NCIS 13x05

NCIS 13x05

In der sehr unterhaltsamen Episode Lockdown schlägt die große Stunde von Technik-Ass Abby, die hier von den Autoren in den Fokus gerückt wird. Eine gute Entscheidung der Serienmacher, die in einer erfrischenden und bisweilen sogar sehr spannenden Folge resultiert.

Lucy Davis (l.) und Pauley Perrette in der NCIS-Episode „Lockdown“. / (c) CBS
Lucy Davis (l.) und Pauley Perrette in der NCIS-Episode „Lockdown“. / (c) CBS

Die fünfte Episode der 13. Staffel von NCIS, Lockdown, stellt die womöglich kurzweiligste der neuen Staffel dar. Interessanterweise erreicht man dies, indem man das Scheinwerferlicht auf einen Charakter lenkt, der sonst mehr im Hintergrund steht: NCIS-Forensikerin Abby Sciuto (Pauley Perrette), die hier ihren großen Auftritt als zentrale Protagonistin feiert.

Die Handlung schlägt wie gewohnt einige Haken, die das Ganze hier und da unnötig kompliziert machen. Dafür ist das Erzähltempo angenehm flott, während unsere ungewohnte Heldin eine willkommene Abwechslung darstellt und die Interaktionen unter den NCIS-Teammitgliedern oft zum Schmunzeln einladen. Am Ende präsentiert man uns sogar noch einen kleinen Twist, der der Handlung letztlich eine interessante Wendung gibt und die Geschichte gut abrundet. Über einige sehr konstruierte Storylemente kann man derweil aufgrund der insgesamt sehr gelungenen Fernsehunterhaltung recht einfach hinwegsehen.

Saved by the bell

Zugegeben, als Quereinsteiger in die Serie NCIS konnte ich bisher mit Abby nicht richtig etwas anfangen. Natürlich ist sie ein sympathischer Charakter mit besonderen Eigenarten und Macken, die sie durchaus liebenswert machen, doch in den meisten Episoden dient sie letztlich immer nur als allwissendes Plotelement oder für Comic Relief-Momente. Umso erfreuter war ich, dass die Techno-Musik-affine Laborantin jetzt endlich mal wieder etwas mehr zu tun bekommt und dem verzwickten Fall der Woche ihren Stempel aufdrücken darf. In dem dreht sich alles um einen ermordeten Marine-Captain, der sich nebenbei etwas Geld dazu verdient hat, indem er sich als Schönheitschirurg für straffgezogene Damen mittleren bis gehobenen Alters probierte.

Der Tote war aber gleichzeitig auch einem großen Pharma-Konzern auf der Spur, der krumme Geschäfte mit seinen Medikamenten macht, was sich den Ermittlern erst relativ spät erschließt. Die Niederlassung des Konzerns ist für die meiste Zeit der Episode auch Haupthandlungsort. Die Situation vor Ort eskaliert jedoch, als plötzlich ein paar Geiselnehmer auf den Plan treten und bestimmte Sicherheitsdaten des Konzerns in ihren Besitz bringen wollen. Während das Team um Gibbs nicht nur den aktuellen Mordfall lösen, sondern auch die brenzlige Lage im Firmenkomplex beheben muss, befindet sich Abby mittendrin im Geschehen und versucht, von innen an einer Lösung des Problems zu arbeiten.

Das NCIS-Team in %26bdquo;Lockdown%26ldquo;. © CBS
Das NCIS-Team in %26bdquo;Lockdown%26ldquo;. © CBS

Solitude

Der findigen und unerschrockenen Wissenschaftlerin dabei zu zuschauen, macht wiederum eine ganze Menge Spaß. Obwohl sie die meiste Zeit des Tages in ihrem Kellerlabor verbringt (das sie übrigens gerne gegen ein Büro über der Erdoberfläche eintauschen würde), schlägt sie sich auch im „Außeneinsatz“ sehr formidabel. Zwar wird nie wirklich richtig erklärt, wie sie ihre ganzen Gadgets zusammenbastelt oder ihre Stinkbombe zusammenmischt, mit denen sie den Angreifern zusetzt, aber das braucht man auch gar nicht wirklich. Abby tritt hier als vollwertige Figur auf, der man die Daumen drückt, heil aus dieser Sache herauszukommen.

Gleichzeitig gewährt man uns einen kleinen Einblick in Abbys Charakter, die sehr bestimmt sein kann und fest entschlossen ist, zu verhindern, dass andere Menschen zu Schaden kommen. Dabei zeigt sie aber verständlicherweise Skrupel, anderen Menschen Schaden zuzufügen. Umso besser, dass sie in der Lage ist, kühlen Kopf zu bewahren und ihre Fähigkeiten einzusetzen, um genug Zeit zu gewinnen und letzten Endes den Tag zu retten.

