vermeintlichen Tod des von Paul Rudd gespielten Schauspielers Ben Glenroy bekamen wir schon im zweiten Staffelfinale zu sehen, als er mitten auf der Bühne während der Premiere des Krimistücks „Death Rattle“ zusammenbrach. Im Auftakt der dritten Staffel erscheint er urplötzlich genesen auf der deprimierenden Premierenparty, ehe er dann tatsächlich ermordet auf dem Fahrstuhl des Arconia-Gebäudes aufgefunden wird.
Das zentrale Podcast-Trio, bestehend aus dem abgehalfterten Krimischauspieler Charles-Haden Savage (Steve Martin), Theater-Regisseur Oliver Putnam (Martin Short) und True-Crime-Shootingstar Mabel Mora (Selena Gomez), ermittelt also erneut für eine potentielle Podcast-Staffel, wobei der Podcast durch den günstig gelegenen Tatort sogar seinem Titel treu bleiben kann. Untersucht wird das Umfeld von Olivers eigener Theater-Produktion, mit der er sein großes Comeback feiern sollte. Wie sich jedoch herausstellen soll, gab es hinter den Kulissen eine mörderische Menge Drama...

Die dreifache Oscarpreisträgerin Meryl Streep (Big Little Lies) kam diese Staffel als glücklose Schauspielerin Loretta Durkin zur Serie, die sich jetzt noch den späten Durchbruch mit dem Theaterstück erhofft. Als prominenteste Person im Cast, deren Hintergrundgeschichte gleich zu Beginn beleuchtet wird, galt sie natürlich nach alter Krimiformel als Hauptverdächtige, die vielleicht ein bisschen zu offensichtlich als Täterin infrage kam...
Weitere Verdächtige sind Bens Adoptivbruder und persönlicher Assistent Dickie (Jeremy Shamos), der mit Mabel anbandelnde Dokumentarfilmer Tobert (Jesse Williams), das Mutter-Tochter-Producer-Duo Donna und Cliff DeMeo (Linda Emond sowie Wesley Taylor) und Cast-Mitglieder wie Kimber (Ashley Park), Jonathan (Jason Veasey), Ty (Gerald Caesar) und Bobo (Don Darryl Rivera). Selbst der sanftmütige Nachbar Howard (Michael Cyril Creighton), der als Assistent an der Produktion beteiligt ist, war diesmal nicht auszuschließen.
Im Lauf der Staffel entschließt sich der bis zu mehreren Herzinfarkten gestresste Oliver dazu, das Stück als Musical namens „Death Rattle Dazzle“ neu aufzulegen und kommt Loretta dabei näher. Charles vermasselt seine Beziehung zur Make-up-Künstlerin Joy (Andrea Martin), die sich auch kurzzeitig verdächtig macht, und Mabel, die mittlerweile von der Podcast-Päpstin Cinda Canning (Tina Fey) umgarnt wird, muss sich eine neue Bleibe suchen, da ihr die noble Arcadia-Wohnung ihrer Tante nicht mehr zur Verfügung steht. Unser Publikumsmitleid, dass sie potentiell in einem weniger luxuriösen Apartment leben muss, hält sich allerdings in Grenzen. Zeit mit ihren alten Podcast-Buddies verbringt sie ohnehin, auch wenn es während der Season erstmals zu größeren Zerwürfnissen kommt, die dann jedoch wiederum recht rasch geflickt werden.

Viel Spaß hat die Season nicht nur mit der Vergangenheit von Rudds Blockbusterschauspieler, den man für fiktive Serien wie „Girl Cop“ und das Super-Ermittler-Filmfranchise „CoBro“ kannte, sondern auch mit dem Theatermilieu und dem Thema Musiktheater. So gibt es mehrere Musikeinlagen und Cutaway-Gags, entweder als Bob-Fosse-inspirierte Traumsequenzen oder als Teil des sich ständig entwickelnden „Death-Rattle“-Musicals, das dank der Broadway-Komponisten Benj Pasek und Justin Paul („Dear Evan Hansen“) einige aggressive Ohrwürmer vorzuweisen hat.
