NCIS 12x11

NCIS 12x11

Wie das sehr gelungene Midseason-Finale wartet auch der Auftakt zur zweiten Hälfte der zwölften Staffel von NCIS mit einer sehr persönlichen Note auf. Dabei gibt es einen waschechten Schockmoment zu verdauen, während die übergreifende Handlung interessant weitergesponnen wird.

Alte Bekannte: Gibbs (Mark Harmon) befragt seine Exfrau Rebecca (Jeri Ryan) in „Check“. / (c) CBS
Alte Bekannte: Gibbs (Mark Harmon) befragt seine Exfrau Rebecca (Jeri Ryan) in „Check“. / (c) CBS

Eins steht fest: Mit der Episode Check wagen die Serienmacher des „Crime-Procedurals“ einen sehr konsequenten Auftakt im neuen Jahr, in dem Teamleiter Gibbs (Mark Harmon) unweigerlich eine zentrale Rolle einnimmt. Gleichzeitig wird weiter an dem unberechenbaren sowie gnadenlosen Charakter des Staffelbösewichts Sergei Mishnev (Alex Veadov) gefeilt.

Die dieswöchigen Ermittlungen der NCIS-Crew stellen sich nämlich schon bald als fieses Kalkül des Terroristen heraus, der schon in der ersten Episode der zwölften Staffel (Twenty Clicks) prominent in Erscheinung trat und bis dato immer wieder für kurze Augenblicke Thema war. Nun ist Mishnev präsenter denn je und hinterlässt innerhalb kürzester Zeit tiefe psychologische Wunden bei Gibbs. Dabei ist dies gerade einmal der Anfang, wie Mishnev letzten Endes dem erfahrenen Ermittler verheißungsvoll mitteilt.

Ancient history

Der Beginn von „Check“ wirkt für „NCIS“-Verhältnisse eigentlich recht gewöhnlich, als der Besitzer eines Diners mit zwei seiner Angestellten einen schrecklichen Fund im Inneren seines Restaurants macht. Mehrere Tote liegen verteilt im Raum, die Szenerie kommt einen blutigen Massaker gleich, in dem sich die Beteiligten anscheinend gegenseitig über den Haufen geschossen haben. Das Team sammelt sogleich Hinweise und kann neben der Verknüpfung, dass alle Opfer Angehörige der amerikanischen Streitkräfte oder des Regierungsapparats sind, nur feststellen, dass jeder der Toten mit der Zahlung seiner Steuern ins Hintertreffen geraten ist - eine Information, die vorerst nur wenig hilfreich ist.

Während die Crew auf der Suche nach Antworten ist, beschäftigen die einzelnen Teammitglieder jedoch auch zahlreiche persönliche Angelegenheiten. McGee (Sean Murray) wird zunächst von den Kollegen DiNozzo (Michael Weatherly) und Bishop (Emily Wickersham) aufgrund einer Liste mit seinen teils skurrilen Vorsätzen für das neue Jahr aufgezogen, was dem Zuschauer ein paar Schmunzler entlocken kann. Der Umstand, dass Gibbs in Vorbereitung auf eine medizinische Generaluntersuchung komplett auf koffeinhaltige Getränke verzichtet, lässt seine Mitarbeiter etwas besorgt auf die nächsten paar Stunden blicken - ein eintkoffeinierter Gibbs ist einfach undenkbar. Auch hier baut man ein paar charmante Lacher ein, bevor es für den Teamleiter zur eigentlich Reifeprüfung kommt.

Sorgen für einiges an Trubel: Gibbs%26#039; Exfrauen Diane (Melinda McGraw) und Rebecca (Jeri Ryan). © CBS
Sorgen für einiges an Trubel: Gibbs%26#039; Exfrauen Diane (Melinda McGraw) und Rebecca (Jeri Ryan). © CBS

Making amends

Neben dem stressigen Koffeinentzug bekommt es Gibbs nämlich gleich mit zwei alten Weggefährtinnen zu tun, die einst einen wichtigen Part in seinem Leben einnahmen. Dabei handelt es sich zum einen um seine erste Exfrau Diane (Melinda McGraw), die bereits in den Staffeln zuvor Auftritte hatte. Hinzukommt Exehefrau Nummer zwei, die auf den Namen Rebecca hört und von der bekannten Seriendarstellerin Jeri Ryan (Star Trek: Voyager, Body of Proof) gespielt wird. Diese beiden nehmen Gibbs gehörig in die Mangel, was einige pikante Situationen nach sich zieht und schnell die Gerüchteküche unter den NCIS-Ermittlern zum Brodeln bringt.

Langjährige Fans der Serie wissen den Auftritt von Melinda McGraw sicherlich zu schätzen. Gemeinsam mit Ryan gibt sie ein formidables Duo, bestehend aus zwei Verflossenen von Gibbs, ab, die dem sonst so stummen Recken einiges an Nerven kosten. Besonders gut gelingt den Autoren hier der Spagat zwischen amüsanten Sequenzen, in denen sich die Darsteller ein wenig Feuer geben dürfen, und den eher emotionalen Momenten. Letzteres zum Beispiel zwischen Rebecca und Gibbs, als sie sich aufrichtig bei ihm für ihren damaligen Seitensprung entschuldigt sowie von ihrer vergangenen Alkoholsucht erzählt. In „Check“ wechseln sich oft die leichten mit den sehr ernsten Tönen ab, was im weiteren Verlauf der Episode nur noch deutlicher wird.

