NCIS 13x24

Da ist es nun, das vorläufige Ende des Kapitels DiNozzo in der Kriminalserie NCIS. Es wurde etwas spekuliert, wie der Abschied von Darsteller Michael Weatherly genau ablaufen würde, ob es vielleicht zu einem märchenhaften Happy End kommen würde, das sich der Charakter durchaus verdient hätte. Nach dem explosiven Ende der letzten Episode, Dead Letter, bahnte sich aber eine etwas größere Überraschung an, die nun von den Serienmachern durch einen sehr gewagten Schritt noch einmal getoppt wird. Diese kombinieren nämlich Dramatik pur mit einem versöhnlichen, gefühlvollen Abgang von Tony, was im Großen und Ganzen aufgeht und manch sensible Seele vielleicht sogar zu ein paar Tränen rühren wird.
Auf der anderen Seite könnten sich ein paar langjährige Fans der Serie ein wenig auf den Schlips getreten fühlen, kommt es doch zu einer überraschenden Entwicklung, die man durchaus hinterfragen kann. Abseits von alledem präsentiert sich Weatherly ein letztes Mal in seiner Rolle als NCIS-Agent Anthony DiNozzo Jr. besonders stark und überzeugt auf ganzer Linie. Auch seine Kollegen fügen sich hervorragend in die Handlung ein, in der die Hatz nach einem skrupellosen Schwerverbrecher von vielen dramatischen, mitunter sehr bewegenden und herzlichen Momenten überstrahlt wird.
Finding peace
Bereits nach wenigen Minuten wagen die Serienverantwortlichen einen mutigen Schritt, den so nicht jeder hatte kommen sehen: Nach dem feigen Bombenattentat auf ein Landhaus in Israel, in dem sich die ehemalige NCIS-Agentin Ziva David aufhielt, herrscht relativ schnell traurige Gewissheit: Ziva ist tot. Während einige Fans vielleicht der Meinung sind, dass Cote de Pablos Vermächtnis hier etwas mit den Füßen getreten wird, löst dieser tragische Vorfall eine emotionale Kettenreaktion aus, die sich durch das gesamte „NCIS“-Team zieht. Vor allem Tony trifft diese Nachricht besonders schwer; er kann es gar nicht wirklich fassen und will es nicht wahrhaben.

