NCIS 12x15

NCIS 12x15

In Cabin Fever wird die übergreifende Handlung der zwölften Staffel von NCIS etwas überraschend zu einem vorzeitigen Ende gebracht. Die Episode folgt erneut einer eher charakterzentrischen Struktur. Allerdings wurde hier dramatisches Potential verschenkt.

Gibbs (Mark Harmon) gemeinsam mit Fornell (Joe Spano) in der Episode „Cabin Fever“. / (c) CBS
Gibbs (Mark Harmon) gemeinsam mit Fornell (Joe Spano) in der Episode „Cabin Fever“. / (c) CBS

Der zentrale Handlungsstrang der aktuellen zwölften Staffel von NCIS um den gefährlichen Terroristen Sergei Mishnev (Alex Veadov) wurde in den bisherigen Episoden immer wieder aufgegriffen, ob nun etwas prominenter oder eher im Hintergrund. Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich damit gerechnet, dass man diesen noch ein wenig strecken würde und uns somit eine hochdramatische Auflösung des Konflikts zwischen Gibbs (Mark Harmon) und seinem neuen Nemesis als Großereignis der Staffel präsentieren würde. Falsch gedacht.

Denn zu meiner Überraschung wird in der Episode Cabin Fever ein Haken hinter der Rachegeschichte von Mishnev gemacht, der von Gibbs und seinem alten Weggefährten Fornell (Joe Spano) hier zur Strecke gebracht wird. So sehr ich die Vorzüge dieser Folge auch zu schätzen weiß, vor allem mit Blick auf einige sehr feinfühlige Charaktermomente, irgendwie hatte ich doch etwas anderes erwartet. Eine Auflösung mit ein wenig mehr Pep vielleicht - und dabei meine ich nicht einmal, dass ich eine wilde Schießerei zwischen Gibbs und Mishnev sehen wollte. Vielmehr hätte ich mir gewünscht, dass sich zum Beispiel der erfahrene Ermittler und sein Widersacher auf gleichem Level begegnen würden und dass Mishnev in den verbleibenden Folgen eine Figurenzeichnung erfahren würde, die über seinen sehr rachsüchtigen und doch eher generischen Charakter hinausgeht.

Self-destructive

Durch die Eliminierung Mishnevs verpassen die Serienmacher die Chance, einem durchaus interessanten Gegenspieler noch mehr Profil und dem zentralen Konflikt der Staffel dadurch eventuell mehr als nur eine Ebene zu geben. Dass Mishnev immer wieder auf Rache schwörte, weil er glaubte, dass Gibbs seinen Halbbruder Ari Haswari tötete, mag als grundsätzliche Motivation für den Fiesling zu Beginn ausreichen. Jedoch hätte man noch weit mehr aus ihm herausholen können, zumindest meinem Empfinden nach, sodass Mishnev zu einer Figur mit mehr charakterliche Tiefe avancieren hätte können. Dementsprechend hätte vermutlich auch die Auflösung des Konflikts zwischen ihm und Gibbs eine anderes Gewicht gehabt.

So wird der Tod Mishnevs auf eine andere Weise genutzt, nämlich als eine Art Abschluss der Trauerbewältigung für Fornell und Gibbs, die die Ermordung von Diane Sterling (Melinda McGraw) somit vielleicht endlich hinter sich lassen können. Die Intention der Autoren, Mishnev als mögliches Ventil für Gibbs und Fornell zu benutzen, um eine schwierige Trauerphase hinter sich lassen zu können, ist klar erkennbar und letztendlich auch ordentlich umgesetzt. Dennoch: Hier wird meiner Meinung nach mit Blick auf den vermeintlichen Bösewicht der Staffel Potenzial verschenkt.

Joe Spano als FBI-Agent Tobias Fornell in %26bdquo;Cabin Fever%26ldquo;. © CBS
Joe Spano als FBI-Agent Tobias Fornell in %26bdquo;Cabin Fever%26ldquo;. © CBS

Take a breath

Den Serienmachern gelingen in „Cabin Fever“ dafür jedoch zahlreiche andere Aspekte, etwa das kleine Kammerspiel, das sich in einer abgeschiedenen Hütte zwischen Gibbs und Fornell abspielt. Beide wurden von dem Tod Dianes schwer getroffen. Insbesondere ihr Ehemann Fornell befindet sich in einem emotionalen Tief, aus dem er nicht so einfach herauskommt. Seine Trauer versucht er mit Alkohol zu ertränken, er lässt sich immer mehr gehen, und so liegt es an seinem guten Freund Gibbs, ihn wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.

Aber auch Gibbs leidet, nur sieht man es ihm nicht so krass an. Während Fornell sein emotionales Befinden nach außen trägt und sich dabei Schaden zufügt, frisst Gibbs wie so oft seine Emotionen in sich hinein. Das ist nicht weniger schädlich als Fornells Verhalten, was der NCIS-Teamleiter an einem Punkt auch selbst erkennt. Aus diesem Grund ist die gemeinsame Aussprache und Bewältigung von Trauer abseits der Zivilisation nicht nur für Fornell, sondern auch für Gibbs ein extrem wichtiger Schritt, um das Vergangene ad acta legen zu können.

