NCIS 13x08

Nachdem zu Beginn der 13. Staffel von NCIS ausführlich auf Gibbs Beinahetod und die Konsequenzen seiner äußerst knappen Rettung eingegangen wurde, ließ man dieses Thema in den letzten Episoden des Crime Procedurals erst einmal ruhen. In Saviors wird diese Thematik nun wieder aufgegriffen. Eine gute Entscheidung, denn die Behandlung von Gibbs' (Mark Harmon) Traumata hätte sich sonst etwas inkonsequent angefühlt. Einen derartigen Vorfall, wie er Gibbs widerfahren ist, geht selbst an jemanden wie ihm nicht spurlos vorbei. Deshalb ist es wichtig, dass die Serienmacher diesem Handlungsstrang nicht einfach in Vergessenheit geraten lassen.
Die Geschichte um Gibbs und den wiederkehrenden Doktor Cyril Taft (Jon Cryer) weckt dabei etwas mehr Interesse als der Fall der Woche, in dem es Tony und McGee in den Südsudan verschlägt. Dort ist ein scheußliches Attentat auf ein paar Ärzte verübt worden, von denen zwei spurlos verschwunden sind. Auch hier baut man eine persönliche Komponente in die Handlung ein, trifft Tony (Michael Weatherly) doch auf seine alte Flamme Jeanne Benoit (Scottie Thompson) - jetzt mit Nachnamen Wood -, die nicht nur ein Mitglied der Ärztegruppe ist, sondern auch die Ehefrau einer der vermissten Ärzte. Die Episode bekommt dadurch durchaus mehr Tiefe. Gibbs' Kampf mit sich selbst und seinem Stolz bleibt umso mehr im Gedächtnis hängen, da der sture NCIS-Agent scheinbar den nächsten Schritt in seiner neuerlichen Charakterentwicklung durchmacht.
Therapy
Am Ende der Episode sieht es so aus, als würde Gibbs mit Dr. Taft endlich jemand an sich heranlassen. Als hätte er jemand gefunden, mit dem er die zweifellos traumatische Erlebnisse im Irak aufarbeiten kann. Der Weg dorthin ist jedoch ein steiniger, wie man gleich mehrfach in „Saviors“ sehen kann. Denn Gibbs ist und bleibt ein alter Sturkopf, der sich ungern seinen Schwächen und Ängsten stellt. Ein schöner Dialog zwischen ihm und Ducky (David McCallum) zeigt zwischendurch aber auf, dass es wichtig ist, sich unbequemen Wahrheiten zu stellen.