Jack of all trades
Weatherly spielt hier sämtliche Facetten von Tonys Trauer hervorragend: Fassungslosigkeit, Wut, Verzweiflung, schiere Betroffenheit - der Darsteller darf noch einmal zeigen, wozu er schauspielerisch in der Lage ist. Diese Hürde meistert er mit Bravour. Selbst wenn man die besondere Beziehung zwischen Ziva und Tony immer nur am Rande mitbekommen hat, ist man extrem mitgenommen und leidet mit dem Ermittler mit. Dies liegt zum einen an dem überzeugenden Spiel von Michael Weatherly, der hier und da vielleicht etwas sehr auf die Drama-Drüse drückt, zum anderen aber auch an der generellen Erschütterung innerhalb von Gibbs' Team, was den hohen, persönlichen Stellenwert von Ziva noch einmal verdeutlicht.
Natürlich konzentriert sich die Geschichte größtenteils auf Tony, doch auch Gibbs (Mark Harmon) inneres Seelenleben wird thematisiert, wenn auch nicht so ausführlich. Wie für Tony und jedes andere Teammitglied war Ziva auch für Gibbs eine geliebte Person, deren Verlust nicht spurlos an ihm vorbeigeht. Gibbs frisst diese Trauer jedoch bekanntermaßen in sich hinein und ist nicht besonders gut darin, Emotionen mit anderen Menschen zu teilen - so zum Beispiel mit seiner Therapeutin Grace (Laura San Giacomo), die sich abermals die Zähne an ihm ausbeißt. So wenig sich Gibbs aber auch anmerken lässt, der Zusammenhalt innerhalb seines Teams, das wie eine Familie ist, ist ihm ungemein wichtig. In seiner Vaterrolle verspürt er eine besondere Verantwortung für seine „Kinder“, was die Jagd nach Zivas Mörder zu einer sehr persönlichen Angelegenheit macht.
In the line of fire
Während sich das Team also auf die Suche nach Fiesling Trent Kort (David Dayan Fisher) begibt, der den Anschlag auf das Haus, in dem sich Ziva befand, in Auftrag gegeben hatte, kommt es jedoch zu einer großen Wendung, die dafür sorgt, dass Tony bei den Ermittlungen doppelt außen vor ist. Aufgrund seiner emotionalen Befangenheit wird ihm die Teilhabe an der Suche nach Kort ohnehin untersagt, doch dabei bleibt es nicht. Wie sich nämlich herausstellt, hatte Ziva eine Tochter von Tony, die als einzige die Explosion in Israel überlebt hat. Tony wird überraschend zum alleinerziehenden Vater, was sein Leben auf den Kopf stellt und ihn ins Grübeln bringt, wie es nun weitergehen soll.
Etwas seltsam ist es schon, dass Ziva die ganze Zeit über vor Tony geheim gehalten hat, dass die beiden eine gemeinsame Tochter haben. Für den dramatischen Effekt ist dies natürlich äußerst günstig; ein kleiner Beigeschmack bleibt trotzdem. Tonys und Zivas goldige Tochter Tali (gespielt von dem Zwillingspärchen Emelia und Layla Golfieri, das einige vielleicht aus der Comedyserie Grandfathered kennen) wiegt dies aber gut auf: bei den Szenen zwischen ihr und Tony geht einem regelrecht das Herz auf. Umso einfacher ist es auch, Tonys Gedankenspiele nachvollziehen zu können, der nun vor einer neuen Verantwortung steht. Wie kann er sein Dasein als Vater einer kleinen Tochter mit dem oft sehr gefährlichen Job als NCIS-Agent unter einen Hut bringen?
Smarty pants
Die Familie steht an erster Stelle, so, wie es der Episodentitel sagt. Dieser Aspekt zieht sich wie ein roter Faden durch die Folge, sei es mit Blick auf den langsam wieder zu Kräften kommenden Fornell (Joe Spano) und seine Tochter Emily (Juliette Angelo), der NCIS-Familie an sich oder eben am Beispiel Tonys selbst, der sich plötzlich in dieser unerwarteten Situation wiederfindet. Die vielen thematischen Parallelen geben Family First eine runde Struktur und emotionalen Mehrwert, wodurch man ein paar Ungereimtheiten bei den Ermittlungen des Teams leichter ignorieren kann. Abermals gibt man den neuen Gesichtern Tess Monroe (Sarah Clarke) und Clayton Reeves (Duane Henry) eine kleine Bühne, wobei letzterer als findiger Allrounder noch am meisten Eindruck hinterlässt. Die Lippenlese-Aktion von Tess, die zumindest über gute, internationale Kontakte verfügt, ist derweil für die Tonne und sogar etwas lachhaft.

Embrace it
Übeltäter Trent Kort, der nukleare Geheimnisse in seinen Besitz bringen wollte (seine Motive könnten egaler nicht sein), wird letzten Endes von dem Team und Tony gestellt. Kurze Zeit später wird Kort nahezu durchlöchert (Muss hier noch jemand an „The Godfather“ denken?) und die Agenten bekommen ihren Abschluss. Dieser ist natürlich wichtig, um den Tod von Ziva ein Stück weit zu den Akten legen zu können, vor allem emotional. Im Großen und Ganzen handelt es sich bei der Jagd nach Kort aber um solides Beiwerk, nicht mehr und nicht weniger. Die persönlichen Konsequenzen für Tony gestalten sich da schon weitaus interessanter, fasst dieser nach reichlicher Überlegung den Entschluss, seiner Arbeit und den werten Kollegen, seiner „zweiten Familie“, für seine Tochter den Rücken zu kehren.
So wird es zum Ende noch einmal etwas sentimental. Tony verabschiedet sich von seinen Freunden und Arbeitskollegen, doch besonders der schöne, abschließende Moment mit Gibbs hallt nach. Dieser kann Tonys Entscheidung absolut nachvollziehen und weiß selbst am besten, dass diese vollkommen richtig ist. Eine andere Option gibt es nicht, Tony muss und wird nun allein für seine Tochter da sein. Trotz ein paar fragwürdiger Aspekte zwischendurch gelingt den Machern von NCIS schließlich doch ein sehr rührendes Finale, so tragisch die Episode auch begann. Die Art von Tonys Abschied gefällt vielleicht nicht jedem (und an alle Fans von Michael Weatherly, er kehrt ja auch schon im Herbst mit seiner neuen CBS-Serie Bull zurück ins Fernsehen). Family First bietet uns zum Ende der 13. Staffel des Procedurals aber noch einmal ein paar wunderbare Charaktermomente, eine äußerst sehenswerte Darbietung von Weatherly sowie große Gefühle, die nicht spurlos an einem vorbeigehen.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 18. Mai 2016(NCIS 13x24)
Schauspieler in der Episode NCIS 13x24
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