NCIS 13x06

NCIS 13x06

Die Folge Viral behandelt ein ernstes Thema, das aber aufgrund der persönlichen Leidensgeschichte einer Protagonistin zur Nebensache wird. WĂ€hrend die Darsteller ĂŒberzeugen können, gestalten sich die Ermittlungen des Teams sehr vorhersehbar.

Bishop (Emily Wickersham), Gibbs (Mark Harmon) und McGee (Sean Murray) in „Viral“. / (c) CBS
Bishop (Emily Wickersham), Gibbs (Mark Harmon) und McGee (Sean Murray) in „Viral“. / (c) CBS

NCIS probiert sich in der Episode Viral mal wieder an einem hochrelevanten Thema: Die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Mann und Frau am Arbeitsplatz. Insbesondere in militĂ€rischen VerbĂ€nden ist dies ein brisantes Thema und sorgt immer wieder fĂŒr Schlagzeilen. In „Viral“ zeigt sich, dass auch die US-Navy nicht vor Geschlechterdiskriminierung gefeit ist und dies fĂŒrchterliche Konsequenzen haben kann.

Es ist löblich, dass die Serienmacher diese Problematik ansprechen und klar Stellung pro Gleichbehandlung der Geschlechter beziehen. Doch wie so oft bekommt man den Eindruck, dass man nicht das gesamte Potential dieser wichtigen Materie ausschöpfen kann. Was unter anderem daran liegt, dass man den Fall der Woche, der sich eben mit der Geschlechterdiskriminierung befasst, fĂŒr das nur teilweise ĂŒberzeugende Drama einer unserer Hauptfiguren opfert. Es hĂ€tte sich die Chance geboten, etwas tiefer in die Thematik einzutauchen und einen Kriminalfall zu entwerfen, der neben einem ernsten, wichtigen Hintergrund nicht so absehbar ist, wie er uns hier prĂ€sentiert wird. Die Autoren interessieren sich jedoch nach etwas mehr als der HĂ€lfte der Episode nur noch fĂŒr Bishop und ihre privaten Probleme, was nur bedingt fesseln kann.

Copycat

Das Team widmet sich diese Woche dem Mord an einem Navy-Angehörigen, der augenscheinlich von einem gesuchten Serienmörder via ScharfschĂŒtzengewehr erschossen wurde. Wie sich jedoch herausstellt, ist der gesuchte Mörder jemand anderes, der nur den Modus Operandi des tödlichen ScharfschĂŒtzen kopiert hat. Es zeigt sich, dass das Opfer mit dafĂŒr verantwortlich gewesen ist, dass eine junge Navy-Offizierin sich das Leben nahm, indem es Nacktbilder von ihr und einer Kameradin im Internet veröffentlichte. Der Verdacht liegt nahe, dass das Mordopfer nun die Quittung fĂŒr seine Taten bekommen hat - oder aber von einem Strippenzieher im Hintergrund um die Ecke gebracht wurde, der eigentlich fĂŒr den Upload der Nacktbilder verantwortlich ist und den Toten erschoss, weil dieser endlich mit der Wahrheit rausrĂŒcken wollte.

Trick or treat; Gibbs? Pauley Perrette und Mark Harmon in %26bdquo;Viral%26ldquo;. © CBS
Trick or treat; Gibbs? Pauley Perrette und Mark Harmon in %26bdquo;Viral%26ldquo;. © CBS

Karma

Letzteres ist der Fall. Doch zunĂ€chst klappern die Macher in bekannter Manier die diversen Mechanismen einer „NCIS“-Schnitzeljagd ab, falsche FĂ€hrten inklusive. Die große Auflösung, dass es letztlich der Karriereberater des Mordopfers war, dem sich der Tote anvertraut hatte, kommt dann aber leider ziemlich erwartet, sodass man etwas gelangweilt mit den Schultern zuckt. Die Finte der Ermittler bei der ÜberfĂŒhrung des Schuldigen, welcher seinem ehemaligen Vorgesetzten genauestens erklĂ€rt, wie er die Tat begangen hat und wo die Mordwaffe versenkt wurde, riecht man mehrere Meilen gegen den Wind. Wobei es auch ganz nett mitanzusehen ist, wie der Navy-Captain (Gregory Harrison) seinen damaligen Untergebenen herrlich auflaufen lĂ€sst.

Es ist etwas schade, dass man die tragische Geschichte um die belĂ€stigten Navy-Offizierinnen etwas zu oberflĂ€chlich behandelt, ist „NCIS“ doch immer dann am interessantesten, wenn man direkte BezĂŒge zu unserer RealitĂ€t herstellt. Dies beherrschen die Serienmacher durchaus, oft gehen sie jedoch nicht die extra mile, um nicht nur eine packende, sondern vielleicht sogar auch eine sehr nachdenklich stimmende Episode auf die Beine zu stellen. Das von ihnen kritisierte Problem, dass Frauen im MilitĂ€r ungleich behandelt und nur als QuotenerfĂŒllung abgekanzelt werden, scheint in „Viral“ irgendwie nur noch wie Beiwerk.

