NCIS 13x09

Sicher konnten es einige Leser in den letzten Wochen schon nicht mehr hören, wenn ich mich abermals über den recht ermüdenden und repetitiven Handlungsstrang um Ellie Bishop (Emily Wickersham) und ihren Gatten Jake (Jamie Bamber) ausgelassen habe. Wobei, ein Blick auf ein paar der Kommentare gaben mir schon Grund zur Annahme, dass ich mit meiner Meinung zu dieser Nebengeschichte nicht alleine dastand. Dominiert von dramaturgischen Stillstand und Wiederholung wurde ich als Zuschauer immer wieder auf die Geduldsprobe gestellt. Auch die Episode Day in Court macht zunächst den Anschein, dass wir uns erneut im Kreis drehen. Doch die Serienmacher treffen dann eine mutige Entscheidung, die sich voll und ganz auszahlt. Das Kapitel Bishop und Jake findet so ein konsequentes und bisweilen sehr dramatisches Ende.
Nach all den Vorkommnissen zwischen Bishoo und Jake erreicht deren problembehaftete Beziehungsgeschichte nun ihren Höhepunkt. Michh persönlich hat es etwas überrascht, dass der eigentlich so sympathische Jake tatsächlich fremdgeht. Während andere - User Ponder Stibbons war vor einigen Wochen bereits auf der richtigen Fährte - wahrscheinlich mit keiner anderen Enthüllung gerechnet hatten. Die Handlung um Bishop drängt sich aufgrund dieser Offenbarung mehr und mehr in der Vordergrund der Episode, die sich zunächst einmal mit einem etwas anderen Fall befasst, bei dem die Mordanklage gegen einen Navy-Offizier infolge eines Fehlers bei der Strafverfolgung fallen gelassen werden und der Verdächtige auf freien Fuß gesetzt werden muss.
Square one
Interessant ist hierbei, dass sich der Angeklagte namens Kyle Friedgen (Kelly Blatz) dank der Mithilfe seiner Rechtsvertreterin Carrie Clark (Salli Richardson, eine alte Bekannte des NCIS-Teams) erneut für das Verbrechen des Totschlags an seiner Ex-Freundin anklagen lassen will - dieses Mal jedoch vom NCIS. So soll vor dem Kriegsgericht seine Unschuld bewiesen werden, nachdem der Fall bereits für großes Aufsehen in der Presse gesorgt und sein Berufsleben sowie die Beziehung zu seiner hochschwangeren Ehefrau ruiniert hat.

Outside the box
Der Kriminalfall der Woche, dem sich Gibbs (Mark Harmon) und seine Agenten annehmen müssen, macht einen frischen und unverbrauchten Eindruck. Die Ermittler müssen mal nicht wie gewohnt arbeiten, sondern eine bereits vorliegende Untersuchung neu aufarbeiten und bewerten. An manchen Stellen verzettelt man sich ein wenig, sodass der Zuschauer den Überblick verlieren könnte und gedanklich ein klein wenig abschaltet. Im Grunde genommen finde ich aber die Idee, einen Fall mal auf andere Art und Weise durchzuspielen, gut.
Dass es letztlich der ASA (Assistant State's Attorney) Alan Wyner (Tug Coker) gewesen ist, der eine schlüpfrige Liaison mit dem Mordopfer hatte, Friedgen die Schuld für ihren Tod in die Schuhe schieben, aber nicht ins Gefängnis schicken wollte und deswegen den juristischen Prozess manipuliert hat, kann man sich bereits früh in der Episode denken. Die schrittweise Auflösung des undurchsichtigen Falles gelingt im Großen und Ganzen aber ordentlich, und auch die Motivation von Friedgen, sich freiwillig des Mordes anklagen zu lassen, damit die Behörden die Wahrheit ans Licht bringen können, finde ich nachvollziehbar. Die Autoren folgen einem besonderen Ansatz, der so bisher noch nicht dagewesen ist, was die Ermittlungen des Teams in dieser Woche von dem bekannten Einheitsbrei abhebt.
Nothing to lose
Fakt ist aber auch, dass die Geschichte um den Kriminalfall nicht wirklich über „interessant“ hinausgeht und letzten Endes eher nebensächlich wirkt. Das hängt auch mit dem starken Fokus auf Bishops Leidensgeschichte in der zweiten Hälfte der Episode zusammen. Zuvor lockert man die Geschehnisse noch mit Tonys (Michael Weatherly) Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte nach Baltimore auf, wo er als junger aufstrebender Polizist seine ersten Schritten als Gesetzeshüter machte - und jetzt als Legende verehrt wird. Überhaupt setzt man im Vergleich zur letzten Episode wieder etwas mehr auf die kurzweilige Dynamik unter den Mitgliedern des NCIS-Teams (der „Feder“-Vorfall...).
Aber die Ermittler machen nicht nur Späße untereinander. Es ist auch wichtig festzuhalten, dass sie alle eine eingeschworene Gruppe sind, in der jeder zu jedem steht. Dies arbeiten die Autoren in einer tollen kleinen Szenen heraus, als Jamie im Hauptquartier aufkreuzt und mit Bishop sein Fehlverhalten besprechen will, dort aber nur auf die sehr bestimmten McGee (Sean Murray), Tony und Gibbs trifft. Diese strafen Jake aufgrund seiner Untreue und den Schmerzen, die er Ellie durch seine Affäre zugefügt hat, vollkommen zu Recht ab. Vor allem vor Gibbs, der sehr deutliche Worte für Jakes Verhalten findet, bekommt man schon fast Angst. Der Zusammenhalt des Teams um seinen stoischen Anführer ist beispiellos und zeigt, dass sie eben nicht nur launische Kollegen sind, sondern auch in schwierigen, belastenden Lebenslagen immer füreinander da sein werden.
Fresh eyes
Diese Art Beistand kann Ellie nun gebrauchen. Anfänglich hatte ich die Befürchtungen, dass wir nur eine weitere „Bishop hat Beziehungsprobleme“-Episode zu sehen bekommen. Doch wie die Ermittlerin packen die Serienmacher nun endlich die Karten auf den Tisch und reden Tacheles. Auf Gibbs Anraten (der selbst anmerkt, dass er in Sachen Beziehungsfragen vielleicht nicht der beste Ratgeber ist) konfrontiert Ellie ihren Ehemann, von dem sie glaubt, dass er in beruflichen Schwierigkeiten steckt und von der Abteilung für innere Angelegenheit der NSA unter Beobachtung steht. Das geheime Treffen zwischen Jamie und einer seiner Arbeitskolleginnen bewertet sie nicht zu vorschnell und schließt eine Affäre ihres Gatten aus. Das kann er ihr doch nicht antun, oder?

