NCIS 13x03

NCIS 13x03

Incognito stellt das NCIS-Team vor die Lösung eines komplexen Falls über Mord und Totschlag sowie Identitätsdiebstahl, weshalb die Ermittler selbst undercover gehen müssen. Die Geschichte gestaltet sich bisweilen sehr kurzweilig, wobei die Handlung an vielen Stellen zu konstruiert erscheint.

Emily Wickersham als Ellie Bishop in der Episode „Incognito“ / (c) CBS
Emily Wickersham als Ellie Bishop in der Episode „Incognito“ / (c) CBS

Incognito, die dritte Episode der 13. Staffel von NCIS, schafft es eigentlich für den Großteil ihrer Laufzeit, ordentliche Procedural-Unterhaltung anzubieten und dabei einige der Stärken des langjährigen Formats gekonnt auszuspielen, so zum Beispiel die angenehme Charakterdynamik unter den Teammitgliedern. Auch der Fall der Woche ist nicht unnötig kompliziert aufgebaut und überdurchschnittlich interessant. Schade ist wiederum, dass die Macher insbesondere zum Ende der Episode einige fragwürdige Entscheidungen treffen, wodurch es zu Szenen kommt, die sich leider viel zu aufgesetzt und inszeniert anfühlen. Die alles andere als subtile Kameraführung in dieser Episode leistet ebenfalls ihren Beitrag zu diesem Kritikpunkt.

Imposters

Die Ermittler müssen sich in dieser Woche an die Fersen eines Pärchens heften, dass in den Verdacht gerät, nicht nur die eigentliche Frau des Mannes umgebracht, sondern auch die Identität des Opfers übernommen zu haben. Die Folge selbst beginnt mit einem gänzlich anderen Fall, der sich jedoch im Laufe als red herring, als falsche Fährte, herausstellt. Zunächst ist nämlich das Ableben eines alten Bekannten Thema. Dieser arbeitete in Diensten der Militärpolizei einst mit dem NCIS zusammen und konnte einen längst vergangenen, gelösten Fall nie wirklich ruhen lassen - sehr zum Ärger von Tony (Michael Weatherly), der von dem Hobbyermittler sichtlich genervt war.

Doch, gerade weil der Möchtegern-NCIS-Agent des Militärs so unnachgiebig die Ermittlungen bezüglich eines Diebstahls aus einer Waffenkammer vor zwei Jahren immer wieder von Neuem aufgerollt hat und allem Anschein nach eine Ader für derartige Detektivarbeit hatte, führt es Gibbs (Mark Harmon) und sein Team schließlich zu dem verdächtigen Pärchen, das die Aufmerksamkeit des ermordeten Militärpolizisten erregte. Warum genau, wird in der Episode leider nicht ganz deutlich, weshalb man sich als Zuschauer wohl einfach damit abfinden muss, dass dieser anscheinend ein Faible für die Aufklärung von Verbrechen hatte. Zumindest imponiert er post mortem Tony, der trotz seiner vorherigen Abneigung gegenüber dem für ihn sehr nervigen Zeitgenossen diesem letztlich doch noch die letzte Ehre erweist.

Michael Weatherly und Mark Harmon in der Episode %26bdquo;Incognito%26ldquo; © CBS
Michael Weatherly und Mark Harmon in der Episode %26bdquo;Incognito%26ldquo; © CBS

Not the same

Tony ist es auch, der hier von den Autoren eine amüsante kleine Nebengeschichte um seine möglichen Vorfahren aus dem alten Europa verpasst bekommt. Es handelt sich hierbei wohl eher um eine billige Internetabzocke, die letzten Endes das Ergebnis hat, dass Tony kein adliges Blut in sich trägt, wie er zunächst annahm, sondern womöglich ein direkter Nachfahre von niemand Geringerem als dem Serienkiller Jack the Ripper ist. Darsteller Michael Weatherly gefällt wie so oft dank seines Charmes und so lockert man die Episode zwischendurch immer wieder geschickt auf.

Doch Tonys Bemühungen, mehr über seine familiäre Abstammung herauszufinden, hat einen durchaus ernsten Hintergrund, denkt er doch vermehrt über sein eigenes Vermächtnis sowie potentielle Nachkommen nach. Vielleicht stellt sich bei ihm ja auch eines Tages noch ein Sinneswandel ein, die nachdenklichen Überlegungen seines Mentors Gibbs aus den ersten beiden Episoden der Staffel könnten eventuell etwas in ihm ausgelöst haben.

Zurzeit läuft es zumindest alles andere als gut zwischen Tony und Zoe, was der nonchalante Ermittler gekonnt überspielt. Bishop (Emily Wickersham) weiß von Tonys Beziehungsstress, wobei auch sie selbst mit vergleichbaren Problemen zu kämpfen hat. Bereits in der zwölften Staffel von NCIS wurde mehrfach angedeutet, dass die Beziehung zwischen Bishop und ihrem bei der NSA angestellten Ehemann Jake (Jamie Bamber) nicht mehr so rosig ist, wie sie es einst mal war. Bishop möchte mit einem Überraschungstripp die Wogen wieder etwas glätten, jedoch vermasselt ihr der nichtsahnende McGee (Sean Murray) die Tour, was der angespannten Ermittlerin sichtlich die Laune vermiest.