Payback time

Diane kann es zuächst einmal kaum fassen, als sie Rebecca und Gibbs eng umschlungen auf der Couch liegend am nächsten Morgen auffindet, was wiederum für weitere Spekulationen innerhalb der Behörde unter den dort Arbeitenden sorgt. Der Fall um das blutige Massaker hingegen nimmt derweil etwas Schwung auf, woran unter anderem Diane aufgrund ihrer Tätigkeit bei der Bundessteuerbehörde der USA großen Anteil hat, da sie nützliche Informationen für Gibbs und Co bereitstellen kann. Auf einmal ist es nämlich Rebecca, die in einem neuen Licht erscheint und den aktuellsten Beweisen zufolge ihre Hände bei der Ermordung der Menschen in dem Diner im Spiel hatte.

Eine Befragung von ihr (mitsamt ihres Seitensprungs, der nicht nur ihr Anwalt, sonder auch ihr Verlobter ist) ergibt nicht besonders viel, einzig, dass Rebecca keine Zweifel daran hat, dass jemand versucht, ihr etwas anzuhängen. Als dann eine Wanze in ihrem Mobiltelefon entdeckt und ihr Ursprung zurückverfolgt wird, ist klar, wer hinter all den Vorfällen steckt: der Terrorist Sergei Mishnev. Dieser hat nicht nur die ständige Beobachtung von Gibbs' Exfrauen in Auftrag gegeben. Über den Virus, den er von NCIS-ITler Kevin Hussein bekam, hat er auch Zugriff auf sämtliche Daten der Behörde erhalten und plant dementsprechend seine perfide Rache an Gibbs.

Checkmate

Die Toten in dem Diner stellen sich so als Reinszenierung des Todes der ehemaligen NCIS-Direktorin Jennifer Shephard (Lauren Holly) dar, die in einem identischen Szenario ums Leben kam. Der Fund einer weiteren Leiche erinnert an die Ermordung von Gibbs' altem Teamleiter und Mentor Michael Franks (Muse Watson), eine weitere Person, die für den Ermittler von großer Bedeutung gewesen ist und ihn geprägt hat. Mishnev arbeitet sozusagen Gibbs' persönliche Akte ab, um nicht nur einfache Rache an ihm zu nehmen, sondern ihm vor allem seelisch sowie psychisch Schaden zuzufügen.

Den wahren Hintergründen der Mordfälle auf der Spur: Bishop (Emily Wickersham) und Tony (Michael Weatherly) © CBS
Den wahren Hintergründen der Mordfälle auf der Spur: Bishop (Emily Wickersham) und Tony (Michael Weatherly) © CBS

Etwas unvorsichtig tappt Gibbs dann auch in eine Falle des Terroristen, deren Ausgang extrem tragisch ist. Mishnev hat es mitnichten auf Gibbs abgesehen, da er ihn noch weiter leiden sehen möchte. Also richtet er aus sicherer Distanz mit einem Scharfschützengewehr Diane mit einem präzisen Kopfschuss hin, der den Zuschauer geschockt zurücklässt. In Gibbs brodelt es, seine Betroffenheit ist deutlich spürbar, ebenso wie seine Wut auf Mishnev. Letzten Endes kann er seinen Widersacher zwar stellen (ein etwas übertriebener Alleingang, bei dem er Mishnevs Handlanger den Garaus macht, geht dem voraus) und beinahe zu Tode prügeln, wird dann aber doch von einem Schergen Mishnevs bewusstlos geschlagen. Der Terrorist entkommt erneut, hinterlässt jedoch zuvor noch eine Videobotschaft, in der er unmissverständlich zu verstehen gibt, dass sein Rachefeldzug noch lange nicht beendet ist.

Fazit

Mishnev als präsenter Antagonist tut der Serie gut, da er und seine Taten unverkennbare Spuren bei Gibbs und seinem Team hinterlassen. Der sonst eher beschwingte Gerichtsmediziner Palmer (Brian Dietzen) steht exemplarisch dafür, wie sehr ein weiterer Tod einer bekannten Figur das Team trifft. Gibbs selbst fühlt nicht anders, was Mark Harmon glaubwürdig und empathisch vermitteln kann. Niemand scheint vor Mishnev sicher zu sein, das Team lebt auf gefährlichem Fuß und die Sorgen, die dadurch entstehen, sind Gibbs anzusehen. Er tappt weiterhin im Dunkeln, welche Motivation Mishnev antreibt, der wiederum Vergeltung für seinen ermordeten Freund Ari Haswari sucht.

Mit Check gelingt den Machern so eine sehenswerte Episode, die gekonnt den Bogen zur übergreifenden Handlung der zwölften Staffel spannt und erneut durch Konsequenz besticht. Der Anruf von Fornell (Joe Spano) am Ende er Episode, ebenfalls ein Ex von Diane und ein guter Freund von Gibbs, lässt nun die Frage offen, ob wir diesen Charakter demnächst mal wieder zu sehen bekommen werden oder ob Mishnev bei diesem vielleicht sogar schon an seinem nächsten Racheplan schraubt. Neben den eher düsteren Aspekten von „Check“ gibt es aber auch zahlreiche stimmungsvolle Momentaufnahmen, in denen die einzelnen Darsteller überzeugen können. Dementsprechend kommt eine kurzweilige Episode mit guten Spannungsmomenten zusammen, die durchaus verheißungsvoll hinsichtlich des Ausgangs der Haupthandlung um Mishnev stimmt.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 8. Januar 2015
Episode
Staffel 12, Episode 11
(NCIS 12x11)
Deutscher Titel der Episode
Schach
Titel der Episode im Original
Check
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 6. Januar 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 15. März 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 13. März 2015
Autor
Steven D. Binder
Regisseur
Alrick Riley

Schauspieler in der Episode NCIS 12x11

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