Nikita 1x22

Nikita 1x22

Nikita schenkt uns zum Ende der ersten Staffel ein atemloses und wahrhaft explosives Finale, welches gleichermaßen rasant wie spannend ausfällt. Man kann The CW nur dringend davor warnen, uns eine zweite Staffel vorzuenthalten.

Einsamer Blick zurück: Nikita (Maggie Q) / (c) The CW
Einsamer Blick zurück: Nikita (Maggie Q) / (c) The CW

Wie? Wo? Was? Da fehlt doch ein halber Stern“, werden viele jetzt wahrscheinlich sagen. Tatsächlich war es nicht leicht, dieser grandiosen Episode nicht die volle Punktzahl zu geben. Doch ein Kritikpunkt kann einfach nicht übersehen werden: Die Folge ist nicht nur rasant, sie ist geradezu schwindelerregend. Wenn es eine sinnbildliche Szene für die Erzählweise des Staffelfinales gibt, dann ist das der Moment, als Nikita (Maggie Q) mit Vollgas zum CIA-Hauptquartier unterwegs ist - und dabei auch vor haarstäubenden Überholmanövern nicht zurückschreckt.

Bisweilen macht die Folge den Eindruck, als habe Autor und Showrunner Craig Silverstein versucht, die Handlung von 90 Minuten in 45 Minuten zu packen, was naturgemäß einige Ellipsen im Plot zur Folge hat: Wo sind wir gerade? Wieso ist Percy (Xander Berkeley) schon wieder wach? Was bedeutet das für Birkhoff (Aaron Stanford)? Wieso ist Michael (Shane West) plötzlich zur Stelle, um Nikita abzuholen? Stellenweise schwirrt es nur so im Kopf des Zuschauers. Oder vielleicht wird der Rezensent auch einfach nur alt...

Abgesehen vom Gefühl der Desorientierung, welches sich mitunter einstellt, ist Pandora allerdings eine exzellente Folge - und ein absolut würdiges Finale für die durch und durch spannende erste Staffel der Actionserie.

Percys ohnehin schon genialer Plan, den Direktor der CIA zu ermorden, gewinnt sogar noch an Brillanz, als wir entdecken, dass er dazu das uns schon aus Girl's Best Friend bekannte Nervengift einsetzen will, welches die inzwischen verblichene Jaden (Tiffany Hines) ihm ihrerzeit besorgt hatte.

Umgekehrt sorgt aber auch Alex (Lyndsy Fonseca) für einen Aha-Moment, als sie sich das - ihr seit Jadens Tod bekannte - Verfahren zur Leichenbeseitigung von Division zu Nutze macht, um für Nikitas Reanimation zu sorgen. Das ist sehr gewagt, aber auch sehr clever. Die Serie spielt hier geschickt mit dem Vorwissen der Zuschauer - und demonstriert nachdrücklich, dass sie (anders als vielleicht manch andere Actionserie) auf die Aufmerksamkeit und Konzentration des Publikums zählt (daher vielleicht die schlechten Einschaltquoten...).

Percy gewinnt erneut als Bösewicht an Format: In schlechten Filmen sind die Bösen allein durch Macht- oder Habgier motiviert. Im Gespräch mit den Vertretern von Oversight wird jedoch deutlich, dass es Percy um mehr geht. Ihm fehlt die Anerkennung dafür, dass er für die Regierung die Drecksarbeit erledigt. Er will raus aus dem Dunkel - und einen Platz einnehmen, der ihm seiner Ansicht nach zusteht. Garniert wird das Ganze durch die herrlich doppelbödige Art, in der er seine Argumente vorbringt (köstlich: das fast unmerkliche Augenzwinkern bei „I am just looking to protect the American way of life...“).

Sein zweiter Glanzmoment in dieser Folge ist natürlich seine überraschende Wiederkehr, nachdem wir doch eigentlich geglaubt hatten, dass Michael ihn für einige Zeit betäubt hat. Nicht zuletzt seine blutverschmierten Lippen und Zähne lassen einen in diesem Augenblick unwillkürlich an den berühmten Sie-kommen-stets-noch-einmal-zurück-Moment aus einem Horrorfilm denken.

