NCIS 12x09

Mit Grounded, der neunten Episode der zwölften Staffel von NCIS, präsentieren uns die Serienmacher diese Woche mit Blick auf den heutigen Feiertag eine kleine Thanksgiving-Episode. Diese kann durchaus unterhalten und hinterlässt insgesamt einen sehr soliden Eindruck. Vielleicht fehlt hier und da ein wenig der Schwung, was die Folge schlussendlich zu einer netten, aber nicht besonders spektakulären Einzelepisode macht, der man ihre Kurzweiligkeit jedoch nicht absprechen kann.
The elusive Jake
Nachdem der Auftritt von Bishops Ehemann Jake nun schon mehrere Male verschoben wurde und das NCIS-Team es kaum erwarten kann, diesen kennenzulernen, feiert nun Gastdarsteller Jamie Bamber (Battlestar Galactica, Law & Order: UK) seinen Auftritt als Anwalt in Diensten der NSA und Gatte der emsigen Ermittlerin Ellie Bishop (Emily Wickersham). Über die Einführung dieser Figur werden dann mitunter die großen Veränderungen im Leben von Bishop thematisiert, die ihr Leben als Drehstuhlsheriff bei dem amerikanischen Geheimdienst hinter sich gelassen hat und nun selbst voll ins Geschehen eingrieft. Das beinahltet auch, sich die Hände etwas schmutzig zu machen.
Diese Idee der Autoren ist eigentlich nicht schlecht, denn so erhält zum Beispiel der Charakter von Emily Wickersham etwas mehr Tiefe. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sie mit Jake ihr Liebesglück gefunden hat, jedoch ist auch bei diesen beiden nicht alles eitel Sonnenschein, seitdem Ellie die NSA verlassen hat. Früher konnten sie sich noch über die Ereignisse in der Behörde austauschen, nun kann Jake die vielen geheimen Informationen aus Sicherheitsgründen natürlich nicht mehr mit seiner Frau teilen.
So ergibt sich eine interessante Dynamik zwischen den beiden, die mit ein paar kleineren Problemen in ihrer Beziehung zu kämpfen haben. Da kommt ein kleiner Urlaubstrip auf die Turks- und Caicosinseln und eine gemeinsame Zeit mit Jakes Familie ganz recht, um ein wenig den Kopf frei zu bekommen. Tony (Michael Weatherly), der auf seinen Vater wartet und die beiden zufällig am Flughafen von Washington, D.C. trifft, erschließen sich derweil Pärchen überhaupt nicht. Hier schwingen mal wieder ein wenig Tonys Bindungsängste mit, doch er übernimmt in „Grounded“ mehr die Rolle des nonchalanten Sprücheklopfers, die Michael Weatherly bekanntermaßen wie auf den Leib geschneidert ist.

