NCIS 13x04

NCIS 13x04

Die NCIS-Autoren stellen sich in der Episode Double Trouble bisweilen selbst ein Bein, doch letztendlich präsentiert man uns eine kurzweilige Folge, in der man Rocky Carroll beziehungsweise Leon Vance in den Fokus rückt und gut die Balance zwischen Fall der Woche und Teamdynamik halten kann.

Butch und Sundance? Batman und Robin? Nein, Gibbs (Mark Harmon) und Vance (Rocky Carroll) in „Double Trouble“. / (c) CBS
Butch und Sundance? Batman und Robin? Nein, Gibbs (Mark Harmon) und Vance (Rocky Carroll) in „Double Trouble“. / (c) CBS

Die unterhaltsamsten Episoden des Crime-Procedural-Formats NCIS stellen für mich meistens jene dar, in denen die Macher geschickt einen Fall der Woche mit einer eher persönlichen Geschichte von einem unserer Protagonisten aus dem NCIS-Hauptquartier verknüpfen. Auf diese Weise kann es zum Beispiel gelingen, den Zuschauer emotional komplett abzuholen und dem jeweiligen Charakter mehr Tiefe zu verleihen (siehe die starke Episode Candance aus der zwölften Staffel um Tony und seine Vergangenheit). Andere Episoden, in denen man die Balance zwischen Procedural-Aspekt und leichtem Charakterdrama vortrefflich halten kann, erfüllen derweil vor allem den Zweck, zu unterhalten und die wunderbare Teamdynamik der Ermittler in den Vordergrund zu stellen.

Double Trouble gehört wohl eher in die zweite Kategorie und zaubert mir des Öfteren ein Lächeln ins Gesicht. Dabei behandelt man hier ein sehr ernstes Thema, doch den Machern gelingt es, ihre Handlung so zu verpacken, dass vor allem der Unterhaltungswert im Vordergrund steht. Sicher, der Fall der Woche kommt gerade zum Ende der Episode aufgrund einiger fragwürdigen Aktion aufseiten der gesuchten Straftäter ins Straucheln, doch das unerwartete Ermittlerduo bestehend aus Gibbs (Mark Harmon) und Chef Leon Vance (Rocky Carroll) sowie viele kleine charmante Momentaufnahmen entschädigen dafür. Und auch wenn das Ende der Episode sich etwas inkonsequent anfühlt, man schließt geschickt den Kreis und verweist abermals kurz auf das große Thema Veränderungen, welches in der noch jungen 13. Staffel von „NCIS“ ein ständiger Begleiter ist.

Clean house

So hat sich nämlich nicht nur Gibbs aufgrund des Attentats auf ihn verändert, nein, auch sein Vorgesetzter Leon Vance hat über die Jahre eine Entwicklung durchgemacht, die diesem anscheinend gar nicht richtig bewusst ist. Vom einstigen NCIS-Agenten im Außendienst hin zum Direktor der Abteilung ist es ein langer Weg gewesen, der viele Veränderungen mit sich gebracht hat, seien es neue Pflichten oder auch Verantwortungen. Mit diesen wird Vance nun in „Double Trouble“ konfrontiert. Im Rahmen eines rätselhaften Todesfalls eines jungen NAVY-Seemanns tritt nämlich ein alter Bekannter auf den Plan, der vor langer Zeit ebenfalls NCIS-Ermittler war, Beweise entwendete und Vance für diese Tat als Sündenbock benutzen wollte, jedoch vom NCIS-Direktor höchstpersönlich dingfest gemacht wurde.

Das NCIS-Team in der Episode %26bdquo;Double Trouble%26ldquo; © CBS
Das NCIS-Team in der Episode %26bdquo;Double Trouble%26ldquo; © CBS

Working out demons

Besagter Übeltäter namens Kip Klugman (Eric Matheny) bietet nun seine Hilfe in der Auflösung des aktuellen Falles an, in den der zwielichtige Betreiber des überfallenen illegalen Wettbüros verwickelt sein könnte. Doch Vance hat verständlicherweise nach wie vor nicht sehr viel übrig für Klugman, von dem er sogar glaubt, dass dieser seine Finger mit ihm Spiel hat und einen perfiden Plan verfolgt, um an das bei dem Raubüberfall auf das Wettbüro entwendete Geld zu gelangen und gleichzeitig auch noch dem Mann eins auszuwischen, der ihn vor vielen Jahren ins Gefängnis befördert hatte.

Tatsächlich erschließt sich am Ende der Episode, dass alles miteinander verknüpft war. Der Fall mutet bisweilen etwas sehr verschachtelt an, wird letztendlich jedoch recht sinnig aufgerollt, inklusive diverser veschiedener Wendungen. Die Ermittlungen des Teams wecken schon etwas mehr Interesse als sonst, was wahrsscheinlich auch daran liegt, dass Vance teilweise recht paranoid an die Beteiligung Klugmans glaubt und persönlich in das Geschehen eingreift, was einige interessante Situationen zur Folge hat.

Perception

Darsteller Rocky Carroll gefällt hier gut als treibende Kraft und strahlt mit der richtigen Portion Gravitas extrem viel natürliche Autorität aus, die einen zu ihm halten lässt. Um letztlich an das aus dem Raubüberfall beschlagnahmte Geld zu kommen, startet Klugman eine Schmierenkampagne gegen Vance, der sich plötzlich unter gewaltigem politischen Druck befindet. Die Episode nimmt somit einen kleinen Twist, denn er scheint von seiner Vorgesetzen (die wie so oft gut aufgelegte Leslie Hope) in den Ruhestand gezwungen zu werden, macht sich eine Anklage wegen Körperverletzung in Vances Position doch alles andere als gut in den Augen der Öffentlichkeit. Der Druck von außen bewirkt, dass nicht nur Vance' Stuhl wackelt, sondern der aktuelle Fall des Teams an die Polizei übergeben werden soll - was wiederum Klugman in die Karten spielen würde, da er so leichter an das konfiszierte Geld rankommen könnte.