Taking the initiative

Ich gehe stark davon aus, dass sich auch die 13. Staffel von NCIS diesem Thema erneut widmen und Bishops Bemühungen zeigen wird, ihre problematische Beziehung mit ihrem Mann wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Ich persönliche rechne bereits jetzt mit einer Trennung der beiden, da es nach all den Vorfällen und den uns bekannten Problemen für mich einfach schwer vorstellbar ist, dass die beiden wieder zusammenfinden werden. Außerdem ist es irgendwann für uns Zuschauer auch ein klein wenig ermüdend, wenn wir in regelmäßigen Abständen eine „Bishop hat Beziehungsprobleme“-Episode zu sehen bekommen, die letztlich immer auf dasselbe hinausläuft. Vorstellbar wäre natürlich auch eine sehr dramatische Auflösung des Ganzen, so zum Beispiel durch den überraschenden Tod von Ehemann Jake während eines Einsatzes.

Dass Bishop in Incognito dann auch noch zusammen mit McGee das frisch verheiratete und überglückliche Ehepaar mimen muss, um in die Nähe des verdächtigen Pärchens zu kommen, weckt sicherlich auch einige Erinnerungen an ihr damaliges Verhältnis zu Jake, als die Liebe der beiden noch ganz frisch war. Ihre angespannte Gefühlslage ist also durchaus nachvollziehbar. Was mich an dem ganzen Undercovereinsatz verwundert, ist, wie schnell man diesen auf die Beine gestellt bekommt und wie glücklich doch der Zufall ist, dass genau im richtigen Moment auf der anderen Seite der Straße ein Haus frei wird, von dem aus die Ermittler ihre Beobachtungen machen können.

Gastdarstellerin Stephanie Koenig und Sean Murray in der Episode %26bdquo;Incognito%26ldquo; © CBS
Gastdarstellerin Stephanie Koenig und Sean Murray in der Episode %26bdquo;Incognito%26ldquo; © CBS

No rush

Doch damit nicht genug, denn vor allem im letzten Drittel der Episode reihen sich diverse unglückliche Szenen aneinander, die zwar dem Plot und der Spannung dienen, im Grunde genommen aber nur wenig Sinn ergeben. So lässt Bishop zum Beispiel ohne ersichtlichen Grund ihr Telefon zurück, als sie eigenhändig in das Haus des Pärchens einbricht, um dort nach Beweisen zu suchen. Der Warnversuch der nimmermüden Abby (Pauley Perrette) geht somit in die Hose. Auch die Entlarvung McGees als NCIS-Agent vor den Augen der Identitätsdiebin ist recht plump inszeniert, tritt doch plötzlich ein junger Marine vom Anfang der Episode wieder auf und posaunt McGees wahre Identität heraus.

Störelemente wie diese können einen schon aus einer Episode herausreißen, ähnlich wie überdeutliche Kamerafahrten - so zum Beispiel der übertriebene Fokus auf die Schere, mit der Bishop sich letztlich zu Wehr setzt -, die der Folge wiederum die Spannung nehmen.

Der Zweikampf zwischen Bishop und dem hünenartigen Marine-Captain, welcher seine Frau wegen ihres Geldes umgebracht hatte und sich mit seiner neuen Flamme ins Ausland absetzen wollte, ist wiederum solide in Szene gesetzt und endet mit einem schmerzhaften und unangenehm mit anzusehenden Schlusspunkt, als sich dem Angreifer langsam eine Schere in den Rücken bohrt. Zuvor hatte Bishop noch die Leiche dessen eigentlicher Ehefrau entdeckt, was für „NCIS“-Verhältnisse ebenfalls sehr grausig ist, wurde diese doch von ihrem Gatten in Plastik konserviert und eine Kiste verpackt. Nach der Überführung des kriminellen Pärchens gibt es dann noch eine kleine Versöhnung zwischen McGee und Bishop, während die Reisepläne von letzterer mit ihrem Gatten abgesagt wurden. Das letzte Wort ist hier noch lange nicht gesprochen.

Fazit

Nach zwei eher auf Gibbs konzentrierten Episoden zu Beginn der neuen Staffel verlagern die Serienmacher von NCIS nun in Incognito den Fokus wieder auf andere Teammitglieder und das Verhältnis dieser untereinander. Dies sorgt für einige unterhaltsame Szenen und eine ingesamt recht flotte Episode, deren Fall der Woche solide ist. Etwas nervig gestalten sich jedoch mehrere Szenen am Ende, die allesamt genau so verlaufen, wie sie eben verlaufen müssen, damit ein Haken in den Ermittlungen gemacht werden kann. Dies kann man meiner Meinung weniger konstruiert und weitaus geschickter lösen. Zumindest ist es der Serie oft schon wesentlich besser gelungen, ihre Geschichten clever zu erzählen und auf allzu plumpe Zweckdienlichkeiten zu verzichten.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 8. Oktober 2015
Episode
Staffel 13, Episode 3
(NCIS 13x03)
Deutscher Titel der Episode
Inkognito
Titel der Episode im Original
Incognito
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 6. Oktober 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 24. Januar 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 15. Januar 2016
Autoren
Frank Cardea, George Schenck
Regisseur
James Whitmore Jr.

Schauspieler in der Episode NCIS 13x03

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