NCIS 13x12

NCIS 13x12

In Sister City ermitteln die NCIS-Teams aus Washington, D.C. und New Orleans gemeinsam und mĂŒssen sich dabei einem etwas zu ausufernden Fall ĂŒber Landesverrat und MilitĂ€rspionage widmen. Das Aufeinandertreffen beider sympathischer Darstellerriegen gestaltet sich insgesamt aber unterhaltsam.

Abby (Pauley Perrette) und Tony (Michael Weatherly) in „Sister City“ / (c) CBS
Abby (Pauley Perrette) und Tony (Michael Weatherly) in „Sister City“ / (c) CBS
© bby (Pauley Perrette) und Tony (Michael Weatherly) in „Sister City“ / (c) CBS

Mit dem Crossover-Event zwischen NCIS und der Schwesterserie NCIS: New Orleans, das man uns hier in Form des Zweiteilers Sister City prĂ€sentiert, gelingt den Produzenten beider Formate zunĂ€chst einmal das, was sie sich auch vorgenommen haben: eine bisweilen recht unterhaltsame Verschmelzung zweier Welten, die das Serienuniversum hinter „NCIS“ zu bieten hat. Das kĂŒhle, bisweilen sehr klinische Washington, D.C., von welchem Gibbs (Mark Harmon) und sein Team aus operieren, auf der einen, das eher warme, farbenfrohe New Orleans, Basis von Chefermittler Dwayne Pride (Scott Bakula) und seinen GesetzteshĂŒtern auf der anderen Seite. In gewisser Weise passen diese beiden Serien auch deshalb ein StĂŒck weit eher zusammen, weil sie mehr der alten Schule entsprechen als vielleicht das deutlich actionreichere und „lautere“ NCIS: Los Angeles.

Selbst wenn man nicht wirklich mit dem „NCIS“-Ableger „NCIS: New Orleans“ vertraut ist, wie es auch bei mir der Fall ist, findet man sich doch relativ schnell in dieser verworrenen Geschichte ĂŒber rĂ€tselhafte MordfĂ€lle, Hochverrat und dem möglichen Ausbruch eines dritten Weltkrieges zurecht. Die Doppelepisode „Sister City“ könnte aber jedoch ein ganzes StĂŒck kurzweiliger sein, wĂŒrde sich die altbekannte Jagd nach Hinweisen und VerdĂ€chtigen nicht so ewig hinziehen, aber leider fĂ€llt den Autoren nicht besonders viel anderes ein, um die fast 90 Minuten Laufzeit der Eventfolge zu fĂŒllen. Dies ist schon ein wenig schade, zeigt sich doch zwischendurch, dass die Handlung einige interessante Themen und Nebengeschichten zu bieten hat, die jedoch nur angerissen und eher oberflĂ€chlich behandelt werden.

National security

Die Handlung von „Sister City“ erschließt sich einem doch recht schnell, selbst wenn die Macher alles daran setzen, sie unnötig zu verkomplizieren und eine mehr oder weniger ĂŒberraschende Wendung (eher weniger) nach der anderen einzubauen, um etwas Spannung zu generieren und das Interesse des Zuschauers hochzuhalten. Letztlich dreht sich alles um ein strenggeheimes MilitĂ€rprojekt zu einem hochmodernen Kriegsschiff, dessen BauplĂ€ne in die Finger Russlands geraten sind. Die bösen Russen haben den Kahn jetzt selbst konstruiert, was wiederum kriegerische Konsequenzen zwischen den USA und Russland nach sich ziehen könnte.

Irgendwie ist dann auch noch Abbys (Pauley Perrette) Bruder Luca (Tyler Ritter) in der ganzen Geschichte um einen genialen Techmogul verwickelt, von welchem die EntwĂŒrfe zu dem Kriegsschiff stammen. Der gutherzige Luca ließ sich von einer russischen SchlĂ€feragentin an der Nase herumfĂŒhren, die letztlich in Diensten des alten Bekannten Anton Pavlenko (Lev Gorn), seines Zeichens ein Diplomat Russlands, stand, welche wiederum die angespannte Situation zwischen den beiden WeltmĂ€chten nicht noch weiter eskalieren lassen wollte.