Vance ist in der Folge darum bemüht, seine Unschuld zu beweisen und Klugman zu überführen, vernachlässigt dabei aber seine eigentliche Funktion als NCIS-Direktor. Wie Gibbs so treffend festhält, ist der Fall viel zu persönlich für seinen Freund Leon, um einen kühlen Kopf zu bewahren.

Ironischerweise wurde Gibbs erst kürzlich in eine vergleichbare Situation verstrickt (in der Episode Personal Day), ließ sich da aber von Tony (Michael Weatherly) nicht ins Gewissen reden. Doch um letztlich Lance vor Augen zu führen, dass er Gibbs und seinem Team vertrauen, seine Grenzen kennen sowie Veränderungen in seiner beruflichen Karriere sowie Leben akzeptieren muss, lässt sich Gibbs auf „Frischling“ Leon Vance ein, der kurzfristig ein neues Ermittlerduo mit dem stoischen Teamleiter bildet.

Butch and Sundance

Die Szene um Gibbs und Vance bei der Beschattung Klugmans ist einer der komödiantischen Höhepunkte der Episode und zeigt darüber hinaus gut, wie besessen Vance von der Jagd nach Klugman ist. Die beiden neuen Partner haben eine fantastische Chemie miteinander und erinnern an eine etwas sachlichere, ältere Version bekannter Ermittlerduos aus Film und Fernsehen wie Starsky and Hutch oder Sonny Crocket und Rico Tubbs aus Miami Vice. Die Macke mit dem Zahnstocher treibt Carroll fast ein klein bisschen zu weit, doch der Spaß an dieser kurzweiligen Momentaufnahme überwiegt. Natürlich darf am Ende nicht die Läuterung für Vance fehlen, der letztlich bezüglich Klugman zwar Recht behält, aber auch einsieht, dass sein Einmischen in die Ermittlungen nicht nur unprofessionell, sondern vielleicht sogar etwas respektlos gegenüber seinen Agenten war.

Tony (Michael Weatherly); McGee (Sean Murray) und Bishop (Emily Wickersham) in %26bdquo;Double Trouble%26ldquo; © CBS
Tony (Michael Weatherly); McGee (Sean Murray) und Bishop (Emily Wickersham) in %26bdquo;Double Trouble%26ldquo; © CBS

Change is hard

Abermals greift man auf die neue, nachdenkliche Seite von Gibbs zurück, der mitunter viel gelöster und offener wirkt, als es noch in der letzten Staffel der Fall war. Er zeigt Verständnis für Lance' Verhalten, hilft diesem aber gleichzeitig, die Veränderungen in seinem Leben zu akzeptieren und als Charakter zu wachsen. Der „neue Gibbs“ stellt für mich persönlich nach wie vor mit einen der interessantesten Aspekte der aktuellen Staffel dar und wird bis dato recht geschickt von den Machern eingesetzt.

Weniger geschickt sind hingegen einige Situationen in der Episode gelöst, die negativ in Erinnerung bleiben. So zum Beispiel das Verhalten von Klugmans Komplizen, welches mehrere Fragen aufwirft. Lump (Edward Fordham Jr.), der Mann fürs „Grobe“, lässt sich erschreckend leicht mit dem versteckten Telefon von Gibbs hinters Licht führen, während sich Klugmans siegessichere Anwältin zuvor furchtbar einfach aus ihrem Büro locken lässt, wo Gibbs und Vance letztlich einen belastenden Videobeweis finden, der die Ermittlungen entscheidend voranbringt. Dafür, dass die Rechtsvertreterin eigentlich als sehr fähig und unerschrocken eingeführt wird, stellt sie sich somit letztlich nicht sehr clever an, was ihre Figurenzeichnung etwas trübt. Übrigens wäre auch ein konsequentes Ende mit der Entlassung von Vance sehr interessant gewesen, letztlich ist aber - wie so oft - wieder alles, wie es vorher war. Einen so großen Schnitt wollte man dann wohl doch nicht machen.

Fazit

Double Trouble punktet durch seine zahlreichen amüsanten Zwischentöne (allein Tony trumpft in mehreren Situationen herrlich auf), einen interessant aufgebauten Kriminalfall und den ungewohnten Fokus auf NCIS-Direktor Leon Vance. Zusammen mit Mark Harmon gibt Rocky Carroll ein großartiges Duo ab, aber die Autoren wollen uns nicht nur unterhalten, sondern auch etwas Charakterentwicklung präsentieren. Dies gelingt ihnen, auch wenn, wie gewohnt, nicht außerordentlich subtil. Einige Logiklöcher und seltsame Entscheidungen verschiedener Figuren sorgen derweil für etwas Bauchschmerzen, aber im Großen und Ganzen stellen die Serienmacher eine sehr unterhaltsame Episode auf die Beine, die sich flott wegguckt und zusätzlich den roten Faden der Staffel um Gibbs und seinen neuen Charakter weiterspinnt.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 15. Oktober 2015
Episode
Staffel 13, Episode 4
(NCIS 13x04)
Deutscher Titel der Episode
Gezinkte Karten
Titel der Episode im Original
Double Trouble
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 13. Oktober 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 31. Januar 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 22. Januar 2016
Autor
Christopher J. Waild
Regisseur
Dennis Smith

Schauspieler in der Episode NCIS 13x04

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