NCIS 13x23

NCIS 13x23

NCIS kombiniert kurz vor dem Ende seiner 13. Staffel die Vergangenheit mit der Zukunft: Während die Jagd nach einem gefährlichen Exagenten weitergeht, wird in Dead Letter ein Blick auf alte Bekannte sowie auf neue Weggefährten geworfen, die schon bald zum Team dazustoßen könnten.

Das „NCIS“-Team mit FBI-Agentin Tess Monroe (Sarah Clarke, M.) in „Dead Letter“ / (c) CBS
Das „NCIS“-Team mit FBI-Agentin Tess Monroe (Sarah Clarke, M.) in „Dead Letter“ / (c) CBS

Nach der Episode Dead Letter ist eigentlich alles für ein großes Finale der 13. Staffel von NCIS angerichtet. Die Jagd nach einem ehemaligen Agenten des britischen MI6, der sich auf einem vermeintlichen Rachefeldzug befindet, geht in die nächste Phase und hat eine kleine, wenn auch etwas erwartbare Wendung zu bieten, die verheerende Konsequenzen für ein altes Mitglied des Ermittlerteams haben könnte. Die Episode dient aber nicht nur dazu, um ein wenig in Erinnerungen zu kramen und bekannte Gesichter aus vergangenen Zeiten hervorzuholen, was wiederum einige langjährige Fans sicherlich freuen dürfte.

Dead Letter“ stellt auch den Anfang eines neues Kapitels des Crime-Procedurals von CBS dar, welches ab der nächsten Staffel ohne Michael Weatherly als galanten Charmeur Tony DiNozzo auskommen muss. Ersatz hat man aber bereits gefunden: So geben sich nämlich in „Dead LetterSarah Clarke und Duane Henry die Ehre, die beide ab Staffel 14 von „NCIS“ mit recht hoher Wahrscheinlichkeit zum Team von Chefermittler Gibbs (Mark Harmon) gehören werden. Der erste Auftritt des Duos gelingt, auch wenn den beiden hier und da etwas zu offensichtlich besondere Charaktereigenschaften zugeschustert werden, welche uns einen kleinen Vorgeschmack auf die neuen Agenten Tess Monroe und Clayton Reeves geben sollen.

Fighter

Zunächst geht es in „Dead Letter“ aber um die Konsequenzen des blutigen Endes der letzten Episode, Homefront. FBI-Agent Tobias Fornell (Joe Spano) hat es natürlich nicht tödlich erwischt, seine aktuelle gesundheitliche Lage ist dennoch besorgniserregend. Während Fornells furchtbar aufgebrachte Tochter Emily (Juliette Angelo) ihrer verstorbenen Mutter (Gibbs' zweite Ehefrau) alle Ehre macht, ist auch Gibbs sichtlich betroffen von der Notsituation, in der sich sein guter Freund wiederfindet. Vielleicht lässt sich der erfahrene NCIS-Agent sogar etwas zu sehr von dieser schwierigen Phase beeinflussen, die ihm seinen sonst so kühlen Kopf nimmt. Das Vertrauen in Fornell und seinen Lebenswillen ist jedoch groß und macht sich letztlich auch bezahlt, als Fornell später im Delirium einen wichtigen Hinweis für seine Kollegen von sich gibt.

Duane Henry als MI6-Agent Clayton Reeves in %26bdquo;Dead Letter%26ldquo; © CBS
Duane Henry als MI6-Agent Clayton Reeves in %26bdquo;Dead Letter%26ldquo; © CBS

Dirty cops

Gibbs sieht den Angriff auf Fornell endgültig als eine Art Kriegserklärung an das NCIS und sein Team. Er ist gewillt, den flüchtigen Jacob Scott (Vince Nappo) mit allen Mitteln zur Strecke zu bringen - eine Agenda, die ganz gut mit der von Fornells kurzfristiger Vertretung, FBI-Agentin Tess Monroe (Sarah Clarke), zusammenpasst. Dieser neue Charakter wird fast schon als eine Art weiblicher Gibbs etabliert, hart im Nehmen und im Austeilen. Zwischenzeitlich deutet man aber auch an, dass sie durchaus ihren eigenen Stil hat (siehe Verhörtechniken), mit denen sie das Team bereichern könnte. Clarke, bekannt aus 24, gefällt recht gut in dieser vielleicht ab und zu überzeichneten badass-Rolle. Zwischen ihr und Mark Harmon könnte sich eine eigenwillige Dynamik entspinnen, treffen mit ihren beiden Figuren doch zwei Alphatiere aufeinander, die sich nicht viel von anderen sagen lassen.

