NCIS 12x16

NCIS 12x16

Blast From the Past dreht sich um einen sehr klassischen Fall der Woche, dessen Auflösung recht gewöhnlich anmutet. Durch eine leichte persönliche Verbindung einer Figur zu diesem und vielen amüsanten Momenten bekommen wir hier dennoch eine ordentliche Folge zu sehen.

Das NCIS-Team auf der Suche nach Hinweisen in „Blast From the Past“. / (c) CBS
Das NCIS-Team auf der Suche nach Hinweisen in „Blast From the Past“. / (c) CBS

Wie ich bereits nach der vergangenen Episode (Cabin Fever, in der Gibbs (Mark Harmon) mit Hilfe von Fornell (Joe Spano) Staffel-Nemesis Sergei Mishnev (Alex Veadov) zur Strecke bringen konnte) vermutet hatte, besinnen sich die Autoren in der Folge Blast From the Past erst einmal auf den Procedural-Charakter ihres Formats. Dies hat einen neuen Fall der Woche zur Folge, der wie gewohnt einige Wendungen nimmt, im Großen und Ganzen für meinen Geschmack aber viel zu herkömmlich ist, um mich mitreißen zu können.

Dieser Makel lässt sich jedoch glücklicherweise zum Großteil dank zahlreicher komödiantischer Einlagen ausbügeln, die auf den charmanten Interaktionen und locker-leichten Dialogen zwischen den handelnden Charakteren fußen. Auf diese ist im Zweifel immer Verlass, selbst wenn der Kriminalfall nicht besonders viel zu bieten hat und im Grunde genommen nicht mehr als eine einfache Schnitzeljagd umfasst. Seinen Spaß kann man mit „Blast From the Past“ dank der beschwingten Dynamik unter den Figuren dennoch haben.

Final destination

Blast From the Past“ stellt für mich eine sehr klassische Folge von NCIS dar, in der die Ermittlungen des Teams um Anführer Gibbs schnell an Reiz verlieren. Da wende ich mich lieber den einzelnen Charakteren zu, deren Zusammenspiel mich weit besser unterhält als die Auflösung des Rätsels, warum plötzlich alte Undercover-Identitäten des NCIS respektive NIS (Naval Investigative Service, der ehemalige Name der Instution) wieder auftauchen und deren Namensträger tot aufgefunden werden.

Die Suche nach Antworten wird wie gewohnt mit zahlreichen scheinbar wichtigen Informationsschnipseln und Details aufgebauscht, die sich in den oftmals sehr technischen Gesprächen unter den Ermittlern dem gemeinen Zuschauer nicht immer sofort erschließen. Letztendlich ist es nur wichtig zu wissen, dass die zwei gefundenen Toten Informationen und Daten zu einem wertvollen Halbleiter (Galliumnitrid) akquiriert haben. Diese wollten sie letztendlich an serbische Auftraggeber weitergeben, da man dieses wertvolle Wissen für gewisse militärische Zwecke einsetzen kann, zum Beispiel im Bereich der Radarforschung. Nach der Beendigung des Auftrags wurde den beiden Spionen jedoch der Garaus gemacht - vor allem, um mögliche Spuren zu verwischen.

Tony (Michael Weatherly) und McGee (Sean Murray) in %26bdquo;Blast From the Past%26ldquo;. © CBS
Tony (Michael Weatherly) und McGee (Sean Murray) in %26bdquo;Blast From the Past%26ldquo;. © CBS

Not smart enough

Wie aus dem „NCIS“-Lehrbuch werden hier ein paar Überraschungen eingebaut - die Enthüllung des Nachbars als Mittelsmann und Mörder der zwei Toten, die Beteiligung einer alten CIA-Mitarbeiterin und Expertin für Undercover-Identitäten an den Plänen der Serben -, die jedoch nicht wirklich überraschend sind. Eigentlich gestaltet sich die Handlung relativ geradlinig, zumindest für „NCIS“-Verhältnisse. Dennoch schleichen sich ein paar irritierende Momentaufnahmen ein, die Fragen aufwerfen können.

Wer sich hinter den ominösen Serben verbirgt, die die Informationen zum Galliumnitrid benötigen, wird komplett offen gelassen. Und dass die ehemalige CIA-Koryphäe im Bereich des Entwerfens von Undercover-Biographien nun ihr Heimatland verrät, mutet ebenfalls eigenartig an. Ihre Frustration darüber, dass sie nach 30 Jahren Dienst einfach so entlassen worden ist, sowie ihre persönliche Geldknappheit mag auf den ersten Blick Grund genug sein, um gemeinsame Sache mit ihren neuen Auftraggeber zu machen und alte Identitäten zu recyclen. Doch gerade aufgrund ihrer langjährigen Verbundenheit mit dem amerikanischen Geheimdienst - eine Zeit, die sie laut eigener Aussage sehr zu schätzen weiß - verwundert ihre Zusammenarbeit mit den Serben ein wenig.

Great balls of fire

Und dann gibt es noch die sehr zufällige Explosion einer Holzhütte mitten im Nirgendwo: Die fliegt natürlich genau dann in die Luft, als die sehr unvorsichtigen McGee (Sean Murray) und Bishop (Emily Wickersham) kurz davor sind, diese zu betreten. Details wie diese können den Zuschauer ein wenig aus der Bahn werfen. Wir fragen und mehrfach: Ergibt das gerade Gesehene wirklich Sinn? Die Serienmacher schaffen es jedoch recht eindrucksvoll, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, indem sie sich auf die unbestrittene Stärke des Formats verlassen: Die Figuren und deren Beziehungen untereinander.