Chasing bad guys
Generell muss man anmerken, dass in dieser Episode zahlreiche lockerleichte Momente eingebaut sind, die einem immer wieder ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern können.
Seien es der etwas unbeholfene Jake, der sich sichtlich von Gibbs (Mark Harmon) irritieren lässt, der gefasste Teamleiter selbst, der sich letztendlich von Abby (Pauley Perrette) zu einem (aber nur einen!) Schneeengel hinreißen lässt, oder der sehr gut aufgelegte Weatherly. Bei diesem sind es seine amüsanten Kommentare (die Filmreferenzen, diese Woche „Chinatown“ - muss man einfach lieben) und gewieften Beobachtungen, die immer wieder für unterhaltsame Szenen sorgen. Dazu kommt noch Jimmys (Brian Dietzen) Verhalten ob seines bevorstehenden Vaterglücks. All diese Dinge machen „Grounded“ zu einer angenehmen und charmanten Folge.
Das gefällt mir persönlich an der Episode auch am besten, doch auch dem Fall der Woche kann ich einiges abgewinnen. Zu Beginn von „Grounded“ wird ein Air Marshall, der relativ sorglos seine Hotelzimmertür öffnet, von einem Mann umgebracht, der dem Toten täuschend ähnlich sieht. Der Mörder übernimmt dann auch dessen Identität und sorgt wenig später am Flughafen bei Bishop für einiges an Stirnrunzeln, da er ihr irgendwie bekannt vorkommt.
Needle in a haystack
Ein vorschnelles Einschreiten von DiNozzo und Bishop lässt die beiden dann ein wenig dumm dastehen. Doch während sie weiter am Flughafen von Washington, D.C. die Stellung halten, arbeiten Gibbs und Co im Büro nach wie vor fieberhaft an der Suche nach der wahren Identität des verdächtigen Air Marshalls. Eine Terrorwarnung, die für sämtliche Flughäfen im Nordosten der USA ausgesprochen wurde, setzt die Ermittler zusätzlich unter Druck.
Letztendlich stellt sich der Air Marshall als Hochstapler und gefährlicher Zeigenosse heraus. Dessen einzige Aufgabe war es, eine Waffe in den gesicherten Terminalbereich des Flughafens zu bringen. Nachdem ihm das gelungen ist, wird er erstochen auf der Herrentoilette von den Ermittlern aufgefunden - von seiner Waffe gibt es keine Spur. Diese hat sich sein Mörder unter den Nagel gerissen, der nun anscheinend aus Rache ein Attentat auf ein Mitglied eines kolumbianischen Drogenkartells plant. Die Zielperson des Mörders befindet sich via Flug aus London kurz vor der Ankunft in Washington. Also drängt die Zeit, den Auftragskiller unter den vielen grantigen und schlecht gelaunten Flugreisenden ausfindig zu machen, bevor es zum tödlichen Angriff auf den überführten Kriminellen kommen kann.
Aus einer „War on Terror“-Geschichte wird so eine weitaus interessantere Jagd nach einem unbekannten Killer, in der die Autoren immer wieder ein paar falsche Fährten einbauen und ihre Zuschauerschaft dazu anregen, selbst ein wenig mit zu grübeln. Auch der strukturelle Aufbau von Grounded gefällt gut, erinnert es doch schon fast an eine Art bottle episode. Bishop, Jake und Tony sitzen nämlich aufgrund des schneeigen Unwetters am Flughafen fest und nehmen dort die Geschicke in ihre Hände, während Gibbs und der Rest der Crew ihnen Informationen von außen zuspeisen.
Kind of a habit
Der Doktor, dem Tony zuvor noch Stil und Klasse attestiert hatte, stellt sich schlussendlich als Attentäter heraus und wird von dem gedankenschnellen Tony noch im entscheindenden Moment daran gehindert, seinen Auftrag zu erfüllen. Eigentlich findet die Episode dadurch einen stimmigen Abschluss. Bis auf ein paar Details (auch wenn der Ganzkörperscanner das Messer aus Kohlestofffaser nicht erkennen kann, sollte doch die darauffolgende Leibesvisitation dafür sorgen, dass „Doctor Dapper“ die Stichwaffe abgenommen wird) gibt es nicht viel an dieser Folge zu bemängeln. Dennoch will sie in meinen Augen nicht richtig zünden und so charmant und kurzweilig sie auch ist, hier und da fehlte vielleicht das gewisse Etwas, um mich vollkommen abzuholen und zu überzeugen.

Noch einmal positiv hervorheben möchte ich jedoch die Charakterarbeit, die in „Grounded“ betrieben wird. Wie Jake unmittelbar Zeuge davon wird, wie sich Ellie gewandelt hat und dass sich dementsprechend auch deren beider Beziehung verändert, ist sehenswert, ebenso wie die Figur der Ellie Bishop selbst, die erneut prominenter in den Vordergrund tritt. Hinzu kommen viele kleine Szenen, in denen neben Bishop vor allem auch DiNozzo eindrucksvoll zeigt, was für ein guter Ermittler er dank seiner deduktiven Fähigkeiten und geschickter Beobachtungsgabe ist. Diese Augenblicke gefallen und machen viel von den Charme von NCIS aus.
Fazit
„Grounded“ ist eine durchaus gefällige Episode von „NCIS“, in der die zwischenmenschlichen Beziehungen ein wenig mehr im Vordergrund als die kriminalistischen Ermittlungen des Teams stehen. Eigentlich stimmt die Balance zwischen diesen Aspekten, über den Status einer ordentlichen und guten Episode kommt „Grounded“ meiner Meinung nach aber nicht hinaus. Dies is jedoch nicht weiter wild, da diese Thankgsgiving-Folge reichlich Charme hat, die Figuren sehr sympathisch rüberkommen und man insgesamt sehr angenehme Fernsehunterhaltung geboten bekommt.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 27. November 2014NCIS 12x09 Trailer
(NCIS 12x09)
Schauspieler in der Episode NCIS 12x09
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