NCIS 12x13

NCIS 12x13

In We Build, We Fight widmen sich die Serienmacher mal wieder einem politisch relevanten Thema und beziehen erfreulicherweise klar Stellung zu diesem. Ein wenig Schwung geht dieser Episode dennoch abhanden, da man das dramatische Potential einiger Handlungsbögen nicht vollends ausschöpfen kann.

McGee (Sean Murray), Abby (Pauley Perrette) und Gibbs (Mark Harmon) in „We Build, We Fight“. / (c) CBS
McGee (Sean Murray), Abby (Pauley Perrette) und Gibbs (Mark Harmon) in „We Build, We Fight“. / (c) CBS

Nachdem in den letzten Wochen die übergeordnete Handlung von NCIS um den Antagonisten der Staffel in den Vordergrund gerückt wurde, entspricht We Build, We Fight eher dem sehr klassischen Procedural-Charakter des Formats, wobei man auch am Rande auf die letzten tragischen Ereignisse eingeht, die Gibbs (Mark Harmon) verständlicherweise immer noch verfolgen. Die Haupthandlung selbst ist wie so oft mit einigen Wendungen versehen und behandelt mit dem Aspekt der Homosexualität im Militärdienst ein wichtiges Thema in liberalen Gesellschaften. Ingesamt konnte ich mich jedoch nicht dem Eindruck erwehren, dass man hinsichtlich diesem Teil der Episode als auch den Nebenhandlungen etwas mehr hätte herausholen können, um noch deutlichere Aussagen zu machen und mich als Zuschauer komplett abholen zu können.

Some people don't like change

Vorneweg finde ich es sehr löblich, dass man in „NCIS“ sehr offen und liberal mit Homosexualität in militärischen Institutionen umgeht. Die Serie hat schon mehrfach unmissverständlich Position zu komplexen Thematiken bezogen und fungiert bisweilen als leitendes Medium hinsichtlich spezifischer Probleme in der amerikanischen Gesellschaft mit Blick auf ihre Militärdienstleistenden, die unverblümt angesprochen werden sollten. Die Macher wissen um die Popularität und Reichweite ihres Formats, warum sollen sie diese auch nicht nutzen, um alteingessene Sturköpfe an liberale Werte wie das Akzeptieren gleichgeschlechtlicher Liebe heranzuführen?

Anhand des Case of the Week in „We Build, We Fight“, in dem ein homosexueller Navy-Lieutenant Opfer eines hinterhältigen Mordes wird, unterstützen die Autoren Ideale und Vorstellungen, die in einer modernen demokratischen Gesellschaft das Normalste der Welt sein sollten, wobei die Diskriminierung von Homosexuellen in vielen solcher modernen demokratischen Gesellschaften überall auf der Welt nach wie vor erschreckend präsent ist. Interessant ist hier jedoch, dass der besagte Mord eben nicht aufgrund von Hass gegenüber Menschen mit einer anderen sexuellen Ausrichtung begangen wurde, sondern vergleichweise sehr einfache Motive Grund dafür sind.

Jimmy (Brian Dietzen); Abby (Pauley Perrette) und McGee (Sean Murray) in %26bdquo;We Build
Jimmy (Brian Dietzen); Abby (Pauley Perrette) und McGee (Sean Murray) in %26bdquo;We Build

Men of honor

Vielmehr legt man die apparente Abneigung gegenüber Homosexuellen in einer Institution wie dem amerikanischen Militär durch die umfangreichen Ermittlungen von Gibbs und Co. offen, was einem deutlich vor Augen führt, wie sehr diese veraltete Denke noch verbreitet ist. Dabei ist es doch genau so, wie es Gibbs schlussendlich mit sehr wahren Worten formuliert: Es spielt keine Rolle, wen man liebt, ob nun Mann oder Frau. Die Angehörigen der Streitkräfte der USA verrichten allesamt wichtige Arbeit, um andere Menschen zu schützen und eben auch bestimmte Werte zu zu verteidigen.

Diese finale Aussage wird natürlich gewohnt mit etwas sehr viel Pathos serviert, der für einige Zuschauer vielleicht sogar grenzwertig sein kann. Im Kern gibt es daran jedoch nicht sehr viel zu rütteln. Etwas kritisch muss man hingegen sein, da hier und da vielleicht ein wenig zu sehr pauschalisiert wird und man oftmals ein wenig Subtilität vermissen lässt. Ich persönlich glaube, dass man gar mit etwas mehr Feingefühl eine noch kraftvollere Episode hätte inszenieren können, bleibe jedoch dabei, dass die Macher hier ein gelungenes Statement abgelegt und im besten Falle einigen Zuschauern die Augen geöffnet haben.

Constant pain

Der Fall und die Ermittlungen zu diesem fühlen sich nicht ganz so relevant an wie die zentrale Botschaft der Episode, auch wenn es den Autoren gelingt, uns mit ein paar kleineren Twists für lange Zeit im Ungewissen zu lassen, wer wirklich hinter dem Mord steckt und welche Gründe es für diesen gab. Die Antwort darauf ist letztendlich recht simpel: Der ermorderte Kriegsheld, welcher kurz vor der Verleihung der Medal of Honor stand, setzte sich nur für einen ehemaligen Kameraden ein, der aufgrund seiner traumatischen Erlebnisse während einer Tour in Afghanistan drogenabhängig wurde. Dessen Dealer gefiel der Einsatz des renommierten Navy-Lieutenants überhaupt nicht, weshalb er ihn um die Ecke brachte.