Compromise

Dabei sollte man das nicht falsch verstehen: Der Handlungsstrang um Bishop (Emily Wickersham) in Viral geht im Großen und Ganzen in Ordnung, und das sage ich als jemand, der nicht besonders viel von der mĂŒhseligen Liebesgeschichte zwischen der Ermittlerin und ihrem Gatten Jake (Jamie Bamber) hĂ€lt. Aber warum eine Episode konzipieren, die nur eins von zwei Themen aus „Viral“ behandelt? Warum muss Bishops Drama dem hier vorliegenden Kriminalfall die Show stehlen? Ich erkenne keine wirkliche thematische Verbindung zwischen den Ermittlungen des Teams und den VorfĂ€llen um Jake, die Bishop wiederum aus der Bahn werfen. Will man uns sagen, dass Frauen eben nicht in ein gewisses Rollenbild gezwungen werden dĂŒrfen, sieht man doch anhand der weiblichen Charakter im Dienst des NCIS, dass sie ihre Arbeit genauso gut (oder besser) als ihre mĂ€nnlichen Gegenparts erfĂŒllen können? Dies war uns Zuschauer schon lange bewusst und musste nicht untermauert werden.

Ich persönlich hĂ€tte es besser gefunden, wenn man dem Thema Geschlechterdiskriminierung beim MilitĂ€r eine ganze Episode gewidmet hĂ€tte, ebenso wie sich Bishop eine Einzelepisode fĂŒr ihre derzeitigen persönlichen Probleme verdient hat. Das man beide Aspekte in einer einzigen Folge verwurstet, fĂŒhlt sich unpassend und nach einer vergeudeten Chance an. Dabei ist jedoch davon auszugehen, dass Bishops Beziehungsprobleme in naher Zukunft wohl sehr prominent in den Vordergrund gerĂŒckt werden, was meiner Meinung nach langsam aber sicher bitter nötig wird. Gelegentlich stellt sich bei diesem persönlichen Handlungsstrang bei mir nĂ€mlich das GefĂŒhl ein, dass man uns unnötig hinhĂ€lt. Ich wĂŒnsche mir einfach eine baldige Aussprache zwischen Bishop und Jake beziehungsweise eine Auflösung der angespannten Situation zwischen den beiden (mit welchem Ende auch immer), damit das Thema abgeschlossen ist und der Charakter der Ellie Bishop weiterziehen und nicht wie in den letzten Wochen (und am Ende der 12. Staffel) weiter auf der Stelle tritt.

Kelli Williams; Mark Harmon und Kelly Frye in %26bdquo;Viral%26ldquo;. © CBS
Kelli Williams; Mark Harmon und Kelly Frye in %26bdquo;Viral%26ldquo;. © CBS

Control freak

Darstellerin Emily Wickersham möchte ich von der Kritik an der Langwierigkeit dieser Geschichte gerne außen vor lassen, ist sie doch der Grund dafĂŒr, warum man Empathie fĂŒr ihre Figur empfindet. Die abschließende Szene zwischen ihr und Gibbs im abgestellten Fahrstuhl, als Bishop ihren wahren Ängsten und BefĂŒrchtungen endlich mal freien Lauf lĂ€sst, ist stark gespielt und bewegend. Leider sind es bis jetzt aber nur solche Momentaufnahmen, die man ihrer Geschichte abgewinnen kann, weshalb eine ordentlich ausgearbeitete, dramaturgisch packende Einzelepisode mit ihr im Zentrum nun an der Zeit ist. Kleine „Happen“ zu Bishops angespannter GemĂŒtslage wie bisher geben mir inhaltlich nicht besonders viel, da sie zumeist immer wieder gleich ablaufen.

Positiv ist indes die Einbindung der anderen Teammitglieder in die belastende Lage ihrer Kollegin. Gibbs' Rolle als kraftgebender Fixpunkt habe ich bereits erwĂ€hnt, aber auch McGee (aka Timmy the Tapper) steht Bishop mit seinen eigenen Erfahrungen aus der Beziehung mit Delilah bei. Sean Murray gefĂ€llt gut in seinem GesprĂ€ch mit Bishop, und auch Margo Harshman fĂŒgt sich ordentlich in das Ensemble ein. Michael Weatherly wird derweil in dieser Folge mal wieder die Rolle des Pausenclowns zu teil, die er wie gewohnt meistert, wenn auch etwas alberner als sonst. Auf Seiten der Gastdarsteller tut sich unterdessen vor allem Kelly Frye hervor, deren Figur ebenfalls Opfer der Veröffentlichung von Nacktbildern wurde. Leider ist ihr Auftritt sehr kurz, wobei um ihren Charakter herum eine durchaus interessante Geschichte hĂ€tte erzĂ€hlt werden können.

Fazit

Die NCIS-Episode Viral könnte eine sehr spannende Episode sein, die zum Nachdenken anregt und kritisch gesellschaftliche Probleme unserer Zeit thematisiert. Leider kratzt man zu oft nur an der OberflĂ€che des Themas, wodurch einiges an Potential verschenkt wird. „NCIS“ mag nicht die allerhöchsten AnsprĂŒche haben, ein sehr gesellschaftskritisches Format zu sein, doch die AusflĂŒge, die in der Vergangenheit in diese Richtung gemacht wurden, zeigten, dass man diese Art des Fernsehens durchaus beherrscht. In „Viral“ wĂ€re es aber ratsam gewesen, sich fĂŒr eine Geschichte zu entscheiden, und nicht zwei von sich eher losgelöste HandlungsstrĂ€nge zu prĂ€sentieren. Im Endeffekt nichts Halbes und nichts Ganzes. So nimmt man trotz guter schauspielerischen Leistungen und einigen schönen Momentaufnahmen viele Szenen in „Viral“ leider nur mit einer gewissen GleichgĂŒltigkeit hin.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 29. Oktober 2015
Episode
Staffel 13, Episode 6
(NCIS 13x06)
Deutscher Titel der Episode
Schuld
Titel der Episode im Original
Viral
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 27. Oktober 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 14. Februar 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Sonntag, 7. Februar 2016
Autor
Jennifer Corbett
Regisseur
Rocky Carroll

Schauspieler in der Episode NCIS 13x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?