NCIS 14x01

Nach dem Ausstieg von Michael Weatherly zum Ende der 13. Staffel des CBS-Crime Procedurals NCIS dürften sich nicht wenige gefragt haben, wie das Team um Grummelkopf Gibbs (Mark Harmon) in der neuen 14. Staffel der Serie aussehen würde. Zum Abschluss der letzten Staffel brachte man noch fix die beiden neuen Charaktere Tess Monroe und Clayton Reeves, gespielt von Sarah Clarke und Duane Henry, in Stellung, die in Doppelfunktion die Lücke hätten schließen können, die von Special Agent Anthony DiNozzo hinterlassen wurde. Aber es kam ein wenig anders, stoßen doch nun in der Episode Rogue zwei andere Gesichter zur Einheit: Zum einen die NCIS-Ausbilderin Alexandra Quinn (Jennifer Esposito) und zum anderen der Undercover-Spezialist Nicholas Torres (Wilmer Valderrama), der sogleich eine recht prominente Rolle in dem Fall der Woche einnimmt.
Langjährigen Fans der Serie und von Michael Weatherly dürfte der Verlust des charmanten Ermittlers sicherlich auffallen, den Machern gelingt der Übergang zu der neuen Besetzung aber im Großen und Ganzen gut. Mit Wilmer Valderrama (That '70s Show) konnte man sich einen durchaus bekannten Namen angeln, der seinem temperamentvollen Charakter ordentlich Leben einhaucht. Auch Jennifer Esposito (The Affair) ist kein unbeschriebenes Blatt im Seriengeschäft und fügt sich gut in ihre neue Umgebung ein, wenngleich ihre Figur im direkten Vergleich zu der von Valderrama etwas mau eingeführt wird.
Inner circle
Es ist nun einmal nicht all zu einfach, zwei neue Figuren überzeugend vorzustellen und dann auch noch einen Kriminalfall aufzudröseln, der hier und da gefühlt unnötig komplizierte Wege einschlägt, um letztlich doch relativ simpel gelöst zu werden. Während wir eine ungefähre Vorstellung von Einzelgänger Torres bekommen, der jahrelang als Undercover-Agent arbeitete und nun dank Gibbs die Chance auf ein neues, weniger sprunghaftes Leben bekommt, bleibt von Quinn als Figur indes eigentlich nur hängen, dass sie sich ein paar Späße mit Bishop (Emily Wickersham) erlaubt. Es wäre ratsam, wenn man sich in der kommenden Episode noch ein wenig mehr Zeit für diesen uns nach wie vor unbekannten Charakter nimmt, um uns Quinn und ihre Art etwas näher zu bringen.
Dies schaffen die Autoren in „Rogue“ ohne Frage im Fall Torres, auch wenn man dabei auf ein paar gängige Stereotypen zurückgreift. Durch die Ermittlungen im Fall eines Attentats auf eine Navy-Anwältin, die die Schwester von Torres ist, nimmt dieser zwangsläufig eine zentrale Rolle in der Geschichte ein. Die Gefahr geht indes von einem südamerikanischen Großunternehmer aus, in dessen Familie sich Torres eingeschleust hatte, um die kriminellen Machenschaften des Geschäftsmannes aufzudecken. Torres' Schwester ließ wiederum seine Geheimidentität auffliegen, wodurch Torres und seine Familienangehörigen zur Zielscheibe wurden. Jetzt will der Ermittler ein für alle Mal einen Haken hinter dieser Angelegenheit machen und notfalls eigenhändig gegen seine Feinde vorgehen.

Deep cover
Grundsätzlich bringt Valderrama in seiner Darbietung die richtige Portion Feuer und hispanoamerikanische Leidenschaft mit, die man bisher in Gibbs' Team noch nicht hatte und die der Dynamik unter den Ermittlern etwas Neues geben könnte. Dem Schauspieler schustert man sogleich auch ein paar flotte Actionsequenzen zu, ebenso wie einige Szenen, die andeuten sollen, wie sehr er von seiner Tätigkeit als Undercover-Agent gebrandmarkt wurde. Letztlich stellt seine Aufnahme in Gibbs' Gruppe eine Möglichkeit der Reintegration von Torres in die Gesellschaft dar, war er viele Jahre lang doch komplett auf sich alleine gestellt und verfügte er im Grunde genommen über keine eigene Identität.
Ab und zu droht Valderrama seine Szenen etwas zu überspielen, darauf legen es die Macher aber auch ein wenig an, um diesen Charakter ganz klar zu definieren. Alexandra Quinn kommt da schon etwas lockerer und humorvoller rüber. Ob und warum sie aber unbedingt ein Teil von Gibbs' Team sein möchte (der im Übrigens diverse andere Kandidaten innerhalb kürzester Zeit wieder vor die Tür gesetzt hat), wird in ihren wenigen Momenten nicht wirklich ersichtlich. McGee (Sean Murray), jetzt der neue Senior Field Agent an der Seite von Gibbs, und Bishop sowie die restlichen Mitglieder der „NCIS-Familie“ nehmen in Rogue derweil eher kleinere Rolle ein, was jedoch nicht weiter problematisch ist. Ein paar charmante sowie amüsante Augenblicke hat die Folge ebenfalls zu bieten, so zum Beispiel zwischen Gibbs und Torres, als letzterer plötzlich auf einer scharfgemachten Bombe sitzt.
Putting in the work
Generell fällt bei diesem Staffelauftakt auf, dass es ganz schön explosiv zugeht, was nicht unüblich für den Start einer neuen Staffel ist, um die Zuschauer sofort abzuholen. Im Endeffekt fühlt sich der Fall der Woche aber mal wieder furchtbar unwichtig an und wird recht einfach zum Abschluss gebracht. Die Tochter des korrupten Geschäftsmannes sagt gegen ihren eigenen Vater aus, nachdem sie von seinen Machenschaften erfahren hat. Es mutet schon ein wenig eigenartig an, dass die studierte Dame jahrelang nichts von den Deals ihrer Familie mitbekommen hat und plötzlich die Seiten wechselt. Richtig Spannung kommt nur selten auf, maximal zum Ende hin, als das Team einen weiteren Anschlag verhindern kann.
So steht schlussendlich eine größtenteils gelungene Einführung von Nicholas Torres als neues Teammitglied zu Buche, während bei Alexandra Quinn noch Luft nach oben ist. Die Ermittlungen des Teams sind indes absolut zweitrangig und rufen mitunter Langeweile hervor. Das ist durchaus schade, hat man doch in Juan Carlos Cantu und Nicholas Gonzales zwei gute Darsteller verpflichten können, denen man weitaus mehr als ihre beiden eher schwach gezeichneten Antagonisten hätte zutrauen dürfen. Dementsprechend verdient sich Rogue auch nur eine durchschnittliche, solide Bewertung, da mal wieder mehr möglich gewesen wäre.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 22. September 2016NCIS 14x01 Trailer
(NCIS 14x01)
Schauspieler in der Episode NCIS 14x01
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