NCIS 13x22

In der letzten Episode von NCIS, Return to Sender, begannen die Serienmacher mit ihrer episodenübergreifenden Handlung über den ehemaligen britischen Geheimagenten Jacob Scott, die nun auch in Homefront eine wichtige Komponente der Folge ist. Zunächst scheint es noch so, als würde man sich einem klassischen Fall der Woche widmen und die Ermittlungen hinsichtlich dem flüchtigen Scott etwas ruhen lassen - beziehungsweise der Zuständigkeit von Gibbs' Team entreißen. Doch während der schmallippige Chefermittler (Mark Harmon) und seine Agenten sich mit einem ausartenden Einbruchsfall an der Heimatfront beschäftigen, zieht es das ungewöhnliche Gespann Leon Vance (Rocky Carroll) und Tobias Fornell (Joe Spano) nach Großbritannien, wo die Spur nach Scott besonders heiß ist.
„Homefront“ bietet somit reichlich Abwechslung, man bürdet sich aber dadurch auch recht viel auf, was dazu führt, dass nicht jeder Aspekt der Erzählung vollends aufgeht. Manch eine Nebengeschichte nervt mitunter sogar sehr deutlich, während andere mal wieder dazu dienen, ein akutes Problem im US-amerikanischen Sozialsystem anzusprechen. Dafür gibt sich in der Episode sogar First Lady Michelle Obama die Ehre, zusammen mit den Serienverantwortlichen für das gemeinnützige Projekt Joining Forces Werbung zu machen. Dieses hat sich darauf spezialisiert, den Familien und Angehörigen von Militärdienstleistenden der USA, die sich im Einsatz befinden, Unterstützung zukommen zu lassen.
The good guys
Eine gute Sache, die in „Homefront“ letztlich charmant beworben wird, nachdem man nachvollziehbar aufgezeigt hat, wie schwer es auch die Familien haben - nicht nur von einem emotionalen Standpunkt aus, sondern auch im finanziellen Sinne -, wenn ihre Liebsten in den Auslandseinsatz geschickt werden. Am Beispiel einer zweifachen Mutter, die aufgrund einer lächerlichen bürokratischen Regel auf Bundesebene nicht mehr als Anwältin arbeiten darf und alles dafür gibt, um auch während der Abwesenheit ihres Mannes für ihre Familie zu sorgen, arbeitet „NCIS“ einmal wieder einen großen Makel im US-amerikanischen Sozialstaat heraus - auch wenn die Serie dies wie gewohnt nicht in besonders subtiler Weise tut.