Mit dem Auftritt von Oversight (darunter der als Bösewicht immer wieder gern gesehene Harris Yulin) und der Enthüllung, dass Amanda (Melinda Clarke) von Percys Vorgesetzten als Maulwurf in Division untergebracht wurde, legt die Serie schon einmal das Fundament für die zweite Staffel.

Dadurch, dass Amanda ihr das Leben rettet und ihr die Ressourcen von Oversight zur Vollendung ihrer Rache anbietet, scheint Alex am Ende der Folge tatsächlich nicht abgeneigt, die Seiten zu wechseln. Damit zeichnet sich ab, dass - wie manche Fans bereits vermutet haben - tatsächlich Alex zur neuen Gegenspielerin von Nikita wird (und damit gewissermaßen mit Michael den Platz tauscht).

Alex' Gefangennahme durch Oversight geht natürlich der Bruch zwischen ihr und Nikita voraus. Für Fans starker Frauenfreundschaften ist es im US-Fernsehen eine harte Woche gewesen ###news0### - zum zweiten Mal müssen wir mitansehen, wie eine Beziehung, die uns ans Herz gewachsen ist, zerbricht. Hier wie dort ist es eine zerstörte Vertrauensbasis, die das Aus für die Freundschaft bedeutet. Dass Nikita als Division-Agentin ihren Vater getötet hat, darüber könnte Alex vielleicht hinwegkommen. Doch dass sie ihr nicht genug vertraut hat, um ihr die Wahrheit zu sagen, das ist zu viel für sie.

Es ist ein unglaublich ergreifender, weil ungemein wahrhaftiger Augenblick zwischen den beiden Figuren. Als Zuschauer kann man die Enttäuschung Alex' und ihren Wunsch nach Emanzipation ebenso nachempfinden wie Nikitas Angst, ihre Partnerin zu verlieren. Der Moment, in dem Nikita nach ihr zu greifen, sie festzuhalten versucht, ist die wahrscheinlich stärkste Leistung, die Maggie Q in der Serie bislang abgeliefert hat.

Gleichzeitig kann man das dramaturgische Geschick von Craig Silverstein in dieser Szene gar nicht hoch genug einschätzen: Statt den emotionalen Moment auszuspielen, bricht auf einmal das Action-Intermezzo herein, welches Nikita und Alex ein letztes Mal die Gelegenheit gibt, Seite an Seite zu kämpfen - und damit die Hoffnung des Zuschauers nährt, dass sie sich doch noch zusammenraufen können (so wie es Michael und Birkhoff zuvor gelungen ist). Doch daraus wird nichts: Alex zerschneidet das Seil, die metaphorische Nabelschnur, welches sie auf Nikitas Seite bringen könnte. Der herzzerreißende Effekt, den dieses eine Bild am Ende der Actionszene hat, ist ungleich größer, als ihn irgendein Dialog hätte ausüben können.

Pandora hat alles, was ein grandioses Staffelfinale auszeichnet: Die Protagonistin erlangt gegen alle Widerstände einen großen Zwischensieg (Percys Anschlag auf die CIA scheitert, seine Position in Division gerät in Gefahr, Nikita gelangt in den Besitz all seiner Geheimnisse), gleichzeitig erleidet sie jedoch einen Rückschlag, welcher eine Vielzahl neuer Handlungsoptionen eröffnet.

Am Ende der Folge äußert sich Nikita besorgt über die Zukunft. Die Zuschauer werden diese Sorge teilen - hinsichtlich des bevorstehenden Kampfs gegen Oversight (und Alex?), aber wohl noch mehr bezüglich des weiteren Schicksals der Serie selbst.

Hoffnung schöpfen kann man jedoch vielleicht aus dem letzten Bild der Folge: Nikita und Michael fahren einem Gewitter entgegen. Actionfans werden darin unzweifelhaft ein Zitat aus dem ersten „Terminator“-Film erkennen, dem bekanntlich ein nicht minder famoser zweiter Teil folgte. Welch besseres Omen könnte es für die nächste Staffel von Nikita geben?

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 14. Mai 2011
Episode
Staffel 1, Episode 22
(Nikita 1x22)
Deutscher Titel der Episode
Die Büchse der
Titel der Episode im Original
Pandora (2)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 12. Mai 2011 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 17. August 2013
Autor
Craig Silverstein
Regisseur
Kenneth Fink

Schauspieler in der Episode Nikita 1x22

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