In a bad place
Doch, das kann er. Ich bin sehr überrascht, dass die Serienmacher sich für diesen sehr dramatischen Weg entschieden haben. Ehrlich zugegeben hätte ich es ihnen nicht wirklich zugetraut, Jake zu einem solchen Typen zu machen, hinterließ er doch stets einen sehr angenehmen Eindruck. Aber dieser kann bekanntermaßen täuschen, und so ist es nicht nur für Ellie selbst, sondern vielleicht auch für manchen Zuschauer ein harter Schlag. Letztlich ist Jakes Fremdgehen eine schlüssige Erklärung für all die verpassten Termine und das unterkühlte Verhältnis zwischen ihm und Ellie.
Die abschließenden emotionalen Szenen (natürlich mit dem passenden Song „Say Something“ von A Great Big World unterlegt) sind ein klein wenig manipulativ, doch der Plan geht auf: Ellie Bishop, eine Figur, die uns (beziehungsweise mir) in den letzten Wochen nicht egaler hätte sein können, wird schlagartig zu einem Charakter, mit dem wir mitfühlen, dessen Leid, Wut und Schmerzen wir teilen. Die Auflösung des „Konflikts“ zwischen ihr und Jamie gelingt so sehr gut, ihre schwierige Situation ist erstmals wirklich greifbar und geht zu Herzen. Ein kluger, gewagter Schachzug der Autoren, der von Erfolg gekrönt ist.
Fazit
Ich hätte es mir vor einigen Wochen wohl nur schwer vorstellen können, dass die Handlung um Eleanor Bishop mich so bewegen würde. Die Serienmacher hören endlich auf, um den heißen Brei herumzutanzen - was bitter nötig war und darüber hinaus auch auf den Charakter selbst zutrifft. Bishop wird sich nun erst einmal in ihre Heimat nach Oklahoma zurückziehen, und es bleibt abzuwarten, wann sie zum NCIS-Team zurückkehren wird. Die Episode Day in Court endet somit auf einer sehr bedrückenden und tragischen Note, die jedoch ein ganz eigene Kraft entwickelt. Während mir dieser Aspekt der Folge außerordentlich gut gefällt, baut der eigentlich interessante weil andersartige Fall der Woche leider mit fortschreitender Laufzeit Stück für Stück ab. Die Episode bleibt insgesamt aber auf einem hohen Niveau, was man auch Emily Wickersham anrechnen kann, die sich hier ausgesprochen überzeugend präsentiert.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 19. November 2015(NCIS 13x09)
Schauspieler in der Episode NCIS 13x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?