Nikita 1x18

Nikita 1x18

Nikita gibt sich redlich Mühe, Toronto wie London aussehen zu lassen, während Alex und Amanda sich wieder einmal gegenseitig aufs Kreuz zu legen versuchen. Für reichlich Aufregung sorgt auch die Rückkehr eines alten Bekannten.

Hmm, sind wir hier wirklich in London? / (c) The CW
Hmm, sind wir hier wirklich in London? / (c) The CW

Will man eine Actionserie wie Nikita mit einem Budget drehen, wie es sich aus der schmalen Lizenzgebühr des kleinen Networks The CW speist, dann muss man schon gut zu haushalten wissen. So verriet Showrunner Craig Silverstein kürzlich in einem Interview, dass es bei Nikita deshalb nie Autoverfolgungsjagden gibt, weil diese beim Dreh zu teuer seien.

Stattdessen setzt die Serie lieber - wie in Into the Dark - auf preisgünstigere Nahkampfszenen, gönnt sich aber dann und wann auch mal eine hübsche Explosion, wie beispielsweise die Container-Szene im Hafen.

Vor besondere Herausforderungen werden die Macher natürlich immer dann gestellt, wenn die Handlung in einem anderen Land spielt. Mal einfach Cast und Crew ins Flugzeug setzen und nach London fliegen, ist mit den finanziellen Mitteln der Serie kaum möglich.

Also behilft man sich mit allen Tricks, die dafür im Lehrbuch stehen: Luftaufnahmen von London aus dem Archiv als establishing shot, möglichst wenige Szenen draußen, und dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt, nach Möglichkeit auf einem eher abgelegenen Areal (zum Beispiel die Brücke), wo man nur wenige Autos mit einem Lenkrad auf der „falschen“ Seite und britischen Kennzeichen benötigt, um den Eindruck zu erwecken, man wäre wirklich in England.

Ganz überzeugend gelingt das zwar nicht: Im Hintergrund sieht man, wie merkwürdigerweise nur etwa hundert Meter weiter auf einmal wieder Rechtsverkehr herrscht. Und auch einige Dekorationseinfälle (der Union Jack als Bildschirmhintergrund, die Plakatwand) wirken etwas sehr gezwungen. Trotzdem muss man den Produzenten Respekt zollen, dass sie sich nicht darauf beschränken, Percy (Xander Berkeley) die Festplatten nur in den USA verstecken zu lassen, sondern versuchen, der Handlung eine internationale Dimension zu verleihen, selbst wenn sie damit produktionstechnisch an die Grenzen des Möglichen stoßen.

Die Haupthandlung der Episode ist schnell erzählt: Owen (Devon Sawa) kehrt zurück. Mit Michaels (Shane West) Hilfe spüren er und Nikita (Maggie Q) den Wächter der zweiten Black Box auf. Da Owen langsam die leistungssteigernden Drogen ausgehen, die er von Division erhalten hat, leidet er zunehmend unter Entzugserscheinungen, was sich auch auf sein Verhalten auswirkt: Von Schuldgefühlen wegen seiner früheren Taten übermannt will er unbedingt die Informationen auf der Festplatte publik machen, wobei er jedoch auf den entschiedenen Widerstand von Nikita und Michael trifft.

Die Folge bietet einen soliden, unterhaltsamen Actionplot, ohne viele Schnörkel oder Höhepunkte. Ein wenig mag diese Einschätzung auch der Tatsache geschuldet sein, dass es dem Rezensenten mit Owen so ähnlich geht wie Michael: „I still don't like this guy!“ Im Vergleich zu den anderen Figuren in Nikita ist Owen einfach ein bisschen zu simpel gestrickt. Irgendwie scheint er immer wieder den gleichen Fehler zu machen, was immer wieder dazu führt, dass Nikita ihn k.o. schlagen muss.

Als running gag ist das zwar ganz amüsant („You're unconscious half the time we are together...“), es führt allerdings auch dazu, dass einen die Figur etwas kalt lässt. Als wäre das noch nicht genug, fällt auch seine Erklärung, warum er jetzt wieder für sich sein muss, etwas wirr aus - so als wäre den Autoren selbst nicht ganz klar gewesen: Okay, wir haben ihn für einen Gastauftritt gebucht, aber wie werden wir ihn jetzt wieder los? Sehr spaßig sind natürlich - gerade in der Eröffnungsszene - die Sticheleien zwischen Michael und Owen.

Apropos Eröffnungsszene: Hat sich zu Beginn eigentlich noch jemand gewünscht, dass Nikita eine Starz- oder Showtime-Serie wäre? Dass Nikita und Michael bei ihren horizontalen Aktivitäten die Unterwäsche anbehalten, scheint wie so oft in Network-Serien wenig plausibel. Vor allem - woher wüsste sie sonst, „he is built where it counts“?

Durch den Fokus auf Nikita und Michael ist Alex (Lyndsy Fonseca) momentan ein wenig in den Hintergrund gerückt. In Into the Dark erhält sie allerdings immerhin einen clever gestrickten Nebenplot, in dem sie sich wieder einmal ein herrliches Duell mit unserer liebsten Psycho-Hexe liefern darf.

Erst legt Amanda (Melinda Clarke) sie mit dem Verhör von Jaden (Tiffany Hines) herein: Alex glaubt, Jaden zu verhören, dabei wird sie selbst in Wahrheit verhört. Sie revanchiert sich dafür jedoch, indem sie sogar den modernsten MRT-basierten Lügendetektor dadurch überlistet, dass sie ihre Lüge geschickt aus Fragmenten der Wahrheit zusammensetzt. Und am Ende nur darüber staunt, dass Michael ihre Geschichte bestätigt.

Ausnahmsweise endet Nikita dadurch nicht mit einem Cliffhanger im engeren Sinne, sondern eher mit einem Augenzwinkern, als Nikita mit einem Lächeln durchblicken lässt: Du, ich muss Dir da was erzählen... Spannend bleibt die Serie aber auch so: Schließlich weiß Alex jetzt, dass Amanda empfohlen hat, sie zu canceln, was dem Plan, sie aus den Fängen von Division zu befreien, neuen Nachdruck verleiht.

Verfasser: Christian Junklewitz am Freitag, 15. April 2011
Episode
Staffel 1, Episode 18
(Nikita 1x18)
Deutscher Titel der Episode
Entzugserscheinungen
Titel der Episode im Original
Into the Dark
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 14. April 2011 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 3. August 2013
Autor
Albert Kim
Regisseur
Jeffrey G. Hunt

Schauspieler in der Episode Nikita 1x18

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