NCIS 12x20

Bereits in der 17. Folge der zwölften Staffel von NCIS, The Artful Dodger, richteten die Serienmacher ihren Fokus auf Tony (Michael Weatherly) und dessen Beziehung zu seinem Vater (Robert Wagner), die alles andere als unproblematisch ist. Ich persönlich war jedoch nicht ganz von der Episode überzeugt, da in meinen Augen ein wenig zu oberflächlich gearbeitet wurde und man das Potential dieser Figurenkonstellation nur bedingt abrufen konnte.
In No Good Deed sieht das jetzt jedoch ein wenig anders aus, denn hier gelingt es deutlich besser, der Beziehung zwischen Tony und seinem Vater etwas Tiefe und Gewicht zu verleihen. Insgesamt hat die Episode vielleicht nicht unbedingt etwas Außerordentliches zu bieten. Die charmanten Momentaufnahmen zwischen den verschiedenen Figuren sorgen aber dafür, dass man mehr als ordentlich unterhalten wird.
Time of renewal
Ein Grund, warum das problembehaftete Verhältnis zwischen DiNozzo Junior und Senior in „No Good Deed“ eventuell etwas besser als noch zuvor in Szene gesetzt wird, könnte sein, dass sich die Macher nicht nur auf dieses Duo versteifen, sondern auch äußere Faktoren berücksichtigen, die vor allem auf Tony Einfluss nehmen. So wird er neben des erneuten Besuchs seines Vaters auch von seiner Beziehung zu Zoe Keates (Marisol Nichols) auf Trab gehalten, die beide gehörig miteinander angebandelt haben und jetzt die ersten Turbulenzen in ihrer noch sehr frischen Beziehung durchstehen müssen.
Für Tony ist dies alles natürlich ein wenig zu viel. Zum einen will sein Vater gerne in seine Nähe ziehen, um für seinen Sohn da zu sein, zum anderen erreicht sein Verhältnis mit Zoe eine neue Stufe, in der es zwischen den beiden endlich ernst werden könnte. Und dann kommen auch noch die Ermittlungen des NCIS-Teams hinzu, die sich einem Mordfall widmen, der gewohnt viele Fragen aufwirft und sogar in Verbindung mit Zoes Arbeitsgeber, dem ATF - die amerikanische Bundesbehörde für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe -, steht.

Complicated guys
Zunächst möchte Tony seine neue Liebe Papa DiNozzo vorstellen, der sich jedoch für den Geschmack des nonchalanten Ermittlers ein wenig zu sehr aufdrängt und für reichlich Chaos (die schöne Einbauküche...) sorgt. In einem Gespräch mit Gibbs (Mark Harmon) wird deutlich, dass Tony senior in einem neuen Lebensabschnitt angekommen ist und sich fragt, was ihm nach all den Jahren als Frauenheld und findiger Geschäftsmann noch geblieben ist. Die Antwort: Tony, für den er jetzt die Vaterfigur sein möchte, die er in der Vergangenheit nie war.
Dieser Art der Vater-Sohn-Geschichte mitsamt schöner Versöhnung am Ende der Episode ist recht klassisch und größtenteils dem Lehrbuch entnommen. Sie funktioniert aber dennoch gut, da sowohl Weatherly als auch Gastdarsteller Robert Wagner sich sympathisch präsentieren - und über Mark Harmon in seiner Rolle als Vermittler zwischen den beiden eine weitere gelungene Handlungsebene eingewoben wird. Die Probleme zwischen Vater und Sohn sind nachvollziehbar gestaltet und am Ende wartet man mit einer charmanten Lösung der Spannungen auf, die ein gutes Gefühl beim Zuschauer hinterlässt und gekonnt eine Schleife um diesen Teil der Episode macht.
Commitment
Ebenfalls gut gefällt mir die Rückkehr von Marisol Nichols in ihrer Rolle der selbstbewussten ATF-Agentin Zoe Keates und die Handlung, die sich um sie und Tony entspinnt. Auch hier zeigen die Autoren nachvollziehbar auf, wie viel Konfliktpotential eine Beziehung zwischen zwei Menschen in sich birgt, die zu 100 Prozent hinter ihrer Profession als Gesetzeshüter stehen und nun zusammenarbeiten müssen.
Das Verhältnis der beiden zueinander ist glaubhaft umgesetzt und deren Zweifel, ob sie wirklich bereit für den nächsten Schritt sind, absolut verständlich. Eine Beziehung braucht Vertrauen und dieses wird in No Good Deed einige Male auf die Probe gestellt. Umso mehr freut sich dann der neutrale Beobachter, dass Zoe und Tony letztendlich tatsächlich dazu bereit sind, ihre Beziehung auf ein neues Level zu hieven. Die beiden Charaktere geben einfach ein schönes Pärchen ab, was unter anderem auch an der sehr guten Chemie zwischen Nichols und Weatherly liegt.
The good samaritan
Wie bereits in vielen Episoden zuvor spielt der Fall der Woche abermals nur die zweite Geige, was aber nicht weiter störend ist. Mehr als einmal dienen die Fortschritte der Ermittler als Mittel, um dem eigentlichen Plot zwischen Zoe und Tony etwas Futter zu geben, da durch ihre unterschiedliche Arbeitsweise ein paar Reibungen zwischen den beiden entstehen. Die Suche nach dem Mörder eines Marineangehörigen, welcher sich heldenhaft für eine junge Frau in Not einsetzen wollte und dabei ums Leben kam, hat ein paar gelungene Momentaufnahmen zu bieten, selbst wenn die Geschichte stets recht gewöhnlich und simpel bleibt.

Für die größten Frustmomente sorgen wohl die Kollegen vom ATF. Hier fragt man sich schon, wie nachlässig man arbeiten kann, um derartig die Kontrolle über einen alten Fall bezüglich des koordinierten Waffenhandels mit mexikanischen Drogenkartellen zu verlieren. Der gesuchte Täter wird letztlich recht einfach gefasst und von Gibbs niedergestreckt.
Großartig spannend ist dies alles nicht wirklich. Dafür gestalten sich jedoch ein paar kleinere dramatische Szenen zwischendurch sehr ansprechend. So zum Beispiel, als Jungvater Jimmy (Brian Dietzen) beim Anblick der toten jungen Frau nachdenklich ob seiner gerade geborenen Tochter wird. Oder auch der kurze Augenblick, in dem die Mutter des weiblichen Opfers von Trauer überwältigt wird und in der Folge eine selbstlose Geldspende für ein Stipendium des Marine Corps tätigen möchte.
Fazit
No Good Deed plätschert gerade in der Handlung um die Kriminalermittlungen des Teams oft etwas vor sich hin, jedoch kann der recht beliebige Fall der Woche gut durch die sehr persönliche Komponente um Tony, seinen Vater und Zoe ausgeglichen werden. Die Macher treffen zumeist die richtigen Dramatöne und präsentieren uns einige schöne Momentaufnahmen der verschiedenen Charaktere, in denen deren aktuelle Empfindungen und ihre Gefühlslage nachvollziehbar und glaubwürdig vermittelt werden. Mit dem bekannten Charme und ein paar amüsanten Zwischentönen (McGee (Sean Murray) liegt das Lügen einfach nicht) liefern die Autoren abermals eine sehr solide Episode ab, die über einen guten Unterhaltungswert verfügt.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 9. April 2015(NCIS 12x20)
Schauspieler in der Episode NCIS 12x20
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