Grunts and shrugs
Gibbs wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die stiefmütterliche Behandlung durch seine Kollegen. dabei ist diese mehr als angebracht, sieht man doch, wie schwer Gibbs zu kämpfen hat, sein Gleichgewicht zu halten. Gibbs, der stets für sein Team da war, muss nun akzeptieren, dass auch er sich ab und helfen lassen muss. Das bedeutet ja im Umkehrschluss auch nicht, dass er komplett nutzlos ist. Im Gegenteil sogar, von der Hauptbasis in Washington, D.C. aus steht er seinen Teammitgliedern im Außendienst entscheidend zur Seite und lässt seine Beziehungen spielen, um Tony und Co. Unterstützung zukommen zu lassen.
Mir gefällt nach wie vor gut, wie man mit Gibbs umgeht, dass er auf seine alten Tagen vielleicht doch noch eine Wandlung durchmacht, die angesichts der vergangenen Vorfälle absolut nachvollziehbar und logisch wäre. Gleichzeitig ist auch die neue „Männerfreundschaft“ zwischen Gibbs und Taft, die dank einer ordentlichen Dynamik zwischen Harmon und Cryer glaubwürdig rüberkommt, ein erfrischendes Element in dieser Episode. Die Weisheiten, die die beiden austauschen, mögen vielleicht nicht die subtilsten sein. Das therapeutische Verhältnis zwischen Gibbs und Taft (welcher nach dem Verlust seines Sohnes einst ebenfalls eine schwierige Zeit durchlebte) birgt insgesamt aber Potential und könnte ein interessantes neues Element in zukünftigen Episoden darstellen, wenn es um die weitere Ergründung von Gibbs neuen Charakter geht.
Not immune
Der sehr charakterzentrierte Handlungsstrang um Gibbs stiehlt somit den Ermittlungen der Woche etwas die Show. Wobei die Serienmacher schon versuchen, beide Aspekte miteinander zu verbinden. Dies gelingt ihnen solide, aber ohne dass es mich wirklich fesseln kann. Die Rückkehr von Jeanne Benoit ist für langjährige Fans sicherlich ein netter Bonus. Und für all diejenigen, die sich an deren Hintergrundgeschichte mit Tony nicht erinnern können oder sich schlichtweg fragen, wer diese Jeanne Benoit überhaupt ist, wird ebenfalls Abhilfe geschafft. Bishop (Emily Wickersham) fungiert hier als Stellvertreter für den unwissenden Zuschauer und wird von McGee (Sean Murray) eingeweiht, dass Tony einst im Auftrag des NCIS mit Jeanne anbandeln musste, um an deren mit Waffen handelnden Vater heranzukommen. Aus der Undercover-Mission wurde mehr, doch Tony brach die Beziehung zu Jeanne ab, selbst nicht sicher, ob dies die richtige Entscheidung war.
Nun holt Tony die Vergangenheit wieder ein, und ähnlich wie sein Boss Gibbs muss auch er sich den Tatsachen stellen, mit denen er nun abermals konfrontiert wird. Nachdem Tony in den bisherigen Folgen der Staffel zumeist für die eher komödiantischen Einlagen zuständig war, wird er hier nun von einer sehr ernsthaften Seite gezeigt. Er fühlt sich verantwortlich für Jeanne und möchte dieses Kapitel guten Gewissens zu einem Abschluss bringen. Auf der einen Seite ist es gut, dass Michael Weatherly mal wieder etwas anderes zu tun bekommt, als nur ein paar comic relief-Momente. Andererseits merkt man Saviors aber auch an, dass die Handlung hier und da ein klein wenig steif und undynamisch wirkt, was wahrscheinlich daran liegt, dass man nahezu komplett auf humoristische Elemente verzichtet. Das ist definitiv mal etwas anderes, etwas mehr Auflockerung an den richtigen Stellen wäre aber vielleicht doch nicht allzu verkehrt gewesen.

Limited duty
Die Geschehnisse im Südsudan, wo die zwei Ärzte von einem gefährlichen Stamm entführt wurden, deren Anführer im territorialen Machtkampf mit einem anderen Stamm schwer verletzt wurde und von den Doktoren wieder zusammengeflickt werden soll, sind derweil nicht nur stark überzeichnet, sondern auch sehr in schwarz und weiß gehalten. Es ist zwar lobenswert, dass man das Thema internationale Hilfeleistungen in Krisengebieten und die Konsequenzen für die Betroffenen anspricht. Innerhalb kürzester Zeit ist diese durchaus relevante Problematik jedoch bereits wieder vergessen.
Der große Showdown mit den Entführern der Ärzte wirkt dann schon fast ein wenig lächerlich. Es kommt nach einer simplen Ablenkung samt unproblematischer Befreiung der Ärzte zu einer wilden Schießerei, bei der man inszenatorisch (der abschließende „Höhepunkt“ ist der Auftritt eines Kampfhubschraubers) etwas über die Stränge schlägt. Zumindest findet Tony einen runden Abschluss in seiner Geschichte um und mit Jeanne. Ob es sein Vorgesetzter Leroy Jethro Gibbs vielleicht auch bald schaffen wird, sich den „Dämonen“ seiner Vergangenheit zu stellen, wird sich derweil noch zeigen müssen.
Fazit
Mit Saviors präsentiert man uns eine überdurchschnittliche Episode von NCIS, die einige interessante Themen anspricht, jedoch wie so oft nicht den letzten Schritt macht, um komplett überzeugen zu können. Gibbs' Leidensgeschichte und neuerliche Findungsphase birgt nach wie vor reichlich Potential, während der Fall der Woche trotz ein paar geschickten Querverbindungen zwischen den verschiedenen Handlungssträngen (es gibt mal wieder ein paar Parallelen zwischen Tony und Gibbs) nicht ganz die Wucht entfalten kann, die man sich erhofft hatte. Insgesamt bewegt man sich hier aber - abgesehen von ein paar Kritikpunkten (die übertriebene Auflösung im Südsudan zum Beispiel sagt mir persönlich überhaupt nicht zu) - auf einem sehr soliden und ordentlichen Niveau.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 12. November 2015(NCIS 13x08)
Schauspieler in der Episode NCIS 13x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?