Nikita 1x21

Eine zentrale Schwäche vieler Filme und TV-Serien ist der Bösewicht. Viel zu oft bekommen wir stereotype, eindimensionale und schlecht motivierte bad guys vorgesetzt, die eine Geschichte allein dadurch entwerten, dass man sie kaum als eine gravierende Gefahr für den Helden ernst nehmen kann.
Und dann gibt es Bösewichte wie Percy (Xander Berkeley), deren Anteil am erzählerischen Erfolg einer Story gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, weil sie das genaue Gegenteil repräsentieren. Percy ist eine vielschichtige Figur, angetrieben aus einer kruden, aber keineswegs unplausiblen Melange aus persönlichem Machtstreben und übersteigertem Patriotismus. Er glaubt wirklich, dass eine Institution wie Division für die nationalen Sicherheitsinteressen der USA nötig ist. Zugleich setzt er damit seine persönlichen Interessen in eins. Der Satz L'étât c'est moi könnte, nicht erst seit Bekanntwerden seiner Pläne zum Staatsstreich, auch von Percy stammen.
Was Percy so gefährlich - und Nikita deshalb so spannend macht - ist seine Verschlagenheit und seine Intelligenz. Nie weiß man, was Percy wirklich im Sinn hat. Seiner Eigen-Charakterisierung als Schachspieler, der immer schon mehrere Züge im Voraus denkt, ist voll und ganz zuzustimmen. In Betrayals zeigt sich eine völlig neue Dimension dieser abgründigen spielerischen Intelligenz: Percy hat Michael (Shane West) und Alex (Lyndsy Fonseca) längst durchschaut.
Nachdem er Michael gefangen genommen hat, enthüllt er, wie er darauf gekommen ist - und wie er sein Wissen benutzt hat, um Nikita (Maggie Q) für seinen Anschlagsplan einzuspannen, ohne dass sie davon überhaupt weiß. Dass ist ein wahrhaft genialer Schachzug - und für die Episode eine von vielen atemberaubenden Wendungen. Der Bösewicht scheint in kompletter Kontrolle des Spiels, während unsere Heldin hilflos in seinem Netz gefangen ist. Eine bessere, sprich: spannendere, Ausgangssituation für das Staffelfinale ist kaum vorstellbar.
Halt, doch! Denn Percy nimmt außerdem noch Alex, also die engste Verbündete von Nikita, gefangen - und wendet sie (scheinbar?) gegen sie. Dabei macht er sich zu Nutzen, dass Nikita gegenüber ihrer Partnerin in zwei Punkten nicht aufrichtig gewesen ist: Sie hat ihr vorenthalten, dass sie die Mörderin von Alexandras Vater war. Und sie hat ihr den Kill Chip in ihrem Nacken verschwiegen. Geschickt versucht Percy, die Schuld von Division am Tod von Alex' Familie herunterzuspielen, während er gleichzeitig an ihr Eigeninteresse appelliert.
Mit Erfolg, wie es scheint: Alex lockt Nikita in eine Falle und schießt sogar auf sie. Allerdings - und das ist unsere einzige Hoffnung, die uns durch den Cliffhanger hindurch begleitet - scheint Alex auch nach wie vor gegenüber Percy ein doppeltes Spiel zu spielen. Er ist schließlich nicht der einzige Schachspieler. Und so fragen wir uns: Was hat Alex da hinter ihrem Rücken aus dem Kasten geholt? Eine Platzpatrone?
Nahezu sämtliche Erzählstränge, die die Serie das vergangene Jahr über durchzogen haben, kommen in Betrayals zusammen (unter anderem gibt es ein Wiedersehen mit Noah Bean als CIA-Agent Ryan Fletcher), was zu einer der dichtesten und spannendsten Episoden von Nikita beiträgt.
Die Marschroute für die letzte Folge der ersten Staffel scheint klar: Der Showdown zwischen Nikita und Percy. Dabei stellt sich mehr und mehr die Frage: Sollte Nikita von The CW verlängert werden, welche Richtung wird die Serie dann in der zweiten Staffel einschlagen? Die meisten Handlungsstränge aus dem ersten Durchlauf werden wohl in der nächsten Folge - so oder so - zu einem Ende kommen. Werden die von Percy wieder erwähnten Vorgesetzten von oversight auf den Plan treten? Wird Amanda (Melinda Clarke) Division übernehmen?
Ich drücke (wie wohl die meisten Fans) fest die Daumen, dass uns der Sender CW Grund gibt, uns über diese Fragen nach der kommenden Woche und über den Sommer hinweg den Kopf zu zerbrechen.
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 7. Mai 2011(Nikita 1x21)
Schauspieler in der Episode Nikita 1x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?