Home invasion
Dies ändert aber nicht viel an der Relevanz der Thematik und dass diese sich jede Art der Aufmerksamkeit verdient hat. Dies kann man wiederum nur bedingt von dem Fall der Woche sagen, der hier und da ein paar interessante Wendungen nimmt, insgesamt aber nicht über eine solide Wertung hinauskommt. Das Team kümmert sich um den ältesten Sohn der weiter oben erwähnten Dame, der einen Einbrecher mit der Schusswaffe seines Vaters vertrieben hat und eventuell in Gefahr schwebt, weil er Zeuge eines Mordfalls wurde. Insbesondere McGee (Sean Murray) nimmt sich des jungen Henrys (Benjamin Stockham) an, kann er doch aufgrund seiner eigenen Vergangenheit als Sohn eines Militärangehörigen, der ständig unterwegs gewesen ist, recht gut nachvollziehen, wie sich Henry fühlt und was in diesem vorgeht.
Die Szenen zwischen Sean Murray und dem 16-jährigen Benjamin Stockham (About a Boy) hinterlassen hier noch mit am meisten Eindruck, merkt man ihren Gesprächen doch ein emotionales Gewicht an, zu dem man selbst als Zuschauer Bezug nehmen kann. Henrys schwierige Situation (sein Vater ist einem gefährlichen Kriegsgebiet stationiert, er will seiner Mutter und seiner kleinen Schwester helfen, jemand hat es auf sein Leben abgesehen) wird empathisch aufgezeigt und auch Stockham leistet überdurchschnittlich gute Arbeit in dieser Rolle. Manchmal merkt man diesem aber auch die Grenzen seines Talents an, präsentiert der junge Schauspieler sich doch ab und an arg träge, von seinem eigenwilligen Gesichtsausdruck, welcher dem einer menschlichen Schlaftablette gleichkommt, ganz zu schweigen.
Intruder
Diese mitunter etwas blutleere Darbietung kann für manch einen vielleicht etwas störend sein, letztlich passt es aber auch ganz gut zu der kräftezehrenden Lage, in der sich Henry befindet. Der Fall der Woche dreht sich im Endeffekt auch vielmehr um ihn, als darum irgendwelche bösen Buben dingfest zu machen. Dass eine Polizistin, die in der Nachbarschaft für etwas Ordnung sorgen wollte (aber eben nicht im Rahmen des Gesetzes, sondern auf eigene Faust), schließlich hinter all dem Ärger mit zwei toten Drogendealern steckt, ist eigentlich ziemlich egal.
Der Twist ist ganz nett und kommt ein wenig unerwartet, der einigen aus Crazy Ex-Girlfriend bekannte Komiker Pete Gardner feiert einen kleinen Gastauftritt, die kriminalistischen Ermittlungen an sich fühlen sich aber eher zweitrangig an und sind vor allem Mittel zum Zweck. Und diese Idee geht auch auf, wären da nicht ein paar unangenehme Störfeuer, wie zum Beispiel der für mein Empfinden sehr nervige Nebenhandlungsstrang von Abby (Pauley Perrette), die nicht müde wird, all ihren Kollegen zu sagen, wie toll diese doch sind. Ja, der Tod des ehemaligen NCIS-Direktors Thomas Morrow stimmt alle etwas nachdenklich, Abbys virale Aktion „#LivingRocks“ geht einem da aber doch etwas zu sehr auf den Senkel. Da halte ich es lieber mit Gibbs Worten: „#GetToThePoint“.
Breadcrumb
Das schafft Homefront wiederum nicht immer; lange Zeit eiern wir so ein wenig durch die Handlung, ohne dass sich etwas Tempo aufbaut. Glücklicherweise ziehen die Autoren dann aber noch eine überraschende Entwicklung aus dem Hut, die eine ganze Menge Spannung generiert. Die „Abenteuer von Vance und Fornell“ in Großbritannien könnten zwar klischeehafter nicht in Szene gesetzt sein, das ungewöhnliche Duo macht aber trotzdem Spaß und treibt gekonnt den interessanten Plot um den gefährlichen Jacob Scott voran. Während Tony ebenfalls in Europa unterwegs ist und nach Hinweisen zu dem Aufenthaltsort von Scott sucht, wollen Vance und Fornell die ehemalige MI6-Chefin kontaktieren, die bei der Mission, bei der Scotts Frau ums Leben kam, die Zügel in der Hand hielt.

Game changer
Nach ein paar amüsanten Kostproben der besonderen Dynamik zwischen Rocky Carroll und Joe Spano („Cheers mate!“) geht es dann aber auch gleich ziemlich heiß her: Die ehemalige MI6-Chefin gerät unter Beschuss (hat Scott eventuell sogar einen Partner?), doch dabei bleibt es nicht. Es wird sogar bekannt, dass sich seit vielen Jahren ein Maulwurf beim Naval Criminal Investigative Service eingeschlichen hat. Ich weiß nicht, ob die Serienmacher in dieser Folge bewusst darauf verzichtet haben, Michael Weatherly zu zeigen, um einige Fans vielleicht ins Grübeln zu bringen, ob Tony ein Verdächtiger sein könnte. Dies ist aber nur sehr schwer vorstellbar und eigentlich ausgeschlossen, weil man die Zuschauerschaft mit so einer Enthüllung nur unnötig verärgern würde und Weatherly sich einen anderen Abschied verdient hat.
Gleiches gilt auch für Joe Spano, dessen Charakter am Ende von „Homefront“, so wie auch die ehemalige MI6-Leiterin, von einem Unbekannten niedergeschossen wird. Während die Letztgenannte sicher das Zeitliche segnet, dürfte bei Fornell das letzte Wort noch nicht gesprochen sein - obwohl seine Wunden doch recht fatal erscheinen. Selbst wenn viele Zuschauer keine Zweifel daran haben, dass Fornell diesen Angriff überleben wird, was die gesamte Szene zu einem platten Schockmoment machen würde, ist man dennoch sehr gespannt, wie es hier weitergehen wird. Die Jagd nach Jacob Scott und jetzt auch noch nach einem Verräter in den eigenen Reihen gibt den finalen Zügen der 13. Staffel von NCIS noch einmal ordentlich Feuer. Aus diesem Grund kann man auch bei einigen Problemen innerhalb von Homefront auch einmal ein Auge zudrücken.
Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 7. Mai 2016(NCIS 13x22)
Schauspieler in der Episode NCIS 13x22
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