Blast From the Past stellt in dieser Hinsicht vielleicht eine der amüsantesten Episoden der zwölften Staffel von NCIS dar, denn es kommt gleich zu mehreren extrem charmanten und witzigen Charaktermomenten, die eine Menge Spaß machen. Tony (Michael Weatherly), der sich davor drückt, die Eltern von Zoe (Marisol Nichols) kennenzulernen, kann es zum Beispiel nicht fassen, dass Bishop die wahre Botschaft des Airforce-Propagandastreifens „Top Gun“ nicht verstanden hat. Und McGee probiert erfolglos, Gibbs ein neues Smartphone anzudrehen. Kleine Szenen wie diese, in denen sich die sympathischen Charaktere die Klinke in die Hand geben und man das Gefühl bekommt, die Darsteller dürften sich ein wenig austoben, tragen entscheidend zum Unterhaltungswert der Episode bei.

Nerds

Die meisten Lacher gehen hier aber wohl von Gibbs und seiner früheren Undercover-Identität als Computerfachmann aus, die dieser noch einmal reaktivieren muss, um Fortschritte in den Ermittlungen zum aktuellen Fall zu machen. Gibbs hat bekanntermaßen nicht das größte Verständnis für (moderne) Technologie, und während McGee versucht, ihn irgendwie durch eine brenzlige Situation mit einem Wachmann zu lotsen, improvisiert der erfahrene Ermittler und verlässt sich einfach auf seine hervorragende Menschenkenntnis. Am Computer hilft ihm diese dann wiederum nicht viel, und so wird selbst der einfachste Tastendruck zur Herausforderung. („Where the hell is caps lock?“ - „Wo zur Hölle ist die Feststelltaste?“)

Diese Szenen erinnern mich als Zuschauer einer jüngeren Generation mit einem Schmunzeln an zahlreiche Szenen aus meinem Familienleben - etwa die Anrufe meiner Eltern, die mich darum baten, einrecht simples Computerproblem aus der Ferne zu lösen. Dies ist jedoch mitnichten abfällig gemeint, denn wie Gibbs hier zeigt, lässt sich nicht jedes Problem mit technischen Hilfsmitteln lösen. Manchmal gestalten sich einfache Dinge wie Intuition und Lebenserfahrung als weitaus wertvoller. Mit diesem sehr ansprechenden Teil der Handlung vermag man es sowohl bei einem älteren sowie jüngeren Publikum zu landen, da hier eine Situation abgebildet wird, die wohl ein jeder schon einmal selbst durchlebt hat.

Gibbs (Mark Harmon) in einer eher ungewöhnlichen Rolle als IT-Ass. © CBS
Gibbs (Mark Harmon) in einer eher ungewöhnlichen Rolle als IT-Ass. © CBS

Clear and clean

Die Lösung des Falls geht derweil eher unspektakulär vonstatten. Der recht naive Täter kann festgenommen werden und wird den Behörden der Homeland Security übergeben. Hier bietet man langjährigen Fans der Serie in Form eines Auftritts von Alan Dale als Gibbs' altem Weggefährte Tom Morrow noch ein wenig Fanservice an. Auch ein kleiner Verweis auf Gibbs' alten Mentor und Freund Michael Franks (Muse Watson) wird eingebaut, während am Ende der Episode ebenfalls persönlichere Töne angestimmt werden.

Die ganzen Ermittlungen um Undercover-Identitäten und geheime Missionen haben Bishop nämlich nachdenklich gemacht, was wohl mit ihrer Ehe passieren würde, wenn sie so einen Auftrag von Gibbs bekommen würde. Dieser beruhigt sie jedoch in bekannter Vaterfigur-Manier. Bishops Überlegungen, inwiefern ein Einsatz als Undercover-Ermittler über einen längeren Zeitraum ihrer Beziehung zu Jake (Jamie Bamber) schaden könnte, scheint bei Gibbs jedoch einige Erinnerungen an seine vergangenen Ehen zu wecken. Eine nette Randnotiz, doch gleichzeitig bekommt man auch den Eindruck, dass hier ein wenig die Chance vertan wurde, sich etwas genauer dem komplexen und hochinteressanten Thema „Leben als Undercover-Ermittler“ mitsamt den dazugehörigen Komplikationen zu widmen.

Fazit

Blast From the Past verschenkt ein wenig Potential mit Blick auf sein Thema und leistet sich ein paar Schnitzer hinsichtlich verschiedener Elemente der Handlung. Diese bleibt größtenteils eher simpel und gehört mit Sicherheit nicht zu den spannendsten Geschichten, die in NCIS je erzählt wurden. Dafür punktet „Blast From the Past“ jedoch durch viele gewitzte Dialoge und der hervorragenden Chemie zwischen sämtlichen Beteiligten. Diese lässt einfach nicht viel zu wünschen übrig und kann so einige der Kritikpunkte der Folge erfolgreich egalisieren. Etwas interessanter mit Blick auf Handlung und Kriminalfall darf es in der nächste Folge bitte dennoch wieder werden.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 25. Februar 2015
Episode
Staffel 12, Episode 16
(NCIS 12x16)
Deutscher Titel der Episode
Leland Robert Spears
Titel der Episode im Original
Blast From the Past
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 24. Februar 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 13. September 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 4. September 2015
Autor
David J. North
Regisseur
Dennis Smith

Schauspieler in der Episode NCIS 12x16

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