NCIS 13x14

Die Episoden der letzten Wochen aus der 13. Staffel von NCIS haben den Zuschauern jetzt nicht wirklich die erfrischendsten FĂ€lle der Woche geboten. Deshalb fĂ€llt es in der neuen, Decompressed, gleich umso positiver auf, dass sich die Autoren mal wieder etwas vergleichsweise Neues haben einfallen lassen, mit dem sich unser Ermittlerteam befassen muss. Der Tod eines Tiefseetauchers in einer Dekompressionskammer hat ein nebulöses Kammerspiel zur Folge, welches fĂŒr den GroĂteil der gesamten Episode ausreichend Spannung generiert und das Publikum mitrĂ€tseln lĂ€sst, wer hinter dessen Ableben stecken könnte.
Die wissenschaftlichen Rahmenbedingungen dieser ErzĂ€hlungen, inwiefern es tatsĂ€chlich vier ganze Tage dauert, um die betroffenen Taucher wieder an den Druck auf Höhe des Meeresspiegels zu gewöhnen, werfen zwar ein paar Fragen auf, die Geschichte an sich punktet dafĂŒr aber anderweitig. So zögert man die Auflösung der TĂ€terfrage gekonnt hinaus und liefert genĂŒgend Anhaltspunkte, die auf alle drei VerdĂ€chtigen als Mörder hindeuten. Schade ist indes, dass sich das Ende dann doch etwas arg abrupt gestaltet und nicht ganz das halten kann, was zuvor etabliert wurde.
Out of bounds
Mal wieder lassen sich die Serienmacher von „NCIS“ so eine vielversprechende Chance durch die Lappen gehen, eine ausgefallene PrĂ€misse in eine ausgesprochen gute Episode umzumĂŒnzen. Dabei bewegen sie sich jedoch lange Zeit auf dem besten Weg dorthin: Der besagte Fall der Woche ist eher auĂergewöhnlich und trĂ€gt eine Prise Mystery in sich, ist doch lange nicht klar, was die Tiefseetauchertruppe ĂŒberhaupt auf dem Grund des Meeres so treibt. FĂŒr eine Ălfirma sind sie schon einmal nicht tĂ€tig, wĂ€hrend der schmierige Firmenanwalt von Olympus Underwater Research - das Unternehmen, das verantwortlich fĂŒr das geheimnisvolle Unterfangen ist - Gibbs (Mark Harmon) immer wieder abblockt und mit rechtlichen Schritten droht.

