Nikita 1x16

Nikita 1x16

Eine Folge zwischen Wow und WTF! Lyndsy Fonseca liefert ihre möglicherweise bislang beste Leistung ab - in einem spannenden Alptraum-Szenario, welches höchst reale Konsequenzen für Alex und Nikita nach sich zieht.

Melinda Clarke als Divisions ganz und gar nicht gefühlvolle Psycho-Tante Amanda / (c) The CW
Melinda Clarke als Divisions ganz und gar nicht gefühlvolle Psycho-Tante Amanda / (c) The CW

Zugegeben: So ganz neu ist der Plot, den Nikita in Echoes erzählt, nicht gerade. Protagonist wird unter trauminduzierende Drogen gesetzt, um ihm Geheimnisse zu entlocken - der britische Kult-Klassiker The Prisoner hatte bereits 1967 eine Folge mit exakt der gleichen Prämisse.

Trotzdem ist dieses Szenario immer wieder faszinierend, weil es einen extrem hohen Spannungswert besitzt: Alex (Lyndsy Fonseca) ist Amanda (Melinda Clarke) mit Leib und Seele ausgeliefert. Ein solches Ungleichgewicht in der Machtverteilung zwischen den Figuren ist immer besonders gut dazu geeignet, den Zuschauer mit der unterlegenen Hauptfigur mitfiebern zu lassen.

Außerdem sind Träume, wie wir nicht erst seit Freud wissen, ein Spiegel für die seelische Befindlichkeit eines Menschen - und damit für einen Geschichtenerzähler das perfekte Mittel, um das Innenleben einer Figur für das Publikum lebendig werden zu lassen.

Gemeinsam mit ihrem jüngeren Selbst (Eliana Jones) begibt sich Alex in den von Amandas Suggestionen befeuerten Träumen auf eine Flucht vor „ihr“, einer Frau, die zunächst nur durch ein rotes Symbol und eine unheimliche Zerstörungskraft dargestellt wird. Sehr gelungen ist die Inszenierung des Traumanfangs, als die Kamera sich vertikal um ihre eigene Achse dreht - und das Publikum damit das Gefühl des Schwindels und der Desorientierung nachvollziehen lässt.

Durch den Traum erfahren wir sowohl, was sich Alex am meisten wünscht - ein normales Leben mit Mann und Kind, als auch das, wovor sie sich am meisten fürchtet - dass sie die Geschäfte ihres Vaters weiterführt und zur eiskalten Killerin wird.

Davor graut es seit der letzten Folge auch Nikita (Maggie Q), die Alex dazu bewegen will, Division und ihre gemeinsamen Rachepläne hinter sich zu lassen. In einem Nebenplot will sie für Alex neue Papiere anfertigen lassen. Zwar nimmt der Handlungsstrang nur wenig Raum ein, dafür beantwortet er jedoch eine der brennendsten Fan-Fragen seit Beginn der Serie: Wie kann sich Nikita diese riesige Wohnung mitten in New York überhaupt leisten?

Die Antwort darauf entschlüpft auch Alex, während sie unter Drogen vor sich herbrabbelt. Für Michael (Shane West) ist es der entscheidende Hinweis, der endgültig seinen Verdacht gegen Alex untermauert und ihn dazu bringt, aktiv Nachforschungen anzustellen. Diese führen ihn direkt zu Nikitas Versteck - und sind damit für den bislang besten Cliffhanger der Serie gut.

Was den Cliffhanger so großartig macht, ist nicht nur die Tatsache, dass Michaels überraschender Besuch bei Nikita einen ganz zentralen Wendepunkt der Serie markiert. Großartig ist auch die Inszenierung: Während Nikita mit Alex telefoniert und zu erstarren scheint, nachdem ihre junge Partnerin erstmals eingeräumt hat, dass sie vielleicht aufgeben sollte, erkennen wir durch eine langsame Kamerafahrt, dass Nikitas Reaktion eine ganz andere Ursache hat - nämlich Michael, der mit einem Gewehr im Anschlag auf einem Stuhl sitzt.

Brisanter könnte die Ausgangssituation für die kommende Folge kaum sein: Was wird Michael tun? ist es wirklich seine Absicht, Nikita für Division gefangen zu nehmen? Warum hat er dann Alex vor Amanda beschützt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass sie mit Nikita unter einer Decke steckt? Ganz abgesehen davon, dass die unterdrückten Gefühle zwischen ihm und Nikita so offenkundig sind, dass es auch Alex' Unterbewusstein nicht entgangen ist.

Nicht zu vergessen der „kleine“ Cliffhanger: Wie wird Percy entscheiden, nachdem Amanda ihm empfohlen hat, Alex „zu canceln“, weil sie ein guter Mensch sein wolle - und damit Nikita zu ähnlich ist.

Fazit

Eine sehr dicht gepackte, spannend inszenierte Folge, die besonders Lyndsy Fonseca viel Raum gibt zu brillieren - man denke nur an ihr böses Alter Ego - und getreu dem hohen Erzähltempo der Serie mit einem Cliffhanger schließt, den man in anderen Serien am Ende von Staffel zwei oder drei erwartet hätte.

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 26. Februar 2011
Episode
Staffel 1, Episode 16
(Nikita 1x16)
Deutscher Titel der Episode
Visionen
Titel der Episode im Original
Echoes
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 24. Februar 2011 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 27. Juli 2013
Autor
Kristen Reidel
Regisseur
Nick Copus

Schauspieler in der Episode Nikita 1x16

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