NCIS 13x02

NCIS 13x02

Die Episode Personal Day widmet sich einer sehr persönlichen Geschichte aus der Vergangenheit von Gibbs und legt darüber hinaus abermals den Fokus auf die Veränderungen für diesen aufgrund der letzten Vorfälle. Hat der wortkarge Chefermittler bereits einen Nachfolger auserkoren?

Bishop (Emily Wickersham), Tony (Michael Weatherly) und Gibbs (Mark Harmon) in „Personal Day“. / (c) CBS
Bishop (Emily Wickersham), Tony (Michael Weatherly) und Gibbs (Mark Harmon) in „Personal Day“. / (c) CBS

Wenn der Auftakt der 13. Staffel von NCIS vor allem eines klargemacht hat, dann, dass Hauptfigur Leroy Jethro Gibbs (Mark Harmon) auf seine alten Tage als Teamleiter noch einmal eine neue Charakterwandlung durchmachen könnte. Dies ist absolut nachvollziehbar, bedenkt man die Umstände seines Beinahetodes. Gibbs sieht sein Leben und allen voran seine Arbeit nun aus einer gänzlich anderen Perspektive, was insbesondere Tony (Michael Weatherly) beunruhigt, der glaubt, dass sich sein Vorgesetzter mit seinem neuen Verhalten in Teufels Küche bringen könnte. Der recht biedere Fall der Woche wird trotz einiger Querverbindungen zum charakterzentrischen Handlungsbogen um Gibbs dadurch wahrlich zur Nebensache.

Die Autoren versuchen in Personal Day so gut wie möglich die Ermittlungen um einen gefährlichen Drogendealer mit der sehr persönlichen Geschichte um Gibbs und den Sohn des Mannes, der während er Gibbs' Tochter und Frau beschützte, ums Leben kam, miteinander zu verweben. Dies gelingt ihnen allen recht ordentlich, auch wenn auf jedwede Subtilität verzichtet wird. Um zu verdeutlichen, welchem neuen Credo Gibbs nun anscheinend folgt, langt es jedoch allemal. Dessen Nahtoderfahrung hat ihn nämlich gar so weit gebracht, dass Gibbs nicht einmal mehr seine eigenen Regeln befolgt und sich auf Fälle einlässt, in die er emotional zu sehr involviert ist, wodurch wiederum nicht nur sein Urteilsvermögen getrügt ist, sondern er selbst auch in große Gefahr geraten könnte.

Makeover

Eine untypische Seite von Gibbs, die aber insofern nachvollziehbar ist, da Gibbs nach den Vorkommnissen im Irak sich und seine Arbeit nun vermehrt selbstreflektiert. Was ist wirklich der Grund, warum er als NCIS-Agent tätig ist? Er will den Menschen helfen, koste es was es wolle. Das war schon immer sein Antrieb. Doch Dinge verändern sich, wodurch sich auch sein Vorgehen bei der Bewältigung dieser Aufgabe verändert. Wenn er sich dabei selbst gefährdet, ist das ein Risiko, das er bereit ist einzugehen. Für Tony, der jahrelang unter Gibbs gedient und gelernt hat, ist dies absolut unverständlich, wahrscheinlich auch, weil er von Gibbs stets einen gänzlich anderen, professionelleren Arbeitsethos vorgelebt bekommen hat. Tony tut in dieser Episode alles dafür, um Gibbs vor sich selbst zu schützen und gerät zwischenzeitlich recht heftig an diesen, der sich jedoch in keiner Sekunde von seinen Plänen abbringen lässt.

Sean Murray; Gastdarsteller John Gabriel und Pauley Perrette in %26bdquo;Personal Day%26ldquo;. © CBS
Sean Murray; Gastdarsteller John Gabriel und Pauley Perrette in %26bdquo;Personal Day%26ldquo;. © CBS

New attitude

Es handelt sich in diesen Szenen zweifelsohne um die interessantesten Momentaufnahmen der Episode, die uns als Zuschauer letztlich vor eine etwas überraschende Auflösung stellen: Recht eindeutig lassen es die Serienmacher nämlich auf den letzten Metern der Folge zu einem Gespräch zwischen Tony und Gibbs kommen, dass ein klein wenig verheißungsvoll stimmt. So scheint es nämlich, dass Tony als potentieller Nachfolger für Gibbs gehandelt wird, welcher sich wiederum so fühlt, als wäre er am Ende seiner Reise angekommen. Bevor er seine Dienstmarke abgibt, folgt Gibbs noch einmal seinem Herzen und tut das, was er für richtig hält, so unprofessionell es für Leute wie Tony auch erscheinen mag. Dies ist natürlich nur eine Interpretation meinerseits, aber die Szene zwischen den beiden spricht schon eine recht deutliche Sprache. Es wirkt fast so, als gäbe Gibbs seinem Mitarbeiter noch eine weitere Lehrstunde mit auf dem Weg, als er würde er ihn mit dieser abschließenden Lektion auf kommende Aufgaben vorbereiten wollen.

