NCIS 12x06

Das für mich persönlich größte Problem an der dieswöchigen NCIS-Episode Parental Guidance Suggested ist wohl, wie egal und extrem nebensächlich sich die Ermittlung von Gibbs und seinen Leuten hier anfühlt. Zugegeben, am Ende kriegt man noch ein wenig die Kurve, was vor allem an der unheimlichen Darbietung einer jungen Kinderdarstellerin liegt. Zuvor bekommen wir jedoch recht wilde und zweckmäßige Sprünge von Hinweis zu Hinweis serviert, die der Spannung der Folge nicht wirklich zuträglich sind.
Dafür bekommt Tony (Michael Weatherly) etwas mehr Raum zur Entfaltung, woran es erst einmal überhaupt nichts auszusetzen gibt. Der nonchalante Frauenheld kann Woche für Woche mit amüsanten Momenten dienen, dieses Mal sehen wir jedoch ein wenig hinter seine Fassade, was seine wahren derzeitigen Gefühle offenbart und den Charakter facettenreicher macht. Als langjähriger Fan des Formats kann man diesen Augenblicken sicherlich einiges abgewinnen, trotzdem konnte ich mich nicht dem Eindruck erwehren, dass „Parental Guidance Suggested“ im Gesamtbild ein wenig Struktur und Ordnung fehlt.
Balanced mind, balanced life
Vielleicht ist es auch nur reine Gewöhnungssache, dass „NCIS“ immer wieder Folgen einstreut, in denen man die Kriminalermittlungen getrost ignorieren kann und sich mehr auf die Figuren der NCIS-Crew konzentrieren sollte. Allgemein sollte aber der Anspruch sein, mehr als nur flüchtige Verknüpfungen zwischen diesen beiden Aspekten einzuweben. Davon profitiert die Folge zumeist im Gesamtbild, da ein etwaiger roter Faden schlichtweg mehr Sehvergnügen bereitet.
Die Art und Weise, wie man hier die Verbindung zwischen Tonys persönlichen Problemen und dem Mord an der Frau eines Navy SEALs herstellt - nämlich über die toughe ATF-Agentin Zoe Keates (Marisol Nichols), die Tony aus früheren Tagen kennt und ihn stark an seine verflossene Liebe Ziva (Cote de Pablo) erinnert - ist etwas weit hergeholt. Was das Aufeinandertreffen mit seiner ehemaligen Kollegin wiederum mit Tony macht, ist durchaus interessant und zeigt uns eine andere Seite des sonst so lockeren Ermittlers, der nicht wirklich in der Lage dazu ist, mit der Vergangenheit abzuschließen.

