NCIS 12x12

Nach dem starken Auftakt in die zweite Hälfte der zwölften Staffel von NCIS (Check) bekommen wir mit The Enemy Within erst einmal wieder eine kleine Verschnaufspause serviert. Der erschütternde Tod von Gibbs' (Mark Harmon) Exfrau Diane (Melinda McGraw) hallt zwar immer noch deutlich nach, vor allem bei dem stoischen Ermittler selbst und einem guten Freund seinerseits, doch der Fokus liegt hier vielmehr auf einer Jagd nach einem amerikanischen Terroristen. Dieser hat sich fanatischen Islamisten in Syrien angeschlossen und war mitverantwortlich für die Entführung der Sozialarbeiterin Sarah Goode (Lindsey Kraft), die sich freiwillig in dem zerrütteten Land um Waisenkinder kümmerte.
Trained investigators
Die Befreiung Sarahs, die zuvor in einer Videobotschaft die US-Regierung angefleht hatte, der Lösegeldforderung der Terroristen Folge zu leisten, gelingt einem Trupp an Navy-SEAL-Soldaten problemlos. Zurück in Amerika soll sie dann von Gibbs und seinem Team zu den Vorfällen befragt werden. Wie sich später herausstellt, scheint Sarah über einen sehr noblen Charakter zu verfügen und möchte gerne bald wieder zurück nach Syrien, um dort Hilfe zu leisten. Anzeichen, dass sie von ihrer Entführung ein Trauma davongetragen hat, zeigt sie nicht wirklich, was Bishop (Emily Wickersham) etwas merkwürdig findet, während Mallard (David McCallum) der Analystin jedoch versichert, dass ein solches Verhalten nicht unüblich bei Menschen ist, die eine derartige Erfahrung gemacht haben.
Auch Gibbs gehört eher zu dem Schlag Mensch, der seine erlebten Traumata im Stillen verarbeitet und dabei kaum jemanden an sich rankommen lässt. Dadurch entsteht bei seinen Mitmenschen wohl auch sehr oft der Eindruck, er würde auf eigene Faust und mit seinen Methoden wieder Herr der Lage werden wollen. Dies registriert zumindest Vance (Rocky Carroll), der noch einmal sein Beileid ob des schrecklichen Schicksals Dianes bekundet und Gibbs, der mit seinen (Rache-)Gedanken unaufhörlich bei Mishnev (Alex Veadov) ist, versichert, dass sie den kaltblütigen Terroristen schnappen werden.

Secrets
Die Vorkommnisse aus „Check“ werden weiter über den Auftritt von Fornell (Joe Spano) abgearbeitet, der nach seiner Scheidung von Diane wieder mit ihr liiert war und von ihrem Tod deutlich mitgenommen ist. Auch er trägt seine Trauer nicht nach außen, erst in den ruhigen Momenten mit Gibbs oder auch Bishop erkennt man, dass der FBI-Agent eine sehr schwere Zeit durchmacht, auch mit Blick auf seine Tochter Emily, die der Verlust ihrer Mutter selbstverständlich auch sehr hart getroffen hat. Diese kleinen Charaktermomente funktionieren in „The Enemy within“ gut, ebenso wie den Machern der konsequente Umgang mit den folgenschweren Ereignissen aus „Check“ gelingt. Der Fall der Woche steht zwar größtenteils im Mittelpunkt, jedoch schaffen es die Autoren gleichzeitig, dass bigger picture nicht aus den Augen zu verlieren und geschickt die Folgen des vorangegangen Dramas mit einzubauen.
Fornell schließt sich Gibbs und seinem Team auf der Jagd nach dem mutmaßlichen Terroristen Kyle Nasry (Kevin Joy) an, der schon vor einigen Jahren während Demonstrationen gegen die militärische Präsenz der USA im Irak und in Afghanistan auffällig wurde. Jetzt scheint er ein Teil der radikalen Terrorzelle zu sein, die hinter der Entführung von Sarah steht. Als Abby jedoch bei der Analyse der Beweisstücke aus dem hochgenommenen Versteck der Terroristen in Syrien auf einen weiteren amerikanischen Staatsbürger sowie ehemaligen Armeeangehörigen stößt, der sich ebenfalls dem hochgefährlichen Terrornetzwerk angeschlossen hat, scheint sich langsam ein größerer Plan zu entblättern. Jedoch fehlt den Ermittlern noch das letzte Puzzleteil, um Nasrys Rolle in diesem richtig einzuordnen und das wahre Ziel der Terroristen offenzulegen.
You can do better
Das Sammeln und Zusammenfügen der Hinweise in The Enemy Within fühlt sich oftmals wie sehr gewöhnliche Genrekost an, wodurch dem dieswöchigen Fall ein wenig der Schwung verloren geht. Auch die Auflösung des Rätsels, dass Sarah ebenfalls eine Terroristin ist, ihre Entführung nur inszeniert wurde und sie ein Attentat auf einen renommierten Iman geplant hat, ist ein wenig zu vorhersehbar und alles andere als überraschend. Man lässt sich zwar ein paar nette Ideen einfallen (zum Beispiel eine Schusswaffe aus Plastik, die mit einem 3D-Druck gefertigt wurde und von Metalldetektoren nicht erkannt werden kann - auch wenn es ein wenig weit hergeholt erscheint), voll und ganz kann mich dieser Teil der Handlung jedoch nicht packen.
Etwas besser gefällt mir da schon der leichte politische Kommentar, den man hier und da in die Geschichte mit einwebt, indem man unmissverständlich Stellung gegenüber fanatischen Islamisten bezieht, die ihren Glaubenskampf als Vorwand dafür benutzen, fürchterliche Gräueltaten zu begehen. Auch die eher ruhigen Momente unter den Charakteren, in denen noch einmal der Tod Dianes thematisiert wird, sagen mir zu, ganz ähnlich wie das Zusammenspiel des eingespielten Duos, bestehend aus Mark Harmon und Joe Spano.

