NCIS 13x13

NCIS 13x13

In der Episode Déjà vu versuchen die Serienmacher von NCIS wieder einmal über einen sehr persönlichen Ansatz eine finstere Kriminalgeschichte zu erzählen. Dieser Plan geht jedoch nicht ganz auf, verpufft die emotionale Verbindung zwischen Ermittler und Fall doch größtenteils.

McGee (Sean Murray), Gibbs (Mark Harmon) und Ducky (David McCallum) in „Déjà vu“ / (c) CBS
McGee (Sean Murray), Gibbs (Mark Harmon) und Ducky (David McCallum) in „Déjà vu“ / (c) CBS

Die Autoren des Crime-Procedurals NCIS haben sich in der Episode Déjà vu etwas ganz Besonderes einfallen lassen, was aber eigentlich gar nicht so besonders ist, selbst für „NCIS“-Verhältnisse. Der neuste Fall der Ermittler - in dem sich diese zunächst mit einem rätselhaften Mord an einer jungen Navy-Angehörigen und dann mit den Untaten eines Menschenhändlerrings befassen müssen - wird von einer übergeordneten Erzählung durch Ellie Bishop (Emily Wickersham) umrahmt, die sich in ihrem nachdenklichen Gemütszustand dem längst verstorbenen US-Präsidenten Harry S. Truman anvertraut, der in gewisser Weise Urvater der NSA-Behörde ist, von der Bishop einst ein Teil war.

Der Aufbau der Episode erinnert dabei stark an die sehr emotionale Episode House Rules aus der zwölften Staffel des Formats, in der McGee (Sean Murray) seinem verstorbenen Vater - eine Tatsache, die wir erst zum Ende der Episode erfahren - einen Brief über einen aktuellen Fall schreibt, der den NCIS-Agenten schwer beschäftigt. Die Serie recycelt sich innerhalb eines Jahres also selbst, weshalb die Verwendung dieses auf dem Papier vielleicht nicht ganz so gewöhnlichen framing device doch ein Stück weit altbacken ist. Aber gut, wenn man einen originellen Einfall hat, wie man dieser Art der Erzählstruktur etwas Besonderes geben kann, dann darf man sich auch gerne selbst kopieren. Wenn man denn einen originellen Einfall hat...

Glory days

Dieser geht der Episode und diesem Erzählelement nämlich leider im Großen und Ganzen abhanden, was vor allem daran liegt, dass sich uns die emotionale Verbindung zwischen Bishop und dem Fall, in dem sie den Menschhändlern vor langer Zeit das Handwerk gelegt hat, nie wirklich erschließt. Im Verlauf der Episode legt sich dieses Problem etwas, doch für die meiste Zeit fragt man sich schon ein wenig, inwiefern die damaligen Ermittlungen gegen die scheußlichen Menschenhändler Spuren auf Bishops Ermittlerseele hinterlassen haben. Irgendwie fehlt einem da doch das emotionale Gewicht dieser Geschichte, die einen trotz ihrer sehr relevanten und furchtbaren Thematik eher kalt lässt.

Gibbs (Mark Harmon; r.) bei der Arbeit © CBS
Gibbs (Mark Harmon; r.) bei der Arbeit © CBS

Smoke screen

Hinzu kommt, dass die Szenen um Bishop, die ihren Brief an den guten Truman verfasst, mitunter unfreiwillig komisch, wenn nicht sogar lachhaft, wirken. Ganz abgesehen davon, dass man das Lebenswerk von Truman durchaus kritisch betrachen kann, vor allem aufgrund einiger Entscheidungen (beispielweise der endgültige Befehl, Atombomben über Japan abwerfen zu lassen, obwohl das Land nach Meinungen Trumans engster politischer Berater kurz vor der Kapitulation stand), die er als US-amerikanischer Präsident zuzeiten des Zweiten Weltkriegs traf. Vielleicht ist es deshalb für mich persönlich nicht ganz einfach, Bishops inneren Monolog ernst zu nehmen. Eventuell kann ich mich für die hier vorliegende Erzählstruktur aber auch nicht erwärmen, weil diese Art (das Schreiben einer persönlicher Botschaft an einen toten US-Präsidenten), sich mit seinen privaten Problemen auseinanderzusetzen, schon recht eigenartig und seltsam ist.

Große Emotionen löst man dadurch bei mir als Zuschauer mitnichten aus. Ich finde es viel bezeichnender, dass eine ganz kurze Szene mit Bishop und Gerichtsmediziner James Palmer (Brian Dietzen) in mir eine weitaus emotionalere Reaktion hervorruft als der Blick in Bishops seelisches Innenleben. Jimmys Angst davor, als junger Vater einer kleinen Tochter diese in einer Welt großziehen zu müssen, in der schockierende Verbrechen wie das Menschenhandeln mit jungen Frauen grausame Realität sind, ist nicht nur sehr gut von Brian Dietzen gespielt, sondern für den Zuschauer auch absolut greifbar, ob man nun selbst schon Vater ist oder nicht. Dies ist eine starke Momentaufnahme in „Déjà vu“, zu der jeder Zuschauer sehr einfach Bezug nehmen kann, während Bishops Auseinandersetzung mit dem Thema nicht wirklich eine Gefühlsregung in mir hervorruft. Und dies ist ein Problem für die Episode, schaut man sich nur an, wie oft die Handlung zu Bishop und ihrem Truman-Brief zurückkehrt.