Moving on?
Um ihm herum finden seine Kollegen ihr Glück in trauter Zweisamkeit, was Tony scheinbar gar nicht zu stören scheint. Er genießt weiterhin sein Singledasein, doch während sich Bishop (Emily Wickersham) nicht für ein Partnerkostüm anlässlich Abbys (Pauley Perrette) Halloween-Party entscheiden kann, wird er leidvoll daran erinnert, dass ihm doch etwas beziehungsweise jemand in seinem Leben fehlt. In den bisherigen Folgen traf Tony bereits auf eine Frau mit ähnlichen Charakterzügen wie Ziva, FBI-Agentin Leia Pendergast (Stephanie Jacobsen). Zoe Keates steht der in nicht viel nach und löst bei Tony ebenfalls schmerzhafte Erinnerung aus.
Zwar bekommt man nicht den Eindruck, Tony könne am Ende der Episode endgültig mit dem Thema abschließen. Doch es ist durchaus eine gute Entscheidung, sich dieser Figur mal etwas ernsthafter zu nähern. Gleichzeitig ist es schon ein wenig auffällig, wie oft man bereits in dieser Staffel auf Ziva verwiesen hat, die hinsichtlich der übergreifenden Handlung um Terrorist Sergei Mishnev (Alex Veadov) womöglich noch eine nicht unbedeutende Rolle spielen könnte.
Safe place
So sehr ich der kleinen Geschichte um Tony sowie den wie so oft amüsanten Scharmützel unter seinen Kollegen (Bishops Verkleidung als Sandy aus „Grease“ als abschließender Höhepunkt) etwas abgewinnen kann, so sehr war ich etwas gelangweilt von dem Kriminalfall, der hier das NCIS-Team fordert. Der Mord an einer Psychotherapeutin, die mit einem Navy SEAL verheiratet ist und deren Leiche von ihrer Tochter entdeckt wird, lässt doch etwas zu wünschen übrig.
Die Auflösung des rätselhaften Totschlags nimmt einige Wendungen, die irgendwann aber den Eindruck machen, man wolle einfach zu viel des Guten. Den Anfang mach ein ehemaliger Soldat, der sich zahlreichen Terrornetzwerken hingezogen fühlt und den Navy SEAL sowie dessen Film ganz oben auf die Hitlist seiner hetzerischen Website gepackt hat. In Wirklichkeit ist er aber schon längst inhaftiert, und seine Website wird vom ATF genutzt, um weitere Terroristen zu schnappen, woraufhin Gibbs und Co. eine neue Fährte ausmachen müssen.
Dann tritt ein Nachbar des Mordopfers in Erscheinung, der sich bei ihr in psychiatrischer Behandlung befand und kurz zum Verdächtigen wird, dann den Ermittlern jedoch Hinweise bezüglich des Ehemanns der Ermordeten gibt. Zuvor stattete man noch einem Soziopathen und ehemaligen Patienten des Opfers einen Besuch ab, der lebenslang hinter Gittern sitzt und schwammige Andeutungen macht, dass hinter diesem Mord ein weitaus schlimmeres Monster als er selbst stehen könnte. Ganz großes Interesse an dieser sehr sprunghaften Schnitzeljagd stellt sich hier bei mir nicht wirklich ein, obwohl ich gerne zugebe, dass mir Bronson Pinchot („True Romance“, „Beverly Hills Cop“) als verrückter Kannibale ein paar Schauer einjagen kann und in dieser kleinen unheimlichen Nebenrolle überzeugt.

Sweet little girl
Zumindest am Ende kann man noch für einen weiteren Twist sorgen, der an und für sich gelingt, den einen oder anderen aber sicherlich weniger überraschen wird. Die Tochter des Mordopfers, um die sich Gibbs in einigen liebenswerten Szenen kümmert, aber die gleichzeitig auch etwas seltsam anmutet, entpuppt sich als jener Soziopath, von dem der weggesperrte ehemalige Patient ihrer Mutter berichtete. Ein wenig ungläubig habe ich diese finale Enthüllung schon aufgenommen. Das kleine Mädchen verhielt sich zwar etwas komisch, da sie für mein Verständnis angesichts des Todes ihrer Mutter weitaus verstörter hätte sein müssen, doch die große Überraschung, dass sie eine psychopathische Killerin ist, die ihre Mutter satt hatte und vernarrt in ihren Vater ist, hinterlässt einen seltsamen Nachgeschmack.
Jungdarstellerin Millie Bobby Brown möchte ich aber noch ein kleines Kompliment machen, denn gerade ihre Darbietung am Ende ist überzeugend und sehr unheimlich. Dabei bekommt man fast den Eindruck, sie würde es genießen, diesen kleinen kranken Geist porträtieren zu dürfen, und so spielt sie ihren wesentlich älteren Gegenüber Mark Harmon ein wenig an die Wand. Dies ist definitiv ein Pluspunkt der Episode, die insgesamt solide ist, jedoch gerade hinsichtlich des Kriminalfalls der Woche nicht genug anbieten kann, um mich komplett positiv zu stimmen.
Fazit
Wieder einmal bekommen wir mit Parental Guidance Suggested eine Episode serviert, in der die persönliche Geschichte eines Teammitglieds, in diesem Falle Tony, für mehr Interesse sorgen kann als die austauschbaren Ermittlungen der Crew. Für die Zukunft würde ich mir wieder etwas mehr Kohärenz zwischen den verschiedenen Aspekten der Episoden wünschen. Hervorzuheben sind in dieser Episode aber einige schauspielerische Leistungen sowie die Thematisierung von Tonys Ballast, den er nach wie vor mit sich herumträgt. Es würde nicht verwundern, wenn diese Geschichte in der zwölften Staffel noch weitergesponnen wird.
Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 31. Oktober 2014(NCIS 12x06)
Schauspieler in der Episode NCIS 12x06
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