NCIS 13x11

NCIS 13x11

Zur Winterpause von NCIS präsentiert man uns eine durchaus rührselige Geschichte, die dem einen oder anderen Zuschauer zu Herzen gehen dürfte. Der sehr persönliche Ansatz geht im Großen und Ganzen auf, wobei sich die Handlung gelegentlich etwas wirr und arg verzwickt gestaltet.

Im Mittelpunkt: Donald „Ducky“ Mallard (David McCallum) in der Episode „Spinning Wheel“ / (c) CBS
Im Mittelpunkt: Donald „Ducky“ Mallard (David McCallum) in der Episode „Spinning Wheel“ / (c) CBS

Zum Abschluss der ersten Hälfte der mittlerweile 13. Staffel des Crime Procedurals NCIS bekommen wir kurz vor Weihnachten mit Spinning Wheel noch einmal eine gefühlvolle Episode aufgetischt, die im Zeichen der besinnlichen Weihnachtszeit und den Werten, welche wir mit dieser in Verbindung bringen, steht. Das Thema Familie wird hier besonders prominent anhand einer sehr persönlichen Geschichte aus dem Leben von Gerichtsmediziner Donald „Ducky“ Mallard (David McCallum) behandelt, in dem nach Jahrzehnten die Hoffnung aufkeimt, dass sein totgeglaubter Halbbruder Nicholas, zu dem er vor langer Zeit ein sehr inniges Verhältnis hatte, vielleicht doch noch am Leben ist.

Die Suche nach Antworten weckt diverse Erinnerungen in Ducky, gleichzeitig entspinnt sich ein rätselhafter Kriminalfall, in dem Duckys Halbbruder eine Rolle spielen könnte. Nebenbei bekommt auch der Handlungsbogen um Bishop (Emily Wickersham) und die Affäre ihres Mannes Jake (Jamie Bamber) etwas Raum. Während diese Nebengeschichte eine Entwicklung nimmt, die Ellie Bishop als Charakter guttut, drückt man bei der Haupthandlung von „Spinning Wheel“ insbesondere zum Ende hin heftig auf die Tränendrüse, was bei einigen Zuschauern (meine Wenigkeit inbegriffen) sicherlich den gewünschten Effekt hervorruft. Überhaupt gefallen einige der vielen emotionalen Szenen und Darbietungen in dieser Episode gut, die sich dann jedoch oft selbst ein Bein stellt. Dies liegt vor allem daran, dass zahlreiche glückliche Zufälle das Voranschreiten der Handlung bedingen und darüber hinaus einige Aspekte der Ermittlungen durch das Team ein Stück weit hanebüchen anmuten.

Gathering data

Dieses Problem bin ich persönlich zumindest in diesem Ausmaß eigentlich eher weniger von „NCIS“ gewöhnt, in „Spinning Wheel“ übertrifft man sich aber in einer ganz bestimmten Szene selbst: Ohne ein Experte in diesem Gebiet zu sein, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass die technikbegabte Abbie (Pauley Perrette) (die Weihnachtszeit bedeutet auch, dass ihr Labor wie jedes Jahr mit einem furchtbaren Technoremix aus Weihnachtsliedern beschallt wird) über eine Smartwatch die Handbewegungen eines Mordopfers nachvollziehen kann, um so einen entscheidenden Hinweis für ihre Kollegen zu finden. Das ist dann doch etwas zu viel des Guten. Vielleicht ist diese Beurteilung etwas kleinlich, aber eine Szene wie diese reißt mich als Zuschauer schon ein klein wenig aus dem Geschehen und der Handlung.

Ducky in Not: David McCallum in %26bdquo;Spinning Wheel%26ldquo; © CBS
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Brave new world

Diese ist ohnehin von recht vielen Zweckdienlichkeiten geprägt, damit die Erzählung nicht stillsteht. Dadurch leidet wiederum die Episode selbst ein wenig - sie fühlt sich nicht ganz rund an und zaubert immer dann eine vom Zufall bedingte Antwort auf eine Frage hervor, wenn man es gerade braucht. Ein Beispiel ist der medizinische Notfall, dem sich der junge Ducky (Adam Campbell) widmen muss. Letztlich bekommt er hier nach einer erfolgreichen Operation die extrem wertvollen Briefmarken zum Dank für den kleinen Nicholas übergeben, die Jahrzehnte später den ganzen Schlamassel um seinen Bruder und zwei Kriminelle, die bare Münze mit den Briefmarken machen wollten, auslösen. Und warum bestand der Patient eigentlich darauf, nur von Ducky untersucht und behandelt zu werden? Die Autoren gehen hier schon den einfachsten Weg, um ihre Geschichte zu erzählen, was sich mehrfach bemerkbar macht und etwas störend sein kann.

An dem Aufbau der Episode, die immer wieder zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit von Ducky hin- und herspringt, ist indes nichts auszusetzen. Gerade die Szenen um den jungen Ducky und seinen kleinen Halbbruder Nicholas bilden das emotionale Rückgrat der Folge und haben viele kleine, schöne Momentaufnahmen zu bieten. Diese untermauern, warum der Ducky der Gegenwart so mitgenommen von der Nachricht ist, dass sein Halbbruder noch am Leben sein könnte. Duckys Gefühle für Nicholas, den er damals nicht aus den Fängen dessen habgieriger Mutter befreien konnte und zu dem er nach jahrelanger Suche den Kontakt verlor, werden uns eindringlich nahegebracht. Aus diesem Grund funktioniert auch die etwas manipulative, aber doch hoch emotionale Zusammenführung der beiden am Ende der Episode. Duckys Leidenszeit rührt zu Herzen und wird gekonnt innerhalb einer Episode aufgezeigt, so dass wir einen bewegenden Einblick in das seelische Innenleben des Gerichtsmediziniers erhalten.