Luca (Tyler Ritter) und Abby (Pauley Perrette) in „Sister City“
Luca (Tyler Ritter) und Abby (Pauley Perrette) in „Sister City“ - © CBS

Taking advantage

Wie man lesen kann, haben die Autoren sich hier ein buntes Kalter-Krieg-2.0-Allerlei zusammengesponnen, das gut und gerne an manchen Stellen etwas entschlackt hĂ€tte werden können. Im Grunde genommen folgen die verschiedenen Ermittler brav jeder FĂ€hrte, haben hier und da etwas GlĂŒck bei ihren Nachforschungen (eine furchtbar zufĂ€llige Bluetooth-Interferenz, als man eine versteckte Wanze in der Leiche des vergifteten Anton Pavlenko findet, bringt den Fall entscheidend voran) und setzen das Puzzle schlussendlich zur Zufriedenheit aller zusammen. Die große Katastrophe wird abgewendet, die Schuldige, die eigentlich nur Gutes tun wollte (eine Motivation, der man als geĂŒbter Seriengucker grundsĂ€tzlich eher skeptisch gegenĂŒbersteht), wird dingfest gemacht.

Zu Beginn von „Sister City“ ist man noch deutlich mehr in die Geschichte involviert und fragt sich schon, wie zum Beispiel Abbys Bruder in die ganzen VorfĂ€lle hineinpasst oder welche Partei gerade wen ausspielt. Dieses Interesse ebbt jedoch im weiteren Verlauf der Doppelepisode leider immer mehr ab, was schlichtweg daran liegt, dass man sich gefĂŒhlt ein paar Mal zu oft im Kreis dreht, sich Handlungsschemata wiederholen und man, einfach gesagt, immer wieder die gleiche alte Leier zu sehen bekommt. FĂŒr fast anderthalb Stunden Laufzeit bietet man mir einfach etwas zu viel generisches Ermitteln und Nachgehen von Hinweisen an. Dem Ganzen hĂ€tten ein frischer Anstrich und weniger vorhersehbare AblĂ€ufe in der Handlung durchaus gutgetan.

Team effort

FĂŒr etwas Abwechslung will man indes mit der ZusammenfĂŒhrung der verschiedenen Teams aus Washington, D.C. und New Orleans sorgen, was alles in allem auch recht passabel funktioniert. Die Figuren Ă€hneln sich mitunter zwar recht deutlich - sie zeichnen sich lediglich durch ein anderes Geschlecht, eine andere Hautfarbe oder einen furchtbaren Dialekt (Lucas Blacks Christopher LaSalle ist fĂŒr mich nicht leicht zu ertragen) aus. Da hier ein jeder von den Darstellerinnen und Darstellern aber ursympathisch ist, ist die Interaktion zwischen den unterschiedlichen Charakteren oft sehr charmant und nett mit anzusehen.

Zwar schlĂ€gt man hier und da etwas ĂŒber die StrĂ€nge (beim Aufritt von Tina Benko als russische Sexbombe, die hochsinnlich mit Scott Bakulas Dwayne Pride interagiert, zieht sich einem der Magen zusammen), im Allgemeinen merkt man den Beteiligten jedoch ihren Spaß an dem Crossover an. Und ganz ehrlich, wer hĂ€tte Vance (Rocky Carroll) jemals einen popkulturellen Witz („I'm thinking it's time we bring Tony Stark in for questioning.“) zugetraut?

Die Crossoverepisode punktet unter anderem auch durch den sehenswerten, von mir bereits auf der vorangegangenen Seite erwĂ€hnten Kontrast beider Formate. Der Übergang vom sterilen, bĂŒrokratischen Washington, D.C. ins dynamische, lebendige New Orleans (1 zu 0 fĂŒr Pride und sein Team, schaut man sich deren herrliches „BĂŒro“ im Vergleich zu Gibbs' biederer ArbeitsstĂ€tte an) gelingt gut. Letzten Endes schafft man es, das Beste aus beiden Welten miteinander zu kombinieren und ein paar kleine amĂŒsante Einlagen einzustreuen (vor allem das NCIS-Team um Gibbs feuert einige nette „Star Wars“-Referenzen ab), so dass sich das Aufeinandertreffen beider Format organisch anfĂŒhlt. ZusĂ€tzlich freut man sich ĂŒber ein paar bekannte Gesicher, die sich gut in das Ensemble einfĂŒgen (Bryan Batt aka Salvatore „Sal“ Romano aus Mad Men zum Beispiel oder auch der angenehm aufspielende Tyler Ritter als Luca Sciutto).

