NCIS 12x19

NCIS 12x19

Patience präsentiert uns einen undurchsichtigen und recht soliden Fall der Woche, der aber gerade zum Ende der Episode etwas abbaut. Dieser Schwachpunkt kann jedoch mit äußerst beschwingten Dialogen und der unvergleichlichen Dynamik unter den Charakteren ausgeglichen werden.

„No comment...“: Tony (Michael Weatherly), Bishop (Emily Wickersham) und Gibbs (Mark Harmon) in „Patience“. / (c) CBS
„No comment...“: Tony (Michael Weatherly), Bishop (Emily Wickersham) und Gibbs (Mark Harmon) in „Patience“. / (c) CBS

Die NCIS-Episode Patience gehört womöglich zu den amüsantesten Folgen, die die zwölfte Staffel des CBS-Crime Procedurals bis dato hervorgebracht hat. Dabei wird sich hier eigentlich einem durchaus ernsten Thema gewidmet, wobei sich die Autoren auch zu einer ordentlichen Portion Pathos hinreißen lassen, was gerade zum Ende der Episode ein wenig befremdlich wirken kann.

Trotzdem überzeugt „Patience“, das eine gute und kurzweilige Folge darstellt, was weniger an den Ermittlungen des „NCIS“-Teams, sondern vielmehr an den einzelnen Figuren liegt, die hier auf gewohnt charmante Art und Weise miteinander agieren. So wird die Jagd nach dem vermeintlichen Verantwortlichen für einen Terroranschlag vor vielen Jahren schon beinahe zur Nebensache, hat das unterhaltsame Zusammenspiel des illustren Casts doch weitaus mehr zu bieten.

Payback time

Patience“ stellt ein gutes Beispiel dar, warum langjährige Fans von „NCIS“ dem Format nach wie vor die Treue halten, selbst wenn sich die Szenarien und Fälle der Woche wiederholen und die Macher gerne mal alte Ideen recyceln. Die Charaktere um den schmalllippigen Teamleiter Gibbs (Mark Harmon) und deren Beziehungen untereinander sind es, die oftmals Grund genug sind, einzuschalten und ihnen bei was für einer Schnitzeljagd auch immer zuzusehen.

Genau dies ist auch hier der Fall, bekommen es die Ermittler in „Patience“ doch mit einem fast 40 Jahre alten Fall zu tun, bei dem ein scheußliches Bombenattentat auf einen Flughafen mit zahlreichen Toten und Verletzten verübt wurde. Natürlich versuchen uns die Autoren auch emotional abzuholen, was bei dem einen oder anderen Zuschauer mit einer gewissen Ader für Patriotismus und Heldentum sicherlich funktionieren könnte. Am Ende gelingt es Gibbs und Co. doch, der Gerechtigkeit genüge zu tun und ihren Dienst an die damaligen Opfer zu erweisen, die sie nicht vergessen haben.

Tony (Michael Weatherly) und McGee (Sean Murray) in %26bdquo;Patience%26ldquo;. © CBS
Tony (Michael Weatherly) und McGee (Sean Murray) in %26bdquo;Patience%26ldquo;. © CBS

Locked out

Doch der Reiz der Episode geht in meinen Augen eher weniger von diesem recht platten Aspekt aus, sondern vielmehr von den charakterlichen Zwischentönen in „Patience“. Hier ist eindeutig der Weg das Ziel, und nicht wirklich die Auflösung des Rätsels um den verantwortlichen Bombenleger, die zwar einige interessante Wendungen mit sich bringt, insgesamt aber nicht allzu besonders ist.

Weit mehr Spaß hat man daran, wie zum Beispiel McGee (Sean Murray) die beleidigte Leberwurst spielt, nachdem er erfahren muss, dass Tony (Michael Weatherly) seit Längerem mit Gibbs zusammen an einer geheimen Operation werkelt und der technikbegabte McGee einfach außen vor gelassen wurde. Ein wenig kindisch mutet sein Verhalten schon an, aber dennoch ist es eine Freude die beiden langjährigen Kollegen und Freunde dabei zu beobachten, wie sie sich gegenseitig Feuer geben - Tony mit seinem selbstsicheren, spitzbübischen Charme und McGee mit seinen Bemühungen, seinem Boss zu beweisen, dass er extrem fähig ist, wofür Gibbs jedoch keinerlei Nachweis braucht, da er McGees Talente wie kein Zweiter kennt.

