Nikita 1x20

Als Zuschauer von Nikita haben wir uns langsam daran gewöhnt, dass die Serie geradezu mit Lichtgeschwindigkeit erzählt wird. Aber mit Glass Houses überholen sich die Autoren selbst: Der Stand am Ende von Girl's Best Friend war, dass Alex (Lyndsy Fonseca) entgegen ihrer ursprünglichen Absicht beschließt, im Dienst von Division zu verbleiben, um ihre Arbeit als Maulwurf dort fortzusetzen.
Am Anfang der neuen Episode meint sie jedoch auf einmal, dass Michael (Shane West) viel besser als Doppelagent geeignet ist (womit sie natürlich Recht hat), weshalb sie nun doch zu Plan A zurückkehrt, bei Division auszusteigen. Entweder ist Alex eine sehr wankelmütige Person, oder die Macher der Serie haben beim erzählerischen Anschluss zwischen beiden Folgen nicht so genau aufgepasst - oder zumindest die Hoffnung gehabt, dass es die Zuschauer nicht tun (was grundsätzlich ein fataler Fehler ist).
Diese Unstimmigkeit ist allerdings auch einer der wenigen größeren Kritikpunkte an einer Folge, die ansonsten wieder einmal sehr spannende Unterhaltung bietet: Michael erfährt, dass eine Operation namens Sparrow in Kürze starten soll. Dabei handelt es sich, wie er vermutet, um Percys (Xander Berkeley) Plan zum Sturz der Regierung. Informationen darüber lässt Percy auf die vier verbliebenen Festplatten aufspielen, deren sichere Unterbringung einer besonderen Prüfung unterzogen werden soll.
Auf diese Weise erfährt Michael vom Standort eines weiteren Wächters, einer Frau. Nikita (Maggie Q) versucht, sie aufzuspüren, bevor Michael offiziell seine Nachforschungen antritt, dabei entdeckt sie allerdings, dass die Frau mittlerweile eine Familie hat. Würde Division das herausfinden, wäre das deren sicherer Tod. Also müssen Nikita und Michael versuchen, die Wächterin (Christina Moses) davon zu überzeugen, dass sie ihnen die black box überlässt und mit ihrer Familie verschwindet.
Gelungen ist dieser Handlungsstrang nicht zuletzt wegen der thematischen Parallelführung zwischen dem Plot-der-Woche und der Beziehung von Nikita und Michael. In beiden Fällen geht es um den Zusammenstoß zwischen dem Wunsch nach einem normalen Leben und der ganz und gar nicht normalen Profession, der die Protagonisten nachgehen. Als Michael zu Nikita sagt, dass er einfach nicht darüber nachgedacht hat, wie im Falle ihres Erfolgs ein Leben nach Division aussehen könnte, klingt das durchaus plausibel. Umso mehr geht natürlich sein nachfolgender Satz zu Herzen: „It's been a long time since anything as good as you happened in my life.“
Während es für Nikita sowohl auf ihrer Mission als auch privat sehr gut läuft, kann man das von ihrer Partnerin Alex nicht behaupten. Vielleicht hätte sie ihren Nachbarn/Lover Nathan (Thad Luckinbill) lieber langsam an die Wahrheit heranführen - und seine Vermutung, dass sie vor der Mafia fliehen will, zunächst bestätigen sollen. Direkt mit der Tür ins Haus zu fallen, „Hey, ich bin eine Killerin im Auftrag einer geheimen Regierungsorganisation“, war vielleicht nicht so klug. Kein Wunder, dass Nathan glaubt, sie wolle ihn verarschen. Beziehungsweise auf fantasievolle Weise mit ihm Schluss machen.
Als Nathan die Wahrheit erkennt, ist es zu spät: Jaden (Tiffany Hines), die als frischgebackene Agentin Alex besuchen will, wird durch eine Bemerkung von Nathan misstrauisch - und die beiden Frauen geraten in einen Kampf, der damit endet, dass Nathan Jaden in einem Akt der Nothilfe erschießt.
Wie Alex versucht, sich herauszuwinden und wieder einmal der Enttarnung zu entgehen, das ist spannend anzuschauen. Ein wenig enttäuschend ist allerdings das Auffliegen selbst: Da hat es Alex so lange geschafft, ihr Geheimnis zu bewahren, sogar als Amanda (Melinda Clarke) ihr im Kopf herumspukte, und dann wird sie durch eine technische Erweiterung des Agenten-Implantats, von der wir noch nie zuvor gehört haben, enttarnt. Das ist ein wenig wie der berühmte deus ex machina - nur umgekehrt. Ein diabolus ex machina, wenn man so will.
Das Ergebnis ist zwar nichtsdestotrotz ein sehr packender Cliffhanger, trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack. Dass die Enttarnung überraschend kommt, ist ja ganz schön. Nur etwas weniger aus dem Hut gezaubert, wäre noch besser gewesen.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 3. Mai 2011(Nikita 1x20)
Schauspieler in der Episode Nikita 1x20
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