Die Entwicklung, die „NCIS“ zu Beginn seiner neuen Staffel hinsichtlich seiner Hauptfigur macht, spricht mich durchaus an und kitzelt aus den Darstellern darüber hinaus auch die eine oder andere sehenswerte Darbietung ab. Manche Dialoge sind zwar nach wie vor ein wenig holprig und klischeehaft geschrieben, ebenso wird es hier und da immer wieder etwas zu melodramatisch. Doch im Großen und Ganzen gefällt mir der neue Gibbs und die Folgen, die diese charakterliche Veränderungen (nicht nur optisch, wie das Team anhand Gibbs' neusten Aussehen feststellt) mit sich bringt, gut. Man erwischt sich selbst immer wieder ein wenig am Grübeln, wohin die Reise gehen könnte, für Gibbs als auch für die Serie selbst.

Untouchable

Über den Kriminalfall der Woche wird Gibbs neuerliche Entwicklung zwar nicht subtil, aber nachvollziehbar vorangetrieben, wobei man gleichzeitig leider festhalten muss, dass die Ermittlungen des Teams zusammen mit einem jungen DEA-Agenten aus San Diego oft einfach nicht interessant genug sind, um einen zu fesseln. Diese Handlung dient vor allem Gibbs und seinem neuen Charakter, fällt aber wenn sie separat betrachtet wird deutlich ab. Gastdarsteller John Gabriel macht sich nicht schlecht als charismatischer Gesetzeshüter, der mit seiner offenen Art für reichlich Verwirrung bei McGee (Sean Murray) sorgt. Letzten Endes könnte die Jagd nach Drogendealer Benson Long (Robert Knepper), welcher mitverantwortlich für den Tod von Mitchells Vater gewesen ist, aber zweitrangiger nicht sein. Den Machern gelingt es nicht wirklich, mich voll und ganz abzuholen, was schade ist.

Dabei konnte man mit Tausendsassa Robert Knepper (Prison Break, Mob City) einen starken Gastdarsteller für die Rolle des Bösewichts der Woche verpflichten, der in seinen wenigen Szenen stark aufspielt. Vor allem die abschließende Szene zwischen ihm, Gabriel und Mark Harmon generiert noch einmal ordentlich Spannung. Dass Long dann doch recht einfach dingfest gemacht werden kann (dank einer versteckten Überwachungskamera), ist dann wiederum ein klein wenig öde, was vielleicht auch nur daran liegt, dass ich persönlich mehr von Kneppers Auftritt erwartet hatte. Dem erfahrenen Schauspieler, der dank seines kantigen Aussehens oft für eher düstere Rollen besetzt wird, hätte man für meinen Geschmack gerne einen etwas ausführlicheren Handlungsstrang schreiben können, der sich eventuell gar über mehrere Episoden hätte entfalten können.

Gibbs (Mark Harmon) und McGee (Sean Murray) bei der Arbeit. © CBS
Gibbs (Mark Harmon) und McGee (Sean Murray) bei der Arbeit. © CBS

No end

So bleibt am Ende nämlich nur ein recht generischer Fall der Woche übrig, der nach bekanntem Muster abläuft und zu dessen Auflösung jedes Teammitglied seinen kleinen Beitrag leistet. Der kurze Dialog zwischen den beiden alten Weggefährten Ducky (David McCallum) und Gibbs ragt hier wahrscheinlich noch am ehesten heraus, während Abby (Pauley Perrette) wie gewohnt zeigt, wie fähig sie ist und dabei Mitchell imponiert. McGees recht eigenartig begründete Aversion gegenüber dem DEA-Agenten wirkt derweil sehr seltsam und hätte es meiner Meinung nach nicht wirklich gebraucht.

Am Ende will man da noch ein wenig auf die Tränendrüsen drücken, was in den Szenen mit Mitchell und Gibbs am Pier, wo ersterer endlich die Asche seines toten Vaters ins Meer streut, nicht ganz funktionieren will. Effektiver ist da schon Gibbs' Rückkehr zu seinem alten Familienheim, wo in ihm Erinnerungen an seine Tochter und erste Frau wach werden. So richtig wird er die Vergangenheit wohl nie ruhen lassen können, was aber auch nicht verkehrt ist. Gibbs möchte nicht vergessen, was damals passiert ist, er möchte es verarbeiten und damit leben können, um seiner wichtigen Aufgabe weiter nachgehen zu können, wenn auch anders, als er es noch tat, bevor er um Haares Breite das Zeitliche gesegnet hatte. Dabei scheint es jedoch so, dass Gibbs vielleicht schon bald das Zepter weitergeben könnte.

Fazit

Zuschauer, die von der neuen Staffel NCIS zu Beginn einige spannende Fälle der Woche erwartet haben, werden zunächst enttäuscht. Die bisherigen Ermittlungen des NCIS-Teams in der neuen Staffel könnten trivialer nicht sein, was für ein Procedural eigentlich pures Gift ist. Dafür entdeckt „NCIS“ in seiner 13. Staffel aber neue Qualitäten bezüglich der Figurenzeichnung und einer eher horizontalen Erzählweise mit Blick auf die weitere Entwicklung seiner Hauptfigur. Unter diesem Gesichtspunkt kann das Format durchaus überzeugen und beschreitet einen interessanten Weg, der Potential in sich birgt. Wünschenswert wäre nun eine gelungene Kombination aus beiden Ansätzen.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 6. Oktober 2015
Episode
Staffel 13, Episode 2
(NCIS 13x02)
Deutscher Titel der Episode
Ein freier Tag
Titel der Episode im Original
Personal Day
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 29. September 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 17. Januar 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 8. Januar 2016
Autor
Gina Lucita Monreal
Regisseur
Terrence O'Hara

Schauspieler in der Episode NCIS 13x02

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