NCIS 12x10

NCIS 12x10

Nach einer längeren Unterbrechung serviert uns NCIS mit House Rules die obligatorische Weihnachtsepisode für 2014. Diese hat jedoch einen sehr persönlichen Hintergrund, was sich im Aufbau der Handlung niederschlägt und einen letztendlich emotional vortrefflich abholen kann.

Die versammelte Hackergruppe zusammen mit Gibbs (Mark Harmon) und McGee (Sean Murray) in „House Rules“ / (c) CBS
Die versammelte Hackergruppe zusammen mit Gibbs (Mark Harmon) und McGee (Sean Murray) in „House Rules“ / (c) CBS

Als NCIS-Neueinsteiger hatte ich mich persönlich ja ein klein wenig vor der Weihnachtsepisode der aktuellen zwölften Staffel „gefürchtet“. Grund dafür war einfach die Annahme, dass die Serienmacher wohl gehörig Fanservice anbieten würden, Geschehnisse aus den vergangenen Staffeln referenzieren oder altbekannte Figuren einführen könnten, zu denen ich keinerlei emotionale Bindung habe.

Ironischerweise machen die Autoren des Crime-Procedurals genau das, was bisweilen - wohl selbst für eingefleischte Fans - ein wenig verwirrend sein kann. Dennoch: Die diversen Rückblicke in dieser Episode und der narrative Rahmen, den ein Brief von McGee (Sean Murray) an seinen schwer kranken Vater bildet, stellen sich als interessanter und letztendlich auch gelungenener Einfall heraus. Der Bogen zum eher unspektakulären Fall der Woche kann ebenfalls zufriedenstellend gespannt werden, wodurch House Rules trotz (oder gerade wegen?) eines mehr oder minder überraschenden und tragischen Endes eine sehr gute Verabschiedung des Formats in seine Winterpause ist.

No such thing as a coincidence

Wie bereits erwähnt bauen die Macher in „House Rules“ von Beginn an einen erzählerischen Überbau ein, zu dem wir immer wieder zurückkehren. McGee hat es sich in seinen vier Wänden bequem gemacht und schreibt einen Brief an seinen Vater, mit dem er ein eher spezielles Verhältnis hat. Doch ein gerade abgeschlossener Fall des „NCIS“-Teams hat dem technikaffinen Ermittler ein wenig die Augen geöffnet, warum McGees Vater ihn aus seiner Sicht vielleicht unfair behandelte und ständig Regeln sowie Vorschriften aufstellte. Manchmal braucht es einfach solche Richtlinien, die nicht nur als Orientierungspunkte, sondern gar als moralischer Kompass dienen können.

Dies wird vor allem auch in dem Fall der Woche deutlich, in dem ein großflächiger Ausfall des Internets rund um Washington, D.C. die Behörden in Alarmbereitschaft versetzt. Ein berüchtigter Hacker, der auf den Namen „Krampus“ (der Legende nach ein unangenehmer Begleiter des Nikolaus, der sich um die Kinder kümmert, die nicht so brav waren) hört, stellt eine große Gefahr dar. Er hat nämlich gesicherte E-Mails mit streng geheimen Informationen aus dem Regierungsapparat der USA stibitzt, welche nun an die Öffentlichkeit gelangen könnten.

Inmitten weihnachtlicher Dekoration: Abby (Pauley Perrette) und Gibbs (Mark Harmon) © CBS
Inmitten weihnachtlicher Dekoration: Abby (Pauley Perrette) und Gibbs (Mark Harmon) © CBS

Parenting strategies

McGee, der aufgrund des derzeitigen Gesundheitszustandes seines Vaters eigentlich überhaupt keine Nerven für diese Art von Kriminalfall hat, wird von Gibbs (Mark Harmon) schnell als führender Ermittler eingesetzt. Warum und weshalb, erschließt sich ihm jedoch erst beim Schreiben des Briefes an seinen Vater, als er sich immer wieder die diversen Regeln von Gibbs ins Gedächtnis ruft. Auch wenn diese vielleicht keinem geordneten System entsprechen oder ab und an etwas willkürlich von dem geradlinigen Teamleiter in den Raum geworfen werden - sie erfüllen immer einen gewissen Sinn und Zweck, der sich einem oft erst im Nachhinein eröffnet. Ganz ähnlich wie die zahlreichen Lektionen, die McGee von seinem Vater bekam.

Dass man sich an den verschiedensten Regeln von Gibbs entlanghangelt, um die Handlung voranzutreiben, wirkt gelegentlich so, als würde man die Geschichte überladen. Jedoch dient dieses Mittel dazu, erneut eine klare Vorstellung von den Charakteren und dem Credo des eingeschworenen „NCIS“-Teams zu bekommen, von denen ein jeder eine komplizierte Beziehung zu Vaterfiguren hat. Zu diesen gehört natürlich auch Gibbs selbst, der ganz genau weiß, wann er seine Ermittler fordern, unterstützen oder sogar aus der Schusslinie nehmen muss. Die Rückblicke selbst bereiten darüber hinaus auch sicherlich langjährigen Fans eine kleine Freude, da man altbekannte Gesichter (zum Beispiel die von Cote de Pablo gespielte Ziva) oder denkwürdige Momentaufnahmen zu sehen bekommt, die treue Zuschauer ohne Frage in Erinnerungen schwelgen lassen.

