NCIS 13x21

Die 13. Staffel von NCIS legt eine kleine Pause ein, was die große Abschiedstournee von Michael Weatherly angeht und präsentiert uns in der neuen Episode Return to Sender einen über einen langen Zeitraum undurchsichtigen Fall, bei dem es der gesuchte Schwerenöter letzten Endes direkt auf das NCIS abgesehen und gerade erst damit begonnen hat, aus Rachegründen eine Liste an potentiellen Todeskandidaten abzuarbeiten.
Vor allem zum Ende der Folge nimmt die Geschichte so noch einmal ordentlich Fahrt auf und endet auf einer spannenden Note, geht die Jagd nach dem gesuchten Täter für Gibbs (Mark Harmon) und sein Team doch jetzt erst richtig los, bevor dieser noch weiteren Menschen Schaden zufügen kann. Zuvor braucht es etwas Zeit, bis die Episode in Gang kommt, während man über das unfreiwillige Ermittlerduo Fornell (Joe Spano) und Gibbs immer wieder für ein paar lockere und charmante Augenblicke sorgt, die durchaus unterhaltsam sind. Was uns der Nebenplot um Tonys Eigentumswohnung und seinen neugierigen Kollegen geben soll, erschließt sich mir jedoch in keinster Weise.
Gallows humor
Vermutlich fand das Autorenteam die Idee recht amüsant, wie McGee (Sean Murray) und Bishop (Emily Wickersham) während der Suche nach einer neuen Bleibe für ersteren und seine Freundin Delilah plötzlich Interesse daran zeigen, wie Tony zu seinem fabelhaften Apartment gekommen ist, das sich dieser doch eigentlich gar nicht leisten kann. So richtig zum Brüllen oder besonders witzig ist diese Nebengeschichte aber eher selten. So wie Gibbs etwas davon genervt ist, dass seine Agenten ihre Zeit mit dieser Sache verschwenden, wundern auch wir Zuschauer uns ein wenig, warum man so ein großes Tamtam um Tonys Wohnung macht. Diese hat er letztlich so günstig erworben, da sich in seinen vier Wänden einst ein schrecklicher Mordfall abgespielt hatte.