Concubine

Die Arbeit des Teams um Gibbs (Mark Harmon) fokussiert derweil zunächst eine ermordete Seefrau, die womöglich deshalb umgebracht wurde, weil sie in einem brisanten Fall um Ganggewalt als wichtige Zeugin vor Gericht aussagen sollte. Dies ist jedoch ein klassischer red herring, eine falsche Fährte, die die Autoren legen. Die Tote ist nämlich in Wirklichkeit Opfer des Menschenhändlerrings geworden, als sie sich diesem nach ihrer Entführung zur Wehr setzte. Der Modus Operandi dieser verbrecherischen Gruppierung weist indes darauf hin, dass es sich um alte Bekannte Bishops handeln könnte, die einen ähnlichen Fall zusammen mit ihren alten NSA-Kollegen und dem FBI vor einigen Jahren hatte aufklären können.

Die Ermittlungen der Woche gestalten sich zunächst eigentlich recht interessant, weil man selbst (noch) nicht richtig durchblickt, was gerade passiert und wer hinter dem Verschwinden vieler junger Frauen in und um Washington, D.C. steckt. Wie bereits erwähnt, widmet man sich einem wichtigen Thema, das man gerne etwas tiefgründiger behandeln hätte dürfen, um die Aufmerksamkeit auf das Problem des modernen Menschenhandels und der Zwangsprostitution zu lenken. Die kriminellen Gruppierungen hinter den Entführungen bleiben letztlich jedoch sehr blass und so serviert man uns eine recht einfache Rettungsmission. Bis auf die Betroffenheit einiger Charaktere kommt aber nicht viel mehr dabei herum. So verpasst man die Chance, den vorliegenden Fall ein klein wenig zu instrumentalisieren und eine Aussage zu dem Thema Menschenhandel zu treffen, die bei uns Zuschauern etwas länger im Gedächtnis hängen bleiben würde.

Missing person

Die „große“ Enthüllung, dass letzten Endes ein alter Kollege von Bishop mit dafür verantwortlich war, dass der Menschenhändlerring nach ein paar Jahren wieder auf den Plan tritt, ist derweil alles andere als schockierend und überraschend. Ich würde mir wünschen, dass man uns in naher Zukunft mal wieder eine Handlung präsentieren würde, die nicht dermaßen vorhersehbar ist, wie es in letzter Zeit öfter der Fall war. Wenn es schon nicht gelingt, uns emotional vollkommen in die Geschichte der Episode zu involvieren, dann sollte es doch zumindest möglich sein, uns eine recht spannende Handlung zu präsentieren, deren Auflösung wir nicht weit aus der Ferne auf uns zukommen sehen und vielleicht die eine oder andere packende Überraschung zu bieten hat.

Michael Weatherly; Sean Murray und Emily Wickersham in %26bdquo;Déjà vu%26ldquo; © CBS
Michael Weatherly; Sean Murray und Emily Wickersham in %26bdquo;Déjà vu%26ldquo; © CBS

Keen eye

Zumindest ist für etwas Spaß gesorgt, was wie immer an den sympathischen Darbietungen der Schauspieler liegt. Aufgrund der eisigen Temperaturen fallen in der amerikanischen Hauptstadt immer wieder Heizungen und die Stromversorgung aus, weshalb McGee erst bei Tony (Michael Weatherly) unterschlüpfen muss, mit dem er jedoch dann weiter zu Bishop ziehen will, weil Tonys Wohnung plötzlich ebenfalls betroffen ist. Am Ende des anstrengenden Arbeitstages findet sich das Team aber gemeinsam zu einer Pyjamaparty bei Gibbs vor einem knisternden Kamin ein. Ein fast schon putziges Schlussbild, das vielleicht ein klein wenig zu viel des Guten ist, aber letztlich doch sehr charmant den familiären Charakter des NCIS-Teams einfängt.

Zwischendurch stiehlt Gastdarstellerin Christine Garver (Mad Men) den arrivierten Darstellern etwas die Show. So sorgt sie in einer herrlich aufgedrehten Rolle als Ansprechpartnerin für McGee und Tony, die Informationen über ein paar Mikrochips geben kann, die die Menschenhändler verwenden, für eine amüsante Momentaufnahme. Auch der kurze Ausflug in McGees musikalische Vergangenheit mit einem alten Studienfreund ist recht spaßig. Diese Wohlfühlmomente in Déjà vu ändern im Großen und Ganzen aber leider nicht viel daran, dass die Episode abermals mehr biederer Durchschnitt als alles andere ist. Es wäre wünschenswert, wenn sich dies in den nächsten Wochen wieder etwas ändern würde.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 21. Januar 2016
Episode
Staffel 13, Episode 13
(NCIS 13x13)
Deutscher Titel der Episode
Mädchenhandel
Titel der Episode im Original
Déjà vu
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 19. Januar 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 11. September 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 29. August 2016
Autoren
Matthew R. Jarrett, Scott J. Jarrett
Regisseur
Rocky Carroll

Schauspieler in der Episode NCIS 13x13

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