NCIS 12x18

Ich persönlich freue mich immer wieder, wenn das Autorenteam hinter dem CBS-Procedural NCIS Episoden konzipiert, die sowohl auf emotionaler Ebene überzeugen können als auch einen interessanten Fall der Woche zu bieten haben. Greifen diese beiden Elemente dann noch geschickt ineinander, hat dies zumeist eine sehr runde und kurzweilige Episode des langjährigen Crime-Formtas zur Folge. Status Update gelingt dieser Balanceakt bisweilen vortrefflich, auch wenn sich hier und da ein paar kleinere Schönheitsfehler einschleichen. Die abwechslungsreiche Handlung und eine gute schauspielerische Darbietung der Darsteller hieven „Status Update“ jedoch auf ein überdurchschnittliches Niveau, das einige Makel leicht vergessen macht.
Hashtag "Blessed"
Neben dem sehr persönlichen Teil der Episode, der die problematische Fernbeziehung zwischen McGee (Sean Murray) und seiner Freundin Delilah (Margo Harshman) sowie deren Aufeinandertreffen nach längerer Zeit thematisiert, hat es mir in „Status Update“ diese Woche vor allem der Kriminalfall angetan, dem sich Gibbs (Mark Harmon) und sein Team hier widmen müssen. Aus einem undurchsichtigen Mordfall wird eine spannende Ermittlungen hinsichtlich Cyber-Terrorismus und der tagtäglich Gefahr, die von sozialen Netzwerken im Internet ausgeht, welche in unserer heutigen Gesellschaft einen größeren Stellenwert als jemals zuvor einnehmen.
Wie man sich hier dem Thema widmet, welche Risiken das digitale Zeitalter mit sich birgt und dass es neue Möglichkeiten für etwaige Übeltäter darstellt, großen Schaden anzurichten, ist erfrischend und aktuell zugleich. Zwar läuft es schlussendlich wieder einmal auf eine x-beliebige Terrororganisation hinaus, die in den Vereinigten Staaten ihr Unwesen treibt, jedoch fühlt sich der hier gewählte Ansatz, dass die Terrorgruppe über ein soziales Netzwerk den USA von innen schaden will, sehr unverbraucht an, wodurch man als Zuschauer wiederum interessiert am Ball bleibt.

Sparks make fire
Etwas schade ist nur, dass vielleicht ein wenig zu viel Angst vor den „modernen Medien“ geschürrt wird. Warnend wird hier der Zeigefinger in die Höhe gestreckt, man solle sich doch gut vorsehen, wie man mit seinen Daten im Internet umgeht - ein Kommentar der Autoren, der viel Wahrheit in sich trägt und den ich persönlich nur unterschreiben kann. Dass soziale Netzwerke jedoch auch sehr hilfreich sein können, selbst für die Behörden, kommt leider etwas zu kurz und wird ein wenig unter den Tisch fallen gelassen. Etwas scheinheilig mutet es dann vielleicht noch an, dass gerade Geheimdienst-Organisationen wie die NSA davon profitieren, dass viele Menschen recht sorglos hinsichtlich ihrer privaten Informationen im Netz sind. Das erfolgreiche Schwingen der Moralapostelkeule geht also nur bedingt auf.
Doch im Gesamtbild stört dieser Kritikpunkt gar nicht allzu sehr, was unter anderem an der gelungenen Zusammenführung der zwei zentralen Handlungsstränge dieser Folge liegt. Einer dreht sich um McGee, den seine Fernbeziehung zu Freundin Delilah langsam immer mehr an die Substanz geht. Dass sich diese für eine geheime Undercover-Mission - die im unmittelbaren Zusammenhang mit den Ermittlungen des NCIS-Teams steht - in den USA befindet und McGee aus Sicherheitsgründen nichts davon erzählt hatte, trägt nur noch weiter dazu bei, dass deren beider Beziehungsstatus angespannter als je zuvor ist.
Keeping the tool sharp
Die Autoren schustern gerade zum Ende der Episode Murray und Kollegin Margo Harshman eine starke Szene zu, in der die beiden in einer Drucksituation ihre derzeitige Beziehung evaluieren müssen. Sowohl McGee als auch Delilah leben für ihre Arbeit, was sich natürlich auf ihre Beziehung auswirkt. So sehr ich den sorgevollen McGee verstehen kann, der anprangert, dass Delilah ihm nicht vertraut hat, so sehr ist auch Delilahs Standpunkt nachvollziehbar, die nicht riskieren konnte, die Geheimoperation der Homeland Security zu gefährden. Bei ihr schwingt höchstwahrscheinlich auch noch eine sehr persönliche Agenda mit, steht die von ihr verfolgte Person doch in Verbindung zu den Menschen, die mit dafür verantwortlich waren, dass sie nun gelähmt im Rollstuhl sitzt.
Beide Seiten liefern plausible Argumente aus ihrer Sicht der Dinge, was sich letztendlich dramaturgisch auszahlt. Der versöhnliche Schlusspunkt könnte daher schöner und charmanter nicht sein, McGee und Delilah gelingt es, ihre Differenzen beizulgen und die frohe Kunde, Delilah müsse nicht zurück zu ihrer Arbeitsstelle im Nahen Osten, da sie nun aufgrund eines Karriereaufstiegs ebenfalls in Washington D.C. stationiert ist, zaubert nicht nur McGee ein Lächeln auf die Lippen. Gerade diese sehr persönliche Komponente in Status Update gefällt gut, da nicht nur die Darsteller überzeugende Arbeit leisten, sondern man als Zuschauer auch emotional involviert ist und die Gefühlslage der handelnde Figuren voll und ganz nachvollziehen kann. Dass dann noch gewohnt lockere Momentaufnahmen eingestreut werden, so zum Beispiel von Tony (Michael Weatherly) und Bishop (Emily Wickersham), die McGee ein wenig aufziehen, rundet diesen Handlungsstrang sehr zufriedenstellend ab.