Angry glare

Doch nicht nur Tony und McGee teilen sich ein paar herrliche Szenen (so zum Beispiel in einem Tattoostudio, wo sie einen Verdächtigen festnehmen), auch die anderen Teammitglieder dürfen in zahlreichen amüsanten Charaktermomenten glänzen. Ducky (David McCallum) und Jimmy (Brian Dietzen) geraten zum Beispiel auch ein wenig aneinander, jedoch rein kollegial und mit einem zwinkernden Auge, als es um die Frage geht, wer Abby (Pauley Perrette) bei einer forensischen Untersuchung vertreten soll. Jimmy tritt darüber hinaus in einer weiteren urkomischen Szene auf, in der er ein wenig über Gibbs plaudert, welcher wiederum über eine Kamera zugeschaltet ist - was Jimmy nicht im Geringsten bewusst ist und in einer peinlichen Situation für den jungen Vater endet.

Ob nun eine für Abby unangenehme Szene mit McGee und einem jungen Computerexperten der Navy, in der ein kleiner Verweis auf die Anfänge der später geschwisterlichen Beziehung zwischen dem Technik-Ass und McGee gemacht wird, oder Bishops (Emily Wickersham) und Tonys seltsamer Besuch bei einer Paartherapie, um an Informationen in dem Fall zu kommen - Patience hat mehr komödiantische Elemente als gewöhnlich zu bieten, driftet glücklicherweise aber auch nicht in eine nervige Albernheit ab, unter anderem dank der charmanten Darbietungen der einzelnen Darsteller.

Lex Talionis

So geraten die Ermittlungen, die einen doch sehr ernsten Hintergrund haben, etwas ins Hintertreffen, da sie von den vielen leichten, auflockernden Momentaufnahmen dieser Folge überstrahlt werden. Die Jagd nach dem möglichen Attentäter gestaltet sich gewohnt kompliziert und wendungsreich. Dass jemand dem Hauptverdächtigen schlussendlich den Angriff auf den Flughafen anhängen will, ist ein ganz netter Twist, der jedoch etwas zu bequem zu einem Ende gebracht wird. Letztendlich steckt ein weiterer Hochkrimineller dahinter, der die amerikanische Botschafterin in Kolumbien unter seine Fuchtel gebracht hatte, um seinen Konkurrenten die Schuld für das Attentat in die Schuhe zu schieben.

Gibbs (Mark Harmon) und Botschafterin Olivia Edmunds (Lisa Banes) in %26bdquo;Patience%26ldquo;. © CBS
Gibbs (Mark Harmon) und Botschafterin Olivia Edmunds (Lisa Banes) in %26bdquo;Patience%26ldquo;. © CBS

Dass die eigentliche Zielperson der amerikanischen Behörden dann kurz vor dem Ende der Episode mit einem koordinierten Drohnenangriff der Garaus gemacht wird, hat jedoch einen faden Beigeschmack. Nach dem ganzen Aufwand, den Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, läuft es schlussendlich doch nur auf einen Vergeltungsschlag der amerikanischen Regierung hinaus, der moralisch sehr fragwürdig ist. So richtig kann ich mich mit diesem Schlusspunkt nicht anfreunden, da mir hier das Konzept der USA als Retter und Rächer der freien Welt zu sehr aufgedrückt wird. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass bei vielen Amerikanern hier ein Nerv getroffen wird.

Fazit

Patience hat vielleicht nicht den spannendsten Kriminalfall zu bieten, dafür aber so einige sehenswerte Charaktermomente zwischen den einzelnen Teammitgliedern, die großen Spaß bereiten. Ein paar lobende Worte verdient sich auch Gastdarsteller A Martinez in seiner Rolle des gesuchten Drogenbarons Tomás Orlando, der während der Befragung von Gibbs gut aufspielt. Am Ende drückt man noch mal gewaltig auf die Pathosdrüse, insgesamt unterhält „Patience“ jedoch sehr ordentlich und wird so den sympathischen Figuren des Formats absolut gerecht.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 2. April 2015
Episode
Staffel 12, Episode 19
(NCIS 12x19)
Deutscher Titel der Episode
Lex Talionis
Titel der Episode im Original
Patience
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 31. März 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 4. Oktober 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 25. September 2015
Autor
Steven D. Binder
Regisseur
Thomas J. Wright

Schauspieler in der Episode NCIS 12x19

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