Nikita 2x18

Alex' (Lyndsy Fonseca) Weigerung, ihnen ihre Anteile an Zetrov zu überschreiben, zwingt Amanda (Melinda Clarke) und Ari (Peter Outerbridge) zu einer Modifikation ihrer Pläne: Amanda lässt den Prototypen eines Helium-3-Umwandlers stehlen, der zum Bau eines Kernfusionsreaktors gebraucht wird. Der Schlüssel zu ökologisch sauberer Energie! Mit diesem Trumpf im Ärmel wollen sie den Vorstand von Zetrov dazu bringen, Ari zum Geschäftsführer zu ernennen. Natürlich ahnen sie, dass Nikita (Maggie Q) ihnen auf den Fersen ist, um das Gerät zurückzustehlen - und sie an der Machtübernahme bei Zetrov zu hindern.
Während Amanda in Moskau weilt, nutzt Percy (Xander Berkeley) ihre Abwesenheit für einen Putsch. Er lässt sich von einem Gewährsmann festnehmen, nur um dann nach und nach die Agenten von Division, zu deren Verunsicherung er selbst nach Kräften beigetragen hat (Doublecross), auf seine Seite zu ziehen. Ohne es selbst zu ahnen, ist ihm dabei auch noch Birkhoff (Aaron Stanford) behilflich...
Der Titel der Episode bringt es kurz und knapp auf den Punkt: Power handelt von zwei Männern, die nach der Macht greifen, Ari und Percy. Der eine will die Kontrolle über Zetrov, der andere die über Division. Beide pokern hoch. Und wie es so in Machtspielen nun einmal ist: Es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Percy setzt alles auf eine Karte (er entgeht schließlich nur knapp seiner eigenen Exekution) - und erlangt die Herrschaft über Division zurück. Der König ist zurück in seinem Reich! Dass er zur Umsetzung seines Plans auch noch den nichtsahnenden Birkhoff einspannt, der die Division-Mitarbeiter mit dem unabhängigen Beweis für Amandas Illoyalität versorgt, ist einer dieser genialen Percy-Schachzüge, für die man ihn - ungeachtet aller anderen Gefühle, die man für ihn haben kann - einfach bewundern muss.
Auch Ari und Amanda setzen alles auf eine Karte. Und zwar auf „Nomad“ (Birkhoff, Du bist so ein Nerd!). Doch ihr Plan schlägt fehl. Vorstandssitzungen und Cocktailpartys sollte man eben nie zur gleichen Zeit und am gleichen Ort abhalten. Man weiß nie, wer vielleicht alles zu Gast ist - und sich mit einem Prototypen aus dem Staub zu machen versucht. Na ja, in die Verlegenheit, Cocktailpartys zu geben, werden Ari und Amanda wohl in nächster Zeit auch nicht mehr kommen. Jedenfalls nach ihrer Notunterkunft in Bukarest zu schließen.
Das Zusammenfallen von Vorstandssitzung und Aktionärsparty mag ein bisschen gezwungen wirken, da es offenkundig nur dazu dient, Nikita & Co. eine Gelegenheit zum Eingreifen zu geben. Die famosen Wendungen, welche Power uns dafür bietet, entschädigen für diesen geringfügigen Mangel an Plausibilität aber allemal. Gerade noch standen Ari und Amanda kurz davor, König und Königin der Welt zu werden - er im Osten, sie im Westen -, und plötzlich stehen sie vor dem Nichts. Er verliert Zetrov, sie Division.
Aber es sind nicht nur die Wechselfälle des Schicksals, die unsere Antagonisten treffen, durch welche die Episode so unterhaltsam wird. Auf emotionaler Ebene glänzt Power durch ein Machtspiel ganz eigener Art zwischen Nikita und Amanda. Bei ihrer ersten Konfrontation gelingt es Amanda, Nikita zu überwältigen. Sie könnte sie erschießen, tut es aber nicht. Obwohl sie doch immer auf ihren Tod aus war, bringt sie es nicht fertig, den Abzug zu betätigen und die Frau zu töten, welche sie selbst geformt und aus einem Straßenmädchen in eine Top-Agentin verwandelt hat. Amanda selbst legt sich dieses Verhalten, das fast von einer Art mütterlichem Instinkt geleitet zu sein scheint, als Schwäche aus.
Als Nikita am Ende in die umgekehrte Situation kommt, dass sie Amanda erschießen könnte, deutet sie die Tatsache, dass sie es nicht tut (= dass sie ihrem Racheimpuls nicht folgt), dagegen als einen Akt der Stärke. Viel mehr als durch eine Kugel verletzt sie Amanda ohnehin mit ihren Tränen. Womit wir zu der wahrscheinlich faszinierendsten Szene der gesamten Episode kommen: dem Dialog zwischen Nikita und Amanda im Forschungslabor.
Schon in Sanctuary hatten wir gesehen, dass sich unter der kalten, manipulativen Fassade von Amanda durchaus jemand verbirgt, der sich nach Bindung und Anerkennung sehnt. Auf ihre ganz eigene Weise scheint sie Division als eine Art „Familie“ begriffen zu haben - mit Percy als „Vater“, ihr als „Mutter“ und den Rekruten als ihren „Kindern“. Deshalb hat es sie in Sanctuary so sehr verletzt, als Percy ihr klarmacht, dass es niemals etwas „Besonderes“ zwischen ihnen gab. Und deshalb verletzt sie die Zurückweisung durch Nikita. Dass sie nicht anerkennen will, dass Amanda etwas Gutes für sie getan hat, sondern im Gegenteil offenbart, wie sehr ihr das, was Amanda mit ihr gemacht hat, weh getan hat. Würde ihr Nikita mit Aggression begegnen, hätte Amanda keine Probleme, sie zu kontern. Ihre Tränen bringen Amanda dagegen sichtlich aus der Fassung, einfach weil es mit ihrem Selbstbild von sich als „Mutter“ von Division kollidiert.
Fazit
„O yeah, you had me at Amanda...“ Power ist eine wendungsreiche Folge, welche die Karten in der Nikita-Welt grundlegend neu mischt und darüber hinaus einen faszinierenden Einblick in die Psyche unserer liebsten, verhassten Antagonistin gibt.
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 1. April 2012(Nikita 2x18)
Schauspieler in der Episode Nikita 2x18
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