Courtesy my ass
Die Interaktion unter den Figuren war schon mal etwas kurzweiliger, die Charaktere sind zwar wie immer recht charmant, dieser Teil der Handlung fühlt sich im Großen und Ganzen aber sehr unnötig an und hätte auch ausgespart werden können. Da punkten auf der Charakterebene Joe Spano und Mark Harmon schon deutlich mehr, bilden Fornell und Gibbs in „Return to Sender“ doch ein herrliches Duo, das zahlreiche comic relief-Momente ihr Eigen nennen kann. Zwar bin ich mir nicht so sicher, inwiefern Fornell in Ausübung seiner Pflicht als Gesetzeshüter und FBI-Agent glaubt, er könne seine Arbeit so einfach auf das NCIS abwälzen. Spaßig ist es dennoch, wie er versucht, den aktuellen internationalen Fall an Gibbs und sein Team zu übertragen, hat er doch wenig Lust auf den ganzen Papierkram und Stress.
Doch mitgefangen, mitgehangen. Fornell wird vom FBI abkommandiert, das NCIS bei der Suche nach zwei flüchtigen Häftlingen aus Großbritannien zu unterstützen. Dabei bildet er mit Gibbs ein Ermittlerteam, das sich fast schon ein eigene Serie verdient hat: Spano und Harmon verfügen über eine gute Dynamik miteinander, die hier gerne mal etwas in Richtung Klamauk abdriftet, aber dennoch sehr ordentlich unterhält. Als plötzlich Fornells Liebesleben Thema wird (der FBI-Agent probiert sich seit neuestem an Datingapps und möchte endlich den tragischen Tod seiner Frau hinter sich lassen), wird es selbst seinem guten Freund Gibbs zu bunt. Die beiden erfahrenen Herrschaften, die sich schon sehr lange kennen und überaus fähig sind, zeichnen für die amüsantesten Momente der Episode verantwortlich, was natürlich auch der formidablen Chemie zwischen Joe Spano und Mark Harmon zu verdanken ist.
Jailbirds
Die Suche nach dem entflohenen Häftling namens Jacob Scott (Vince Nappo), der ein ehemaliger MI6-Agent gewesen ist und in Ungnade fiel, als er Staatsgeheimnise an Russland verkaufen wollte, benötigt derweil etwas Zeit, um wirklich interessant zu werden. Sein Ausbruch aus einer Haftanstalt in England entpuppt sich schon bald als ausgeklügelter Plan, an dem Scott lange Zeit gefeilt und für den er einen seiner Knastbrüder schamlos ausgenutzt hatte. Während sich das Team mit diversen Todesopfern beschäftigen muss, die das Ergebnis der Flucht von Scott und seinem Mithäftling sind, gestaltet sich die Suche nach einem Motiv für den Exagenten alles andere als einfach.
Seine Motivation, in die USA zu fliehen und sich auf ein riskantes Katz-und-Maus-Spiel mit den hiesigen Behörden einzulassen, zeigt sich dann im letzten Drittel der Episode: Bei der Übergabe der vertraulichen Informationen, die Scott an seine russische Kontaktfrau verkaufen wollte, kam diese ums Leben und das NCIS setzte dem ganzen Vorhaben mit einem gezielten Eingriff ein Ende. Bei der Kontaktfrau handelte es sich aber auch um Scotts Ehefrau, für die er nun Rache einfordert und sich allem Anschein nach auf einen blutigen Feldzug gegen die Verantwortlichen von damals begibt. Den Anfang auf seiner „Hit List“ macht hier der ehemalige NCIS-Direktor Thomas Morrow (Alan Dale), der am Ende der Folge leblos in seinem Haus aufgefunden wird.
Out of sight, out of mind
Zwischendurch muss man als Zuschauer einfach hinnehmen, dass Jacob Scott anscheinend ein extrem kompetenter Zeitgenosse sowie mit allen Wassern des Geheimagentendaseins gewaschen ist, ohne Probleme Leon Vance in seine Gewalt bringen kann, um an wichtige Informationen aus den NCIS-Akten zu gelangen, und für unsere Ermittler einfach nicht zu packen ist. Aber das ist relativ leicht zu verkraften, dient es doch sehr effektiv der allgemeinen Spannung, wenn Scott unseren Protagonisten immer wieder einen Schritt voraus ist. Überhaupt wird Return to Sender mit fortschreitender Laufzeit weitaus spannender und interessanter, als man es zunächst erwartet hätte.

Loose ends
Die Jagd nach Jacob Scott, dem man in der nächsten Episode gerne noch etwas mehr Profil geben darf, damit wir mit ihm als vollwertigem Antagonisten etwas mehr anfangen können, ist zumindest vielversprechender als irgendein beliebiger Kriminalfall, um den in den letzten Minuten der Folge noch schnell eine Schleife gemacht wird. Man darf durchaus gespannt sein, wie sich die Geschichte entwickeln wird, der kleine Abstecher in den Bereich des horizontalen Erzählens ist auf jeden Fall eine gelungene Abwechslung.
Zwar muss man nach wie vor ein paar Abstriche in Return to Sender machen, im letzten Drittel der Episode wird jedoch gut unterhalten, so dass man als Zuschauer letzten Endes am Haken ist und schon gerne wissen möchte, wie das Team den flüchtigen Mörder dingfest machen wird. Und welche bekannten Namen sich darüber hinaus auf Scotts Todesliste finden lassen und eventuell um ihr Leben bangen müssen. Eine verlockende Ausgangslage für die kommende Episode, die dementsprechend dramatisch werden könnte.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 21. April 2016(NCIS 13x21)
Schauspieler in der Episode NCIS 13x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?