Wrong thing, right reasons

Ebenfalls zum hohen Unterhaltungslevel trägt der Gastauftritt der britischen Schauspielerin Lucy Davis (bekannt aus dem britischen The Office oder auch dem Film „Shaun of the Dead“) bei, die sich hervorragend einfügt und eine Art zweite Abby darstellt, jedoch mit ihren ganz eigenen Ticks. Davis merkt man einfach ihre Erfahrung im Comedy-Genre an, was sich vor allem an dem tollen Timing zeigt, das sie in vielen amüsanten kleinen Szenen zur Schau stellt. Das Duo Abby und Janice gefällt gut, darüber hinaus punktet man mit dem überraschenden Ende, als sich herausstellt, dass Janice hinter all dem Ärger steckt, wollte sie als politische Aktivistin doch Beweise gegen das schmierige Pharma-Unternehmen sammeln. Eine Wendung, die ich so nicht habe kommen sehen, und ein geschickter Kniff des von Steven D. Binder angeführten Autorenteams ist.

Binder und seine Kollegen beweisen in Lockdown ohnehin ein Händchen für einen guten Erzählfluss, in dem immer wieder auflockernden Elemente zu finden sind. Gibbs' (Mark Harmon) entsetzter Blick und das schon fast panische Anfordern von Verstärkung, als er von der Botox-bedürftigen Damenrunde umzingelt wird, ist einfach nur herrlich. Aber auch Tony (Michael Weatherly) aka Marty Feldman tritt mal wieder in ein paar wunderbare Fettnäpfchen, was von seinem Chef gewohnt trocken mit einem stoischen Gesichtsausdruck registriert wird. Die Episode hinterlässt im Großen und Ganzen einfach einen sehr stimmigen Eindruck, selbst wenn man Teile der Ermittlungen durch das NCIS-Team getrost ausblenden kann. Der Fall wird wie so oft zur Nebensache, was aber nicht weiter störend ist, da man viel Freude an den Charakteren und deren Dynamik untereinander hat.

Abby in Aktion: Pauley Perrette in %26bdquo;Lockdown%26ldquo;. © CBS
Abby in Aktion: Pauley Perrette in %26bdquo;Lockdown%26ldquo;. © CBS

Whistleblower

Am Ende der Episode wird es dann sogar noch einmal richtig spannend, als Abby sich auf einen gewagten Bluff einlässt, der sich aber schließlich auszahlt. Zuvor trumpft man auch noch visuell etwas auf: Die Aufnahmen in dem Gebäudekomplex, als sich Abby und Janice vor den Geiselnehmern verstecken und diesen mit einer selbstgebauten Bombe eins auswischen wollen, sind äußerst stimmungsvoll und sehr atmosphärisch inszeniert. Regisseurin Bethany Rooney setzt dabei das Licht sehr geschickt ein, was sich mehrmals in der Folge bemerkbar macht. Auch auf technischer Ebene sammelt man also Pluspunkte.

Was ich persönlich nun nicht gebraucht hätte, ist die kurze Szene um Bishop, der telefonisch von ihrem Ehemann Jake mitgeteilt wird, dass dieser erneut auf eine geheime Auslandsmission geschickt wird. Ja, wir haben es langsam verstanden, dass die Beziehung zwischen den beiden schwer am Kriseln ist. Bitte schnell eine Schleife darum machen und das recht ermüdende Thema abschließen - bei aller Liebe für die sympathische Emily Wickersham.

Fazit

Lockdown unterhält auf hohen Niveau und gibt Abby beziehungsweise Darstellerin Pauley Perrette die Bühne, die sie sich verdient hat. Sie zeigt ihr Können nicht nur in den eher amüsanteren Momenten, sondern auch, wenn es etwas düsterer und dramatischer wird. Im Zusammenspiel mit Mark Harmon liefert sie auch hier mal wieder eine sehr schöne Szene zum Abschluss der Episode ab. Die Handlung von „Lockdown“ wirkt derweil ein bisschen unnötig kompliziert, was aber nicht allzu sehr ins Gewicht fällt, da die Episode vor allem durch ihre Kurzweiligkeit, die charmanten Darbietungen des Casts und einigen sehr schönen visuellen Kunstgriffe besticht. So macht „NCIS“ Spaß.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 22. Oktober 2015
Episode
Staffel 13, Episode 5
(NCIS 13x05)
Deutscher Titel der Episode
Kein Tag für einen Ausflug
Titel der Episode im Original
Lockdown
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 20. Oktober 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 7. Februar 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 29. Januar 2016
Autor
Steven D. Binder
Regisseur
Bethany Rooney

Schauspieler in der Episode NCIS 13x05

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