Das Musical entpuppt sich als thematisch nicht unrelevant, da es um eine von Loretta gespielte Nanny geht, die potentiell mörderische Drillinge um jeden Preis beschützen will. So wird Streeps Serienfigur am Ende nicht als Täterin, aber als biologische Mutter von Bens Adoptivbruder Dickie enthüllt, was sich wie eine eher unspektakuläre Story-Sackgasse für einen so hochkarätigen Star anfühlt. Auch wirkt die Geschichte nicht unbedingt adoptionsfeindlich, aber schon irgendwie adoptionsskeptisch, wie leider immer noch so viele Serien, in denen Paare am Boden zerstört sind, wenn sie keine eigenen Kinder zeugen können, ohne an die offensichtliche Option zu denken...
Einen sehr viel überflüssigeren, wenn auch recht amüsanten Gastauftritt, hat hingegen Matthew Broderick, der eine noch viel nervigere Version von sich selbst spielt.
Also... Who dunnit? (SPOILER)
Das wiederkehrende Thema „Eine Mutter würde alles für ihr Kind tun“ spielt auch in die Auflösung des Falles hinein. Gegen Ende der Staffel lenkt man die Aufmerksamkeit auf Theater-Produzentin Donna (Linda Emond), die Ben tatsächlich am Tag der ersten Uraufführung von „Death Rattle“ mit einem Keks vergiftet hatte, um vernichtende Theaterkritiken zu vermeiden. Es war jedoch nicht sie, die ihren großen Star den Fahrstuhlschacht hinuntergeschubst hatte, sondern, wie sich am Ende herausstellt, ihr Sohn Cliff (Wesley Taylor) nach einem Handgemenge mit Ben, nachdem dieser darauf kam, wer ihn da vergiftet hatte.
In unserem Spekulationsartikel hatten wir nach der Hälfte der Staffel also den richtigen Riecher, aber noch das falsche Motiv. Cliff war nicht, wir wir vermutet hatten, der heimliche Lover in Bens Umkleide... Als dieser entpuppte sich in der überraschendsten Wendung der Staffel ein (vergifteter) Keks, dem Ben nicht widerstehen konnte.
Fazit
Auch die dritte Staffel von Only Murders in the Building ist oft nicht ganz so witzig, wie sich die Comedy selbst vorkommt, hat aber durchaus einige amüsante Momente durch das Setting im Musicalmilieu in petto. Ganz klassische Krimiserien-Kost hält wie immer bei der Stange, kann über zehn Wochen aber auch strapazieren, da man ohnehin davon ausgehen kann, die Verdächtigen der ersten Hälfte außer Acht lassen zu können. Wer gewartet hat, bis man die Season in ein bis zwei Sessions in einem Stück weg-bingen kann, hat es vermutlich richtig gemacht.
Der große selling point der Staffel war natürlich der Zusatz von Filmlegende Meryl Streep, die sich bis heute trotz ihres Legendenstatus für nichts zu schade ist. Hot Take: Die Streep ist ganz schön gut bei dieser Schauspielsache - sollte sie weiterverfolgen. Umso bedauernswerter natürlich, dass ihre Storyline am Ende ein bisschen stiefmütterlich ausläuft...
Dreieinhalb von fünf köstlichen Rattengift-Cookies sind immer noch locker drin. Die bereits bestätigte vierte Staffel, in der dann der Mord an Charles' Stuntdouble Sazz (Jane Lynch) untersucht wird, sollte die altbewährte Staffelstruktur jedoch endlich etwas aufrütteln...
Hier abschließend noch der Trailer zur aktuellen Staffel der Serie „Only Murders in the Building“:
Verfasser: Mario Giglio am Sonntag, 8. Oktober 2023(Only Murders in the Building 3x10)
Schauspieler in der Episode Only Murders in the Building 3x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?