NCIS 13x15

NCIS 13x15

NCIS kehrt in React zu einer eher klassischen Prämisse zurück und behandelt die Entführung der Tochter einer wichtigen Regierungsangestellten. Wirklich erinnerungswürdig ist die Handlung indes nicht, auch wenn sich ein paar ordentliche Actionszenen und unterhaltsame Momente in ihr finden lassen.

Gibbs (Mark Harmon) und Abbie (Pauley Perrette) in „React“ / (c) CBS
Gibbs (Mark Harmon) und Abbie (Pauley Perrette) in „React“ / (c) CBS

Nachdem es letzte Woche in der NCIS-Episode Decompressed noch etwas innovativer und ausgefallener zuging, bekommen wir mit der Folge React eine sehr gewöhnliche Entführungsgeschichte serviert, in der das Team die entführte Tochter der Marineministerin der USA (United States Secretary of the Navy oder kurz SECNAV) aus den Fängen einer Bande skrupelloser Kidnapper befreien muss. Die Handlung gestaltet sich grundsolide und die Macher leisten sich keine groben Schnitzer, was den klassischen Aufbau der Erzählung angeht. Hier liegt aber auch gleichzeitig das größte Problem der Episode.

Denn so einfach man der Handlung folgen kann, die durchaus ein paar knackige Actionsequenzen zu bieten hat, so wenig besonders ist diese im Großen und Ganzen aber auch. „React“ geht von Minute eins an das Besondere und das gewisse Etwas abhanden, so dass man das Geschehen schon ein Stück weit teilnahmslos verfolgt. Selbst eine kleine Wendung, was die Motivation der Entführer betrifft, mag die Spannung nicht so recht anheben, die sich permanent auf einem eher durchschnittlichen Niveau befindet und selten einen Ausreißer nach oben macht.

On edge

Die Autoren lassen uns in „React“ zunächst in dem Glauben, dass die Entführung der Tochter von SECNAV Sarah Porter (die gern gesehene Gastdarstellerin Leslie Hope) politische Hintergründe hat und die Verantwortlichen die Absicht verfolgen könnten, wertvolle Staatsgeheimnisse aus der Ministerin und Mutter in Not herauszupressen. Die Überlegung ist nicht verkehrt, ist es doch durchaus vorstellbar, dass Familienangehörige von ranghohen Regierungsangestellten mit Zugriff auf klassifizierte Geheiminformationen zur Zielschiebe von Kriminellen werden könnten, welche über eine Entführung an besagte Geheiminformationen gelangen wollen.

Gastdarstellerin Christina Chang (l.) in %26bdquo;React%26ldquo; © CBS
Gastdarstellerin Christina Chang (l.) in %26bdquo;React%26ldquo; © CBS

Push back

Wie sich dann aber herausstellt, steckt die neue Lebenspartnerin des Exmannes von SECNAV Porter hinter der Entführung, denn ihre Firma, die sie gemeinsam mit ihrem Mann betreibt, droht, kolossal den Bach runterzugehen. Wie passend, dass Porter eine Art Entführungsversicherung für ihre Tochter in Höhe von zehn Millionen US-Dollar abgeschlossen hat - eine Summe, um die die verzweifelte Firmenbesitzerin Porter nun im Austausch für deren Tochter erpressen will. Es kommt aber erneut ganz anders, verfolgen die angeheuerten Entführer doch letztlich sogar eine eigene Agenda und wollen Porter für einen Beschluss bezüglich der Special-Operations-Einheit der USA, den sie als SECNAV einst getroffen hat, büßen lassen. Die Motivation der bösen Buben ist also letztendlich einfache Rache, ein beliebtes, aber auch schrecklich geläufiges Motiv, das nicht wirklich einfallsreich ist.

Grundsätzlich funktioniert die Struktur der Episode gut, Gibbs (Mark Harmon) bringt seine gesamte Erfahrung als Ermittler ein und steht Porter gemeinsam mit FBI-Agent Fornell (Joe Spano) bei. Die Serienmacher spielen sämtliche Phasen eines solchen Szenarios durch, von den ersten Lösegeldverhandlungen bis hin zu einem geplanten Austausch, der jedoch nach hinten losgeht. Die gesamte Geschichte fühlt sich leider nur extrem vertraut und etwas ausgelutscht an, wirklich neue Wege geht man hier nicht, vielmehr wirkt „React“ wie eine Folge aus der Kategorie „Greatest Hits“ des Genre Crime-Procedural. Daher ist es für den geübten Fernsehkonsumenten auch nicht besonders einfach, etwas Besonderes in der Episode zu sehen oder sich von der simplen Handlung mitreißen zu lassen.