Keine besonders spektakuläre Auflösung einer komplexen Ermittlung, jedoch lässt sich dies womöglich mit der Devise der Drehbuchautoren für diese Folge erklären, dass hier nun mal der Weg das Ziel ist. Über die Anstrengungen des NCIS-Teams tauchen wir tiefer in die problembehaftete Thematik hinsichtlich des Umgangs mit Homosexuellen im amerikanischen Militär ein, und es ist durchaus interessant zu beobachten, wie sehr sich Gibbs bei der Ehre gepackt fühlt, den Namen des Mordopfers reinzuwaschen. Dabei präsentiert sich der NCIS-Teamleiter wiederum als sehr sympathisch, denn er unterscheidet nicht zwischen irgendwelchen sexuellen Orientierungen, sondern sieht nur die Verdienste des Mordopfers, das in einem Hinterhalt im Afghanistan beispielhaft voranging und sich die höchste militärische Auszeichnung der USA absolut verdient hat.

Don't tell me you're fine

Neben enigen auflockernden Elementen, die vor allem auf der wie immer bestechenden Dynamik zwischen den einzelnen Teammitgliedern fußen (Tonys Vorstellung von einem adäquaten Babygeschenk sind sehr interessant, während Bishop über unerwartetes Comicwissen verfügt), rückt man dann noch einmal den stoischen Gibbs in den Fokus, der es mal wieder mit einer alten Bekannten zu tun bekommt. Susanna Thompson (Arrow) nimmt erneut ihre Rolle der Hollis Mann auf, die in Diensten des Verteidigungsministeriums steht und darüber hinaus eine Ex-Flamme von Gibbs ist. Auch auf Drängen von Tony (Michael Weatherly) will sie sich Gibbs annehmen, der sich die Schuld für den Tod seiner Ex-Frau Diane (Melinda McGraw) gibt und seine Wut sowie Trauer in sich hineinfrisst.

Susanna Thompson als Hollis Mann gemeinsam mit Mark Harmon als Gibbs. © CBS
Susanna Thompson als Hollis Mann gemeinsam mit Mark Harmon als Gibbs. © CBS

Die Szenen zwischen den beiden gestalten sich ordentlich, gefühlt wäre aber auch hier mehr drin gewesen, uns emotional noch stärker zu erreichen. Harmon hat in We Build, We Fight einige gute Szenen, ob nun mit Thompson oder auch Alano Miller, der den schwer getroffenen Ehemann des Mordopfers spielt. Irgendwie fehlt mir aber immer wieder irgendetwas in den zahlreichen Charaktermomenten, das mich komplett packen kann. Dadurch verdient sich „We Build, We Fight“ auch nur eine gute, jedoch mehr als solide Gesamtwertung, nicht mehr und nicht weniger.

Not a drill

Die Nebenhandlung um das Babyglück von Jimmy (Brian Dietzen) und seiner Frau wird dieser Bezeichnung derweil voll und ganz gerecht und kann eher als netter Zusatz gesehen werden, der in die Kategorie Fanservice fällt. Großartig bedeutend für die Haupthandlung ist dieses freudige Ereignis für den Gerichtsmediziner natürlich nicht, aber das ist auch nicht die Absicht der Serienmacher. Es soll schlichtweg einen schönen kleinen Moment zum Ende der Episode darstellen und vielleicht sogar einen Moment von Glück und Heiterkeit suggerieren - zwei Empfindungen, die vor allem Gibbs nach den letzten Vorkommnissen bitter nötig hat.

Fazit

We Build, We Fight ist eine gute Episode des CBS-Crime Procedurals, in der man sich einer wichtigen Thematik annimmt und respektvoll mit dieser umgeht. Den deutlichen Kommentar dürfen sich die Autoren hier sehr gerne erlauben, da sie ein Thema ansprechen, das nicht weggeschwiegen werden sollte. Darüber hinaus wartet man mit einigen sehenswerten Darbietungen von Gastdarstellern auf, darunter zum Beispiel auch der aus Treme und The Walking Dead bekannte Chris Coy. Vom Hauptcast sticht Mark Harmon heraus, der sein gewohnt zurückhaltendes Schauspiel gut zum Einsatz bringt.

Einziger Kritikpunkt ist, dass man hier und da vielleicht ein wenig zu sehr die Zügel schleifen lässt und sich dadurch nicht das komplette Potential der Episode entfalten kann. Schaut man sich den Kriminalfall der Woche genauer an, ist dieser ebenfalls eher einfach und gewöhnlich. Doch wie bereits erwähnt, interessieren hier vielmehr die Begleiterscheinungen der Ermittlung als die Auflösung des Falls selbst.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 5. Februar 2015
Episode
Staffel 12, Episode 13
(NCIS 12x13)
Deutscher Titel der Episode
Die Ehre eines Helden
Titel der Episode im Original
We Build, We Fight
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 3. Februar 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 29. März 2015
Autor
Jennifer Corbett
Regisseur
Rocky Carroll

Schauspieler in der Episode NCIS 12x13

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