Pressure
Der Chefermittler selbst wird dementsprechend von Minute zu Minute angefressener, dass sein Team keine Fortschritte macht und nicht in der Lage dazu ist, Antworten auf die vielen ungeklĂ€rten Fragen zu liefern. Erschwerend kommt derweil hinzu, dass Ducky keine richtige Autopsie an der Leiche durchfĂŒhren kann, wĂŒrde man mit dem plötzlichen Druckabfall doch das Leben der anderen drei Taucher gefĂ€hrden. Wartet man jedoch die vier Tage Dekompressionszeit ab, sind die forensischen Beweise, die man der Leiche entnimmt, nicht mehr zu gebrauchen. Der (Zeit-)Druck steigt also, nicht nur fĂŒr die Ermittler des NCIS-Teams, sondern auch innerhalb der Kammer, in der sich die drei ĂŒbriggebliebenen Tiefseetaucher schon bald gegenseitig den Mord an ihrem Kollegen in die Schuhe schieben wollen.
Das Interessante an derartigen Kammerspielen ist stets die Interaktion unter den Charakteren und in diesem speziellen Fall das gegenseitige Misstrauen in einer solchen Situation, wenn es zu einem Mord gekommen ist und der vermeintliche TĂ€ter noch im selben Raum mit einem weilt. Die Autoren hĂ€tten uns gerne noch ein paar mehr Einblicke in die angespannte AtmosphĂ€re innerhalb der Kammer geben können. Zum Beispiel damit, wie sich die drei VerdĂ€chtigen gegenseitig der Tat bezichtigen, die Nerven immer blanker liegen und die AuĂenstehenden weder eine Chance haben einzugreifen noch den wahren Schuldigen zu identifizieren.
Subterfuge
Man wollte aber anscheinend den Fokus nicht allzu sehr auf die drei Gastdarsteller Maya Stojan, Greg Serano und Henderson Wade legen (warum eigentlich nicht?), wodurch das emotionale Innenleben ihrer Figuren in dieser Drucksituation nur vereinzelt thematisiert wird, so zum Beispiel, als sich im letzten Drittel der Episode zwei der Taucher gegen einen verbĂŒnden und diesen als Mörder deklarieren. Die Autoren wĂ€hlen die meiste Zeit aber einen anderen Ansatz und versetzen uns Zuschauer direkt in die Rolle der Ermittler, die ebenso wenig Einblick in die hermetisch abgeriegelte und von der AuĂenwelt isolierte Druckkammer haben wie wir.
Also mĂŒssen sie die nötigen Hinweise und Indizien zusammentragen, die sich auch ohne direkte Einzelbefragung der Taucher finden lassen, wodurch sich zu jedem der drei ein eigenes Profil entwickelt, das zwar keinen wirklich entlastet, aber auch niemanden zu 100 Prozent ĂŒberfĂŒhren kann. In diesen Szenen ist Decompressed auch am stĂ€rksten, wenn das Team im Dunkeln herumstochert, Informationen gewinnt, die mehr oder minder vage sind und gleichzeitig keine Zeit zu verlieren hat, den Mörder zu ĂŒberfĂŒhren. Die Serienmacher entwerfen hier ein spannendes Setting, das nach einer groĂen Auflösung schreit, die uns dann auf dem falschen FuĂ erwischt.
Foul play
Ein eher reiĂerisches, wirklich ĂŒberraschendes Ende bleibt uns aber vorenthalten, was ein klein wenig bedauerlich ist, da so die vorher angestaute Spannung ein StĂŒck weit verpufft. Wie sich herausstellt, hat die einzige Frau im Taucherteam ihren Kollegen auf dem Gewissen, kam dieser doch den Machenschaften eines Drogenkartells auf die Schliche, fĂŒr das die TĂ€terin sowie der Rechtsvertreter von Olympus Underwater Research arbeitete. Das geheime Tiefseeprojekt ist indes eine Art Unterwasserlagerungssystem, das eigentlich an die Navy verkauft werden sollte. Damit kann man Ressourcen oder auch Waffen in den Ozeanen auf der ganzen Welt lagern und diese per Knopfdruck jederzeit abrufen. Das Drogenkartell benutzte wiederum diese LagerstĂ€tten, um tief in der See ihre Ware (flĂŒssiges Kokain) sicher zu verstauen.

Crazy things
Die Lösung des RĂ€tsels, was am Grund des Meeres wirklich vorgeht, ist enttĂ€uschenderweise wenig spektakulĂ€r und mutet fast ein wenig bieder an - auch wenn die Idee eines Unterwasserlagersystems mal etwas anderes ist. Dass jedoch mal wieder ein dubioses Drogenkartell seine Finger mit im Spiel hat, ist nicht besonders kreativ und gewohnt altbacken. Ein persönlicher Grund als Motiv des TĂ€ters (Eifersucht, Gier et cetera) hĂ€tte ich persönlich interessanter gefunden, als dass man am Ende der Folge innerhalb weniger Minuten die bösen, gesichtslosen Drogenbarone Kolumbiens als Wurzel allen Ăbels prĂ€sentiert und deren Handlanger dingfest macht. Die Beweislage (ein Ausschlag an der Lippe der vermeintlichen Mörderin aufgrund des roten Farbstoffs, der mit flĂŒssigem Kokain versetzt war) erscheint mir ebenfalls etwas dĂŒnn.
Ich bin dennoch geneigt, „Decompressed“ eine eher ĂŒberdurchschnittliche Wertung zu geben, zeigen die Macher doch, dass sie nach wie vor packende Geschichten mit einem interessanten Kniff entwerfen können. Die AusfĂŒhrung der besonderen PrĂ€misse gelingt fĂŒr die meiste Zeit, einzig zum Ende der Episode hin schwĂ€chelt man dramaturgisch und kann seine âErnteâ nicht so recht einholen. Die kleinen SpĂ€Ăe unter den Kollegen zum anstehenden Valentinstag sind indes nicht allzu prominent vertreten, aber dennoch sehr charmant (Bishops und Tonys perfekte Valentinstagdates, Gibbs und sein Wackelpudding), so dass auch fĂŒr amĂŒsante Zwischentöne gesorgt ist, ohne dass man aus der spannenden, atmosphĂ€risch dichten Haupthandlung herausgerissen wird. Eine gute NCIS-Episode, der nicht viel fehlt, um vielleicht sogar zu einer der besten der bisherigen 13. Staffel des Crime-Procedurals zu zĂ€hlen.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 11. Februar 2016(NCIS 13x14)
Schauspieler in der Episode NCIS 13x14
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?