Who is that guy?
Erstaunlich ist jedoch wie so oft, dass es den Serienmachern immer wieder ausgezeichnet gelingt, die Balance zwischen eher andächtigen Momentaufnahmen sowie dramatischen Themen und auflockernden Szenen zu halten. Diese Woche nimmt zum Beispiel die Handlung um Tony (Michael Weatherly) die Funktion des erheiternden Elements in NCIS ein, was einige charmante Situationen zur Folge hat. Wie McGee (Sean Murray) und Bishop nämlich unschwer aufgefallen ist, verhält sich der nonchalante Womanizer wesentlich handzahmer und freundlicher als üblich. Seine sonst so frechen Bemerkungen spart er sich in dieser Episode komplett, während seine Kollegen am Grübeln sind, was der Grund dafür sein könnte.
Die Antwort auf diese Frage trägt den Namen Zoe Keates (Marisol Nichols), die taffe ATF-Agentin und ehemalige Partnerin Tonys, die wir erst einige Folgen zuvor kennengelernt haben. Zwischen den beiden hat sich nun eine kleine Liaison entwickelt, von der am Ende des Tages die gesamte Belegschaft der NCIS-Zentrale weiß. Für Tony freut man sich fast ein bisschen, hat er doch anscheinend endlich wieder jemanden gefunden, der ihn über seine Einsamkeit hinwegkommen lässt. Darüber hinaus passt die Chemie zwischen Weatherly und Nichols, jedoch bleibt abzuwarten, wohin die Autoren mit dieser Liebesgeschichte wollen. Keates gefällt zumindest als unabhängige, starke Frauenfigur und tut Tony sichtlich gut.
Fazit
The Enemy Within stellt eine solide NCIS-Episode dar, die jedoch aufgrund eines eher durchschnittlichen Kriminalfalls hier und da etwas Tempo vermissen lässt und so oftmals nur vor sich hinplätschert. Gelegentlich kann man für ein paar spannende Momente sorgen, der größte Reiz geht jedoch erneut von den Charakteren aus, wie sie mit bestimmten Situationen umgehen und welche Entwicklung sie womöglich erwartet.
Joe Spano erhält seinen obligatorischen Staffelauftritt, jedoch ist auch gut möglich, dass er im späteren Verlauf der Staffel erneut zu Gibbs und seinem Team stoßen wird, wenn die Jagd nach Mishnev in die heiße Phase geht. Dass man die übergeordnete Handlung der zwölften Staffel in „The Enemy within“ nicht ganz hat fallen lassen, ist löblich. Das Procedural-Element von „NCIS“ steht hier wieder deutlich im Fokus. Inwiefern man sich diesem in den nächsten Episoden wieder mehr hingeben wird und den Handlungsstrang um Mishnev ein wenig ruhen lässt, bleibt abzuwarten.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 14. Januar 2015(NCIS 12x12)
Schauspieler in der Episode NCIS 12x12
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