Broken men

David McCallum und Gastdarsteller Adam Campbell spielen hier ordentlich auf, beide wissen die zahlreichen emotionalen Augenblicke ihrer Figur, ob in der Gegenwart oder in der Vergangenheit, glaubwürdig zu tragen. Aus dramatischem Blickwinkel fühlt man sich von der Geschichte der beiden Brüder durchaus mitgenommen, auch die Erkenntnis, dass Ducky im Rahmen seiner diversen Auslandseinsätze nie die Hoffnung aufgeben hat, Nicholas wiederzufinden, stimmt nachdenklich. Weitaus kritischer sind da schon einige Aspekte der Handlung in den Flashbacks zu bewerten, die etwas eigenartig wirken.

Den medizinischen Notfall hatte ich schon erwähnt, das wechselhafte Verhalten von Nicholas' leiblicher Mutter, die erst Geld für ihn sehen will, dann aber doch mit ihm verschwindet, ohne dass wir wirklich eine Begründung für ihre Absichten bekommen, irritiert mich ebenfalls. Dies gilt auch für das Angebot von Duckys Freund Angus Campbell (der eigentlich kein uninteressanter Charakter ist und gut von Adam Croasdell verkörpert wird), Ducky das benötigte Geld zu geben, um Nicholas freizukaufen. Warum genau, ist unklar. Es ist die Summe von Kleinigkeiten wie dieser, die die Episode bisweilen zu einer recht holprigen Angelegenheit machen. Die Ermittlungen des NCIS-Teams bilden da keine Ausnahme, gestalten diese sich doch insgesamt etwas zu verschachtelt, um wirklich große Spannung zu wecken.

Adam Campbell als junger Donald Mallard in %26bdquo;Spinning Wheel%26ldquo; © CBS
Adam Campbell als junger Donald Mallard in %26bdquo;Spinning Wheel%26ldquo; © CBS

Swing

Im Sinne von Ducky bleibt man natürlich dran, weil man schon möchte, dass dieser seinen Halbbruder wiederfindet. Zwischendurch, wenn es um die Motive der beiden Kriminellen, einen alten Brief von Nicholas und den Besuch bei einem Pfandleiher (zugegeben - der Besitzer, welcher sich als angehender YouTube-Star probiert, ist recht amüsant) geht, ertappe ich mich schon dabei, dass ich gedanklich etwas abschalte. Dass die Suche nach Nicholas letztlich nichts bringt, da es sich um die falsche Person handelt, ist etwas enttäuschend, doch die lieben Kollegen haben flugs die richtigen Informationen zusammengetragen, so dass Ducky doch recht unkompliziert seinen Halbbruder in einem Altenheim aufspürt. Erneut passt hier alles perfekt zusammen, doch in diesem Moment kann ich es der Serie verzeihen, berührt mich der abschließende Augenblick zwischen Ducky und Nicholas doch sehr.

Abseits von alledem stellt sich Bishop ihrem untreuen Ehemann Jake und trifft dabei eine konsequente Entscheidung: Sie will nicht länger wegrennen und sie will sich selbst nicht die Schuld für Jakes Affäre geben. Vielmehr geht sie in die Offensive und spricht deutliche Worte gegenüber Jake - richtig so. Die Beziehung zwischen den beiden stand nie unter einem guten Stern und ist irreparabel. Es ist Zeit, weiterzuziehen, der Vertrauensbruch ist schlichtweg zu groß, um die Ehe der beiden wieder kitten zu können. Ellie steht in diese Szenen ihre Frau, was ich sehr positiv finde. Dass sie diese harte Entscheidung etwas aus der Bahn wirft, ist nachvollziehbar. Sie zeigt jedoch die richtige Reaktion und packt nach kurzer gedanklicher Abwesenheit wieder tatkräftig mit an. Nun bleibt zu hoffen, dass die Autoren und der Charakter auch bei diesem Entschluss, einen Schlussstrich zu ziehen, bleiben und die problematische Beziehungskiste zwischen Ellie und Jake nicht unnötig in die Länge gezogen wird.

Fazit

Spinning Wheel markiert einen recht emotionalen Jahresabschluss für NCIS, indem man gekonnt die richtigen Knöpfe beim Zuschauer drückt, der sich auf die leicht manipulative, dennoch tragische und letztendlich herzergreifend schöne Geschichte um Donald „Ducky“ Mallard einlassen muss, um seinen Spaß an der Folge zu haben.

Während der Handlungsstrang um Ellie Bishop gut und konsequent fortgeführt wird, wirft innerhalb der Haupthandlung die eine oder andere seltsame Entwicklung ein paar Fragen auf. Wenn man sich an dem zweckmäßigen Plot nicht allzu sehr stört, dürfte man wenige Probleme mit diesem Mid Season-Finale haben. Ansonsten muss man schon ein paar Augen zudrücken, stellt sich der Handlungsverlauf trotz all seiner Emotionalität doch arg simpel und für das dargestellte Drama wunderbar passend dar. „Spinning Wheel“ holt sich aber dank der Darbietungen von David McCallum und Adam Campbell noch ein paar Punkte auf der Zielgeraden und verdient sich so insgesamt eine solide, leicht überdurchschnittliche Bewertung.

NCIS kehrt am 5. Januar 2016 mit neuen Folgen zurück.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 16. Dezember 2015
Episode
Staffel 13, Episode 11
(NCIS 13x11)
Deutscher Titel der Episode
Donnie und Nicholas
Titel der Episode im Original
Spinning Wheel
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 15. Dezember 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 20. März 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 11. März 2016
Autor
Steven D. Binder
Regisseur
Terrence O'Hara

Schauspieler in der Episode NCIS 13x11

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