Military kids

Doch es gibt auch ein paar Lichtblicke: Der erste Versuch der Ermittler, das entführte Mädchen gegen die Zahlung des Lösegelds zu befreien, geht zwar gehörig nach hinten los, das kurze, bildgewaltige Spektaktel, das sich uns aber bietet, ist ein guter „Hallo-wach-Moment“, der uns die gefährliche Lage - auch für unsere Ermittler - deutlich vor Augen führt. Natürlich rechnet niemand damit, dass Gibbs oder McGee (Sean Murray) fatal verletzt werden. Die chaotischen Szenen im Parkhaus, als es an allen Ecken und Enden zu knallen beginnt, gehören aber zweifellos zu den aufregendensten Szenen der Episode, die sich in diesen Momenten lebendig und weniger lethargisch anfühlt.

Auch die Einbeziehung von McGees alter Freundin aus Kindheitstagen, Special Agent Valerie Page (Christina Chang), die eigentlich ein besonderes Training für das schnelle Eingreifen in Situationen wie Geiselnahmen mit dem Team trainieren soll, ist eine eher positive Begleiterscheinung der Episode. Page bekommt von Gibbs zunächst einmal die kalte Schulter gezeigt, ist dieser doch gewohnt vorsichtig, wen er in sein Team mit einbezieht und sein Vertrauen schenkt. Sein schmallippiges Gebaren ist wie so oft köstlich mit anzusehen, schlussendlich scheint aber auch sein fairer Charakter durch, als sich Page beweist und mit ihrer Einsatztruppe die Entführer aufhalten kann.

High risk

Fraglich ist in dieser finalen Szene, in der die Spannung noch einmal ein klein wenig aufkocht, nur, wie sich die Entführer verhalten. Natürlich werden sie geschickt umzingelt. Da man uns aber zuvor immer wieder darauf hinweist, dass es sich um hervorragend ausgebildete Exmilitärangehörige mit hochmoderner Ausrüstung handelt, ist es dann doch etwas verwunderlich, wie einfach man diese dingfest und den Anführer ausschalten kann.

Bishop (Emily Wickersham) und Tony (Michael Weatherly) im Einsatz © CBS
Bishop (Emily Wickersham) und Tony (Michael Weatherly) im Einsatz © CBS

Smooth operator

Der Gastauftritt von Christina Chang sorgt unterdessen noch für ein paar lockerleichte Momentaufnahmen, begibt sich Tony (Michael Weatherly) doch mal wieder auf die Suche nach pikanten Geheimnissen von Kollege McGee. Das Resultat sind einige spaßige Szenen (wenn sich Tony und Bishop über die neonfarbenen Pflaster von McGee und Fornell lustig machen, kann auch ich mir ein Lachen nicht verkneifen), gewohnt charmant und auflockernd für die gesamte Episode. Am Ende wird es dann aber noch einmal etwas tiefsinniger, als SECNAV Porter ihre Berufung hinterfragt und ihre Tätigkeit an den Nagel hängen will, um ihre Tochter nicht weiter in Gefahr zu bringen.

Gibbs hält (wie vom ihn gewohnt sehr einsilbig) fest, dass Familie sehr wichtig ist. Gleichzeitig darf man sich aber auch nicht einschüchtern lassen, nur weil man extrem wichtige Arbeit verrichtet, die vielleicht nicht jedem schmecken mag. Porter steht dabei sinnbildlich für zahlreiche Politiker, die sich mit bestimmten Entscheidungen unbeliebt machen, welche aber nun einmal getroffen werden müssen und von großer Bedeutung für die Allgemeinheit sein können. Wie zum Beispiel Porters Beschluss, auch Frauen für die Special Operations zuzulassen. Natürlich kann man sich und seine Liebsten dabei zu einer Zielscheibe machen. Man muss sich aber auch seiner Verantwortung bewusst sein und darf keine Angst zeigen, nur weil man in den Augen mancher unpopuläre, aber bedeutsame Entscheidungen trifft. Die Episode endet somit auf einer interessanten Note, was die insgesamt aber eher durschnittliche Bewertung von React nicht verhindern kann.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 18. Februar 2016
Episode
Staffel 13, Episode 15
(NCIS 13x15)
Deutscher Titel der Episode
Aktion und Reaktion
Titel der Episode im Original
React
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 16. Februar 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 25. September 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 12. September 2016
Autor
Jennifer Corbett
Regisseur
Bethany Rooney

Schauspieler in der Episode NCIS 13x15

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