Creepy crawl
Der spezifische Humor des Formats kommt unter anderem auch in den Ermittlungen von Gibbs und Co. zum Tragen. Der verplante und nicht besonders fähige Teamleiter der geheimen Operation der Homeland Security treibt vor allem Gibbs das eine oder andere Mal zur Weißglut, was durchaus amüsant sein kann. Jedoch schlägt die Stimmung bisweilen auch sehr schnell um, denn Gibbs hat irgendwann die Faxen dicke, hält der junge Kollege doch wichtige Informationen zurück, während Menschenleben in Gefahr sind. Dadurch nimmt der Fall der Woche in der zweiten Hälfte der Episode ordentlich Fahrt auf und hat so einige sehr aufreibende Augenblicke zu bieten.
Die größte Spannung geht von dem flüchtigen Terroristen aus, der systematisch in Häuser von Militärangehörigen einsteigt, um dort perfide Psychospielchen mit den Bewohnern zu treiben. Dies alles wird dann mit einer Videokamera dokumentiert, und die Aufnahmen sollen letztendlich ihren Weg ins Wold Wide Web finden, um eine Massenpanik unter der Bevölkerung der USA heraufzubeschwören. Es handelt sich hierbei in der Tat um einen sehr unheimlichen Gedanken mit Gänsehautpotential, der sehr mulmig stimmt. Gleichzeitig gibt dieser Fall der Woche der übergeordneten Thematik der Episode die nötige Brisanz, sodass die möglichen Gefahren und Konsequenzen des digitalen Zeitalters treffend illustriert werden.
Fazit
Status Update stellt eine sehr zufriedenstellende Folge des Crime Procedurals NCIS dar, die sehenswert zahlreiche Facetten des Formats zur Schau stellt. Eine charmante, dramatische, persönliche Geschichte eines der Teammitglieder, amüsante und sehr unterhaltsame Zwischentöne durch das sympathische Ensemble, ein interessanter Fall der Woche sowie die Behandlung einer Thematik, die der Episode einen gewissen aktuellen Flair verleiht. Ganz fehlerfrei ist „Status Update“ zwar nicht und sicherlich schlummert an manchen Stellen noch etwas Potential (der Bösewicht der Woche bleibt letzten Endes doch recht profillos), allen in allen verdient sich die Folge aufgrund ihres kurzweiligen und vielseitigen Charakters jedoch eine gute Gesamtwertung.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 26. März 2015(NCIS 12x18)
Schauspieler in der Episode NCIS 12x18
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