Necessary Roughness 1x01

© er Cast der Serie âNecessary Roughnessâ: Marc Blucas, Callie Thorne, Scott Cohen und Mehcad Brooks / (c) USA Network
Der Mann ist nach zahlreichen AffĂ€ren weg, will die Kinder mitnehmen, neue Liebe, neuer Job, neues Leben: Die Geschichte der gehörnten Ehefrau, die nach der Trennung aufblĂŒht, wurde schon unzĂ€hlbare Male erzĂ€hlt. Necessary Roughness schwĂ€cht die Dramatik eines solchen Neustarts deutlich ab, indem Hauptfigur Dr. Danielle Santino vom ersten Moment an eine toughe, schwer einzuschĂŒchternde Frau voller Herzblut ist.
Was nicht heiĂt, dass Dani nicht Opfer gebracht hĂ€tte. 17 Jahre habe sie sich fĂŒr einen Mann versklavt, der ihr das Blaue vom Himmel versprochen habe und sich schlieĂlich doch als Schuft erwies, beklagt sie in der Pilotepisode. Die erste Folge der neuen Serie des USA Network bemĂŒht sich, eine gewisse Fallhöhe fĂŒr Callie Thornes Charakter zu schaffen. Eine Frau, die nach der Trennung (und vor der potentiellen Scheidung) einfach so weitermacht wie vorher, ohne Konsequenzen fĂŒr ihr Leben zu ziehen, will niemand sehen, so scheint man jedenfalls beim Sender zu kalkulieren.
Also stolpert Psychotherapeutin Dani nur wenige Wochen nach dem Zusammenbruch ihres alten Lebens dem attraktiven Matthew (Marc Blucas, „Buffy“) ins Bett. Und weil Noch-Ehemann Ray (Craig Bierko, Boston Legal) die gemeinsamen Konten hat sperren lassen, kommt Matthews Jobangebot wie gerufen: Dani soll den Footballspieler Terrence „TK“ King wieder auf Vordermann bringen, der seine Millionen kaum mehr wert ist, seit ihm ein Ball nach dem anderen durch die HĂ€nde gleitet.

Mehcad Brooks (True Blood, Desperate Housewives) spielt den einstigen Star des Teams als groĂspurigen Kerl, dessen Ăngste ihn scheitern lassen. Bis Dr. Dani, gelockt von einem dicken, fetten Scheck, auf den Plan tritt und ihm quasi in einer Sitzung zu alter StĂ€rke verhilft. Das Ganze mit einer eigenartigen Mischung aus Mutter Beimer, sexy Cougar und Hypnosetherapie, die sonst ĂŒbergewichtigen Ă€lteren Damen beim Abnehmen hilft.
Es ist schon sehr bezeichnend, dass Terrence seinen ersten Durchbruch bei einem eher belanglos wirkenen GesprĂ€ch im Stripclub hat, auf jedem Knie eine exotische TĂ€nzerin. Echte Fallhöhe sieht anders aus als das, was uns „Necessary Roughness“ mit diesem hoffentlich nicht als Patentrezept gedachten Episodenschema kredenzt.
Immerhin scheint Dani - anders als so mancher fiktiver Seelenheiler, man denke nur an den Niedergang von Dr. Violet Turner in Private Practice - mit sich selbst im Reinen zu sein. Ihren Job, der allein durch die PrĂ€misse in den Mittelpunkt der Serie gestellt wird, meistert sie meistens mit einer Mischung aus Routine und improvisierter Wunderheilung. Nicht der ĂŒberhebliche Footballer, der in ihrem BĂŒro randaliert, verunsichert sie - sondern die Sorge um ihre Kinder.
Will Necessary Roughness vielleicht in Wirklichkeit eine Familienserie sein? Der Santino-Nachwuchs Lindsay (Hannah Marks) und Ray (Patrick Johnson) jedenfalls quÀlt Mama Dani schon in der Pilotepisode gehörig mit seinem unflÀtigen Verhalten. Und auch Oma Angela (Concetta Tomei, Providence) darf ihrer Tochter wegen vermeintlich schlechter Erziehung in den Ohren liegen, wÀhrend sie selbst - insgesamt sehr karikaturistisch dargestellt - sogar beim High-School-Footballspiel des Enkels WetteinsÀtze macht. Auf die gegnerische Mannschaft wohlgemerkt.

Um das recht vorhersehbare Schema F zu komplettieren, fehlt noch die beste Freundin (Amanda Detmer) und One Night Stand Matthew (Blucas) fĂŒr eine Sie-können-aber-dĂŒrfen-nicht-Beziehung; schlieĂlich arbeiten sie jetzt dauerhaft zusammen, da gehört sich eine FortfĂŒhrung der frischen Romanze nicht. Eher unerwartet in diesem Szenario ist die offensichtliche Chemie zwischen Hauptdarstellerin Thorne und Scott Cohen (Gilmore Girls), der den „Fixer“ hinter den Kulissen der Hawks spielt - und einen potentiellen dritten Mann in Danis Leben.
Alles in allem ist der Cast von Necessary Roughness durchaus solide, wenn auch ein wirkliches Highlight fehlt. So geht es auch der Serie insgesamt: Das Drama hat eine Handvoll recht amĂŒsanter Momente in dieser Episode und trifft mit einer toughen Karrierefrau und Löwenmama im Zentrum den Nerv der heutigen TV-Zeit. Doch es fehlt das Ich-muss-unbedingt-weitergucken-Moment, „Necessary Roughness“ bleibt in weiten Strecken recht belanglos.
FĂŒr die Serie ist zu hoffen, dass das Strickmuster der ersten Episode - eine Sitzung und schon fast geheilt! - nicht zum Patentrezept fĂŒr die kommenden elf Folgen der ersten Staffel wird. Und dass Callie Thorne ihrer Dani noch ein wenig mehr Ecken und Kanten gibt, sie öfter schreien und verzweifeln lĂ€sst und ihr vor allem Patienten vorsetzt, die sie etwas offensichtlicher und lĂ€nger fordern als zum Auftakt.
Dann hĂ€tte Necessary Roughness durchaus das Potential zu einer angenehmen, aber harmlosen Sommerserie dem USA-Network-Motto „Characters Welcome“ entsprechend, wie zuletzt etwa Fairly Legal. Ein Wunder erwarten sollte man nach diesem ersten Eindruck aber wohl eher nicht.
Verfasser: Carolin Neumann am Donnerstag, 30. Juni 2011(Necessary Roughness 1x01)
Schauspieler in der Episode Necessary Roughness 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?