NCIS 12x07

Einigen Lesern wird allmählich klar sein, was ich mir von NCIS erwarte und welche Art von Episode des langjährigen Crime Procedurals mir am ehesten zusagt. Wie bereits mehrmals erwähnt, liegt mir viel an der Balance zwischen Fall der Woche und den Interaktionen der einzelnen Charaktere, was den Serienmachern in der zwölften Staffel des CBS-Formats meiner Meinung nach bis jetzt mal besser und mal weniger gut gelungen ist.
The Searchers gehört in meine Augen zweifelsohne zum ersteren, da hier nicht nur die Zusammenführung der Haupt- und Nebenhandlung stimmt, sondern auch das Gesamtbild einen sehr runden Eindruck hinterlässt. Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich persönlich doch recht empfänglich für klassischen Pathos bin, mit dem die Autoren in dieser Episode nicht gerade geizen. Jedoch kann ich darüber hinwegsehen, da zum einen die Handlung bei mir Interesse wecken konnte und zum anderen die Charakterdynamik zwischen dem stoischen Gibbs (Mark Harmon) und Neuling Bishop (Emily Wickersham) ein paar sehr gelungene Momente für den Zuschauer parat hält.
Managing your expectations
Bishop nimmt diese Woche eine etwas prominentere Rolle ein, wobei man sie keineswegs voll und ganz in den Mittelpunkt des Geschehens katapultiert. Vielmehr bekommt sie einen kleinen Nebenplot, der Hand in Hand mit dem eigentlichen Fall dieser Episode geht und gleichzeitig der Figur etwas mehr Raum zur Entfaltung gibt. Außerdem fabriziert er einen interessanten Austausch mit Teamleiter Gibbs.
Anstoß für diesen kleinen Zusammenstoß der beiden ist Bishops Bewertung ihrer Trainingsleistungen im Feld. Die junge Analystin fürchtet sich anfangs noch, den Umschlag mit Gibbs' Evaluation zu öffnen, doch Tony (Michael Weatherly) und McGee (Sean Murray) beruhigen sie erfolgreich, so dass sie einen Blick riskiert. Zu ihrer Freude hat sie ein famoses Ergebnis erzielt - deutlich besser als die Resultate ihrer Kollegen. Folglich verhält sie sich ein wenig so wie die Schulkameraden, die ein jeder hatte. Immer wieder gingen sie von den schlimmsten Noten aus und rieben einem letztendlich doch mit gespielter Bescheidenheit eine Eins mit Sternchen unter die Nase.
Doch anstatt eine simple Geschichte um Eifersucht zwischen den Teammitgliedern zu erzählen, gibt man dem Ganzen einen anderen Twist. Mallard (David McCallum) und Jimmy (Brian Dietzen), unwissend, dass Bishop eine sehr gute Bewertung bekommen hat, klären sie nämlich auf, dass Gibbs generell niedrigere Bewertungen gibt, um seine Ermittler zu fordern. Je niedriger deine Punktzahl, desto mehr Potential sieht er in dir. Bishop bekommt dementsprechend sehr schnell Selbstzweifel, die sich in der Folge auch auf ihre Arbeit als Ermittlerin auswirken. Das belastet wiederum schlussendlich die Arbeitsbeziehung zu Gibbs und wird generell überlegt in die übergreifende Handlung eingewoben.