Spy games

Neben den Ermittlungen im Fall der verschwundenen BauplĂ€ne fĂŒr das gefĂ€hrliche Kriegsschiff probieren sich die Macher dann noch daran, ein paar persönliche Geschichten unserer Protagonisten in die Handlung mit einfließen zu lassen, wo sich jedoch ein paar Probleme auftun. Manche kleine Nebengeschichte dient nur als auflockerndes Beiwerk (Tony hat sich ĂŒber Neujahr von Zoe getrennt, was sich wie ein Lauffeuer verbreitet) oder wird schlichtweg viel zu nebensĂ€chlich angeschnitten (Bishop lĂ€sst sich etwas ĂŒber ihre Scheidung von Jake aus, eine Neuigkeit, die sich ebenfalls wie ein Lauffeuer verbreitet), als dass sie einem wirklich nachhaltig im GedĂ€chtnis hĂ€ngen bleiben.

Am ehesten funktioniert da schon der Handlungsstrang ĂŒber die innige Schwester-Bruder-Beziehung zwischen Abby und Luca, die wohlgemerkt fester Bestandteil der Haupthandlung ist und mit der man sich als Zuschauer zwangslĂ€ufig auseinandersetzen muss. Hier bekommt man jedoch ein paar herzliche Momente zu sehen, die allen voran von Pauley Perrette ausgehen.

Wo traurigerweise massiv viel Potential verschenkt wurde, ist die Geschichte ĂŒber die SchlĂ€feragentin Eva (Cassidy Freeman), zu der Luca eine besondere Beziehung hat und der dieser unbedingt helfen will. Zum Ende der Episode wird deutlich, in welcher ausweglosen ZwickmĂŒhle sich Eva wiederfindet und so kauft man ihr hier schon etwas mehr als noch am Anfang ab, dass sie tatsĂ€chlich nur gute Absichten verfolgte und Luca nie in Gefahr bringen wollte. Als SchlĂ€feragentin ist sie Angehörige zweier Nationen, doch letztlich steht sie ohne eine von beiden da. Jahrzehnte hat sie dafĂŒr geopfert, unter Mentor Pavlenko etwas zu bewegen, am Ende bleibt ihr nichts, nicht mal eine Heimat. Dieses Dilemma und der Interessenkonflikt, in dem sich Eva wiederfindet, ist eigentlich hochinteressant und zum Beispiel in dem ausgezeichneten FX-Charakterdrama The Americans ein sehr spannender Aspekt, der thematisch unglaublich viel hergibt.

Bishop (Emily Wickersham) besucht Pride (Scott Bakula) und Co in New Orleans.
Bishop (Emily Wickersham) besucht Pride (Scott Bakula) und Co in New Orleans. - © CBS

Tool

Leider verfolgt man diesen in „Sister City“ weniger, Eva wird gerade mal zum Ende der Episode zu einem vollwertigen Charakter, was aber immerhin noch ein paar sehr starke Szenen zur Folge hat. Doch letztlich tangiert man diesen ergiebigen Themenbereich nur fĂŒr einen kurzen Moment, von dem ich als Zuschauer ĂŒber die gesamten 90 Minuten verteilt einfach gerne mehr gesehen hĂ€tte. Doch „NCIS“ ist nun mal eben kein Charakterdrama, der Fall und die Arbeit der Ermittler gibt hier die Musik an. Umso bedauerlicher ist es nur immer wieder, wenn sich die Macher selbst der Chance berauben, etwas Neues auszuprobieren und es wagen, mal einen anderen Weg in der Art ihrer ErzĂ€hlung zu gehen.

So bleibt am Ende von „Sister City“ zwar eine insgesamt ordentliche, stellenweise sogar sehr unterhaltsame Folge ĂŒbrig, in der sich zwei Serien erfolgreich die Klinke in die Hand geben. Das wirkliche Besondere aber fehlt in diesem Crossoverevent, was dafĂŒr sorgen könnte, dass es doch wieder schneller in Vergessenheit gerĂ€t, als es den Serienproduzenten lieb ist. Am ehesten wird den Fans von „NCIS“ wohl im GedĂ€chtnis bleiben, dass NCIS-Hauptdarsteller Michael Weatherly kurz vor der Ausstrahlung dieser Doppelepisode bekanntgegeben hat. Diesem Thema werden wir uns sicherlich noch ein paar Mal in den nĂ€chsten Wochen widmen, wird es doch interessant zu sehen sein, wie die Serie mit dem Abgang von Fanliebling DiNozzo umgehen wird.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 6. Januar 2016
Episode
Staffel 13, Episode 12
(NCIS 13x12)
Deutscher Titel der Episode
Zwei StÀdte
Titel der Episode im Original
Sister City (Part I)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 5. Januar 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 17. Oktober 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 18. MĂ€rz 2016
Autor
Christopher J. Waild
Regisseur
Leslie Libman

Schauspieler in der Episode NCIS 13x12

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