Im Vergleich zu Tess Monroe läuft die Einführung des zweiten neuen Charakters, MI6-Agent Clayton Reeves aus Großbritannien, ein wenig schwächer, wenn auch insgesamt solide ab. Der Cast wird durch den Briten Duane Henry definitiv abwechslungsreicher, auch wenn sein Charakter ziemlich deutlich in eine sehr lockere Richtung geht, um in dieser Hinsicht vielleicht ein Stück weit Weatherlys Abgang zu kompensieren. Reeves scheint darüber hinaus auch noch recht jung zu sein, zumindest im Vergleich zu seinen neuen Kollegen. Er bringt darüber hinaus einen gewissen Charme mit sich, wobei man auch festhalten muss, dass einige Szenen mit Reeves in „Dead Letter“ etwas eigenartig, wenn nicht sogar befremdlich anmuten. Dies könnte aber auch nur eine Frage der Gewöhnung beziehungsweise Eingewöhnung für Duane Henry sein.

Bad timing

Mit den neuen Gesetzeshütern an Bord geht die Hatz nach Jacob Scott dann unverändert weiter. Fortschritt erhofft man sich von der Befragung zweier ehemaliger NCIS-Agenten, die in dem Todesfall von Scotts Ehefrau verwickelt waren und die deshalb zu dessen Zielscheibe werden könnten. Während einer von beiden recht schnell das Zeitliche segnet, offenbart die Aussage des anderen - wie sich übrigens herausstellt: der Maulwurf beim NCIS - die Bestätigung eines unschönen Verdachts. Gibbs und sein Team wurden nämlich die ganze Zeit an der Nase herumgeführt. Scott, der sich letzten Endes sogar freiwillig stellt, ist gar nicht für die vielen Todesopfer verantwortlich. Jemand hat ihm diese Gräueltaten in die Schuhe geschoben und will nun seinen eigenen Namen reinwaschen, nachdem vor vielen Jahren wertvolle Geheiminformationen an die Russen verkauft worden waren.

Abermals präsentiert man uns eine gefühlt sehr verschachtelte Geschichte mit reichlich Wendungen, bei der man gelegentlich gedanklich abschaltet. Als Hauptschuldiger entpuppt sich letztlich der ehemalige CIA-Agent Trent Kort (David Dayan Fisher), ein alter Bekannter von Gibbs und Co, der bereits früher an das Team geraten war. Der Umgang mit diesem, der freien Zugang zu den Infos des NCIS erhält (hätte man nicht vorher prüfen können, ob Kort noch bei der CIA angestellt ist?), ist schlussendlich ziemlich leichtsinnig und naiv. Dadurch ist der Fiesling mit dem Glasauge unseren Protagonisten natürlich einen Schritt voraus.

Safe house

Korts Plan sieht indes folgendermaßen aus: Er will einige Dokumente zerstören, die ihn belasten. Diese findet er wiederum in Tel Aviv, wo der verstorbene Mossad-Chef Eli David jene Akten unter Verschluss gehalten hat. Eli David ist natürlich der Vater von Ziva David, was den langährigen Fanliebling, der sich im Finale der zehnten Staffel von „NCIS“ verabschiedete, in Gefahr bringt. Treue Zuschauer dürfte die Erwähnung und der kurze Blick auf ein Foto von Ziva sicherlich gefallen, gleichzeitig spielt man mit unseren Erwartungen, ob wir vielleicht im Finale der aktuellen Staffel tatsächlich noch einmal Schauspielerin Cote de Pablo in dieser Rolle wiedersehen werden.

Michael Weatherly (l.) in %26bdquo;Dead Letter%26ldquo; © CBS
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Prepare yourself

Dies würde wiederum gut zu Tonys Abschied passen, der ohne Zweifel noch sehr viel für Ziva empfindet, wie seine sehr emotionale Reaktion zeigt, als ihr Name plötzlich wieder zu einem Thema wird. Bereiten die Serienmacher hier vielleicht einen besonderen Abschied für Michael Weatherly und seinen Charakter vor? Steht uns eventuell nach vielen Jahren ein Happy End bevor, das Tony und Ziva wieder vereint? Es riecht ein Stück weit danach, jedoch könnte das Ganze auch eine sehr dramatische Wendung nehmen. Wie ein Fernsehbericht nämlich zeigt, könnte Ziva zum Opfer eines feigen Bombenattentats, vermutlich von Kort, geworden sein.

Der „Vierteiler“ um den zu Unrecht verdächtigten Jacob Scott nimmt also erneut Fahrt auf und stellt uns ein durchaus persönliches Finale in Aussicht. So irrelevant einige Aspekte der Episode Dead Letter auch erscheinen, zum Ende hin erzeugt man wieder einmal ordentlich Spannung. Außerdem führt man geschickt die einzelnen Handlungsstränge zusammen, während langjährige Fans in Erinnerungen schwelgen können und wir auf die Zeit nach Tony DiNozzo vorbereitet werden. Die nächste Woche wird zeigen, für welchen Weg sich die Serienmacher entschieden haben und ob man uns vielleicht mit einem kleinen Gastauftritt überraschen wird.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 12. Mai 2016
Episode
Staffel 13, Episode 23
(NCIS 13x23)
Deutscher Titel der Episode
Tödlicher Wettlauf
Titel der Episode im Original
Dead Letter
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 10. Mai 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 21. November 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Dienstag, 8. November 2016
Autor
Steven D. Binder
Regisseur
James Whitmore Jr.

Schauspieler in der Episode NCIS 13x23

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