Make your own choices

So wie Gibbs eine Vaterfigur für seine Crew ist, so muss auch McGee in House Rules der Verantwortung einer solchen gerecht werden. Mir persönlich gefällt, dass Sean Murrays Figur hier etwas mehr als alle anderen Charaktere im Mittelpunkt steht. Dass gerade er sich um eine Bande von Hackern, darunter der ehemalige NCIS-IT-Fachmann Kevin Hussein (Ethan Rains) oder auch die bekannte Hackerin Heidi Partridge (Erin Allin O'Reilly), kümmern muss, raubt ihm den letzten Nerv - insbesondere in Anbetracht der angespannten Situation um seinen Vater.

Jedoch ist es auch gerade diese Drucksituation, die McGee einen gewaltigen Schritt in seiner persönlichen Entwicklung machen und schlussendlich verstehen lässt, warum Gibbs ihm diese Anstrengungen auftrug. Diese Art der thematischen Verknüpfungen und McGees Wachstum als Persönlichkeit gelingen hier sehr gut, was mitunter daran liegt, dass man mit der fortschreitenden Handlung gemeinsam mit ihm auf den Trichter kommt, warum er die unangenehme Verantwortung für drei verurteilte Hacker übernehmen muss.

Rule 51

Während das Team eifrig Hinweise bezüglich „Krampus“ sammelt, erhofft sich der technisch eher unbegabte Gibbs (eindrucksvoll von Bishop (Emily Wickersham) demonstriert) von diesem wertvolle Insiderinformationen, wie sie den Oberhacker stoppen können. Für McGee ist dies reine Zeitverschwendung. Zumindest so lange, bis am Ende klar wird, dass der teils vergötterte „Krampus“ ein widerlicher Perversling ist und Heidi, die ihn vorher noch schützte, seinen wahren Aufenthaltsort preisgibt. So sieht auch McGee, dass all der Aufwand alles andere als umsonst gewesen ist. Manchmal liegt man halt falsch, das muss man sich auch selbst einmal eingestehen können.

Gibbs (Mark Harmon) zusammen mit Bishop (Emily Wickersham) und Tony (Michael Weatherly) in %26bdquo;House Rules%26ldquo; © CBS
Gibbs (Mark Harmon) zusammen mit Bishop (Emily Wickersham) und Tony (Michael Weatherly) in %26bdquo;House Rules%26ldquo; © CBS

Das erkennt McGee wiederum auch, als ihm klar wird, warum sein Vater eine lebenswichtige Operation abgesagt hatte: um die Weihnachtszeit gemeinsam mit seiner Familie verbringen zu können. Der emotionale Tiefschlag folgt dann jedoch zum Ende, als geschieht, was so mancher Zuschauer wohl bereits erahnt hat. Es handelt sich zwar um einen Brief an seinen Vater, jedoch schreibt McGee diesen als Trauerrede, da sein Vater verstorben ist. Den Machern gelingt es hervorragend, ein Schleifchen um die Handlung von „House Rules“ zu machen und gleichzeitig dem einen oder anderen Zuschauer ein Tränchen zu entlocken.

Ich gebe es gerne ehrlich zu: Die finale Szene mit dem tieftraurigen McGee am offenen Sarg seines Vaters setzte auch mir gewaltig zu. Einerseits bin ich sehr empfänglich für derartige Momente und zum anderen haben die Autoren hier mit diesem gefühlvollen und alles andere als fröhlichen Schlusspunkt schlichtweg gute Arbeit abgeliefert.

Fazit

House Rules macht auf der erzählerischen und emotionalen Ebene so einiges richtig und bietet mit seinem tragischen Ende eine erfrischende Abwechslung zu einer vielleicht eher erwartbaren Weihnachtsepisode im klassischen Sinne an. In dieser würde nämlich am Ende ein rundum wohliges Gefühl vorherrschen. Natürlich gibt es auch einige leichte Momentaufnahmen, das traurige Episodenende hallt jedoch am meisten nach. Respekt an die Autoren für diese Entscheidung, die für mich durchaus überraschend kam.

Die wenigen Kritikpunkte sind vielleicht der eher beliebige Kriminalfall, die Fülle an Regeln, die einen eventuell ein wenig den Überblick verlieren lassen und die furchtbare Musikauswahl (tut mir Leid, vielleicht ist es passend für den Charakter, aber mit derartigem Weihnachtstechno werde ich einfach nicht warm) in den Laborszenen mit Abby (Pauley Perrette). Es sind jedoch eher Kleinigkeiten, die man hier als störend empfinden könnte und so ist „House Rules“ im Gesamtbild ein sehr gelungenes Mid Season-Finale der zwölften Staffel von NCIS, das vor allem emotional berühren kann.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 17. Dezember 2014

NCIS 12x10 Trailer

Episode
Staffel 12, Episode 10
(NCIS 12x10)
Deutscher Titel der Episode
Krampus
Titel der Episode im Original
House Rules
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 16. Dezember 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 8. März 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 6. März 2015
Autor
Christopher J. Waild
Regisseur
Terrence O'Hara

Schauspieler in der Episode NCIS 12x10

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