On fire

Dies ist natürlich viel einfacher gesagt als getan, denn jeder, der vielleicht selbst schon mal eine ihm nahestehende Person verloren hat, kann in den Szenen zwischen Mark Harmon und Joe Spano mitfühlen. Dies macht mitunter die große Stärke der vielen Charaktermomente in Cabin Fever aus: dass wir den derzeitigen emotionalen Zustand von Gibbs sowie Fornell absolut nachvollziehen können. Die beiden erfahrenen Darsteller profitieren dabei von ihrer guten Leinwandpräsenz als eingespieltes Duo und verkörpern zwei Männer, die sehr unterschiedlich mit Trauer und Frust umgehen. Wie sie sich gegenseitig dabei helfen, ihre Dämonen zu besiegen, stellt ein treibendes Element dieser Episode dar.

Hier kommt auch ein wenig die visuelle Inszenierung der Folge zum Tragen. Regisseurin Bethany Rooney lässt sich auf ein paar Spielereinen mit Licht und Schatten ein, um auch optisch deutlich zu machen, wo sich unseren beiden Hauptakteure emotional befinden. Fornell wird oftmals in dunklen Ecken gezeigt, Gibbs steht oft etwas mehr im Licht, doch auch ihn umgeben mehr als einmal finstere Schatten, die man durchaus so lesen kann, dass auch der stille Ermittler seine Last mit sich herumträgt, selbst wenn diese nicht so offensichtlich wie Fornells Seelenschmerz ist. Dieser Einsatz von Bildsprache ist vielleicht nicht bahnbrechend und herausragend, die Episode gewinnt aber dennoch an Wert und Nuancen. Gerne mehr davon in zukünftigen Folgen.

Not done yet

Der eigentliche „Fall der Woche“, der im unmittelbaren Zusammenhang mit Mishnev steht, wird in „Cabin Fever“ derweil zur absoluten Nebensache, was ich jedoch nicht wirklich als störend empfinde. Es ist völlig legitim, auf die Beziehung zwischen Gibbs und Fornell zu bauen und nur wenige Nebenkriegsschauplätze zu etablieren. Vielmehr dienen die Ermittlungen des restlichen NCIS-Teams rund um einen vermeintlichen Terroranschlag an Bord eines Navy-Schlachtschiffs, um dezent die finale Konfrontation zwischen Gibbs, Fornell und Mishnev vorzubereiten. Die notwendigen Informationen für uns als Zuschauer werden dabei recht gekonnt übermittelt, ohne dass wir vom eigentlich Fixpunkt der Folge (die Handlung um Gibbs und Fornell) zu sehr abgelenkt werden.

Das NCIS-Team mal ohne ihren Anführer Gibbs in %26bdquo;Cabin Fever%26ldquo;. © CBS
Das NCIS-Team mal ohne ihren Anführer Gibbs in %26bdquo;Cabin Fever%26ldquo;. © CBS

Last words

So greift letztendlich ein Zahnrad in das andere, eine kleine, überraschende Wendung inklusive. Der russische Botschafter Anton Pavlenko (Lev Gorn) wird zu Beginn noch als möglicher Komplize Mishnevs eingeführt, dessen ehemalige Verbindungen zu dem Terroristen ihn nur noch verdächtiger machen. Als er dann Mishnev geradezu den Auftrag sowie Genehmigung der russischen Regierung gibt, Gibbs endlich den Garaus zu machen, wird man ein wenig stutzig. Schlussendlich stellt sich jedoch heraus, dass Pavlenko mit Gibbs zusammengearbeitet hat, um den ganzen Querelen um Mishnev, dessen Aktivitäten nicht besonders gut für die angespannten amerikanisch-russischen Beziehungen waren, ein Ende zu bereiten.

So serviert Pavlenko Gibbs dessen Widersacher Mishnev auf dem Silbertablett, der folglich von Fornell erschossen wird - ein wenig Genugtuung für die geschundene Seele des FBI-Agenten, der sich nun verstärkt seiner Tochter Emily widmen möchte. In einer kleinen emotionalen Szene kann Jungdarstellerin Juliette Angelo überzeugen. Etwas irritierend is dahingegen, dass Mishnev doch recht naiv in Pavlenkos und Gibbs Falle spaziert. Dafür, dass man ihn als kleines Mastermind etabliert hatte, geht dies vielleicht doch ein wenig zu einfach. Auch der Trick mit der nicht geladenen Waffe zieht bei Mishnev, von dem bei der bisherigen Charakterisierung erwartet hätte werden können, dass er die Finte durchschaut. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt am Rande.

Fazit

Dadurch, dass man sich jetzt schon des vermeintlichen Antagonisten der Staffel entledigt hat, frage ich mich nun natürlich, inwiefern in den weiteren Episoden ein neuer, übergreifender Handlungsbogen integriert werden könnte. Von der Geschichte um Mishnev hatte ich mir letztendlich etwas mehr erhofft, positiv ist derweil die gelungene Charakterstudie von Gibbs sowie Fornell hervorzuheben. Harmon und Spano bekommen hier eine gute Plattform, um ein wenig aufzuspielen, was langjährige Fans des Formats als auch des Duos mit ihrer besonderen Dynamik sicherlich erfreuen wird.

Eventuell kehrt man nun wieder vermehrt zu der bekannten Procedural-Formel zurück, vielleicht gönnt man aber auch anderen Charakteren gesonderte Handlungsbögen und somit ein wenig mehr Rampenlicht als sonst - zum Beispiel wie bei Tony (Michael Weatherly) in der vorangegangen Episode Cadence. Die nächsten Folgen werden es zeigen.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 19. Februar 2015
Episode
Staffel 12, Episode 15
(NCIS 12x15)
Deutscher Titel der Episode
Der russische Freund
Titel der Episode im Original
Cabin Fever
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 17. Februar 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 6. September 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 28. August 2015
Autor
Scott William Winters
Regisseur
Bethany Rooney

Schauspieler in der Episode NCIS 12x15

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