Nikita 1x17

Die Macher von Nikita liefern mit Covenants eine fast perfekte Episode ab. Fast deshalb, weil sie bei einigen Details dann doch ein wenig geschludert haben: Wir sollen also wirklich glauben, dass Nikita (Maggie Q) zwar in der Lage ist, reihenweise Gogol-Agenten umzunieten, aber wenn es darum geht, Kasim (Haaz Sleiman) effektiv unter Kontrolle zu halten, scheitert? Von dem Satelliten-Telefon, dessen Freischalt-Code offenbar seit mehr als zehn Jahren nicht mehr geändert wurde, wollen wir gar nicht erst reden. Da hat ja SERIENJUNKIES.DE® höhere Sicherheitsstandards als Division...
Zugegeben: Es mag ein wenig wie Nitpicking erscheinen bei einer Folge, für die man ansonsten eigentlich nur Lob übrig haben kann. Trotzdem sollte es - als leichtes Irritations- und Störmoment - nicht ganz unerwähnt bleiben.
Überstrahlt werden solche kleinen Unplausibilitäten aber natürlich ganz klar von Mikita, wie Fans der Serie die Beziehung zwischen Michael (Shane West) und Nikita getauft haben. Dass Michael irgendwann auf ihre Seite überlaufen würde, war zwar abzusehen. Die große Frage blieb jedoch, wie dies passiert. Denn selbst, nachdem er ihr Versteck aufgespürt hat, war ja nicht anzunehmen, dass er so ohne Weiteres Division hinter sich lässt. Ungeachtet aller Gefühle, die zwischen ihm und Nikita bestehen.
Covenants funktioniert deshalb so gut, weil das Drehbuch sehr sorgfältig mit der psychologischen Motivation von Michaels Charakter umgeht: Das Schlüsselereignis aus Michaels Vergangenheit, das ihn antreibt, ist die Ermordung seiner Frau und seiner Tochter. Er hat sich Division nur aus einem Grund angeschlossen und zwar dem, ihren Tod eines Tages rächen zu können - so wie Percy (Xander Berkeley) es ihm versprochen hat.
Genau hier setzt Covenants an: Michael glaubt anfangs, dass Nikita ihm nicht die Wahrheit gesagt hat. Dass sie sehr wohl schon seit langem die Möglichkeit gehabt hat, Kasim aufzuspüren. Er glaubt, dass sie seiner Rache im Weg steht - deshalb gibt er den kalten, herzlosen Erpresser, der so tut, als hätte er niemals etwas für sie empfunden (irgendwie ist diese Szene - natürlich abgesehen vom Gewehrschuss - sehr... CW). Auch die Rückblende, die die beiden bei ihrem ersten gemeinsamen Auslandsauftrag zeigt, bestätigt noch einmal Michaels Prioritäten: Erst kommt die Rache für seine Familie, dann Nikita.
Das beginnt sich erst zu ändern, als Percy einen klaren Rückzieher bei seinem Versprechen macht. Michael solle sich nicht so sehr mit der Verfolgung Kasims beschäftigen, sondern viel lieber mit ihm einen kleinen coup d'êtat planen. Und schließlich muss Michael sogar entdecken, dass Kasim für Percy gearbeitet - und in dessen Auftrag seine Familie ermordet hat. Mit anderen Worten: Die letzten Jahre über war Michael für den Mörder seiner Frau und seiner Tochter tätig.
Er kann also gar nicht anders, als in diesem Augenblick die Seiten zu wechseln. Auch für sein Verhältnis zu Nikita ist das der entscheidende Wendepunkt. Denn auf einmal heißt die Gleichung nicht mehr Rache oder Nikita, sondern Rache gemeinsam mit Nikita. Dadurch kann er sich auch zum ersten Mal den Gefühlen hingeben, die er - wie wir in der Rückblende erfahren - ja ganz offensichtlich schon seit Jahren für sie hegt.
Das ist Figurenentwicklung, die konsequent die fundamentalen Antriebe der Person berücksichtigt - und deshalb so glaubwürdig und interessant ist.
Selbst dass Michael Kasim am Ende nicht tötet, sondern Nikita die Ausführung der Rache überlässt, ist in diesem Zusammenhang absolut stimmig: Denn Kasim ist nur ein Handlanger - und damit nicht länger das eigentliche Ziel von Michaels Rachedurst.
Es sind genau solche Volten, die Covenants so unterhaltsam machen. Dazu gehören auch die wechselseitigen Erpressungsversuche zwischen Nikita und Michael (mit der identischen Ultimatums-Formel „You have 24 hours“), die Konfrontation der beiden in der Anfangsszene, die ihr Spiegelbild am Ende im Austausch von Zärtlichkeiten findet; und natürlich auch Alex (Lyndsy Fonseca), die Nathan (Thad Luckinbill) mit dem festen Vorsatz zu sich bestellt, mit ihm Schluss zu machen - nur um dann unweigerlich mit ihm im Bett zu landen.
Plus: Wer hätte gedacht, dass Ballett mit der richtigen (Kampf-) Choreographie so viel Spaß machen kann? Hier passt einfach alles: Die Musik, die Kamera und natürlich die Parallele zwischen Tasarovs (Peter Outerbridge) Worten und Nikitas Taten. Genau wie zu Beginn der Folge, als von „You can surprise me anytime!“ zu Michael geschnitten wird, der Nikita mit dem Gewehr gegenübersitzt, liefert Nikita hier eine sehr durchdachte und überaus witzige Inszenierung, die den Unterhaltungswert noch deutlich steigert.
Fazit
Nikita ist und bleibt die beste neue Serie der Season. So wie in Covenants kann es gerne den Rest der Staffel weitergehen!
Verfasser: Christian Junklewitz am Freitag, 8. April 2011(Nikita 1x17)
Schauspieler in der Episode Nikita 1x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?