The importance of friendship
Diese dreht sich um den verdienten Veteranen George Hawkins, der im Vietnam-Krieg diente und nun in seiner Garage erschossen aufgefunden wird. In dessen Hand finden die Ermittler ein dog tag, die Erkennungsmarke seines besten Freundes und squad leader CJ Kent aus dem Krieg gegen den Vietkong. Kent kam in einem Hinterhalt ums Leben und seine Leiche konnte nie geborgen werden. Hawkins versuchte mit allen Mitteln, die menschlichen Überreste seines alten Kumpanen ausfindig zu machen und wandte sich dafür auch an diverse Privatermittler. Doch warum er letztendlich sterben musste, erschließt sich dem „NCIS“-Team anfangs noch nicht wirklich.
Es ist hinlänglich bekannt, dass das Thema Vietnamkrieg eine klaffende Wunde in der amerikanischen Gesellschaft und einer Generation hinterlassen hat. Über ein paar kleinere Nuancen, beispielsweise die Videoaufnahmen von Hawkins, in denen er der Tochter von Kents Tochter von ihrem Großvater erzählt, wird diese Thematik angenehm unaufdringlich angerissen und ohne zu viel Schwülstigkeit behandelt.
This is how I honor him
Man kann jedoch auch nicht abstreiten, dass man hier und da ein wenig die Pathoskeule herausholt und man so wahrscheinlich gerade beim amerikanischen Publikum einige Treffer landen kann. Durch Gibbs' langjährigen Dienst beim Militär und Verständnis für den respektvollen Umgang mit Veteranen baut man zusätzlich eine kleine persönliche Ebene ein, die der Figur des kühlen Chefermittlers absolut gerecht wird. Trotz einiger sehr emotionaler Momente, die manch Zuschauer eventuell als ein wenig manipulativ empfinden könnte, habe ich doch den Eindruck bekommen, dass man in „The Searchers“ stets den richtigen Ton anschlagen kann, ohne übertrieben auf die Tränendrüse zu drücken.
Der Fall um den Mord an Hawkins ist erneut eine klassische Schnitzeljagd und die Auflösung eigentlich äußerst unspektakulär. Zwei Hochstapler wollten den Veteranen um sein Geld betrügen, indem sie ihm vortäuschen wollten, Informationen über den Aufenthaltsort der Leiche seines besten Freundes zu haben. Als Hawkins einen der beiden aufgrund dieses Schwindels konfrontierte, ließ sich einer der Betrüger zu einer Kurzschlussreaktion hinreißen und erschoss Hawkins. Der Täter der Woche wird hier aber bewusst nebensächlich behandelt, um sich doch angemessen und würdevoll dem Veteranenkult der USA zu widmen.
Dadurch erhält die Geschichte auch eine gewisse emotionale Tiefe, die einen durchaus rühren kann und somit der Suche nach Kents Leichnam Gewicht verleiht. So verschlägt es Gibbs und Tony letztendlich auch in den Vietnam, wo sie aufgrund Bishops unaufhörlicher Recherche Kents Grab ausfindig machen können. Dieser wurde von einem Vietnamesen begraben, der seine Eltern an den Vietkong verloren hatte, woraufhin Kent seiner Truppe den Befehl gab, diese angemessen zu beerdigen. Als Dank und, um ihn zu ehren, brachte der damals junge Vietnamese die Leiche Kents vor dem Vietkong in Sicherheit und trug ihn eigenhändig zu Grabe.
Prove yourself
Somit findet man einen sehr befriedigenden Schlusspunkt, der ohne viel Trara und ohne großen Kriminellen der Woche auskommt, was wiederum eine willkommene Abwechslung darstellt. Darüber hinaus kommt es noch zur finalen Aussprache zwischen Gibbs und Bishop, in der letztere ihren Chef ziemlich direkt angeht. Auch diese Szene gefällt mir gut, da hier die Karten offen auf den Tisch gelegt werden und gezeigt wird, dass beide Figuren eine starke Beziehung zueinander haben, auch wenn sie sich noch nicht so lange kennen, wie es zum Beispiel zwischen Gibbs und den anderen Teammitgliedern der Fall ist.

Gibbs gibt zu, dass er Bishop mit Samthandschuhen anfasst. Das jedoch nur, weil er sich so viele Sorgen um sie macht und nicht noch einen weiteren Verlust eines Teammitglieds verkraften kann. Harmon gelingt es vortrefflich, diese Seite seiner Figur wiederzugeben, genau wie es Wickersham gelingt, ihm energisch entgegenzutreten und genau die gleiche Behandlung einzufordern, die das restliche Team von Gibbs erfährt. Man bekommt beinahe schon den Eindruck, dass diese beiden eine Art Vater-Tochter-Beziehung verbindet und es ist gut, dass Gibbs sein Vertrauen letzten Endes doch in Bishop steckt. Er möchte sie nicht nur fördern, sondern vor allem auch fordern, da sie sich ihren Platz in seinem Team redlich verdient hat.
Fazit
Bei der Betrachtung von The Searchers musste ich einfach die eher auflockernden Elemente wie zum Beispiel Tonys komische Katzengeschichten oder die rasante Zusammenarbeit von Abby (Pauley Perrette), McGee und Jimmy ein wenig unter den Tisch fallen lassen. Der Fokus wird hier nämlich erfolgreich auf andere Dinge gerichtet, die diese Epsiode sehenswert und interessant machen.
Die Geschichte rund um Vietnam-Veteranen und die Traumata, die dieser Krieg bei vielen ausgelöst hat (anscheinend auch bei Doc Mallard, wie kurz angedeutet wird), wird gut und mit dem richtigen Maße an Respekt und Ehrerbietung abgearbeitet. Ein paar pathetische Szenen lassen sich zwar finden und wohl auch nicht vermeiden, doch die Macher wissen ganz genau, wie weit sie gehen dürfen, ohne zu schmalzig zu werden. Zusätzlich überzeugt die Dynamik zwischen Gibbs und Bishop, die ein paar starke Charaktermomente der beiden Figuren zur Folge hat. Dementsprechend habe ich nicht besonders viel an dieser gelungenen Episode auszusetzen.
Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 13. November 2014(NCIS 12x07)
Schauspieler in der Episode NCIS 12x07
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